COMPACT-TV: Opposition für das Volk – COMPACT Live am 9.06.2015

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… plus Bericht über den Abend und einem Link-Tank zu weiteren Artikeln. Lesen Sie dazu auch das aktuelle COMPACT-Dossier zur AfD.

Wird Unmut des Volkes zu Widerstand? Kann die angeschlagene AfD die brodelnde Stimmung aufnehmen, oder versinkt sie im Hamsterrad der Parlamente? Um diese und andere brisante Fragen rangen Jürgen Elsässer (COMPACT), Hans-Thomas Tillschneider (Patriotische Plattform der AfD, Mitglied im Landesvorstand Sachsen) und Götz Kubitschek (Sezession) bei COMPACT Live am 9. Juni 2015.

Der Saal war mit 120 Leuten komplett ausgebucht, es war eine der bestbesuchtesten Veranstaltungen im Rahmen unserer monatlichen Reihe COMPACT-Live! Nach „Pegida – Wie weiter?“ (am 16. April 2015 in Dresden) präsentierten wir gestern einen weiteren „Querfront“-Abend. Diesmal als Triangle. Wieder dabei: Der „nationalbolschestwistische“ Jürgen Elsässer (Chefredakteur COMPACT), der „neurechte“ Götz Kubitschek (Chefredaktion Sezession) und Dr. Hans-Thomas Tillschneider (Patriotischen Plattform der AfD, Vorstandsmitglied AfD Sachsen). Im Publikum saßen zahlreiche weitere AfD-Aktivisten.

_von Georg Wege

Obwohl sich in den Referenten- und Debattenbeiträgen Differenzen zwischen den Zeilen zeigten, galt Jürgen Elsässers Motto: „Getrennt marschieren, vereint schlagen, auf der selben Seite der Barrikade stehen.“ Die Barrikade, die gemeinsame Seite meint den Patriotismus, mag er von links oder von rechts kommen. Griechenland spielt das derzeitig vor, erweist sich als Modell-Land.

Dr. Tillschneider erklärte zu Beginn, das politische Spektrum der etablierten Parteien habe sich nach links verschoben. Vor allem habe es an Farbe verloren: Die CDU sei nicht mehr konservativ, die SPD nicht mehr sozial, die FDP als Befürworterin der EU-Bürokratie nicht mehr liberal. Die AfD müsse nun alle drei Richtungen wieder zur Geltung bringen. Standpunkte setzen gegen standpunktlosen Einheitsbrei. Für ihn, Tillschneider, gelte nicht „weder links noch rechts“, stattdessen sei er „links UND rechts“. Er habe Standpunkte beider Richtungen übernommen. Schließlich säßen wir alle, ob Linke, Rechte oder Liberale, in einem Boot. Was alle drei Richtungen verbinden und zum gemeinsamen Nenner führen könne, sei der Patriotismus. So wolle es auch die „Patriotische Plattform“ der AfD.

Götz Kubitschek stellte die „neuralgische“ Frage zur Gründung von Alternativen, also auch der AfD: Dient die neue Bewegung oder Partei den Beteiligten nur als Vehikel, um langfristig doch ins ersehnte Establishment zu gelangen? Oder bleibt sie bei der Fundamentalkritik ihrer Anfänge? Versucht sie wirklich andere Formen der Politik, wie es die Grünen in ihren Anfängen praktizierten? Kubitschek ist überzeugt: Alternativen können nur vom politischen Rand kommen. Der linke Flügel sei jedoch vom Parteiensystem vereinnahmt worden und deshalb nicht länger interessant. Auch Pegida sei zunächst Demaskierung und Hinterfragung des politischen Systems gewesen. Ebenso die AfD, aber sie habe seit ihrem Beginn auf Etablierung gesetzt, indem sie hochrangige Politiker der Mitte einkaufte. Damit habe sie sich zwar etabliert, aber sei auch keine Alternative mehr. Immerhin, ein Teil ihres Personals sei nicht bereit, die Grundimpulse aufzugeben. Er glaube einem Alexander Gauland, dass er wirkliche Inhalte anstelle der Etablierung wolle.

