Der Monsanto-Minister: Wie die Politik vor den Konzernen kriecht

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Kaum zeigt ein CSU-Mann mal Eier, passiert das an falscher Stelle und in falscher Sache. Dass der Glyphosat-Alleingang von Christian Schmidt für Zoff in der GroKo gesorgt hat, ist zu verschmerzen – das Gift auf unseren Feldern nicht. Die Politik knallt vor den Konzernen die Hacken zusammen.

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_ von Gerhard Keil

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) kann sich das zweifelhafte Verdienst ans Revers heften, dass seine Stimme wohl den Ausschlag bei der Verlängerung der EU-Zulassung für das Pflanzenschutzmittel Glyphosat um weitere fünf Jahre gegeben hat. 18 Länder stimmten dafür, neun dagegen, ein Land enthielt sich. Für die erforderliche qualifizierte Mehrheit waren nicht nur 55 Prozent der 28 EU-Länder – also 16 Ja-Stimmen – nötig, die Pro-Staaten mussten auch 65 Prozent der Bevölkerung in der Europäischen Union stellen.

Ohne die Zustimmung des Vertreters des bevölkerungsreichsten Landes der Europäischen Union wäre das Vorhaben wohl gescheitert. Der Christsoziale hatte sich über das Veto von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hinweggesetzt und damit gegen die Geschäftsordnung der Bundesregierung verstoßen, die in solchen Fällen eine Enthaltung vorschreibt. Das ist das eine.

Das andere ist die Frage, inwiefern ein Mitglied des Kabinetts sich damit zum Handlanger der Großindustrie gemacht hat. Selbst das alles andere als wirtschaftsfeindliche Manager Magazin bemerkte dazu: «Schmidt setzt nichts dem Verdacht entgegen, in enger Kooperation mit der Lobby milliardenschwerer Agrarkonzerne agiert zu haben.

Der deutsche Bayer-Konzern ist gerade dabei, den Glyphosat-Hersteller Monsanto zu übernehmen und so zu einem internationalen Champion in der Unkrautvernichtungs- und Saatgut-Industrie aufzusteigen. Und Monsanto hat in der Vergangenheit kräftig für die Verlängerung der EU-Genehmigung für Glyphosat lobbyiert – zum Teil mit üblen Methoden.»

Dieser aggressive Lobbyismus hat möglicherweise auch schon bei der Einstufung des Herbizids auf europäischer Ebene Wirkung gezeigt. Sowohl die Chemikalienagentur ECHA als auch die Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA befanden, dass das sogenannte Unkrautvernichtungsmittel nicht krebserregend sei. Kritiker der Zulassung führen allerdings Studien an, die das genaue Gegenteil belegen. Sie erheben den Vorwurf, dass bei den Untersuchungen, auf die sich die EU-Kommission beruft, Daten in erheblichem Maße manipuliert worden seien – möglicherweise unter Beteiligung der Monsanto-Zentrale in St. Louis.

«Vom Gleis genommen»

So sind der Toxikologe Peter Clausing und der Statistik-Experte Christopher Portier in einer Expertise für das Pestizid Aktions-Netzwerk zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Einstufung als «nicht krebserregend» wegen der Missachtung methodologischer Regeln, der Frage der Dosisabhängigkeit und falscher Kontrollen unzutreffend sei.

Die Lobby-Kontroll-Organisation Corporate Europe Observatory ging sogar noch einen Schritt weiter und erklärte, dass ihr Erkenntnisse über eine Mitwirkung von Monsanto an der Schlussfassung des EFSA-Berichts vorlägen. Im Juni 2017 wurde bekannt, dass der US-Beamte Jess Rowland an einer Telefonkonferenz der europäischen Lebensmittelbehörde über Glyphosat teilgenommen hatte. Im Rahmen eines Gerichtsverfahrens in den USA stellte sich dann heraus, dass Rowland sich in E-Mails an Monsanto damit brüstete, einen Prozess zur Bewertung von Glyphosat «vom Gleis genommen zu haben».

Solche Vorgänge lassen Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit der behördlichen Entscheidungsgremien auf EU-Ebene aufkommen. Als «wahrscheinlich krebserregend beim Menschen» wurde die Chemikalie etwa von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) eingestuft. Das ist die zweithöchste Position auf ihrer Skala (…)

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11 Kommentare

  1. Herbert Weiss am

    Fakt ist:
    1. Jahrtausendelang ist die Menschheit ohne Gift auf dem Acker ausgekommen.
    2. In großen Teilen Chinas müssen Obstbäume und sonstige Kulturen von Arbeitskolonnen mit dem Pinsel bestäubt werden, weil es dort keine Bienen mehr gibt. Also, wie dämlich ist das denn?

