Der Leibwächter unseres Herzens

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Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die Todesursache Nr. 1 in Deutschland. Etwa 350.000 Menschen sterben jährlich an Infarkten, Thrombosen, Schlaganfällen, Herzinsuffizienzen und ähnlichen Erkrankungen. Wird über Vorbeuge vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesprochen, gilt meist, dass man sich nicht zu fettreich ernähren dürfe und auch der Cholesterinwert solle eine Rolle spielen. Nach dem Motto: Vegetarier leben gesünder. Dass dies nicht unbedingt so sein muss, zeigt der folgende Artikel.

Nun soll der Artikel nicht das Gegenteil propagieren, denn zwischen schwarz und weiß gibt es bekanntlich viele Grautöne. Jedoch ist das Bewusstsein zu schärfen, dass viele Ernährungstipps der Vergangenheit tatsächlich der Vergangenheit angehören sollten. Das beste Beispiel dafür ist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die DGE ist eine anerkannte Institution, die stets ihre Unabhängigkeit betont. Ihre Vorgaben finden sich in vielen Ernährungsempfehlungen wieder, ob von Krankenkassen, Beratungsstellen oder auch bei Ernährungsberatern, die sich oft von der DGE zertifizieren lassen müssen.

Empfahl die DGE bis 2017 stets kohlenhydratreich zu essen, schwenkte sie plötzlich um. Ab September 2017 hieß es, der Verzehr von Kohlenhydraten sei zugunsten von Fetten zu reduzieren. Um den Schwenk ein wenig zu kaschieren, war nunmehr von guten Kohlenhydraten und Fetten die Rede. Damit folgte die DGE schließlich der aktuellen Forschungslage. Denn inzwischen waren viele Studien aufgetaucht, die nahelegten, dass insbesondere Diabetiker viel weniger Kohlenhydrate als von der DGE empfohlen zu sich nehmen sollten. Nebenbei war bereits eine ganze Industrie entstanden, die sich auf Low Carb (kohlenhydratarm) spezialisiert hat.

Jahrzehntelang wurde vor dem Verzehr von zu viel Butter, zu viel Fetten, zu viel Eiweiß gewarnt. Eine besondere Rolle spielt hier das Cholesterin. Es schädige unser Herz-Kreislauf-System und erhöhe das Infarktrisiko, so die landläufige Meinung, spätestens seit den 1980er Jahren. Inzwischen weiß man mehr, z. B. dass es zwei Arten von Cholesterin gibt: das sogenannte schlechte (LDL) und das gute (HDL) Cholesterin. Da das Cholesterin zu 75% von unserem Körper selbst hergestellt wird, reguliert dieser die eigene Produktion, sollte zu viel über die Nahrung aufgenommen werden. Gehen Sie heute zu Ihrem guten Hausarzt, misst dieser eher den Quotienten aus LDL zu HDL. Liegt dieser unter 3, sei alles in Ordnung. Denn eines ist besonders wichtig zu wissen: Cholesterin ist lebensnotwendig, also nichts schlechtes. Die Pharmakonzerne verdienten und verdienen sich derweil ein goldenes Näschen an Cholesterinsenkern.

Auch Kaffee sei ein Herzkiller, denn er führe zu Bluthochdruck und schade dem Herzen. Falsch, wie der renommierte Kardiologe Heribert Brück vom Bundesverband der Niedergelassenen Kardiologen in Deutschland (BNK) dem Focus erzählte. Zwar könne Kaffee den Blutdruck, eher das enthaltene Koffein, in die Höhe treiben. Jedoch nur kurzzeitig und ausschließlich bei Menschen, die sonst keinen Kaffee trinken. „Wer regelmäßig Kaffee trinkt, wird kaum eine Reaktion zeigen“, erklärt Brück. Zu Bluthochdruck führt Kaffeegenuss in keinem Fall. Peng. Das Gegenteil ist der Fall, wie Studien unlängst bewiesen. Bis zu vier Tassen am Tag seien unbedenklich, so Brück.

Unbestritten jedoch ist, dass die Lebensweise ein wichtiger Faktor beim Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Man kann sich noch so ausgewogen und gesund ernähren, wenn der Rest nicht stimmt, bleiben die Risiken. Zunächst einmal geht es darum in unserer oft hektischen Zeit dem Tag Struktur zu geben: Ausreichender und regelmäßiger Schlaf, Einschieben von Entspannungsphasen, gerne mit aktiver Bewegung, Vermeiden von Stress.

Herzinfarkt trotz bester Cholesterinwerte
Dass trotz vorbildlicher Cholesterinwerte die Gefahr von Herzinfarkten u. ä. nicht gebannt sein muss, wird in der Literatur vielfach am Beispiel einer Vegetarierin beschrieben. Sie bekam plötzlich einen Infarkt. Danach blieb die Angst. Ihr Arzt meinte dass zu hoher Blutdruck schuld sei. Ihr wurden um die Nachwehen zu bekämpfen entsprechende Medikamente verschrieben. Doch die Symptome blieben: Ihr Herz schlug nervös in ihrer Brust, Muskeln schmerzten am ganzen Körper, sie schlief kaum, obwohl sie todmüde war, und die zahlreichen Medikamente, die man ihr verordnet hatte, schienen ihr die ohnehin nur noch spärliche Energie regelrecht aus dem Leib zu saugen. Sie wagte kaum, sich zu bewegen und wurde immer schwächer. Sie war auf dem besten Wege zur Invalidin.

