Der Raub der Huawei-Prinzessin: US-Schlag gegen Chinas Technologie-Riesen

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Der amerikanisch-chinesische Wirtschaftskrieg schaukelt sich immer weiter hoch. Die Inhaftierung der Tochter des mächtigsten Oligarchen aus dem Reich der Mitte ist nur der vorläufige Höhepunkt – eine weitere Eskalation zeichnet sich ab. Es folgt ein Auszug aus dem Artikel „Der Raub der Huawei-Prinzessin“, den Sie vollständig in der aktuellen COMPACT 02/2019 lesen können. Am Kiosk kaufen oder gleich hier bestellen

_ von Sven Reuth

Es waren Tränen der Erleichterung aber auch der Bitterkeit, die Meng Whanzou kurz vor dem Weihnachtsfest in einem Verhandlungssaal im kanadischen Vancouver über das Gesicht rollten. Das Gericht hatte entschieden, dass die gesundheitlich angeschlagene vierfache Mutter und Vizepräsidentin des Huawei-Konzerns die Zeit bis zur Entscheidung über ein Auslieferungsbegehren der USA nicht in einer Haftzelle verbringen muss. Sie bleibt gegen eine Kaution von zehn Millionen kanadischen Dollar in Freiheit, muss allerdings eine elektronische Fußfessel tragen und darf sich nur in einem eng begrenzten Teil von Vancouver bewegen.

Chinas führender Global Player

Vierzehn Tage zuvor hatten auf dem Flughafen der Metropole an der kanadischen Pazifikküste, in der Meng eine Villa besitzt, die Handschellen geklickt. Die Vorwürfe, die sich die Tochter des Firmengründers Ren Zhengfei anhören musste, wirkten reichlich konstruiert: Sie soll angeblich vor Jahren an der Verschleierung von Iran-Geschäften der in Hongkong ansässigen Firma Skycom mitgewirkt haben. Diese wird von der US-Justiz als Strohfirma von Huawei angesehen, in den Vereinigten Staaten droht Meng deswegen eine 30-jährige Haftstrafe, und nach diesem Haftbefehl handelte die kanadische Justiz.

Brüsker hätte der Affront gegenüber dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping kaum ausfallen können: Die Festnahme erfolgte parallel zu seinem Treffen mit Donald Trump während des G20-Gipfels in Buenos Aires. Beide wollten Wege zur Beendigung des Handelskrieges ausloten. Die Verhaftung in Vancouver verhagelte das Tête-à-Tête: Huawei ist nichts weniger als das Kronjuwel der chinesischen Wirtschaft – und wohl jetzt schon das stärkste Symbol für den wirtschaftlichen Aufstieg des roten Drachen aus den Ruinen der US-Hegemonie.

Rund ein Drittel der Weltbevölkerung nutzt mittlerweile Huawei-Produkte.

Den einstigen Weltmarktführer Apple aus dem kalifornischen Cupertino haben die Chinesen mittlerweile überholt. Während der US-Technologiegigant schon in den ersten Tagen des neuen Jahres mit einer drastischen Gewinnwarnung (Prognose reduzierten Gewinns) den letzten Weihnachtsschmuck bei den schockierten Anlegern vom Tisch fegte, konnte Huawei seinen Umsatz 2018 um 20 Prozent steigern und wird im laufenden Jahr wohl erstmals die magische 200-Millionen-Marke bei der Zahl der verkauften Geräte knacken.

Futurismus pur: So präsentierte sich der Technologiegigant aus dem Reich der Mitte im letzten Jahr beim Mobile World Congress in Barcelona. Foto: huawei.com