Jürgen Elsässer verwies auf Tatjana Festerling. Die zeige, wie es geht: Als Pegida-Aktivistin medial in die rechte Ecke geschoben, habe sie sich bei der Bürgermeisterwahl trotzdem durchgesetzt, 21.000 Stimmen und 9,6 Prozent Dresdner Stimmen erhalten. Eben wegen ihrer Radikalität. Damit sei alles Gelaber über notwendige Anpassung widerlegt. Ebenso zukunftsweisend: Nicht als Partei, sondern als Einzelperson anzutreten. Als Person, die durch Charakterstärke überzeugt. Die aktuelle Stimmung in Deutschland sei gut, stehe auf Protest. Deshalb hätten Etablierte stets Provokateure in neue Bewegungen geschleust, die dort als Spaltpilze wirkten. So habe man die Piraten oder die Montagsmahnwachen erfolgreich liquidiert. Mit Spaltungs-Aktionen, in deren Folge sich Mitglieder voneinander abgrenzten. Gleiches drohe Pegida und AfD. Deshalb sei das wichtigste Gebot: Der Mechanismus der „Distanziereritis“ müsse gebrochen werden! Elsässer wünscht Parteien, die eher einer Party ähnelten. Sie müssen einen Resonanzraum schaffen, in dem sich das Volk wohlfühle, sich artikulieren mag. Man solle den Menschen zuhören, ihnen nicht gleich eine Masse an fixierten Programmpunkten überstülpen. Politische Funktionäre müssten raus auf die Straße, damit das Volk wieder aktives politisches Subjekt werde.

Nach getaner Arbeit beim Bier: Tillschneider, Kubitschek, Elsässer, Foto: Sim

Nach getaner Arbeit beim Bier: Tillschneider, Kubitschek, Elsässer, Foto: Sim

Elsässer fragte Tillschneider, ob seine Patriotische Plattform einen Plan zur Rettung der AfD habe. Tillschneiders Antwort: Die Partei dürfe nicht zerbrechen. Deshalb sei auch seine Meinung: Schluss mit gegenseitiger Distanziererei. Wer sich durch Ausgrenzung anderer profiliert, sei für Führungsämter ungeeignet. Man dürfe niemanden das Recht absprechen, Mitglied der Partei zu sein. Die AfD solle sich nicht auf einige Stars konzentrieren. Vielmehr brauche sie Personal, das den politisch etablierten Diskurs-Rahmen sprengt. Man müsse nicht über Personen, sondern über Inhalte debattieren.

Laut Kubitschek ist Parteichef Lucke an politischen Inhalten nicht interessiert. Er schätze die Reibungslosigkeit, fühle sich wohl im System der Entortung und der DIN-Normen. Jede Reibung und Nichtfunktion ärgere ihn, deshalb wolle er die AfD „optimieren“. Gewiss habe Lucke auch nützliche Funktionen: Wenn er die Partei verließe, würden ihr Mittelstands-Gelder verlorengehen, hätte sie kein Schutzschild mehr gegen allzu harte Kritik von Seiten des Systems. Dennoch sei eine AfD im Lucke-Modus vollkommen uninteressant, bloß eine zweite FDP. Stattdessen müsse sie zum Resonanzraum werden, in dem Visionen für Deutschland zur Sprache kämen. Sie hätte sich Pegida als Vorfeld-Organisation nehmen sollen. Aber dazu seien sich viele Mitglieder „zu fein“ gewesen.

Link-Tank:

*** Lesen Sie einen weiteren Bericht zu der Veranstaltung auf dem Elsaesser-Blog ***

Ankündigung der Veranstaltung mit Ansprache von Jürgen Elsässer

Artikel: Die AfD entsorgen – sofort

Artikel: Notwenige Volkspartei AfD

 

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17 Kommentare

  1. @red: was sagen Sie zu den Vorfällen am gestrigen Tag in Erfurt? War das vielleicht ein Versuch des amerikanischen Geheimdienst um Hogesa zu diskreditiere oder war der Versuch Holligans für die eigenen „patriotischen“ Ziele zu instrumentalisieren, wie z.b. Legida von Anfang an eine sehr dämliche Idee, da man eigentlich gar keine Ahnung von der Hooligan Szene hatte?