Herzinfarkt wegen Magnesiummangel
Ihr Kardiologe war entsetzt angesichts ihres Erscheinungsbildes. Nur einem jungen Kollegen war es zu verdanken, dass die Spur zu den wahren Ursachen gefunden wurde. Es stellte sich heraus, dass die Patientin an Magnesiummangel litt. Da dieses wertvolle Mineral an mehr als 300 Stoffwechselvorgängen beteiligt ist, können die Symptome einerseits sehr vielfältig und andererseits auch wiederum unspezifisch sein. Sodass am Ende nur ein Bluttest half.

Wer um die Bedeutung von Magnesium gerade bezüglich der Erregungsweiterleitung in Nerven- und Muskelzellen weiß, kann nachvollziehen wie wichtig es insbesondere für unser Herz ist, diesen wichtigsten Muskels überhaupt. Magnesium ist der Leibwächter des Herzens. Es unterstützt die Regulierung des Blutdrucks und ist an der Instandhaltung der Blutgefäße beteiligt. Bei unserer Patientin war der Mangel an Magnesium besonders stark ausgeprägt. Daher zeigte sie schon bereits 24 h nach der Einnahme der ersten Magnesiumpräparate erstaunliche Wirkungen: Sie konnte wieder schlafen! Die Muskeln schmerzten bedeutend weniger und auch ihr Herzklopfen ließ nach. Doch das Wunderbarste für diese äußerst bewusst lebende Frau: sie konnte ihre Medikamente reduzieren! Da auch dem behandelnden Arzt die schnelle Wirkung nicht verborgen blieb, fragte er sich, ob der Magnesiummangel nicht sogar Auslöser für den Infarkt war.

Magnesiummangel ist keine Seltenheit
Die für Deutschland vorliegenden Zahlen lassen aufhorchen: Mindestens 25% der Bevölkerung leidet unter Magnesiummangel. Nicht bei jedem führt dieser zum Infarkt. Jedoch das Risiko steigt zum Teil beträchtlich. Da neben einer ungesunden Lebensweise (zu viel Alkohol, zu wenig Schlaf, zu viel Stress) auch Medikamente den Verbrauch an Magnesium erhöhen können, ist Magnesiummangel keine Seltenheit mehr. Wird der Mangel chronisch, ist die Gesundheit in Gefahr, insbesondere die unseres Herzens.

Kommt es in unseren winzigen Herzkranzgefäßen zu Ablagerungen, genügen kleinste Verletzungen der Blutgefäße um weitere Vorgänge in Gang zu setzen. Warum sich diese Ablagerungen bilden, ist man sich nicht einig. Eine der Hauptthesen skizziert die folgenden Vorgänge bei Verletzung der Blutgefäße (etwa durch Infektionen, Viren, Vitaminmangel etc.) etwa so: Es könnte sein, dass sich jetzt Cholesterin, Fettsäuren und Kalzium zu einer Art Pflaster zusammen tun, um die Blutgefäße wieder zu kitten. Durch das Kalzium – ein Gegenspieler von Magnesium – ergibt sich ein sehr hartes „Pflaster“, das die sowieso schon engen Blutgefäße immer enger werden lässt.

Als Folge steigt der Blutdruck, um die erforderliche Blutmenge durch die verhärteten und verengten Kapillaren zu schleusen. Jetzt genügt bereits ein winziges Blutgerinnsel oder eine Verkrampfung der Gefäßwandmuskulatur, um zu verstopfen. Der Herzinfarkt ist da. Magnesium kann hier vorbeugen.

Magnesium kann Herzinfarkt verhindern
Magnesium hilft dem Herzen und den Blutgefäßen an nahezu allen „Ecken und Enden“: Es regt den Aufbau von Elastin an. Elastin ist jener Stoff, der z. B. die Gefäßwände elastisch macht. Fehlt Magnesium, fehlt auch Elastin und die Gefäßwände werden brüchig, was wiederum zu Entzündungen führt.
Magnesium fördert die Heilung von Geweben und so auch die Heilung von verletzten oder brüchigen Gefäßen.
Magnesium verhindert, dass aus Kalzium und Cholesterin harte Ablagerungen werden. Wenn mit der Nahrung Kalzium und Magnesium im richtigen Verhältnis zu einander eintreffen, veranlasst Magnesium bestimmte Transportproteine dazu, das überschüssige Kalzium in die Knochen zu bringen. Wenn Magnesium aber fehlt und sich das gesunde Mengenverhältnis zwischen Kalzium und Magnesium zugunsten des Kalzium verschiebt, dann schwimmen zu viele freie Kalziumionen im Blut und niemand kümmert sich darum, dass diese in die Knochen gelangen. Das „freie“ Kalzium reagiert jetzt mit Fettsäuren und Cholesterin zu den befürchteten Ablagerungen. Diese Ablagerungen lassen sich meist mit Hilfe von Magnesium wieder entfernen.
Nebenbei senkt Magnesium den Blutdruck, weil nur Magnesium zur Entspannung der Arterienwandmuskulatur führt.

