André Poggenburg zur Einschätzung des Wahlergebnisses vom Sonntag: “Wir haben so einige Fehler gemacht.”

    Herr Poggenburg, Sie haben als Frontmann in Sachsen-Anhalt 2016 das bisher beste AfD-Ergebnis bei Landtagswahlen erzielt, und zwar 24,3 Prozent. Wie ist Ihre Einschätzung zum Wahlkampf und Wahlergebnis in Bayern? Lief dort alles glatt, wurden die Erwartungen erfüllt?

    Vielen Dank und nein, leider lief dort nicht alles glatt. Auch wenn wir uns natürlich über einen Sprung von Null auf 10,2 Prozent in den bayrischen Landtag freuen und die Mitglieder einen harten Wahlkampf bestritten haben, müssen wir ehrlich einräumen, hier wurde massiv Potential verschenkt und eingebüßt.

    Was für ein Ergebnis wäre dann nach Deiner Erfahrung möglich gewesen? Du warst ja selbst im Wahlkampf in Bayern aktiv.

    Da ich nicht nur den damaligen Wahlkampf in Sachsen-Anhalt erfolgreich angeführt und bestritten habe, sondern in vielen anderen Landtags- und Bundestagswahlkämpfen, so auch jetzt in Bayern, einen Beitrag geleistet und dadurch Einblicke erhalten habe, traue ich mir auch eine Potential-Einschätzung zur Bayernwahl zu. Nach meiner Meinung wäre für die AfD ein Ergebnis von 15 bis 20 % durchaus möglich gewesen, auch wenn wir dort die besondere Situation durch die Freien Wähler berücksichtigen müssen.

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    Das ist ein gutes Stichwort: Die Freien Wähler waren dort überraschend stark und stellen nun vielleicht den Koalitionspartner der CSU. Was sagst Du dazu?

    Korrekt, die Freien Wähler sind in Bayern vom eigenen Erfolg richtiggehend überrascht worden. Dass sie in den Landtag einziehen, war abzusehen, ein Ergebnis zwischen fünf und sechs Prozent wäre erklärlich gewesen, aber alles darüber war ein Geschenk der AfD an die FW. Wir haben so einige Fehler gemacht.

    Was haben also andere richtig und die AfD falsch gemacht?

    Oh, da kommt einiges bei uns zusammen. Zuerst einmal hat die AfD eines noch nicht richtig verinnerlicht: In konservativen Regionen wollen die Wähler eine Leitfigur, also ein Zugpferd an der Spitze sehen, welche die Themen glaubwürdig vermittelt und Gesicht zeigt. Sie wollen sehen, dass eine gewisse Grundordnung und ein geschlossenes Ganzes mit Struktur besteht, denn genau das wollen konservative Wähler ja auch für ihr Land später umgesetzt sehen. So haben beispielsweise die Freien Wähler mit Hubert Aiwanger eine Person gehabt, die dort lange bekannt und als Spitzenfigur anerkannt war.

    Die AfD Bayern war leider, das betrifft allerdings viele Teile der AfD auch anderswo, zu uneinig und konnte sich für den Landtagswahlkampf nicht einmal auf einen Spitzenkandidaten oder eine Kandidatin einigen. Das war ein großer Fehler. Ähnliches droht anscheinend auch für Sachsen. Ich denke das ist eines der größten Probleme mit denen die AfD insgesamt zu kämpfen hat.

    Nun hat eine linksradikale Partei ein gewaltiges Ergebnis in Bayern hingelegt, wie bewertest Du das Ergebnis der Grünen?

    Die Grünen fahren deutschlandweit leider eine clevere Strategie. Sie vereinen immer mehr Linke hinter sich, die sie von anderen Parteien wie der Linken, der SPD usw. abziehen. Sie fahren eine klare linksradikale Agenda und kommen damit sehr authentisch und kompromisslos rüber, das gefällt der linken Klientel. Genau so wurde es auch in Bayern gemacht, die Linken sind nicht rein gekommen, die SPD hat sich halbiert und die Grünen sind zweitstärkste Kraft. Hinsichtlich Glaubwürdigkeit und Standfestigkeit können wir als AfD da noch etwas lernen. Niemand wird bei den Grünen für linken Klartext oder Linkspopulismus abgestraft, ganz im Gegenteil.

    Wie wird es im Landtag Bayern weitergehen?

    Wir sollten trotz allem nicht vergessen, dass es dort mit CSU, FW, AfD und FDP eine deutliche, sagen wir vorsichtig, “bürgerlich-konservative” Mehrheit gibt. Die Leute haben mit bald Zweidritteln konservativ gewählt, es wäre also leicht möglich, jedes linke Vorrücken konsequent zu unterbinden, wenn denn der Wille da wäre. Allerdings müssen wir nun abwarten, was vor allem CSU und FW ihre Wahlversprechen tatsächlich einlösen, ob sie linken Gesellschaftsexperimenten zusammen mit der AfD eine klare Absage erteilen oder – wie die CDU zum Beispiel in Sachsen-Anhalt – vor den giftgrünen Radikalen einknicken.

     

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