Die braune Obsession: Nazi-Satire erhält internationalen Fernsehpreis

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Vor wenigen Tagen wurden die International Emmy Awards verliehen. Zu den Preisträgern gehört auch die deutsche Produktion „Familie Braun“, eine Satire-Serie über Neo-Nazis und Flüchtlinge…

Das ZDF – unser liebes, gebührenfinanziertes Zweites Deutsches Fernsehen – hatte am letzten Montag allen Grund zur Freude, als die Produzentin der sogenannten „Mini-Serie“ Beatrice Kramm die goldene Trophäe in New York in Empfang nehmen durfte. Gegen starke Konkurrenz aus aller Herren Länder hatte man sich mit der provokativen Sendung durchgesetzt. Acht Folgen von „Familie Braun“ gibt es bereits, alle sind im Internet abrufbar – Hier gehts zur Mediathek! Laut ZDF handelt es sich um eine Mischung aus Drama und Tragödie – einem Dramedy also. Dreh- und Angelpunkt ist eine Nazi-WG in Berlin, die von zwei Rechtsradikalen, Thomas und Kai, bewohnt wird. Die sehen sich plötzlich mit einer besonderen Herausforderung konfrontiert, als plötzlich eine Dame aus Eritrea vor der Tür steht, mit der Thomas vor etwa sechs Jahren einen One-Night-Stand hatte. Ergebnis dieser Nacht: Die 6-jährige Lara. Die soll nun bei ihrem Vater einziehen, da der Mutter die Abschiebung droht. Zitat der Mutter: „Lara, das ist der Wichser, der sich nicht mehr gemeldet hat nach dem echt schlechten Sex.“

Es kommt, wie es kommen muss: Das Schicksal spielt dem Klischee-Neo-Nazi einen Streich und führt ihn endlich auf den „Weg des Lichts“. Thomas arrangiert sich mit seiner neuen Rolle als Vater, übernimmt Verantwortung, während sein Kumpel Kai die Krise kriegt und die schwarze Rotzgöre am liebsten sofort wieder hinauswerfen will. Die Wege der Neo-Nazis trennen sich…eine herzerwärmende Geschichte über Läuterung, Schuld und Sühne, Liebe und Hass, Menschlichkeit und Menschenverachtung. Kurz: Eine Story, die vor politischer Korrektheit nur so trieft und so schwer mit volkspädagogischem, antifaschistischen Moralin beladen ist, dass es kracht.

Massenmedien wie Die Welt und Die Zeit veröffentlichten bereits Kritiken zu „Familie Braun“, die übrigens schon 2016 den Deutschen Comedypreis und den Preis der Akademie erhielt. Henryk M. Broder schreibt in der Welt schon im Februar 2016 unter dem Titel „Wo das ‚Negerkind‘ unterm Hitlerbild aufwächst“ lobende Worte über das filmische Machwerk: „Furios“ sei bereits der klamaukige Anfang der Serie. Eine solch mutige Produktion hätte Broder „jedem Sender der Welt zugetraut“, „nur nicht dem ZDF“. Der Sender habe sich nämlich, obwohl normalerweise „in Sachen Political Correctness“ radikal, ausgerechnet hier „im Umgang mit Nazis etwas Neues einfallen“ lassen. Nämlich? Broder lobt, dass bei diesem heißen Thema „das Mittel der Komödie“ gewählt wurde, „in der auch Sätze fallen, die im Normalfall mit dem Entzug der Sendelizenz bestraft würden“. Einige Beispiele: „Wer ist die Alte, warum gibt sie ihr Kind bei uns ab? Du hast sie doch nicht gefickt?“ – „Das ist sechs Jahre her!“ – „Du hast eine Negerin geknallt?“ – „Sie war damals heller!“ Broder glaubt also, dem Sender sei „ein großer Wurf gelungen, abseits der grausamen Biederkeit, welche die Produktionen des Senders sonst“ auszeichnet.

