Zweimal ergab sich für die CSU die Chance eines Schrittes über Bayern hinaus – zweimal hat es die Führungsriege versemmelt. Dabei hätte sich auch mancher Christdemokrat ein konservatives Korrektiv auf Bundesebene gewünscht. Es folgt ein Auszug aus dem Artikel „Der Kreuther Spuk“, ungekürzt in der neuen COMPACT 8/2018 (bestellbar hier) – am guten Kiosk!

    _ von Daniell Pföhringer

    Gerhard Mayer-Vorfelder war enttäuscht. Er hätte es begrüßt, sagte der langjährige Finanzminister Baden-Württembergs und DFB-Präsident im Frühjahr 1996 der Zeitschrift Der Selbständige, «wenn sich die CSU bundesweit ausgedehnt hätte». Der rechte Flügelmann der Südwest-CDU klagte: «Dass die CSU diesen Weg nicht gegangen ist, betrachte ich als einen geschichtlichen Fehler.»

    Auch der Historiker Michael Stürmer empfahl den Unionsparteien noch im Juli 2000 in der Welt eine «Scheidung auf Probe», da sich nur so strukturelle Mehrheiten wiederherstellen und dauerhaft sichern ließen. «Sonst könnte es nach dem Verlust der Meinungsführerschaft der Union auf lange Zeit auch geschehen sein um die Mehrheitsfähigkeit und damit ihr Gewicht in dem, was Deutschland und die Deutschen bewegt», zeigte sich der frühere außenpolitische Berater Helmut Kohls überzeugt. Doch der Zug war längst abgefahren – und die Weichen nach links gestellt.

    Donnerwetter im Wienerwald

    Das Tagungszentrum in Wildbad Kreuth – bis 2016 Ort der jährlichen CSU-Klausurtagungen. Foto: picture-alliance / dpa

    Eine Merkel-Union, die überhastet aus der Kernenergie aussteigt, die Wehrpflicht abschafft, der Homo-Ehe ihren Segen gibt, per Euro-Rettung Milliarden versenkt und Deutschland zu einem Asyl-Eldorado mit sperrangelweit offenen Grenzen macht, hätte sich noch nicht einmal ein Franz Josef Strauß vorstellen können, obwohl der CSU-Übervater schon vor über 40 Jahren gegen den Kurs der CDU unter Helmut Kohl wetterte. Zeugnis davon legt eine selbst für seine Verhältnisse deftige Rede ab, die er am 24. November 1976 in der Hauptverwaltung des Wienerwald-Konzerns vor Funktionären der Jungen Union Bayern hielt.

    Die CDU-Granden bezeichnete Strauß darin als «politische Pygmäen» und «Reclamausgaben von Politikern». Kohl habe er «nur um des lieben Friedens willen» unterstützt, dieser werde aber «nie Kanzler werden». Dann folgte der heftigste Seitenhieb des Bajuwaren gegen den Oggersheimer: «Er ist total unfähig, ihm fehlen die charakterlichen, die geistigen und die politischen Voraussetzungen.

    Ihm fehlt alles dafür.» Der CDU-Chef werde «mit 90 Jahren die Memoiren schreiben: ”Ich war 40 Jahre Kanzlerkandidat. Lehren und Erfahrungen aus einer bitteren Epoche”», ätzte der bayerische Ministerpräsident. «Vielleicht ist das letzte Kapitel in Sibirien geschrieben oder wo. Die CDU wird nie mehr an die Regierung kommen, und die FDP denkt überhaupt nicht daran.»

    Das Abwatschen in der Zentrale des Münchner Hendl-Königs Friedrich Jahn markiert den Höhepunkt einer Krise, die fast zum Bruch der beiden Schwesterparteien geführt hätte. Bei der Bundestagswahl im Oktober 1976 erzielt die Union mit ihrem Kanzlerkandidaten Helmut Kohl, bis dato Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz, ein Ergebnis von 48,6 Prozent, was zwar eine Steigerung von 3,7 Prozent im Vergleich zum Urnengang von 1972 bedeutet, aber knapp an der absoluten Mehrheit vorbeischrammt.

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    Die SPD, die auf 42,6 Prozent kommt und damit ungefähr genauso viel verliert wie CDU und CSU hinzugewinnen, kann gemeinsam mit der FDP, die mit 7,9 Prozent ihr Ergebnis der vorherigen Bundestagswahl in etwa hält, weiterregieren.

    Der Machtwechsel ist gescheitert.

    Bei der CSU deutet man das knappe Ergebnis als schwere Niederlage der CDU und spricht davon, dass die Union die Wahl nicht im Süden, sondern im Norden und im Westen verloren habe. Die Weiß-Blauen um Ministerpräsident und CSU-Chef Franz Josef Strauß sind in Streitlaune und schießen immer wieder in Richtung des CDU-Vorsitzenden Kohl, der schon dabei ist, die Koffer zu packen, um aus der Mainzer Staatskanzlei als Oppositionsführer nach Bonn zu wechseln. Am 7. Oktober 1976, vier Tage nach der Wahl, nehmen Kohl und Strauß an einer Sitzung des CDU/CSU-Vorstandes im Bundestag teil.

    Der Pfälzer spricht von einer «offenen Krise» und erklärt vorausahnend, dass er nur bei Neuformierung einer gemeinsamen Unionsfraktion deren Führung übernehmen werde. Verhält sich der Bayer hier noch ruhig, poltert er beim Treffen aller Unionsabgeordneten am Nachmittag munter drauflos. «Wir», sagt Strauß, meint aber natürlich nur Kohl, «sind zu kurz gesprungen», und gibt die Devise aus: «Eine Armee, die hart gekämpft hat und trotzdem nicht den Gegner besiegt hat, muss sich über ihre innere Zusammensetzung, muss sich über ihre weitere Strategie, muss sich über ihre weiteren Ziele ins Reine kommen.» Damit lässt er bewusst offen, wie es weitergehen soll.

    Es folgt die berühmte Klausurtagung der CSU-Landesgruppe am 18. und 19. November im oberbayerischen Wildbad Kreuth… (Ende des Auszugs, der ganze Artikel steht hier)

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