Die Geheimbünde der globalen Eliten: Wer beherrscht die Welt?

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Wer steckt hinter der Überflutung Europas durch Massenmigration und allen anderen Weltübeln? Wer diesen Fragen nachgeht, wird schnell als Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt. Nun hat der britische Historiker Niall Ferguson den Weg für eine differenzierte Debatte eröffnet. Es folgt ein Auszug aus dem Artikel „Die Geheimbünde der globalen Eliten: Wer beherrscht die Welt?“ Vollständig lesen Sie ihn in COMPACT 12/2018 – hier bestellen

_ von Jürgen Elsässer

Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur – vor allem bei denen, die sich als deren Gegner aufspielen. So widmete sich der Spiegel im November über Wochen hinweg der Aufdeckung eines – so wörtlich – «Geheimbundes». Dabei ging es nicht um die Hintermänner bei der Ausarbeitung und Durchsetzung des UN-Migrationspaktes, sondern um die Bestrebungen von Bayern München und anderer Super-Clubs, aus der Bundesliga auszusteigen und eine private Eliteliga auf europäischer Ebene zu gründen.

Haltet den Dieb!

Es gibt weitere Beispiele für Verschwörungstheorien, die im Establishment in hohem Ansehen stehen. Etwa die Erzählung von Osama und den 19 Räubern – wie aus einer Berghöhle in Afghanistan heraus die technologisch anspruchsvollsten Anschläge der Weltgeschichte, nämlich die des 11. September 2001, ins Werk gesetzt worden sein sollen. Oder das NSU-Märchen: Es waren einmal zwei intellektuell wenig begabte Skinheads und ihr Liebchen, die lebten 13 Jahre lang in Chemnitz und Zwickau, konnten im ganzen Land herumreisen und wurden zu Serienmördern, ohne an einem einzigen Tatort gesehen zu werden oder auch nur DNA-Spuren zu hinterlassen. Auch mit der Gruselgeschichte vom Großen Bösen Putin und seiner Trollarmee werden immer wieder die Kinderchen erschreckt: Wie der Russki die US-Präsidentschaftswahlen manipulierte, Donald Trump an die Macht brachte und jetzt die heiligen Institutionen in God’s Own Country infiltriert.

Mit der Gruselgeschichte vom Großen Bösen Putin und seiner Trollarmee werden die Kinder erschreckt.

Wer diese schlechten Kolportagen in die Welt setzt und weiterverbreitet, darf auf höchste staatliche Ämter und Medienpreise hoffen. Derjenige aber, der diese Verschwörungstheorien hinterfragt, wird sofort mit dem Vorwurf konfrontiert, selbst ein Verschwörungstheoretiker zu sein. Der frühere Taz-Redakteur und Buchautor Matthias Bröckers ist dieser frappanten Umkehr der Beweislast in seinem Buch JFK – Staatsstreich in Amerika nachgegangen. Demnach geriet in den USA die offizielle Theorie, der Kennedy-Mörder Lee Harvey Oswald sei ein Einzeltäter gewesen, ins Wanken, als im ersten Strafverfahren einige seiner Kontaktleute ins Visier genommen wurden, die mit der CIA in Verbindung standen. «Da versandte die Abteilung PW/CS (Psychological Warfare/Clandestine Services) der CIA im April 1967 ihr Dokument 1035-960 an alle Stationen und empfahl zur Diskreditierung von Zweiflern, den Begriff ”Verschwörungstheoretiker” zu verwenden. (…) Um ihn unter das Volk zu bringen, wurden die CIA-Büros aufgefordert, ihre ”friendly elite contacts” in Medien und Politik zu nutzen, was dann erfolgreich geschah.»

Türme gegen Plätze

 

In literarischer Form hat sich der linke Bestsellerautor Umberto Eco mit Verschwörungstheorien beschäftigt. In seinem durchaus spannenden Roman Das Foucaultsche Pendel (1988) geht es «um kein geringeres Wissen als das, wie die Welt funktioniert und wie man die Macht über sie erringen kann. Kein Wunder also, dass so viele prominente Figuren im Laufe der Jahrhunderte immer wieder mit den Templern und ihren Nachfolgern – den Rosencreutzern, Maurerlogen, Illuminaten, Orden und Riten – in Verbindung gebracht wurden». Die Zentralfigur des Wälzers jagt durch Archive und knackt Verschlüsselungen, kommt von Hölzchen auf Stöckchen und wird schließlich Opfer jenes ewigen, ultimativen Geheimbundes, den er sich selbst zusammenfantasiert hat. Eco macht sich über die Schnitzeljagd lustig: «Die Menschheit kann den Gedanken nicht ertragen, dass die Welt per Zufall entstanden ist, durch einen Irrtum, bloß weil vier unvernünftige Atome auf der nassen Autobahn ineinander gerast sind. Also muss sie eine kosmische Verschwörung suchen: Gott, die Engel oder die Teufel.»

Die Bilderberger sind nur ein Knoten im globalen Machtnetz, nicht dessen Zentrum.

Aber es gibt auch Denker im Mainstream, die es sich nicht ganz so leicht machen. Zu ihnen gehört Niall Ferguson, einer der profiliertesten Historiker der angelsächsischen Welt. 2016 hat er den ersten Band seiner Kissinger-Biographie (Der Idealist ) vorgelegt, und im Mai 2018 ist im renommierten Propyläen-Verlag sein neuestes Werk Türme und Plätze. Netzwerke, Hierarchien und der Kampf um die globale Macht erschienen. «In diesem Buch versuche ich, einen Mittelweg zwischen der Hauptströmung der Historiografie, welche die Rolle von Netzwerken tendenziell unterschätzt hat, und den Verschwörungstheoretikern zu finden, die ihre Rolle gewöhnlich überschätzen.»

