Die Frau, die sich traut

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Die neue österreichische Außenministerin Karin Kneissl dürfte die außergewöhnlichste Politikerin im Kreis ihrer europäischen Amtskollegen sein. Die konservative Rebellin, die den Nahen Osten so gut kennt wie einst wohl nur Peter Scholl-Latour, hat schon auf anderen Feldern ihre Expertise unter Beweis gestellt.

_von Sven Reuth

Wer von Wien aus nach Süden in das Bundesland Niederösterreich fährt, wo die ersten Ausläufer der Pannonischen Tiefebene beginnen, der kommt durch eine liebliche, hügelige Landschaft, in der einige der besten Rotweine unserer alpinen Nachbarn gedeihen. Kurz vor der Grenze zum Burgenland liegt die kleine Gemeinde Seibersdorf, in der sich Karin Kneissl ihr persönliches Refugium geschaffen hat. Auf einem kleinen Bauernhof lebt sie mit mehr als 20 Tieren. Die Kinder aus der Nachbarschaft kommen gerne zum Ponyreiten vorbei und freuen sich über die zwei Boxer, die aus dem Tierheim stammen und auf dem Gehöft ein neues Zuhause gefunden haben.

Die Hausherrin mistet den Stall täglich selbst aus – wenn sie sich nicht gerade im Ausland befindet, wo sie besonders häufig die Krisengebiete des Nahen Ostens bereist oder Fernsehsendern Interviews gibt. Kaum zu glauben, dass sie daneben auch noch Zeit fand, fast ein Dutzend Bücher zu schreiben. Es ist gar nicht so einfach, die neue Außenministerin Österreichs zu charakterisieren: Sie arbeitete schon als Diplomatin, Journalistin, Völkerrechtlerin, Hochschullehrerin und Buchautorin. Sie ist weltgewandt und heimatverbunden zugleich.

Im Reich König Husseins

Mit dieser Personalie ist dem FPÖ-Vorsitzenden und neuen Vizekanzler Heinz-Christian Strache ein echter Coup gelungen, denn die parteilose Kneissl ist auf Vorschlag der Freiheitlichen in die neue Bundesregierung eingetreten. Es war ein Angebot, das Sebastian Kurz, der neue starke Mann in der Alpenrepublik, nicht ablehnen konnte. Selbst der Falter, das Leib- und Magenblatt der Wiener Linksschickeria, sprach von einem «klugen Schachzug», da die «polyglotte Publizistin» sich in den letzten Jahren «zu einer der wenigen rechten Intellektuellen des Landes entwickelt» habe.

Schon ihr Lebenslauf prädestiniert die neue Amtsinhaberin für die Aufgaben, die nun vor ihr liegen. Teile ihrer Kindheit und Jugend verbrachte die 1965 in Wien Geborene in der jordanischen Hauptstadt Amman, da ihr Vater zeitweise als Pilot für König Hussein tätig war, der das Haschemiten-Reich 47 Jahre lang regierte. Kneissl senior half dem berühmten Monarchen dabei, die bis heute bestehende Fluggesellschaft Royal Jordanian aufzubauen – und seine Tochter lernte hier Arabisch, das sie bis heute, neben sechs weiteren Sprachen, fließend spricht.

Gerne erzählt sie, wie sie 2015, im Jahr der großen Völkerwanderung, in der Wiener U-Bahn Dialoge von Zuwanderern mitbekam, die völlig verblüfft waren, wenn ihnen eine blonde Frau akzentfrei in ihrer Muttersprache Antworten geben konnte. Eine enge Bindung hat sie auch zum Libanon, wo sie an mehreren Hochschulen Lehraufträge wahrnahm. Während ihres Studiums und ihrer Dissertation zu Fragen des Völkerrechts lebte und arbeitete sie unter anderem in Jerusalem, Washington und Paris, wo sie eine Ausbildung an der französischen Elitekaderschmiede ENA absolvierte. Die erste berufliche Station war ab 1990 das Auswärtige Amt in Wien, in das sie jetzt als Chefin zurückgekehrt ist.

