Geschichte wiederholt sich: Vor 63 Jahren standen sich die Mannschaften zweier Völker gegenüber, die sich zuvor erbittert bekriegt hatten: Deutschland gegen Russland.  Und auch heute stricken Politik und Medien an dem Feindbild eines Land, das erneut die Fußball-WM ausrichtet. Ein Auszug aus unserem COMPACT-Spezial «Nationalsport Fußball» gibt einen spannenden Einblick in die turbulente Geschichte:

    An einem Sommertag in Moskau

    Wird es ein brüllend heißer Sonntag mitten im Kalten Krieg sein, wenn der Fußball die Völker wieder zusammenbringt? Was wir uns für die WM 2018 wünschen, ist schon einmal gelungen: Als die Mannschaften der Bundesrepublik und der Sowjetunion zum ersten Mal nach 1945 aufeinander trafen. Ein Zauber erfasste die Menschen, die sich noch wenige Jahre zuvor bis aufs Blut bekämpft hatten.

    Zehn Jahre nach dem großen Schlachten

    Von beiden Seiten pflegten die Hinterbliebenen die Gräber ihrer Toten und wussten: Das waren die anderen gewesen. Wie sollte da ein Freundschaftsspiel zwischen Fritz und Ivan stattfinden – nur zehn Jahre nach dem großen Schlachten? Es bestanden ja noch nicht einmal diplomatische Beziehungen zwischen den zwei Staaten – und zum Ärger Moskaus war die BRD auch noch erst vor wenigen Monaten in die NATO eingetreten! Das Auswärtige Amt in Bonn lief Sturm gegen die Begegnung, der amerikanische Sender RIAS in Westberlin verweigerte die Übertragung. Doch Kanzler Konrad Adenauer, ansonsten ein scharfer Redner gegen die «Soffjets», behielt kühlen Kopf: Das Spiel fand statt.

    Und dann das Unglaubliche: Unsere Mannschaft und die Schlachtenbummler wurden in Moskau mit offenen Armen empfangen. Alle Augenzeugen berichten übereinstimmend: Die Herzlichkeit der Russen war überwältigend. Bundestrainer Sepp Herberger fasste zusammen: «Am stärksten beeindruckt hat mich die große Gastfreundschaft der Russen. Wir bringen also aus Moskau die Erinnerung an so schöne Tage des Zusammenseins mit russischen Sportkameraden. Und wir freuen uns, wenn die Russen zu uns kommen, Gleiches mit Gleichem vergelten zu können.» Torwart Fritz Herkenrath ergänzte: «Von Kriegsgegner oder Hass gegen Deutschland ist also in dem Umfeld der Nationalmannschaft überhaupt nichts zu spüren gewesen.»

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    COMPACT-Spezial Nationalsport Fußball
    COMPACT-Spezial Nationalsport Fußball

    Im Vorfeld hatte das Spiel für erbitterte Diskussionen in Westdeutschland gesorgt. «Der Russe» war schon damals das Feindbild, an dem die amerikanische Propaganda mit Hilfe früherer NS-Journalisten in der von den NATO-Alliierten lizensierten BRD-Presse eifrig strickte. Und es war ja nicht nur Propaganda: Die von Rotarmisten 1945 vergewaltigten Frauen gab es tatsächlich, die Demontage von Industrieanlagen östlich der Elbe hatte wirklich stattgefunden – und erst jüngst, am 17. Juni 1953, waren es sowjetische Panzer gewesen, die auf der Stalinallee in Ostberlin gegen streikende Arbeiter gerollt waren. Und musste nicht auch in den Seelen der Russen immer noch Hass lodern, nachdem über 20 Millionen der Ihren im Zweiten Weltkrieg getötet worden waren – von Kugeln und Bomben, abgefeuert und geworfen von deutschen Soldaten?

    Putin wird verteufelt wie damals Stalin, mit Hitler gleichgesetzt

    Was damals möglich war – als in der Bundesrepublik noch ehemalige Nazis in Amt und Würden waren und in der UdSSR noch beinharte Bolschewisten aus Stalins Kader an der Macht –, erscheint heute wie ein Traum aus glücklicheren Tagen. Obwohl unsere Nachbarn den Kommunismus abgeworfen, Marktwirtschaft und ein Mehrparteiensystem zugelassen und eine Rechristianisierung eingeleitet haben, wird Staatsführer Wladimir Putin im Westen genauso verteufelt wie Stalin oder – das zieht immer – hemdsärmelig mit Hitler gleichgesetzt.

    Kann man einem Riesenvolk, das diesen Mann im März 2018 mit 77 Prozent Zustimmung im Amt bestätigt hat, mit einem derartigen Hochmut entgegentreten? Muss man sich wundern, dass es mittlerweile EU-Europa, dem es früher zugejubelt hat, mit Verachtung begegnet und seinen Blick nach Osten richtet, zum toleranteren Partner China? Die WM 2018 findet am Tiefpunkt der beiderseitigen Beziehungen statt. (…)

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