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Also, Herr Broder, entschuldigen Sie, dass COMPACT Ihre Ausgelassenheit hier ein bisschen abstoppen muss: Wie kommen Sie auf die Idee, dass sich das ZDF hier etwas „Neues“ einfallen ließ? Und wie kommen Sie zu dem (ernstgemeinten?) Schluss, dass das ZDF mit der Übernahme dieser Serie ins Hauptprogramm Mut bewiesen hätte? Seit langer Zeit sind Hitler-Komödien „en vogue“. Der von Timur Vermes geschriebene Roman „Er ist wieder da“ (2012) beweist dies ebenso wie Tausende andere, satirische Hitler-Parodien der letzten Jahre. Der Führer scheint überall! Man denke dabei nur an Serdar Somuncu und seine Lese-Tour von „Mein Kampf“. Nein, seit geraumer Zeit kann sich die gesamte Öffentlichkeit kaum noch vor Parodien des Führers retten.

Gibt es überhaupt irgendeinen Künstler, der noch nicht versucht hat, mit dem allseits beliebten Nazi-Kult Kasse zu machen? Sogar das ZDF selbst hat diese alte Mottenkiste bis auf den Grund ausgeschlachtet.

Beweisstück A:

Na, Herr Broder, die Behauptung, dass ZDF sei hier besonders originell, dürfte damit erledigt sein, oder? War das ZDF denn wenigstens mutig? Auch nicht. Diese Behauptung hat sich im Grunde gleich mit erledigt, denn weder braucht es Mut, um zum tausendsten Mal das nachzumachen, was unzählige Andere bereits vorgemacht haben, noch braucht es irgendeine Form der Courage, eine Serie zu produzieren und auszustrahlen, die wandelnde Klischees von Neo-Nazis auf die Leinwand zaubert und diese in platten und absurden Handlungssträngen der Lächerlichkeit preisgibt. Im Gegenteil ist ein solches Machwerk derart stromlinienförmig an die allesdurchdringende Antifa-Gesinnung der „Kunstschaffenden“ angepasst, dass selbst dem geneigtesten Zuschauer hier nur noch ein langanhaltendes Gähnen entfleuchen dürfte. Wie erfolgreich und vor allem gewinnbringend deutsche und auch ausländische Filmstudios den Nazi-Kult seit Langem verwursten, zeigte kürzlich ein Journalist der Deutschen Welle in einem lesenswerten Artikel auf. Dort schreibt er:

„Deutsche Geschichte im Allgemeinen und die Zeit des Nationalsozialismus im Besonderen – in Film und Fernsehen ist das seit Ende des Zweiten Weltkriegs ein Dauerthema. Und das nicht nur bei heimischen Regisseurinnen und Regisseuren. Schaut man auf die Produktionsgeschichte deutscher Filmstudios, so fällt auf, dass auch viele renommierte Regisseure aus dem Ausland immer wieder gern nach Berlin, München oder in andere Regionen der Republik gekommen sind, um dort zu drehen. In den vergangenen Jahrzehnten haben auch sie oft und gern Geschichten von Nazis und NS-Verbrechen erzählt .“ Auf diese korrekte Darstellung der Faktenlage folgt eine Auflistung solcher Filme, die mit dem NS-Thema zum kommerziellen Erfolg wurden…

Seis drum. Diese hier von COMPACT geäußerte Kritik, die sowohl die Serie „Familie Braun“ selbst als auch ihre Fans betrifft, hat jedenfalls – man wundert sich nicht! – einen völlig anderen Zungenschlag, als die Kritikversuche der Massenmedien. Dazu noch ein weiteres Beispiel der Zeit-Autorin Heike Kunert. Die hat – ebenso wie Broder – nichts verstanden, schwingt allerdings ins andere Extrem. Sie schreibt: „Während Rechte die Innenstädte erobern, verniedlicht die ZDF-Miniserie „Familie Braun“ Nazis zu witzigen Kasperlefiguren.“ Soso, die Rechten erobern also die Innenstädte? Das Problem der Serie sei also die Verniedlichung?