Früher Rothschild-Banker, jetzt Frankreichs Präsident: Emmanuel Macron auf dem Cover des bekanntesten US-Wirtschaftsmagazins. Foto: Forbes

Die Metapher im Titel weist auf eine Konstellation hin, die systemkonforme Spötter wie Eco nicht begreifen: Spätestens seit dem Mittelalter stehen sich vertikale Hierarchien – damals die dynastischen Staaten, die ihre Herrschaft mit Türmen sicherten – und horizontale Netzwerke – symbolisiert in den Plätzen, wo Händler und gemeines Volk in Kontakt kamen und eigene politische Ansprüche anmeldeten – gegenüber. Während der Adel seine Macht über die katholische Kirche legitimierte, stürmte die entstehende Bourgeoisie mit der Aufklärung gegen die klerikalen Dogmen. Der neue Rationalismus fand als wichtigste Träger Geheimbünde wie die Illuminaten und die Freimaurer. Ferguson belegt, dass Letztere die Sezession Nordamerikas von der britischen Krone entscheidend vorangetrieben haben. Denselben Nachweis führte der langjährige FAZ-Redakteur Lorenz Jäger in seinem Buch Hinter dem großen Orient. Freimaurerei und Revolutionsbewegungen (2009) für den Sturz der Bourbonen in Frankreich 1789. Auch der italienische Aufstand unter Giuseppe Garibaldi, beweist Professor Aldo Mola, Dozent für Geschichte der Neuzeit an der Universität Mailand, war eine Operation der Freimaurer.

Eco hat allerdings in einem Punkt recht: Die Suche nach dem einzigen Zentrum einer weltweiten Verschwörung führt in den Wahnsinn. Es gibt zwar mächtige Netzwerke in Vergangenheit und Gegenwart – aber diese konkurrieren miteinander und zerfallen auch immer wieder. So spalteten sich die Freimaurer schon im 18. Jahrhundert in eine anglophile und eine frankophile Richtung auf. Erstere bekämpfte Napoleon, Letztere unterstützte ihn. Dass der Korse 1798 eine Expedition nach Ägypten unternahm, war militärisch ohne Sinn, sollte ihm aber Legitimation gegen die anglophilen Freimaurer verschaffen: Während diese ihre Tradition auf das Alte Testament, also auf die Juden, zurückführten, suchten die Frankophilen ihre Wurzeln in den Mythen der Pharaonen.

Das Soros-Netzwerk

Kein Zufall: Freimaurer-Symbolik auf der Dollar-Note. Foto: Artem Po / Shutterstock.com

Dieser Kampf unterschiedlicher Netzwerke prägt auch die Gegenwart. Lorenz weist auf den freimaurerischen Einfluss auf den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy (2007 bis 2012) hin. Doch dieser Einfluss hat ihm wenig genützt: Er verlor sein Amt und war 2017 sogar wegen Korruptionsvorwürfen («Gaddafi-Gate») in Untersuchungshaft.

Die antisemitische Theorie von der jüdischen Weltverschwörung zerschellt an den Fakten.

Auch die Bilderberger-Gruppe ist nur ein Knoten im globalen Machtnetz, nicht dessen Zentrum. Der auf David Rockefeller und Henry Kissinger zurückgehende Elite-Club versammelt zwar seit 1954 jedes Jahr die einflussreichsten Politiker und Finanzmagnaten des Globus hinter verschlossenen Türen und hat 2005 die Ersetzung von Kanzler Gerhard Schröder durch Angela Merkel befördert. Aber in den letzten Jahren setzte er bei seinem Politiker-Casting oft auf die Falschen: Der Sozialdemokrat Peer Steinbrück (2011 bei den Bilderbergern) und sein potenzieller Koalitionspartner Jürgen Trittin (2012) konnten Merkel bei den Bundestagswahlen 2013 nicht besiegen und verschwanden anschließend in der Versenkung. Nicht besser scheint es Ursula von der Leyen zu ergehen: Obwohl dieses Jahr Gast auf der geheimen Jahreskonferenz, kommt sie aus den Negativschlagzeilen nicht heraus und spielt im Rennen um die Nachfolge der Rautenfrau keine Rolle.

 

Fergusons Enthüllungsbuch.
Foto: Propyläen

«Die beunruhigendste Aussicht bei alldem ist, dass ein einziges globales Netzwerk den Homo sapiens letztlich überflüssig machen und dann auslöschen wird. In seinem Buch Homo Deus behauptet Yuval Harari, das Zeitalter großer, auf Schriftsprache, Geld, Kultur und Ideologie – Produkten von auf Kohlenstoff basierenden menschlichen neuronalen Netzwerken – gegründeter ”Netzwerke der Massenkooperation” weiche einer neuen Ära von auf Silizium basierenden Computernetzwerken, die sich auf Algorithmen stützen. In diesem neuen Netzwerk werden wir sehr schnell eine ähnliche Bedeutung für die Algorithmen haben wie Tiere heute für uns.» (Ferguson, Türme und Plätze, Seite 35)

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