Krimi-Offensive gegen Rechts: Tatort und Polizeiruf 110 fahnden verstärkt nach Verbrechern, die unschwer der AfD zugerechnet werden können oder aus angeblich völkischen Aussteigergruppen stammen. Doch die TV-Propagandisten scheitern an ihrer eigenen Perfektion. Ein Textauszug aus COMPACT 7/2019.

    _ von Bernd Schumacher

    Der Anspruch des Staatssenders ARD, gesellschaftlich relevante Themen auch in Unterhaltungsprogramme einfließen zu lassen, wurde in den letzten Wochen und Monaten bis zum Anschlag ausgereizt. Die Tatorte «Dunkle Zeit», «Sommerwende», «Freies Land», «Ich töte niemand» sowie die beiden Polizeirufe «Demokratie stirbt in Finsternis» und «In Flammen» bilden ein mediales Sperrfeuer gegen Elemente der Gesellschaft, die vom System unerwünscht sind: Aussteiger, Nonkonformisten, unabhängige Bürger, die sich selber organisieren möchten und natürlich heimattreue Konservative.

    Bösewicht Gauland

    Wenn in «Dunkle Zeit» eine neue «rechtspopulistische Partei» namens Die Neuen Patrioten (DNP) und deren energische Chefin im Mittelpunkt stehen, ist die Parallele zur AfD und ihrer Ex-Vorsitzenden Frauke Petry unübersehbar. Es dürfte das erste Mal sein, dass eine neue Partei durch einen Tatort geadelt wird. Gleich in den ersten Bildern werden Trump und Putin gezeigt, garniert mit Bildern von Hitler, SA, Juden, Tötungen. Das wüste Intro gipfelt in einem Mordaufruf von Linksaußen gegen die DNP-Fraktionsvorsitzende (Anja Kling). Am Ende wird klar: Das Attentat kam nicht von links, sondern war ein perfides Wahlkampf-Manöver aus den eigenen Reihen, um der neuen Partei Opfer-Status und Mitgefühl einzubringen…

    Die ARD fand «Dunkle Zeiten» offenbar so wichtig, dass das AfD-Zerrbild, am 17. Dezember 2017 uraufgeführt, bereits am 8. Mai in einigen Dritten wiederholt wurde. An diesem geschichtsträchtigen Tag reihte die Folge sich ein in die Antifa-Großoffensive des Ersten. Drei Sonntage vorher hatte der Bayerische Rundfunk seinen zweiten Franken-Tatort gezeigt («Ich töte niemand»). Der Spiegel jubelte: «Im finstren Herzen von Gau-Land: Ein libysches Geschwisterpaar wird ermordet – die Spur führt die Ermittler zu einem rechten Stimmungsmacher, der an eine reale AfD-Spitzenkraft erinnert. Düster-Krimi aus Dunkeldeutschland – stark!» Und als diese «Spitzenkraft» auftaucht, wird klar, wer gemeint ist: «Er sieht aus wie eine ungekämmte Version von Alexander Gauland. Der Mann, der am Ende dieses Krimis eine jämmerliche Rede hält, sitzt zwischen Bücherstapeln und Statuen in seinem heruntergekommenen Eigenheim und klagt über die Dummheit der Handlanger in der vom ihm angeführten lokalen rechten Vereinigung. Ein Wutbürger, malad von der Wut, die er selbst schürt. Das ist eine Stimmung, die ja auch in Interviews mit dem realen, sich bildungsbeflissen aufführenden Alexander Gauland immer wieder durchschimmert.»

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    Der Gegenpart ist ein junger, hochbegabter Maschinenbaustudent aus Libyen. Umschwärmt von deutschen Mädels und traumatisiert durch Gewalt gegen seine Familie, kommt er wie eine Lichtgestalt in «Dunkeldeutschland» rüber. Schon zu Beginn scheint klar, wohin die Reise geht, als ein «gut integriertes libysches Geschwisterpaar» in seinem Blut liegt – von Stahlstangen erschlagen. Für den geübten GEZ-Seher klar: Fremdenhass von rechts.

    Links hui, rechts pfui

    Die Schieflage der öffentlich-rechtlichen Perspektive war Ende April 2018 auch in einer Folge von Polizeiruf 110 zu besichtigen. In «Demokratie stirbt in Finsternis» steht ein Häuflein von Aussteigern im Mittelpunkt, die sich an der deutsch-polnischen Grenze auf ein nahes Ende der Zivilisation vorbereiten. Diesen sogenannten Preppern (von englisch: to prepare = vorbereiten) wird im Film eine antidemokratische Gesinnung unterstellt, weil eine Splittergruppe von ihnen Anschläge auf die Stromversorgung plant. Offensichtlich eine Projektion von links auf rechts: Als grüne AKW-Gegner im Wendland Schienen «schotterten» und bei Brokdorf Strommasten ansägten, hat ihnen kein GEZ-Journalist eine irgendwie geartete Demokratiefeindschaft nachgesagt. Was an der Elbe als legitimer Protest gilt, sind an der Oder staatsgefährdende Umtriebe… (…)

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