    Die genaue Schadwirkung von Glyphosat & Co. ist zwar umstritten; der gesunde Menschenverstand sollte einem jedoch verdeutlichen, dass das Zeug mit gewissen Risiken behaftet ist. Es gibt durchaus Möglichkeiten, den Befall mit Schädlingen durch Fruchtfolge, Zwischenkulturen, biologische und mechanische Mittel zu minimieren. Man muss nur wissen wie.

    Sage mir jedoch, wer über das meiste Geld verfügt und ich sage dir, wer die einflussreichsten Experten und Politiker kaufen kann.

    Das Aufbegehren Herbert Gruhls gegen die damalige Umweltvernichtung war ein notwendiges Signal, leider wurde seine Bewegung von Chaoten und ideologischen Spinnern unterwandert.

    • An der Diskussion über Glyphosat nehmen viel zu viele Laien teil, die sich für Experten halten.
      Schon der erste Satz ist Quatsch bzw. pure Polemik.

  2. Christen wie Christian Schmidt sind zur Schafsköpfigkeit erzogen. Deshalb kuscht er vor den "Heilanden" namens Bayer AG und Monsanto.

    Und überhaupt: Ein lebendiger germanischer Weihnachtsbaum ist nicht mit dem tödlichen Christbaum, einem orientalisch-schäfisch umfunktionierten Baum, zu verwechseln. Die "Eier" (z.B. Ostereier für Göttin Ostara oder Astarte = Venus) sind ein uraltes Symbol der Kraft und Zeugung. "Eier" politisch zu "haben" traut sich der Christ nicht.

    Den Untertanen erzählen die Christenherrscher selektiv vom lieben Christkind, damit das einfache Volk nicht wirklich aufbegehrt – wie Christian Schmidt und die Christenparteien nicht gegen Monsanto. Die Ausführungsbestimmungen der hebräischen und nazarenischen Quellentexte sind dagegen maximal brutal, bis hin zum angeblich göttlich befohlenen Völkermord, weshalb genau besehen die christliche Staats-Ideologie organisierter Terror ist; sie hat bei den Schäflein über Jahrhunderte so viele Ängste eingepflanzt, dass von dort keine Demokratie im Sinne eines Mitwirkens zu erwarten ist.

    • Nachtrag: Der papistische Schlächter-Karls-Preis in Aachen offenbart das Brutale: Er wurde u.a. dem Massenmörder an Buren und Deutschen, Churchill, gegeben, ohne dass einer von den schriftkundigen Oberpfaffen protestiert hätte. Entsprechend enthalten die Lisabon-Verträge das "Recht" der Staaten, gegen Gleichmacherei oder Ausbeutung aufbegehrendes Volk zusammenzuschießen: typisch christliche anti-europäische Eurokratie; Völkermord als Mittel der Politik an einem zum "Himmelfahrtstag" erklärten Frühlingstag "gefeiert".

      Solcherart verängstigt lassen sich die Schäflein – allem Anschein nach – lieber von Monsanto/Bayer mit Glyphosat vergiften als von Juncker/Merkel zusammenschießen oder von Bedford-Strohm/R.Marx mit Höllenflüchen auf angeblich ewig vernichten.

  3. Über Glyphosat kann man geteilter Meinung sein, weil viele Gutachten zur Schädlichkeit widersprüchlich und interessengesteuert sind. Es gibt für Nichts und Irgendetwas eine 100prozentige Sicherheit – man muß immer abwägen. Das Problem ist, das es kein vergleichbar wirksames preiswertes Herbizid gibt und die Gefahr besteht, eine Art neue "Energiewende 2.0" loszutreten – nur diesmal in der Landwirtschaft mit vergleichbaren Auswirkungen. Ähnlich wie beim Abschalten moderner Atomkraftwerke, gibt es auch hier Interessenten, die gern Lebensmittel verknabben und verteuern würden…

  4. Holger Narrog am

    Das ist ein Artikel wie man ihn 1000-fach in der ökoreligiösen Lügenpresse lesen kann. Wenig, selektive "Fakten", ökoreligiöse Visionen. Das hätte sich Compact sparen sollen. Schön wäre es wenn die Redaktion mehr Sorgfalt bei der Auswahl der Artikel walten liesse.

    Sachlich gesehen ist Glyophosat ein preiswertes, sehr effektives Herbizid. Das Monsanto Patent ist längst abgelaufen, so dass dieses Herbizid von verschiedenen Anbietern hergestellt wird und sich ein günstiger Marktpreis gebildet hat.

