Die große Elsässer-Story im SPIEGEL: Was ist dran?

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Der COMPACT-Chefredakteur im Visier des ehemaligen Nachrichtenmagazins.

So ging’s los: „Der Hausherr öffnet die Tür, im Mundwinkel eine brennende Zigarette. Seine Parfumwolke – ‚Aramis‘ von Esteée Lauder – vermischt sich mit dem Geruch von kaltem Zigarettenrauch im Haus. Etwas verquollen sieht xxx aus. Die Partys der Redaktion gehen lang.“

Was ist das? Ein Auszug aus einem Krimi von Dashiell Hammett? Die Blondine betritt die Villa von Citizen Kane, gespielt von Orson Welles? Aber nein, das Zitat kommt aus dem aktuellen „Spiegel“, aus einer dreeinhalbseitigen Reportage von Melanie Amann, der Sonderermittlerin des ehemaligen Nachrichtenmagazins gegen alle bösen Rechtspopulisten. Zuerst nahm sie Höcke und Gauland aufs Korn, mittlerweile bin ich dran. Aber ich bin ja selbst schuld, habe die Gute ins Allerheiligste der COMPACT-Redaktion gelassen. Ich wusste wohl, dass sie in feindlicher Mission unterwegs ist, aber einen Bonus hatte sie: Im Unterschied zu den meisten Journalisten unterscheidet sie in der AfD nicht zwischen Moderaten und Rechtsradikalen, sondern zwischen Karrieristen und Idealisten. Fair auch ihr Umgang mit meinen Zitaten: Alles in Anführungszeichen konnte ich autorisieren. Wildwest-Style allerdings, dass mirnichtsdirnichts komplette E-Mails von mir abgedruckt werden. War da nicht mal was mit Briefgeheimnis? Oder ist in Zeiten von Big Brother Maas eh alles wurscht geworden? Muss ich mal meinen Anwalt fragen.

„So denkt der Chefideologe der Neuen Rechten“, lautet die Überschrift auf „Spiegel-Online-Plus“ (Bezahlartikel für 39 Cent – bitte das Geld lieber für COMPACT verwenden). In der Printausgabe wurde daraus „Der Agitator“. Im Online-Video – dem einzigen kostenlosen SPIEGEL-Angebot zur Elsässer-Story – wird in der Überschrift noch eins draufgesetzt: „Rassistische Ich-AG“, liest man da. War ja klar… Mit dem Nachweis des Rassismus sieht’s natürlich mau aus, es wird einfach nur frech behauptet. Die bösen Sätze, die Frau Amann aus meinen öffentlichen Reden entnommen und dankenswerter Weise in ihren Artikel eingebaut hat, können die Diffamierung jedenfalls nicht stützen.

  • „Da sind neue Torwächter aufgezogen, die wollen die Diskurshoheit mit Sprachverboten an sich reißen. Aber das Volk sagt trotzdem ,Neger‘, ohne es bös zu meinen.“ Was ist daran rechts oder rassistisch?
  • „Wir leben in einer Bananenrepublik. Die Mutti an unserer Spitze leckt die Stiefel – oder Schlimmeres – fremder Despoten.“ Was ist daran rechts oder rassistisch? Ist Merkel eine Rasse?
  • „Wir Deutschen sind ein großes Volk. (…)Wir sind leider oft mit unserer politischen Führung, und damit meine ich nicht nur den Adolf, sondern auch andere, zu mildtätig, zu schafsköpfig verfahren. So konnten die uns und andere ins Verderben führen.“ Was ist daran rechts oder rassistisch?

Entlarvend ist, in welch schiefes Licht der SPIEGEL meine Liebe zum Volk rückt. Der entsprechende Passus liest sich so: „Elsässer badet in der Wärme dieser Menschen, so wie später im Strom der ‚herzensguten‘ Pegida-Demonstranten: ‚Ich mag diese einfachen Leute, die mehr fühlen als argumentieren. Die vor harter Arbeit gar keine Zeit haben zu denken, die aber jede Bedrohung sofort instinktiv spüren.‘ Sein Heft ermutigt diese Leute, ihren Instinkten zu trauen, die Bedrohung ernst zu nehmen. COMPACT bringt die Volksseele auf Betriebstemperatur für den ‚Kampf ums Abendland‘.“ Warum müssen Sie es verächtlich machen („Betriebstemperatur“), wenn da einer wie ich die Gefühle der Menschen ernst nimmt und ihnen Mut macht?

Einen echt peinlichen Faux-Pas leistete sich die Spiegel-Redakteurin beim Versuch, mir Antisemitismus anzuhängen. Dazu zitiert sie aus einer Rede, die ich an Ostern 2014 auf einer Friedenskundgebung am Potsdamer Platz in Berlin vor 5.000 Leuten gehalten habe, die Passage mit meiner Attacke gegen die globale Finanzelite, „die nur dem einen Götzen huldigen, dem kalten Mammon“. Ich nannte wörtlich „die Herren Rockefeller, Rothschild, Soros, Chodorkowski, das englische und das saudische Königshaus“. Sie behauptet nun, ich hätte das englische und saudische Königshaus nur zur Täuschung angeführt, in Wirklichkeit habe meine Attacke den „vier jüdischen Namen“ am Anfang gegolten. Liebe Frau Amann, wissen Sie nicht, dass die Rockefellers Christen sind? Aber um Elsässer Antisemitismus anzuhängen, wird mal schnell aus Rockefeller auch noch ein Jude gemacht… Das Gegenteil ist wahr: Indem ich sechs Beispiele aus unterschiedlichem religiösem Hintergrund wählte – Christen, Juden, Moslems – machte ich gerade deutlich, dass die internationale Finanzoligarchie „nur dem einen Götzen huldigen, dem kalten Mammon“.

Warum hat der Spiegel eine Story über mich gemacht? Die ganze Arbeit dient wohl der Gefahrenprävention. „Elsässer spricht frei, ohne Manuskript, ohne Stocken. Er ist das große Publikum gewohnt, ein Mann für die Massen. Als Einziger trägt er Anzug und Krawatte, aber er steht so lässig am Rednerpult wie andere an der Theke.“ Amann bezeichnet mich als „deutschen Stephen Bannon“ und bescheinigt mir „echte politische Wirkmacht“: Das ist ein bissel übertrieben, aber keine Sorge – ich arbeite daran.

Lustig auch die Klage, mit COMPACT hätte ich ein cleveres „Geschäftsmodell“ entwickelt. Wer pfeift denn da im Walde? Ist ja bekannt, dass die Spiegel-Auflage abstürzt. Natürlich haben diese Leute Angst, dass COMPACT den Reibach macht, der ihnen verloren gegangen ist. Hier können Sie dazu beitragen, dass das Wirklichkeit wird.

P.S. Zum Beitragsfoto. Frau Amann schrieb mir bei Überlassung: „Ich gehe davon aus, dass Sie als Medienprofi Ihren Lesern den Kontext des Bildes korrekt wiedergeben werden – dass ich Sie nämlich für die Recherche zu meinem Artikel besucht habe, und nicht als Putin- oder Elsässer-Fan-Girl.“

P.S. Ärgerlich ist, dass Frau Amann schreibt, wir hätten im Haus keine Alarmanlage – obwohl ich ihr das Gegenteil erklärt habe! Das könnten die Antifanten als Einladung missverstehen, dass sie hier demnächst ungestört randalieren können. Deswegen klare Ansage: Kameras und Alarmanlage sind selbstverständlich scharfgestellt. Damit wir ungestört unsere wilden Redaktionspartys feiern können 🙂

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Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

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