«Dimensionen wie bei Watergate» – Interview mit Michael Buback

10

Deckte der Verfassungsschutz die Mörderin von Generalbundesanwalt Siegfried Buback? Im Prozess gegen die RAF-Terroristin Verena Becker bestätigte sich ein Verdacht. (Auszug aus der aktuellen COMPACT-Spezial | Politische Morde, hier zu bestellen)

_ Michael Buback im Gespräch mit Jürgen Elsässer

Herr Professor Buback, Sie haben zahlreiche Hinweise gefunden, wonach die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker am 7. April 1977 in Karlsruhe die tödlichen Schüsse auf Ihren Vater abgegeben hat. Welche Indizien weisen darauf hin?

Ich sollte vorausschicken, dass wir uns mit dem Verbrechen erst befasst haben, nachdem uns von Mängeln bei den Ermittlungen berichtet worden war. Wichtige Indizien sind: Vier Wochen nach dem Attentat wurden Frau Becker und als weiteres RAF-Mitglied Günter Sonnenberg nach einer Schießerei mit der Polizei in Singen verhaftet. Sie hatten die Waffe bei sich, mit der in Karlsruhe die tödlichen Schüsse abgegeben wurden, sowie einen Schraubendreher genau des Typs, wie er im Werkzeug-Set des Suzuki-Tatmotorrads fehlte.

Politische Morde Compact Spezial 19

COMPACT-Spezial 19 | Politische Morde jetzt am guten Kiosk oder hier zu bestellen

Der Besitz dieses Schraubendrehers ist für mich wie ein Kainsmal, als Tatindiz fast noch stärker als der Besitz der Tatwaffe.

Warum?

Eine Schusswaffe könnte vom eigentlichen Schützen an das Duo Sonnenberg / Becker weitergegeben worden sein, obwohl es dafür keinen Hinweis gibt. Bei einem Schraubendreher würde das keinen Sinn machen. Hinzu kommt, dass dieser Schraubendreher nicht einzeln erworben werden kann, wie mir ein Suzuki-Händler bestätigte.

Und der dritte wichtige Hinweis?

Es gibt ein Dokument des Bundeskriminalamtes, in dem steht, dass ein Haar in einem der beiden Täter-Motorradhelme identisch ist mit einem Haar aus der Haarbürste, die nach der Festnahme von Frau Becker sichergestellt wurde und in der sich ihre Haare befanden.

Das Mädchen auf dem Motorrad

Damit ist der Fall doch eigentlich ziemlich eindeutig, oder?

Das kann man so sehen. Ein Problem ist, dass das zugrunde liegende Haargutachten, auf das sich das BKA-Dokument stützte, nach Angaben der Ermittler nicht existiert. Andererseits hat der damalige BKA-Präsident Horst Herold bestätigt, dass er kürzlich mit dem BKA-Beamten, der das Dokument verfasst hat, gesprochen habe und dieser versichert habe, dass ihm das Haargutachten vorgelegen haben muss, als er diesen Eintrag machte.

Unterstützen Sie unseren unabhängigen Journalismus mit einem Spezial-Abo (hier klicken)!

Können Sie sich neben den materiellen Indizien auch noch auf Zeugen stützen?

Es gibt über 20 Zeugen, die meinen, eine Frau auf dem Rücksitz des Motorrads erkannt zu haben, darunter sind alle Augenzeugen des Attentats. Auch habe der als RAF-Terrorist verurteilte Christian Klar im Gefängnis gegenüber zwei Zeugen, wie diese im Prozess aussagten, Verena Becker als Karlsruher Schützin bezeichnet. Außerdem gibt es eine Selbstbezichtigung von Frau Becker. Das erklärte jedenfalls ein emeritierter Professor der Berliner Humboldt-Universität, dem es ein Kollege anvertraut hat, der rechtskräftig als RAF-Unterstützer verurteilt worden ist. Diesem Kollegen gegenüber habe Frau Becker die Tat eingeräumt. (Ende des Auszugs; weiterlesen in der aktuellen COMPACT-Spezial | Politische Morde, hier zu bestellen)

Über den Autor

Online-Autor

 

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln. Kommentare sind nur innerhalb von 24 h nach Veröffentlichung des Artikels möglich.

Empfehlen Sie diesen Artikel