Immerhin, in manchen formalen Punkten muss man Frau Kunert Recht geben. Sie sagt etwa: „Laut Sender setzten sich Autor und Regisseur ‚humorvoll mit dem Thema Rechtsradikalismus‘ auseinander. Das haben schon viele versucht und viele sind daran gescheitert. Meimberg und Hübner aber haben sich entsetzlich lächerlich gemacht. Die Dialoge sind an Plattheit kaum zu überbieten.“ Stimmt. Keine Einwände. Und auch in einem weiteren Punkt ist man geneigt, ihr Recht zu geben. Die Serie ist inhaltlich derart flach geraten, dass die beiden Hauptprotagonisten wie bloße Karikaturen wirken. Ganz offensichtlich stand eine Horde tumber Antifanten zur Beratung der Regisseure zur Verfügung, die es sich nicht verkneifen konnten, die Neo-Nazis so hohl wie möglich zu zeichnen. Kunert meint: „Man nimmt den armen beiden Tröpfen aus dem Plattenbau nicht einmal ihren Rechtsradikalismus ab. Stahl und Braun sind einfach nur zwei Kasperfiguren, die sich ihre Gesinnungsidiotie wie im Kindergarten jeden Tag aufs Neue zusammenbasteln. Man traut ihnen nicht einmal zu, dass sie Rechts von Links überhaupt unterscheiden können.“

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Alles richtig, so findet der Autor. Doch leider geht auch Kunerts letzter Schluss völlig an der Sache vorbei. Sie erklärt: „In einer Zeit, in der Gesinnungsunrat im Netz zur Selbstverständlichkeit geworden ist und von dort wieder vermehrt auf die Straße schwappt, zielt derlei tumbe Verballhornung von Rechtsradikalismus meilenweit am Ziel vorbei.“ Frau Kunert hätte sich also eine Serie gewünscht, die die „Gefahren des Rechtsradikalismus“ in Deutschland noch glaubwürdiger und noch ernsthafter ausleuchtet, statt sich über Neo-Nazis lustig zu machen. In Kunerts Parallelwelt scheint es hierzulande offenbar tatsächlich ein Problem mit bandenmäßig organisierten Neo-Nazis und Rassisten zu geben, das zumindest von dieser Serie nicht gefährlich genug gezeichnet wurde. COMPACT meint: Weder der Jubel von Herrn Broder, noch die Kritik von Frau Kunert treffen den Kern der Sache.

Auch bei der Darstellung verfassungsfeindlicher Symbole kennt das ZDF keine Grenzen… Foto: Screenshot ZDF

Die Fragen, die den Autor dazu veranlassten, diesen kurzen Kommentar zu schreiben und tatsächlich mal interessant wären: Warum erhielt gerade diese Serie den begehrten Award? Woher kommt diese Obsession mit allem, was sich um das Hakenkreuz und den schmalbärtigen Österreicher dreht? Und woher kommt gerade die besondere Faszination für die Konfrontation zwischen Neo-Nazis und Flüchtlingen? Welche Rolle spielt hierbei die derzeitige politische Situation und welchen volkspädagogischen Ansatz verfolgt man hier? Und was Frau Kunert angeht: Wie kommt Sie – und der Rest der Antifa-Szene – eigentlich darauf, dass Deutschland ein ernst zu nehmendes Problem mit Rechtsradikalen habe? Müsste sie als Journalistin nicht viel besser wissen, von welchen Täterkreisen seit wenigen Jahren die wirkliche Gefahr ausgeht? COMPACT hofft klammheimlich, dass in den nächsten Jahren ein wenig mehr Ehrlichkeit in der Kulturindustrie Einzug halten wird und sich Kommentatoren wie Broder und Kunert in Zukunft besser überlegen, ob sie mit ihrer antifaschistischen Gesinnung noch zeitgemäß sind. Ach ja, und bevor wir das hier vergessen: Einen schönen Dank an das ZDF, das mit dieser Produktion mal wieder bewiesen hat, wie gescheit man mit den Millionen der Beitragszahler umgeht. Hut ab!

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Über den Autor

Marc Dassen

Marc Dassen wurde 1989 in Aachen geboren und hat Anfang 2015 sein Studium der Geschichte und Philosophie mit dem Bachelor-Grad abgeschlossen. Seither arbeitet er als Journalist für COMPACT-Magazin.

 

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