Lernen wir den Reichtum unserer Geschichte kennen. In der dritten Ausgabe von COMPACT-Geschichte: “Mythisches Deutschland – Die historischen Stätten unseres Volkes” lässt Bestsellerautor Jan von Flocken vor Ihren Augen die Orte lebendig werden, an denen unsere Altvorderen die Urgewalten des Schicksals entfesselten. COMPACT-Online präsentiert Ihnen hier einen Auszug aus dem Kapitel über Barbarossa auf dem Kyffhäuser:

    Cover_COMPACT_Geschichte_Der Mythos des schlafenden Barbarossa faszinierte die Deutschen seit dem Mittelalter. Doch erst im 19. Jahrhundert entstand ein Wallfahrtsort für die Sehnsüchtigen.

    Tief im Schoße des Kyffhäusers,
    bei der Ampel rotem Schein,
    sitzt der alte Kaiser Friedrich
    an dem Tisch von Marmorstein.»

    So heißt es in der Ballade «Friedrich Rotbart» des Lyrikers Emanuel Geibel. Auch der Schwabe Friedrich Rückert dichtete:

    «Der alte Barbarossa,
    der Kaiser Friederich,
    im unterird‘schen Schlosse
    hält er verzaubert sich.»

    Somit scheint klar: Die mythische Gestalt im Kyffhäuser ist Friedrich I., Römisch-deutscher Kaiser (1155–1190), besser bekannt als Barbarossa. Doch die Dinge liegen komplizierter. 1250 starb Barbarossas gleichnamiger Enkel, Kaiser Friedrich II. Wenige Jahre danach waren alle männlichen Nachkommen des Staufergeschlechts ausgerottet. Es begann das sogenannte Interregnum, «die kaiserlose, die schreckliche Zeit» (Friedrich Schiller).

    Für ein Vierteljahrhundert versank das Deutsche Reich in Anarchie. Viele Menschen wollten nicht glauben, dass Friedrich II. wirklich gestorben sei. Man erwartete vielmehr von ihm die Errettung des Reiches und die Erneuerung der verkommenen Papstkirche. Bis dieser Zeitpunkt gekommen sei, würde Friedrich II. im Kyffhäuser auf seine entscheidende Stunde warten – verkündet von den wundersam-weisen Raben, welche den Berg umkreisen.

    Es war so, «dass sich bei den Völkern noch Jahrhunderte nach seinem Tod die säkulare Heilserwartung und der Glaube an die erlösende Wiederkunft eines Heiland-Herrschers mit der Person dieses Stauferkaisers verband», schreibt Hellmut Diwald in seinem Monumentalwerk Geschichte der Deutschen mit Bezug auf Friedrich II.

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    Das ehrfürchtige «Vivit non vivit» (Er lebt und lebt nicht) – bezieht es sich nun auf Friedrich Barbarossa oder Friedrich II.? In dem 1519 erschienenen Volksbuch Wahrhaftige Historie von dem Kaiser Friedrich, dem ersten seines Namens, mit einem langen roten Bart hieß es, der 1190 im kleinasiatischen Fluss Saleph ertrunkene Monarch könne womöglich noch leben und auf seine Rückkehr warten, um den Deutschen als Retter die Segnungen eines starken und einigen Reiches zu bringen.

    Aber noch blieb Friedrich II. im allgemeinen Bewusstsein präsenter. Endgültig entschieden wurde diese Frage Anfang des 19. Jahrhunderts. Zwei Heimatschriftsteller verbanden den Berg eindeutig mit Barbarossa. Ihre ausführliche Schrift wurde von den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm 1816 für die Sammlung deutscher Sagen bearbeitet und fand so Eingang in den Kanon der Romantik. Balladen wie die von Geibel und Rückert festigten diese Sicht.

    Ins erwachende Nationalbewusstsein der Deutschen passte Barbarossa, trotz seines italienischen Beinamens, einfach besser. Ein knorriger Kerndeutscher, der schwertschwingend gegen Italiener und Araber zu Felde zog, sich gern seinen Untertanen zeigte, eine starke monarchische Zentralgewalt schuf – dieser «Kaiser Rotbart lobesam» (Ludwig Uhland) fügte sich wesentlich harmonischer ins historische Gedenkbild als sein intellektuell-neurotischer Enkel. (…)

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    COMPACT-Geschichte, 24. März 2018 im Handel, Mythisches Deutschland
    COMPACT-Geschichte – Mythisches Deutschland

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