Der Deutsche Orden war kurz davor völlig vernichtet zu werden. Alles schien verloren, als ein tapferer Thüringer sich entschlossen daran machte, die von Polen und Litauern bedrohte Marienburg zu verteidigen. Heinrich von Plauen führte nach der Katastrophe in der Schlacht bei Tannenberg seine Truppen in Eilmärschen in die Marienburg, wo er bis zum 23. Juli 1410 die Verteidigungsbereitschaft herstellte, sowie die allmählich eintreffenden Überreste des geschlagenen Ordensheeres sammelte. Als der Feind sich daran machte, die Burg zu belagern, gelang es von Plauen und seinen Getreuen, diese erfolgreich zu halten und zahlreiche Ausfälle zu unternehmen, bis die Gegner schließlich abrückten. Wenn Sie mehr über Heinrich von Plauen und die Belagerung der Marienburg wissen möchten, empfehlen wir Ihnen die COMPACT-GESCHICHTE-HEFTREIHE, welche Sie hier abonieren können.

    Helden Geschichte
    In diesem Heft widmet sich COMPACT zahlreichen bekannten und einigen fast vergessenen Helden des deutschen Volkes.

    Der Held Heinrich von Plauen findet seine Würdigung in COMPACT Geschichte Nummer 2: Deutsche Helden. Hier ein Auszug:

    Das Schwert der Ordensritter-Heinrich von Plauen (1370–1429)

    Alles schien für den Deutschen Orden verloren, da hielt ein entschlossener Thüringer die Fahne hoch. Vor der Marienburg holten sich siegesgewisse Polen und Litauer blutige Köpfe. Der Großmeister siegte und wanderte dennoch in den Kerker.

    Die Dynastie derer zu Reuß stellt ein unglaubliches Kuriosum dar. Ihr Stammvater Heinrich Vogt zu Gera, um 1180 Dienstmann des römisch-deutschen Kaisers, gab den Anlass, künftig ausnahmslos alle männlichen Nachkommen dieser weitverzweigten thüringischen Familie auf den Vornamen Heinrich zu taufen. Das verursacht bis heute größte genealogische Verwirrungen, denn etwa alle 150 Jahre mussten die Männer neu durchnummeriert werden. Heinrich der Zweihundertneunundsiebzigste hätte denn doch zu lächerlich geklungen.

    Unser Held, jüngerer Sohn des Heinrich VIII., Vogt von Plauen, suchte so wie viele nicht begüterte Kleinadelige Dienst bei einem geistlichen oder weltlichen Orden. In seinem Fall war es der im Osten des Reiches und im Baltikum agierende Deutsche Ritterorden. Dort wurde er 1391 erstmals als Ordensritter erwähnt. Heinrich leistete den üblichen Eid: “Ich gelobe Keuschheit meines Leibes und ohne Eigentum zu sein und Gehorsam gegen Gott und die Heilige Maria und den Meister des Deutschen Hauses.” Wer das Leben eines Ordensbruders wählte, war durch eine Grundversorgung mit Lebensmitteln, Obdach und einfacher Kleidung abgesichert. Sein persönliches Vermögen übereignete er vollständig dem Orden und entsagte darüber hinaus jedwedem Eigenwillen.

    Heinrich von Plauen war 1397 Gehilfe des Komturs von Danzig und 1399 bis 1402 Komtur dieser Stadt. Es handelte sich um ein Amt, das große Selbständigkeit verlangte. Ein Ordenskomtur traf Entscheidungen über alle Belange von Wirtschaft, Finanzen, Justiz, Kriegswesen, Ordnungsdienst, er verteilte Grundstücke an Siedlungswillige und konnte Städtegründungen veranlassen. Der Deutsche Orden war 1191 im Gefolge der Kreuzzüge gegründet worden. Ihm gehörten sowohl Ritterbrüder (fratres milites) als auch Priester an.

    Vom Mittelmeerraum verlegte der Orden seine Wirkungsstätte nach Osteuropa. Es waren polnische Fürsten, welche 1230 die deutschen Ritter ins Land riefen, weil sie mit heidnischen Stämmen im Baltikum, vor allem den Pruzzen, nicht fertig wurden. Als Lohn für ihren militärischen Beistand erhielt der Orden große Gebiete im Bereich der heutigen Staaten Lettland und Litauen sowie in West- und Ostpreußen. Hier fand eine großartige Kolonisation statt. Es wurden bis Anfang des 15. Jahrhunderts 93 Städte gegründet, darunter Königsberg, Kulm, Ortelsburg, Memel, Thorn.

    Deutsche Einwanderer reparierten verwüstete Dörfer und gründeten 1.400 neue. Der Orden verlegte 1309 seine Residenz nach Marienburg, wo auf 20 Hektar der größte Backsteinbau Europas entstand. Der Ruhm des Kampfes für die Christenheit sprach sich herum, und so zogen auch ausländische Adlige ins Baltikum, um sich hier zeitweise unter Führung der Ordensritter im Kriegshandwerk zu schulen.

    Prominentester Gast war sicher Henry Bolingbroke, ab 1399 König Heinrich IV. von England. Heinrich von Plauen sammelte in jener Zeit viele Erfahrungen, so als Komtur von Nessau und Morin. 1407 wurde er schließlich Komtur von Schwetz, und hier erfüllte er drei Jahre später seine historische Berufung. Der Deutsche Orden, welcher selten mehr als 2.000 Ritterbrüder zählte, stand seit Mitte des 14. Jahrhunderts häufig im Konflikt mit seinen missgünstigen Nachbarn Polen und Litauen – Ländern, die sich damals vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer erstreckten.

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