Ren Zhengfei gründete Huawei, was übersetzt so viel bedeutet wie «China unternimmt etwas», im Jahr 1987 mit einem Startkapital von umgerechnet gerade einmal 3.000 US-Dollar. Der frühere Ingenieur der Volksbefreiungsarmee nutzte die Liberalisierung der Kommandowirtschaft, die der Reformer Deng Xiaoping im Dezember 1978 verkündet hatte, um in der direkt an Hongkong angrenzenden chinesischen Sonderwirtschaftszone Shenzhen mit dem Verkauf von Schalteinrichtungen für Telefone zu beginnen. Über Jahre hinweg mauserte er sich im wenig spektakulär erscheinenden Brot- und Butter-Geschäft des Handels mit Netzwerkkomponenten und Schalteinrichtungen zu einer Branchengröße, recht früh kam auch schon die Produktion von Handys als Auftragsarbeit für ausländische Hersteller hinzu. Huawei konkurrierte dabei von Anfang an – anders als viele andere chinesische Firmen – nicht über den Preis, sondern über seinen ausgezeichneten Service und die Qualität seiner Produkte. Das Unternehmen achtete peinlich genau darauf, keine Eigentumsrechte zu verletzen, und bezahlte teilweise Lizenzgebühren von 200 Millionen Dollar im Jahr.

Machtlos gegen die China-Power

Seine unangekündigten Inspektionsbesuche in den einzelnen Fabriken machte Ren bis 1997 mit einem alten Peugeot, bis er auf einen BMW umstieg, in dem er Englischlektionen paukte. Mit seiner Firmenphilosophie, die auf Innovation aus eigener Kraft statt auf Imitation setzt, schaffte er auch für chinesische Verhältnisse etwas Einzigartiges. Eine globale Wirtschaftsmacht ist ein Land nämlich erst, wenn es international bekannte Marken hat. Die USA haben Apple und Coca-Cola, Deutschland Mercedes-Benz und BMW, Japan Toyota, Frankreich Louis Vuitton, die Schweiz Nestlé – und China hat nun Huawei. Obwohl der Konzern erst seit acht Jahren Endgeräte wie Smartphones oder Tablets unter eigenem Namen fertigt, gehört er mittlerweile nach verschiedenen Umfragen zu den bekanntesten Unternehmen der Welt. Vor allem eine Zahl demonstriert die ungeheure wirtschaftliche Macht des chinesischen Telekommunikationsgiganten: Rund ein Drittel der Weltbevölkerung nutzt mittlerweile Huawei-Produkte, um miteinander zu kommunizieren.

Das chinesische WeChat ist der westlichen Konkurrenz WhatsApp weit voraus.

Es geht dabei nicht nur um Smartphones, sondern auch um Server und Router, über die Internetverbindungen hergestellt werden, oder um mobile USB-Sticks, mit denen man im Netz surfen kann. Das Unternehmen ist führend bei der Entwicklung der sogenannten fünften Generation des Mobilfunks (5G) – ein Standard, der etwa zehnmal schneller sein soll als die derzeit genutzte Technologie. Die USA haben bislang keine Strategie gefunden, den Vormarsch des Tech-Giganten aus dem Reich der Mitte zu stoppen – und das, obwohl Washington auch schon vor der Festsetzung Mengs mit drastischen Mitteln gegen die unliebsame Konkurrenz vorgegangen ist. Schon im Jahr 2012 warnte der US-Kongress die Unternehmen des Landes davor, Huawei-Technologie zu kaufen. Mittlerweile hat die US-Administration allen staatlichen Behörden und den mit ihnen zusammenarbeitenden Subunternehmen die Verwendung von Geräten und Komponenten des Konzerns gänzlich untersagt. Die offizielle Begründung für diese Maßnahmen sind Spionagevorwürfe, die bislang allerdings noch nie belegt werden konnten. Die Huawei-Paranoia hat in Washington mittlerweile solche Ausmaße angenommen, dass verbündeten Ländern sogar finanzieller Ausgleich geboten wird, wenn diese auf den Kauf von Produkten des Erzfeindes aus Shenzhen verzichten.

(Ende des Auszugs). Lesen sie den Artikel vollständig in der aktuellen COMPACT 02/2019. Als Abonnent finden Sie ihn (und alle anderen Beiträge der Ausgabe) ebenfalls vollständig unter Digital+.

