„Die Politik liefert Alte und Kranke ans Messer“ – Erfahrungsbericht einer Pflegerin

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Die gelernte Krankenschwester Anja Tobias ist seit über 27 Jahren in der Fürsorge tätig. Als selbstständige Seniorenbetreung in Leipzig, arbeitet sie mitten in den Brennpunkten Altersarmut und Pflege. „Ich halte meinen Mund nicht, das habe ich noch nie“, schreibt sie COMPACT.

_von Anja Tobias

Bin ich eine Krankenschwester oder eine kranke Schwester? Da wird geredet und geredet über die Mißstände in der Pflege und mir dreht sich der Magen um. Es soll Verbesserungen geben in der Entlastung der Pflegenden, Pflegekräfte sollen aufgestockt werden, alles wird besser… Wer das glaubt , ist geistig umnachtet.

Die Pflege ist und bleibt ein Skandal, seit Jahren. Bisher hat das kein Schwein interessiert. Das Pflegestärkungsgesetz hat einiges verschlimmert, aber nicht den Profit der Pflegekonzerne. Die Altersarmut ist gestiegen, die Krankheiten Krebs, Demenz, chronisch-obstruktive Bronchitis (COB) usw. sind vehement verbreitet, und wir schauen zu. Die traditionelle Pflege zu Hause wurde weitgehend abgeschafft, und alles wird dafür getan, dass sich die Menschheit dezimiert.

Einem Bericht ist zu entnehmen, dass „Migranten“ in der Pflege eingesetzt werden sollen, also Billiglöhner. Aha, da haben wir den Knackpunkt, das soll also die Verbesserung in der Pflege sein? Das Fazit wird lauten, dass Einrichtungen, die diesen Unfug mitmachen, dafür Geld kassieren und kleine Unternehmen, die das nicht mitmachen, sanktioniert, also kaputt gemacht werden. Der Staat und die Gesellschaft hatten noch nie Interesse an der Verbesserung im Pflegebereich. Zu Hause menschenwürdig betreuen und pflegen ist kaum möglich, also abschieben ins Heim.

Angemerkt sei, dass 80 Prozent der Alten im ersten halben Jahr nach Einzug in eine Pflegeeinrichtung sterben. Das ist furchtbar und menschenverachtend! Zumal die Pflegeplätze mittlerweile unbezahlbar sind. Also, wie werden die Alten und Pflegebedürftigen noch schneller abgeschafft? In dem man das Ganze ignoriert, Polemik verbreitet und Migranten in die Pflege steckt. Billiglöhner sind in den Pflegebunkern willkommen und das einheimische Pflegepersonal, welches eh schon überlastet und unterbezahlt ist, wird arbeitslos.

Auf der Straße wird vergewaltigt, gemessert und gemordet. Reicht das noch nicht? Warum dann nicht auch im Altenheim? Die Schutzbedürftigen sind diesem Wahnsinn schutzlos ausgeliefert. Jetzt ist es unsere Aufgabe, die Alten, Kranken und Pflegebedürftigen zu schützen und die Pflege zu Hause zu stärken. Das Thema Pflege und der Schutz der Bedürftigen ist ein wichtiges Thema, um auf die Straße zu gehen!!! Steht auf und unterstützt mich in diesem Bereich. Die Alten und Pflegebedürftigen gehören in die Mitte der Gesellschaft!

Ich bin keine kranke Schwester, ich bin eine Krankenschwester, der die ihr anvertrauten Menschen am Herzen liegen und die ihren Beruf aus Berufung macht. Mein Motto: Wir können ihren Tag nicht verlängern, aber wir können ihn verschönern, zu Hause in gewohnter Umgebung.

Herzlichst, Schwester Anja

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