Was kaum jemand weiß: Ab Ende 1950 trafen die Armeen der USA und Chinas direkt aufeinander und lieferten sich fast zwei Jahre lang blutige Schlachten. Das Ergebnis war für die Amerikaner niederschmetternd.

    Wird der Dritte Weltkrieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik ausgetragen? Niall Ferguson, der wichtigste Populärwissenschaftler der angloamerikanischen Großbanken, spricht vom Ende von «Chimerika», also des symbiotischen Zusammenwachsens der Wirtschafts- und Finanzkraft beider Länder, die sich seit Ende der 1970er Jahre herausgebildet hat: Das Reich der Mitte verdient am Export in die USA und fängt gleichzeitig dessen Handelsverluste auf, indem es Schuldpapiere der US-Regierung aufkauft.


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    in COMPACT-Spezial Nummer 16

    USA gegen China – Endkampf um die Neue Weltordnung >

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    Ferguson vergleicht das Verhältnis der beiden Staaten mit dem zwischen Großbritannien und Deutschland am Vorabend des Ersten Weltkrieges: Die industrielle Auszehrung und Überdehnung des überseeischen Empire einerseits, die ungebremste Dynamik des kontinentalen Reiches andererseits – das musste damals und muss heute zur Konfrontation zwischen sklerotischer Hegemonialmacht und Newcomer führen. Vor 100 Jahren besiegten die Angelsachsen den aufstrebenden Kontinentalriesen – aber ob sie diesen Erfolg auch im 21. Jahrhundert im Fernen Osten wiederholen können? Eine Analyse des Koreakrieges vor bald 70 Jahren sollte dem Pentagon zu denken geben.

    Vorstoß zum Yalu

    korea grafik chinaBetrachten wir die blutigen Ereignisse auf dem ostasiatischen Subkontinent zwischen 1950 und 1953 unter streng militärischen Gesichtspunkten und lassen alle ideologischen, politischen und moralischen Erwägungen beiseite (dazu ausführlich auf Seite 50 bis 55). Dabei ist das Buch Yalu – An den Ufern des dritten Weltkriegs von Jörg Friedrich von unschätzbarem Wert – der Autor wurde vor allem durch sein früheres Werk Der Brand bekannt, das die Bombenmassaker in Dresden und anderen deutschen Städten thematisiert.

    Der Koreakrieg entwickelte sich im Wesentlichen in drei Phasen: Zuerst eroberte der Norden den Süden; dann landete eine riesige US-Armee, jagte die Kommunisten zurück und besetzte das ganze Land bis beinahe zum Fluss Yalu, wo die von Mao gegründete Volksrepublik beginnt; dann kamen die Chinesen und trieben die Amerikaner bis hinter den 38. Breitengrad, wo seither die Grenze verläuft.

    Am Ende der zweiten Phase waren die Amerikaner siegesgewiss. Kommunistenführer Kim Il-sung war untergetaucht, seine Hauptstadt Pjöngjang kampflos eingenommen worden. Seine anfänglich siegreichen Truppen waren am Ende wie die Hasen geflohen und hatten sich in nichts aufgelöst. «Home by christmas», lautete die Parole im Oktober 1950.

    Oberbefehlshaber Douglas MacArthur wusste wohl, dass mittlerweile auch chinesische Soldaten diesseits der Grenze operierten, doch man ging nur von versprengten Partisanen aus, die man rechtzeitig vor der triumphalen Heimreise wieder aus dem Land heraussäubern würde. Die Amerikaner schätzten Maos «Volksfreiwillige» auf etwa 25.000, sie selbst und ihre Verbündeten hatten eine halbe Million Männer unter Waffen. Doch der im Zweiten Weltkrieg hochdekorierte General unterschätzte den Gegner: In Wirklichkeit waren bereits 250.000 Chinesen über den Yalu gesickert, auf kleinen Fischerbooten und später über das tiefgefrorene Eis. Auf der koreanischen Seite waren sie wie vom Erdboden verschluckt: Die Turnschuhkrieger hatten kein schweres Gerät, alles Notwendige schleppten sie auf dem Rücken. Sie hausten in Erdlöchern und Höhlen oder verschmolzen mit der örtlichen Bevölkerung – bewegten sich in ihr «wie ein Fisch im Wasser», wie ein geflügeltes Mao-Wort lautete. Die US-Luftwaffe fand keine Ziele zum Bombardieren, ersatzweise zerschmetterte sie Bauernhütten, Staudämme und Fabriken.

    Todeskampf in der Eishölle

    Zur entscheidenden Schlacht kam es Ende November 1950 am Chosin-See weit im Norden. Die Amerikaner glaubten sich zweieinhalbfach in der Überzahl, in Wirklichkeit war es umgekehrt. Friedrich berichtet: «In der Nacht zum 28. fielen die Temperaturen auf 30 Grad unter dem Gefrierpunkt, und ein Schneesturm hüllte das Schlachtfeld ein. Die Volksfreiwilligen stürzten aus dem Hinterhalt mit Hornrufen und Pfeifen; die ganze Bergzone war unauffällig in ihren Besitz gewechselt. Als die Amerikaner erwachten, waren die umliegenden Hügel vom Mündungsfeuer des Gegners geschmückt wie ein Christbaum. Es zuckte aus Hunderten von Höhlen und Ritzen in jeder Richtung, mehr war nicht zu sehen. Dann rollten Menschenwellen in das amerikanische MG-Feuer, sanken nieder, gefolgt von der nächsten Woge, Hunderte aus dem Nichts entsprungener, gell schreiender Gestalten, untereinander mit Rufen und Tuten kommunizierend.»

    Das Weiß der Uniformen zerlief im Schnee. Dann wurde der Schnee lebendig, und die Chinesen schrien und schüttelten die Fäuste. Sie liefen nicht feuernd und manövrierend wie die Marines. «Sie kamen angeschossen wie ein Rudel irrer Hunde», berichteten Überlebende. Ein anderer meinte: «Sie erinnerten mich an eine Horde Indianer beim Kriegstanz.»


    Dies war ein Textauszug. Den ganzen Artikel finden Sie in COMPACT-Spezial – „USA gegen China – Endkampf um die Neue Weltordnung“. Erhältlich am gut sortierten Kiosk – oder Sie bestellen das Heft hier.

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