Der frühere Chefstratege von Donald Trump, Steve Bannon, will mit seiner Stiftung The Movement zur Europawahl 2019 die rechte Revolution organisieren. Zur Finanzierung setzt er nicht nur auf Spenden, sondern beabsichtigt auch, einen eigenen Krypto-Coin auf den Markt zu bringen.

    Im März dieses Jahres trat Bannon bei einer Veranstaltung der Weltwoche in Zürich auf (wo er am Rande auch ein längeres Gespräch mit AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel führte. Bannon soll die Schweizer Finanzmetropole nicht zufällig für seinen Auftritt ausgewählt haben – sie gilt als Hochburg für Firmen, die sich die sich im Bereich der Kryptowährungen engagieren. Auch der ehemalige Breitbart-Chef ist ein Anhänger des digitalen Geldes.

    Das wurde auch bei seiner Rede deutlich: Er beschuldigte Zentralbanken, Regierungen und Großkonzerne, die Rechte der Normalbürger zu beschneiden und sie zu gläsernen Menschen am Tropf der Hochfinanz zu machen – und damit zu Sklaven des politischen Establishments. Kryptowährungen, so Bannon in Zürich, seien ein wichtiges Werkzeug, um den Zentralbanken die Macht zu nehmen und sie den Bürgern zurückzugeben. Für den Amerikaner hat die Sache also auch eine politische Dimension.

    Was sind Kryptowährungen?

    Für den Normalbürger sind Kryptowährungen immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Der Bitcoin war nicht nur die erste, sie ist auch heute noch die wohl bekannteste der digitalen Währungen. Ein Japaner namens Satoshi Nakamoto soll den Bitcoin 2009 in Umlauf gebracht haben. Dessen Identität ist aber nicht eindeutig geklärt. Anders als bei physischen Währungen erfolgt die Geldschöpfung hier nicht durch eine Notenbank, sondern über ein spezielles und stark verschlüsseltes Computerprogramm. Die Verschlüsselung soll die Zuordnung zu einem Eigentümer garantieren, aber auch sicherstellen, dass Geldeinheiten nicht mehrfach ausgegeben werden können.

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    Transaktionen mit Bitcoins werden über die sogenannte Blockchain, einer allen Teilnehmern zugänglichen Datenbank, realisiert. Man kann diese neue Technologie auch als einen digitalen Kontoauszug betrachten: In den miteinander verketteten Datenblöcken (Chain: Engl. für Kette) sind alle jemals getätigten Transaktionen abgespeichert und öffentlich einsehbar.

    Nach Ansicht der Kryptofans macht dies die Technologie besonders sicher und gleichsam transparent wie anonym. Es gibt aber auch Risiken: Irrtümliche Überweisungen können nicht mehr rückgängig gemacht werden – und wer sich seine Daten stehlen lässt, erleidet Totalverlust. Aufbewahrt werden die digitalen Münzen in sogenannten Wallets, also „Geldbörsen“, etwa als App auf dem Handy. Die Wallets werden benötigt, wenn Verbraucher die von ihnen gekauften Produkte mit Kryptogeld bezahlen wollen.

    Neue Coins werden in der Regel mit einem sogenannten Initial Coin Offering (ICO) auf den Markt gebracht. Der Begriff ICO angelehnt an den des Initial Public Offerings (IPO), dem englischen Ausdruck für den Börsengang einer Aktiengesellschaft. Anders als bei einem IPO werden bei einem ICO allerdings nicht Unternehmensanteile angeboten und verkauft, sondern digitale Einheiten von Kryptowährungen erzeugt.

    Bullen und Bären

    Anleger können in solche ICOs investieren. Sie erhalten im Gegenzug sogenannte Tokens, die dem Wert einer Kryptowährung entsprechen. Der Kaufpreis muss in der Regel in virtueller, manchmal jedoch auch in gesetzlicher Währung entrichtet werden. Der Wert eines Tokens kann, wie bei einer Aktie, steigen oder fallen. Ob hinter dem jeweiligen ICO ein unternehmerisch tragfähiges Konzept steckt, ist für Außenstehende oft schwer zu durchschauen. Das macht diese Form der Geldanlage in vielen Fällen besonders spekulativ.

    Insbesondere der Wertzuwachs des Bitcoin hatte eine regelrechte Goldgräberstimmung ausgelöst. Bei seiner Entstehung im Jahr 2009 entsprachen dem Gegenwert eines Bitcoin nur wenige Cent, doch 2017 kam der große Durchbruch: Innerhalb eines Jahres kletterte die digitale Währung von rund 800 US-Dollar (Januar) auf das bisherige Allzeithoch von 19.783 US-Dollar (18. Dezember) – das bedeutet eine Steigerung von knapp 2.500 Prozent.

    Mit dem Boom war es aber schon in den darauf folgenden Monaten wieder vorbei: Der Bitcoin stürzte im Februar 2018 um 65 Prozent auf unter 7.000 US-Dollar ab. Derzeit liegt der Kurs bei 6.383,45 US-Dollar (06.09.2018). Seit seinem Bestehen erreichte die Kryptowährung laut einer Studie der ETH Zürich viermal einen sogenannten Blasenzustand, und immer ist der Kurs dabei zurückgegangen.

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    Darüber, wie es mit dem Bitcoin weitergehen wird, gibt es sehr unterschiedliche Prognosen. Tom Lee, Analyst bei Fundstrat, hält es für realistisch, dass der Kurs bis Ende des Jahres noch einmal einen Rekordwert erreicht und auf über 20.000 US-Dollar steigen könnte. Andere Experten sind da weitaus skeptischer, manche sagen sogar einen weiteren Absturz voraus. Oft hat man den Eindruck, die Prognosen sind wie Kaffeesatzleserei. Lee beispielsweise beruft sich bei seiner Voraussage auf den New Yorker MSCI-Index, der überhaupt nichts mit Digitalwährungen zu tun hat. Der Fundstrat-Analyst will allerdings eine Korrelation zwischen diesem Index und dem Bitcoin-Kurs erkannt haben. Das kann man glauben – oder auch nicht.

    Bannons „Deplorables“

    Wie das Magazin Wired kürzlich berichtete, ist Steve Bannon von den digitalen Coins und ihrer politischen Dimension so überzeugt, dass er nun nicht nur in Brüssel eine Stiftung namens The Movement gründen will, um zuwanderungskritische und sogenannte populistische Kräfte in Europa zu unterstützen, sondern auch eine Kryptowährung schaffen möchte, mit der unter anderem die Finanzmittel für seine Bewegung generiert werden sollen.

    Laut einem Mitarbeiter des umtriebigen Medienspezialisten soll die neue digitale Währung „politischen Aktivismus abseits des Establishments“ belohnen und den Namen „Deplorable“ tragen – eine Anspielung auf eine Aussage Hillary Clintons im letzten US-Präsidentschaftswahlkampf, die Trumps Anhänger als „deplorables“, als Bedauernswerte, tituliert hatte.

    Ungewöhnlich ist diese Aktion für einen Amerikaner nicht, denn in den USA gibt es entsprechende
    Coins auch schon von Burgerketten, Erotikanbietern und sogar Zahnärzten – ob dahinter jeweils ein tragfähiges ökonomisches Konzept steckt, ist, wie sich an den Beispielen ersehen lässt, oft fraglich. Den Beweis, dass es bei ihm und seiner Kryptowährung anders ist, muss Bannon antreten. Spannend ist die Sache auf jeden Fall.

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