Gegen die staatliche Alterssicherung: Das derzeitige Modell bringt den Rentnern nichts und belastet die Fleißigen. Es folgt ein Auszug aus dem Artikel „Die Rentenlüge“, ungekürzt in der neuen COMPACT 8/2018 (bestellbar hier) – am guten Kiosk!

    _ von Prof. Jörg Meuthen

    Fakt ist, dass der sogenannte kleine Mann, der einfache Arbeitnehmer mit einem ganz normalen Durchschnittseinkommen, in diesem Land – die derbe, aber durchaus angemessene Wortwahl bitte ich zu verzeihen – verarscht wird bis zum Gehtnichtmehr. Und zwar gerade von jenen Linken, die vorgeben, sich für sein Wohlergehen und seine Interessen einzusetzen, ihm aber in ihrer kleptokratischen Gier das letzte Hemd nehmen.

    Die meisten in die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) einzahlenden Menschen, das sind in Deutschland derzeit 37,6 Millionen, dürften davon ausgehen, dass sie als Einzahlung in das System ihren Arbeitnehmerbeitrag entrichten und dafür später als Auszahlung eben ihre Altersrente beziehen. Und es wird ihnen suggeriert, damit erhielten sie eine gute Versorgung, die der Staat durch das Rentenversicherungssystem ihnen biete.

    Daran ist so ziemlich alles falsch. De facto zahlt ein Arbeitnehmer Monat für Monat gleich dreifach in das Rentenversicherungssystem ein. Neben seinem ausgewiesenen Arbeitnehmerbeitrag zahlt er natürlich auch faktisch den Arbeitgeberbeitrag. Denn gäbe es diesen nicht, wäre logischerweise der Lohn für seine Arbeitsleistung, von dem ja der Arbeitgeberanteil entrichtet wird, entsprechend höher. Also trägt auch diesen Teil der Arbeitnehmer, nämlich durch entsprechenden Lohnverzicht. Weiß jeder, der sich je etwas eingehender mit der Materie befasst hat.

    Der Fiskus als Krake

    Doch damit keineswegs genug. Es kommt hinzu, dass der mit weitem Abstand größte Posten im Bundeshaushalt die Bezuschussung des Bundes an die Rentenversicherung ist. Gut 98 Milliarden Euro, das sind aktuell rund 30 Prozent des gesamten Bundeshaushaltes, werden benötigt, um alle Ausgaben des Rentenversicherungssystems leisten zu können. Das heißt im Klartext: Der Arbeitnehmer zahlt natürlich auch noch mit seiner entrichteten Lohnsteuer in das Rentenversicherungssystem ein.

    Und von dem Geld, das ihm dann noch im Geldbeutel verbleibt, zahlt er immer noch weiter ein. Mit jedem Einkauf im Supermarkt oder Baumarkt, mit jeder Befüllung seines Autos mit Benzin bedient er die laufenden Auszahlungen aus der Rentenversicherung. Und zwar nicht mit Kleckerbeträgen. Einmal beispielhaft: Verdient ein Arbeitnehmer 3.000 Euro brutto, zahlt er aktuell 280 Euro Arbeitnehmeranteil in die GRV ein.

    AfD-Bundesvorsitzende Prof. Jörg Meuthen Foto: picture alliance / SvenSimon

    Hinzu kommen weitere 280 Euro Arbeitgeberanteil, die der Arbeitnehmer gar nicht erst sieht, die aber natürlich Lohnbestandteil sind. Macht zusammen bereits 560 Euro. Er entrichtet darüber hinaus aber auch 425 Euro Lohnsteuer. Von diesen fließen rund 54 Euro in den Bundeszuschuss zur Rentenversicherung, den Anteil aus dem sogenannten Solidaritätszuschlag noch nicht mitgerechnet. Bereits damit entrichtet er rund 612 Euro monatlich in das bestehende GRV-System.

    Kauft er nun von dem ihm verbleibenden Nettoeinkommen Güter des alltäglichen Lebensbedarfs, kommen erkleckliche weitere Beträge hinzu. Betankt er etwa sein Auto an der Tankstelle mit 40 Liter Super bei einem unterstellten Benzinpreis von 1,50 Euro, zahlt er, ohne es zu merken, über Energie- und Mehrwertsteuer fast zehn weitere Euro in das Rentensystem ein. Fährt er dann mit dem betankten Auto zum Baumarkt und ersteht dort Waren zu einem Nettopreis von 150 Euro, hat er bereits die nächsten 4,60 Euro für die Rente bezahlt.

    Im Supermarkt geht es dann weiter. Alles zur Freude des Finanzministers hübsch unmerklich. Nur mit akribischer Führung eines Haushaltsbuchs und tieferer Kenntnis der Steuerverteilung auf die gebietskörperschaftlichen Ebenen – wer weiß denn sowas schon? – könnte der Michel die tatsächliche vollständige Summe seiner Einzahlungen in das Rentensystem ermitteln.

    Was er ganz gewiss nicht tut. Er geht stattdessen regelhaft davon aus, seinen Arbeitnehmerbeitrag – von im kleinen Beispiel – 280 Euro zu entrichten, und das war es dann. Und erhofft nun daraus eine spätere Rentenzahlung mit einer fairen kleinen Verzinsung, mindestens jedoch bei durchschnittlicher Lebenserwartung eine Rückzahlung seiner geleisteten Einzahlungen. Die bekommt er aber nicht. Es ist ein lausig schlechtes Geschäft, das er da macht.

    Das Rentenniveau sinkt

    Nicht zufällig werden all die Diskussionen um das garantierte Sicherungsniveau geführt, denn auch nur die Sicherung des bestehenden bereits sehr niedrigen Niveaus von 47,5 Prozent führt bis zum Jahr 2029 zu Ausgabensteigerungen, die innerhalb des bestehenden Systems nicht zu halbwegs akzeptablen Belastungen der Beitragszahler aufgefangen werden können, von höheren Leistungsniveaus wie den gerne als Ziel genannten 50 Prozent ganz zu schweigen.

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    Schon heute bekommt der vielzitierte Eckrentner nach hypothetischen 45 Beitragsjahren auf Basis des Medianeinkommens gerade einmal eine Bruttorente von 1.370 Euro (vor Abzug von 11 Prozent Sozialabgaben). Es liegt dann auf der Hand, dass Millionen Menschen, die weder dieses Durchschnittseinkommen im Erwerbsleben erzielt haben, noch es auf die vollen Beitragsjahre bringen, weil unterbrochene Erwerbsbiographien heute längst eher die Regel denn die Ausnahme sind, sehr erheblich unter diesem bereits kritischen Rentenniveau liegen und in nicht geringer Zahl auf Rentenhöhen kommen, die die jedem gewährte Grundsicherung im Alter nicht oder nur marginal überschreiten.

    Mit vollem Recht fragen sich diese Menschen, die viele Jahrzehnte unter oft alles andere als einfachen Bedingungen geschuftet und in die Rente eingezahlt haben, ob die beklagenswert geringe Differenz zur Grundsicherung, wenn sie die überhaupt erreichen, ihre jahrzehntelangen Beiträge denn rechtfertigt. Alles, was recht ist, aber wer derlei sozial gerecht nennt, ist entweder nicht mehr ganz bei Trost oder aber ausgesprochen zynisch.

    (Ende des Auszugs, der ganze Artikel steht hier)

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