Entdeckt wurde sie von einer legendären Persönlichkeit der österreichischen Nachkriegspolitik, dem ÖVP-Politiker und damaligen Außenminister Alois Mock. Dieser hatte im Juni 1989 mit seinem magyarischen Amtskollegen Gyula Horn an der österreichisch-ungarischen Grenze in einer medienwirksamen Aktion den Stacheldraht des Eisernen Vorhangs durchtrennt – diese Aktion gilt bis heute als der Anfang vom Ende des Ostblocks. Kneissl schien mit ihrem Lebenslauf gut in die Mannschaft des umtriebigen Christdemokraten zu passen und fand auch schnell Verwendung im Völkerrechtsbüro und dem Kabinett des Außenministers wie auch auf diplomatischen Posten in Paris und Madrid. Doch wer hier den Anfang einer vorgezeichnet erscheinenden steilen politischen Karriere erkannt haben wollte, der irrte.

Testosteron und Politik

Bis heute halten sich hartnäckig Gerüchte, dass eine einflussreiche ministeriumsinterne Kamarilla aus Mitgliedern katholischer Studentenverbindungen einen weiteren Aufstieg Kneissls innerhalb des Auswärtigen Amts hintertrieben haben soll. Die resolute Wienerin quittierte im Jahr 1998 jedenfalls den Dienst, um sich nun ganz ihren publizistischen und wissenschaftlichen Neigungen zuzuwenden. Im deutschsprachigen Raum arbeitete sie als Korrespondentin verschiedener Zeitungen wie der Welt und der Neuen Zürcher Zeitung. Auffällig war schon damals, dass sie im Gegensatz zu fast allen ihren Kollegen nicht in die wohlfeilen Verdammungsorgien gegen Jörg Haider einstimmte, der damals kurz davor war, seine FPÖ wieder zurück in eine Regierungsbeteiligung auf Bundesebene zu führen. In einem Porträt des damaligen Kärntner Landeshauptmanns, das im Oktober 1999 in der Welt erschien, nannte sie Haider «das größte politische Talent auf Österreichs mit Talenten nicht eben reichlich bestückter Bühne», der nicht Unrecht habe, wenn er von seiner Partei behaupte: «Wir sind die besseren Sozialdemokraten.»


Dies war ein Textauszug. Den kompletten Artikel lesen Sie in COMPACT 2/2018: „Stasi 2.0 – Die große Säuberung“. Die erhalten Sie am gut sortierten Kiosk – oder Sie bestellen das Heft hier.

Compact-Magazin Februar 2018 Stasi 2.0

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12 Kommentare

  1. heidi heidegger am

    Seibersdorf/Bezirk Baden? aha! paar meter zu weit "unten"..wir hingen einst gern paar meter höher ab im Bezirk Mödling/grenzt an Wien-Liesing, ätsch! Brunn am Gebirge

    Bezirk Mödling
    Brunn am Gebirge
    Adolf Sterz-Straße
    Die Benennung der Verkehrsfläche beschloss der Gemeinderat am 16. September 1965.
    Adolf Sterz Ponteguerra (geb. 25. 10. 1875), Generalmajor i. R. aus Brunn am Gebirge, wur
    de wegen seiner „österreichisch-patriotischen Einstellung“ am 17. Juni 1938 festgenommen
    und war bis 20. September 1938 im KZ Dachau inhaftiert. Er starb am 28. September 1939
    an den Folgen der Haft.
    ²KPÖ-Brunn, Bahngasse 2, 2345
    (KPÖ-Haus)
    Gedenktafel
    Text:
    Zur ewigen Erinnerung! Niemals vergessen!
    Sie gaben ihr Leben für die österr. Arbeiterschaft und für Österreichs Freiheit.

    ² Die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) wurde 1918 als Kommunistische Partei Deutsch-Österreichs (KPDÖ) gegründet und ist somit eine der ältesten kommunistischen Parteien der Welt. Die KPÖ war von 1945 bis 1959 im Nationalrat und bis 1970 in mehreren Landtagen vertreten. 1

  2. Zum Fragen des Völkerrechts zu beantworten braucht sie nicht nach Jerusalem fliegen.

    Die kann sie auch in Süd-Tirol beantworten.
    Seit über 90 Jahren von Österreich getrennt.