    Die wissenschaftlich kompetenteste Behörde zur Bewertung der Risiken von Glyophosat ist in Deutschland das BfR. Das BfR untersteht der linken Ministerin Hendricks. Bewundendernswert ist das die Beamten so unabhängig geblieben sind Glosphosat als unbedendlich zu bewerten.

    COMPACT: Lesen Sie zum BfR-Gutachten doch mal hier:: https://www.compact-online.de/merkel-will-glyphosat-durchpeitschen-eu-praesentiert-ein-plagiiertes-gutachten/

    • Holger Narrog am

      Meines Erachtens wäre es sehr wünschenswert Artikel zu ideologischen Themen wie "Klimawandel", "Erneuerbare Energien", Kernenergie, "Dieseltote", Gentechnik, oder Lebensmittelsicherheit vorab Mitmenschen mit Fachhintergrund zum lesen zu geben. Damit könnten Sie sich von der Lügenpresse abheben.

      Ich war/bin als "Industrievertreter" in Konferenzen/Arbeitskreisen zum Thema Lebensmittelsicherheit, allerdings nicht Glyophosat, vertreten. Ich habe Kontakte zu Behördenvertretern und Labors. Das BfS und die EFSA habe ich als etwas langsam und theoretisch, aber kompetent erlebt.

      Die Zahl der Studien zu den einzelnen der vielen chemischen potentiellen Schadstoffen ist im Gegensatz zur Radioaktivität sehr gering. Die meisten der Studien werden von Behörden und der interessierten Industrie vorab diskutiert, begleitet und von der Industrie finanziert. Insofern ist eine Finanzierung durch Monsanto nicht abwegig.

      Im Gegensatz zur ökoreligiösen/linken Ideologie sind wir als Industrievertreter keine pösen Monster. In der Regel sind wir als Industrieverteter daran interessiert aus lückenhaften Fakten zusammen mit den Behörden über Plausibilitäten, Abschätzungen sinnvolle, praktikable Regeln zu erarbeiten.

      Die Vertreter grüner und linker NGO habe ich in der Regel als sachlich desinteressiert, manipulativ kennen gelernt. Üblicherweise werden Informationen sehr selektiv bei der Lügenpresse verbreitet.

  5. Johannes Steudter am

    Von Compact hätte ich da schon mehr erwartet wie ein Artikel der kaum mit Fakten glänzen kann. Es sind also methodische Regeln nicht so eingehalten worden, wie es da zwei selbsternannte Fachleute behaupten. Das mag ja sein. Aber es gibt nun mal Gesetze die der Risikobewertung dienen und die sollten doch über methodischen Regelen stehen? Und Glyphosat ist ein spottbilliges Herbizid, weil ohne Patentschutz und da verdient Monsanto in Europa nicht eben viel dran. Weil hier gibt es auche keinen Genmais oder Gensoja, die gegen diese Mittel resistend sind. Ein Verbot würde es Monsant ermöglichen evtl. wesentliche teuerer Mittel an den Mann bzw. Bauern zu bringen.

    COMPACT: Zu den Gesetzen der Risikobewertung, die über methodischen Regeln stehen müsste,lesen Sie bitte hier: https://www.compact-online.de/merkel-will-glyphosat-durchpeitschen-eu-praesentiert-ein-plagiiertes-gutachten/

  6. Bei solch brisanten Themen kann man sich nicht auf Expertenurteile verlassen.
    Mich wundert es nicht, dass unterschidliche Experten zu unterschidlichen Urteilen kommen.
    Anti-Glyphsat-Anhänger verschweigen entlastendene Ergebnisse und umgekehrt.
    Wenn man einen Ökofaschisten nach der Sinnhaftigkeit von Tempolimits auf Autobahnen fragt, dann gibt es auch nur eine Antwort.

  7. EX-SPD Mitglied am

    Morgens döhnte Göring auf den NATO-Medien: „Wir wollen, dass in diesen vier Jahren jede Biene und jeder Schmetterling und jeder Vogel in diesem Land weiß: Wir werden uns weiter für sie einsetzen.“

    Abends dröhnte es in den NATO-Medien: Glyphosat-Zulassung von Christian Schmidt verlängert um Glyphosat gegen jede Biene, jeden Schmetterling und jeden Vogel in diesem Land einzusetzen.

    Bayer hat den besseren Zugang zur "Politik" als die Amis, um dort gegen Geld Zulassungen zu kaufen.

    Hat das Gift eine Zulassung kann man es wohl überall verkaufen. Leverkusen muss den Buckel inhalten als "Zulasser".

    Die Politik knallt vor den Konzernen die Hacken zusammen. Die Konzerne halten sich die Politik wie einen Hund an der Leine.

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