Magnesium rettet Leben
Aufgrund des extremen Einflusses des Magnesiums auf die Herzgesundheit führten Wissenschaftler eine Untersuchung durch, die beweisen sollte, wie wichtig Magnesium auch bei der Verminderung des Sterberisikos durch den plötzlichen Herztod sei. Sie kamen zu dem Schluss, dass Frauen mit einer besonders magnesiumreichen Ernährungsweise weniger gefährdet sind, einen tödlichen Herzanfall zu erleiden als Frauen mit einer „normalen“ Ernährung. Das Herztod-Risiko der „Magnesium-Frauen“ sei um 41 Prozent vermindert, so die Forscher. Sie schlussfolgerten: „In dieser Studie wurden höhere Magnesiumkonzentrationen im Plasma infolge einer magnesiumreichen Ernährung mit einem geringeren Risiko für den plötzlichen Herztod in Verbindung gebracht. Wenn der beobachtete Zusammenhang wie vermutet tatsächlich auch kausal ist, könnte die Anhebung des Magnesiumspiegels die Gefahr, einen plötzlichen Herztod zu erleiden, deutlich mindern.“

Eine magnesiumreiche Ernährung kann folglich die Chancen, Herzprobleme zu vermeiden oder einen Herzinfarkt zu überleben, dramatisch verbessern. Eine regelmäßige Magnesiumgabe ist daher gerade bei gefährdeten Personengruppen zu empfehlen. Jetzt wird auch klar, warum unsere Patientin Annette einen Herzinfarkt aufgrund von Magnesiummangel erleiden konnte, obwohl sie extra die Herz-Diät eines Spezialisten befolgt hatte. Diese Diät ist äußerst fettarm. Nur zehn Prozent der täglichen Kalorienaufnahme soll in Form von Fetten aufgenommen werden. Damit entfallen sämtliche Nüsse, Mandeln und Ölsaaten. Doch gerade diese enthalten besonders viel Magnesium. Das zeigt, dass eine vegetarische Ernährung nicht immer und automatisch gesund ist – besonders nicht, wenn sie sich weniger an der Natur und stattdessen lieber an wissenschaftlichen Resultaten orientiert.

Magnesiumgehalt in Lebensmitteln sinkt
Die Hauptquelle für Magnesium ist in der modernen Lebensweise das Getreide. Abgesehen davon, dass es im Vergleich zu den oben genannten Lebensmitteln immer noch deutlich weniger Magnesium enthält, wird Getreide heute bevorzugt in Form von Auszugsmehlen verzehrt. Da sich Magnesium jedoch hauptsächlich im Keim des Korns befindet, sind Weißmehlprodukte magnesiumarm. In den letzten 100 Jahren sollen die Methoden der industriellen Landwirtschaft zu bis zu 75 Prozent Magnesiumeinbußen geführt haben.

Zusammenfassung
Einerseits gibt es viele Risiken, insbesondere durch unsere Lebensweise, im Laufe unseres Lebens eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen. Andererseits führt chronischer Magnesiummangel fast zwangsläufig zu einer Erkrankung, insbesondere auch unseres Herzens, da Magnesium besonders an der Erregungsweiterleitung in unseren Nerven- und Muskelzellen beteiligt ist. Auch unser Herz ist ein Muskel. Bis zu 1000 mg Magnesium oder sogar mehr können pro Tag und über Monate hinweg nötig sein, um einen langjährigen bestehenden Mangel zu beheben. Wer der Meinung ist, auch mit einer magnesiumreichen Ernährungsweise den Magnesiumbedarf nicht zuverlässig decken zu können, dem seien natürliche Nahrungsergänzungsmittel empfohlen.

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3 Kommentare

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    Magnesiumgehalt in Lebensmitteln sinkt … nicht nur der, was erwartet man von auf Mineralwolle am Tropf gezogenen Tomaten & Co.?

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    Nun, auf das Rauchen wurde leider gar nicht eingegangen. Woran das wohl liegt Herr Elsässer? 😉

    Vor einem dreiviertel Jahr habe ich das Rauchen aufgegeben. Fühlt sich besser an.

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      heidi heidegger am

      Quatsch. Schau nach deinen Gesamtkreislaufwerten+Verdauung usw. – Tabak kommt von die Indianer und die wurden teilweise steinalt wie Chur-chill(!), hihi..will sagen: beim Schreiben oder nach dem Essen eine rauchen ist sehr "²italienisch" und voll vanünftich. so!

      ² vietato fumare: aber ein rauchender Fahrgast wurde einst im Bus in Rom nicht bestraft und bekam ne volle Ladung Verständnis, weil er zum Controlletti sprach: "Du, ich habe gerade gegessen, und da muss ich einfach rauchen hinterher." -> urban legend? kann sein. aber s o oft hörte ich diese Anekdote, dass was dran sein muss/kann..gell? 🙂

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