  3. DerSchnitter_Maxx am

    Würde da-zu gerne -zum Vergleich- … die "Vita" von Agitproper Merkill sehen und lesen …

    • @ DER SCHNITTER-MAXX

      Da gibt es doch gutes Buch: "DAS ERSTE LEBEN DER ANGELA M."
      Sollte eigentlich jeder (auf)rechte Bürger kennen.

      Viel Spaß. Es ist noch nicht verboten.

      • Bevor der erste Oberlehrer mich kritisiert:
        Es fehlt ein unbestimmter Artikel zum Buch.
        Sorry.
        Wer lieber einen bestimmten Artikel hätte,
        müsste dann ein "s" weglassen.

  4. Volker Spielmann am

    Erneut zeigt sich die österreichische Freiheitspartei in der Geschäftsleitung reichlich handzahm

    In unserer deutschen Ostmark hat die Freiheitspartei wohl den üblichen Fehler einer jeden Widerstandspartei gemacht und sich zum mitregieren überreden lassen, anstatt die liberalen Handpuppen immerzu gemeinsam den Karren weiter in den Dreck fahren zu lassen, um sich dann vom Volk in einer echten Widerstandswahl aufs Schild heben und alleine regieren zu können. Es ist ein alter Trugschluß, daß man durch eine Regierungsbeteiligung Schlimmeres verhindern oder gar Gutes tun könnte. Dies bewahrheitet sich nun auch wieder in der Ostmark: Um mitregieren zu dürfen, mußte die Freiheitspartei öffentlich einen Treueschwur auf das EU-Monster leisten und mehr als einige leere Zugeständnisse hat sie im Gegenzug nicht erhalten. Noch nicht einmal die sofortige Ausweisung sämtlicher Ausländer, die ab 2015 widerrechtlich in die Ostmark gekommen sind oder die sofortige Schließung und Befestigung der Grenzen nach ungarischen Vorbild konnte erreicht werden. Eine ziemlich bescheidene Ausbeute also.

    Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!

  5. Berthold Sonnemann am

    Tu felix Austria! Du glückliches Österreich!

    Österreich und die Schweiz gehören nicht zur Nato, weshalb sie nicht an grenzenlosen Ölraubkriegen teilnehmen bzw. teilnehmen müssen, befreit sind von Kreuzzügen aus niederen Beweggründen, die sowohl leiblich wie kulturell völkermörderisch sind.

    Den Krieg in der Ferne halten – dieses US-Konzept, der Nato übergestülpt, ist rassistisch. Fremde im Orient sind auch Menschen. Es sei egal, dass sie angriffskriegsbedingt in Leid und Tod gestürzt werden, es kümmere hierzulande nicht, solange man hierzulande seine Ruhe hat – so jemand wertet Fremde ab und nimmt sich und seine Sippe selber wichtiger. Diese Haltung ist an sich natürlich und im alltäglichen Leben und Wirken ethisch meist richtig, entartet jedoch, kollektiv praktiziert, zum chauvinistischen Verbrechen.

    Drei Fraktionen im Bundestag (AfD, Grüne, Linke) haben gegen Blut-für-Ölkriege in Syrien gestimmt. Ein interparteiliches Friedensbündnis statt Parteiengezänk ist geboten! Ohne Angriffe auf den Orient verliert die merkelmanische Flüchtlingspropaganda ihre Sachgrundlage.

    • Umgerechnet auf die Bevölkerung, hat der Feymann mindestens genauso viele K. aufgenommen wie die Merkel.

      Was wir in Deutschland bräuchten, wäre ein eigenes Ministerium für Rückwanderung.

      K.=Türken, Araber, Zigeuner, Afris

  6. Jetzt wissen wir was für ein toller Feger diese Frau Kneissl ist.
    Wir haben auch erfahren, dass die katholischen Burschenschaften und vermutlich auch alle Burschenschaften extrem böse sind und sogar die Karriere der guten Frau Kneissl bedroht haben.
    Aber inhaltlich?

    • Inhaltlich erfährt man mehr, wenn man den Hinweis beachtet: "Dies war ein Textauszug. Den kompletten Artikel lesen Sie in COMPACT 2/2018."

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