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11 Kommentare

  1. Avatar
    katzenellenbogen am

    Ich habe die Hassgesänge gegen den angeblichen „Frauenfeind" Donald Trump immer äußerst abstoßend gefunden, widerlich, jemanden wegen einer etwas grenzwertigen Bemerkung niederzumobben. Als ein zufriedener Huawei-User, der auf WeChat mehr Kontakte als auf WhatsApp hat, stößt mir allerdings die Festnahme unserer attraktiven CFO sauer auf. Das "Grab them by the p*****" kann ich ihm noch verzeihen, aber das „Grab her by the shoulder" (nämlich zum Zweck der Verhaftung) nehme ich ihm ziemlich übel…
    When Trump Bowser ist, möchte ich Mario sein,
    und die Prinzessin aus ihrem Kerker befrei’n!

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      Da ich auch WeChat-Nutzer bin habe ich das weiterempfohlen. Ein Bekannter war bass erstaunt, dass die chin. Sicherheitbehoerden um Zugang gebeten haben und berief sich auf den Datenschutz. Nun ja, ich weiss ja nicht ob die NSA und der BND auch um Zugang bitten. Wahrscheinlich nicht, so wie der Fall Merkel beweist.

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    Da sieht man einmal, wie sehr Canada von den USA abhängig ist. Europa, besonders D., ist aber offensichtlich in der selben Situation. Wenn die USA sagen: Liefere mir XV aus, tun sie das! Fair wäre es gewesen die Frau zu warnen und ihr eine Chance zu geben. sich in die Heimal in Sicherheit zu bringen.
    Wenn man die Konkurrenz nicht will, kann man die Einfuhr der Produkte im eigenen Land untersagen, daß der Konkurrent im internationalen Wettbewerb gewinnt, muß man dagegen hinnehmen!
    Die USA sieht aber, daß es wohl China ist, das langfristig die Rolle der Weltmacht und des Hegemons übernehmen wird und wehrt sich schon mit unfairen Mitteln dagegen.
    China tut dies auf seine eigene Art, nicht wie die USA mit hauptsächlich militärischer Drohung – das macht die USA besondrs wütend. Denn, in Kenntnis des Gegners, China legt sich auch in diesem Punkt eine Abwehrstärke zurecht, macht damit aber keine Außenpolitik. Schon immer hat es seine Produkte – lange einzigartiger Qualität – exportiert, aber nie möglichst viele fremde Länder besetzt, sondern sich stets um sein eigenes Reich der Mitte gekümmert. An der Gründung eines Imperiums sind stets alle Völker, die es taten, langfristig gescheitert.

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      @Livia. Schaue einmal nach dem Begriff “Exzeptionalismus” bei Wikipedia und dann liess diesen Artikel:“Exzeptionalismus: Das sind die beiden wirklichen Schurkenstaaten”. Dann wirst du alles verstehen.
      Zur Not hilft auch Professor Mausfeld im YouTube-Video:
      “Prof. Rainer Mausfeld: Die Angst der Machteliten vor dem Volk”.
      Zuruecklehnen und geniessen was mit und in den USA los ist.
      China macht sowas nicht.

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    Nun werden die Schlitzohren aus China wohl weniger in den Staaten spionieren
    , aber dafür ihre Wirtschaftspionage auf Europa konzentrieren.

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      Glaube ich nicht. Im deutschen Narrenland ist der Gutmenschenwahn
      inzwischen so ausgeprägt, dass die Industrie ihre Geheimnisse freiwillig
      den schlitzäugigen Schlitzohren zur Verfügung stellen.

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        Manschuli, leider verstehst Du davon wieder mal so viel wie das berühmte Schwein vom Stabhochsprung

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        Ja Paule, nachdem ich nun fast 18 Jahre in China wohne und arbeite sind mir solche Sachen natuerlich vollkommen fremd. Aber dafuer haben wir ja dich Paule.

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        Sorry, wußte nicht das Du vom Grenzbahnhof in Manschuli am nördlichen Ende der Manschurei kommst.

        Das erklärt natürlich Dein ziemlich antiquiertes "Wissen",
        also nochmals ENTSCHULDIGUNG.

        😉 😉 😉

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