  2. Christoph Hörstel zurück: Wichtiges, neues Video: http://bewusst.tv/christoph-hoerstel-zurueck/

  3. Verleihnichts am

    Ohne Fundamentalkritik am herrschenden System, macht die AfD für mich keinen Sinn. Alle Themen müssen angepackt werden:

    – das Zinsgeldsystem
    – die deutsche Souveränität
    – die Geschichtslügen die auf uns lasten
    – Befreiung aus der Islamisierung
    – Schluss mit Gender Mainstream
    – Rückbesinnung auf christlich, abendländische Werte
    – Austritt aus der NATO
    – Austritt aus dem Euro System sowieso
    – Rückführung der EU auf die EWG

    • Werner Bernshausen am

      Genau so sehe ich das auch. Danke für den Kommentar, brauche ich nicht mehr zu schreiben. Vielleicht noch als kleine Ergänzung Ihrer Punkte: Austritt aus der Nato und friedliche Annäherung an Russland; Volksentscheide, gerechtes Steuersystem, Abschaffung der Feindstaatenklausel und wenn sich die Alliierten dagegen sträuben, Austritt aus der UNO; Entscheidungen der EU sollten vom EU-Parlament ausgehen und nicht von nicht gewählten Kommissaren. Wiederherstellung der Meinungsfreiheit. Eigentlich braucht die AfD gar kein konkretes Wahlprogramm sondern nur den Slogan: „Abschaffen von Missständen“.

  4. Baumgarten am

    Genau so ist es : Die AfD braucht ein klares patriotisches und neutrales Profil um eine wirkliche
    Alternative zu dem USA-Bullschitt mit Weib Merkel und US.Hinternkriecher Gabriel zu sein !!
    Den Parteineinheitsbrei Grüne/SPD/FDP/CDU nach den Vorstellungen der USA/England Finanz Mafia
    Tendenz -> Faschismus braucht Niemand im deutschen Volk welcher seine Heimat liebt wie andere
    Völker Ihre Heimat (zum Beispiel Franzosen besonders) auch lieben !
    Echte Alternativen zu den Altparteien und dem abgefallenen Herrn Lucke sind für die AfD :
    -> Ausstieg aus der agressiven NATO !
    -> Deutsche Parallelwährung zum Euro ! (geniale Lösung von Professor Hankel !)
    -> eigene Neutralität mit Beibehaltung der Reisefreiheit in Europa .
    -> eigene passive unabhängige nationale Verteidigungsarmee nach dem Völkerrecht !
    -> Genderverbot zum Schutz der bewährten klassischen Familie
    -> Lebensschutz als Menschenwürderecht für noch Ungeborene Personen (Adoptivrecht) und aktives Sterbehilfeverbot
    -> Gegen Organhandel mit Ausweiszwang in Deutschland
    -> GEZ „Beitragsservice“ Zwangsgebühr -> Abschaffung !
    -> Plädojer für den völligen Abzug der amerikanischen und englischen Besatzungstruppen aus Deutschland !
    Freihandelsabkommen mit Rußland und China (Zollfreiheit erweitern mit Vorteil für deutsche Unternehmen ).
    -> …..
    Also Alternativen sind richtige Lösungen auch zum Ziel das verwerfliche fehlerhafte Zinsgeldsystem der
    Ungerechtigkeit als Ziel abzuschaffen mit der bewährten ehrlichen Alternative eines fließenden Geldsystemes
    (Zinsverbot) siehe -> Wissensmanufaktur.Net Plan B mit als Ziel zu verfolgen , um eine gerechtere Verteilung
    der Ressourcen im Volk zu erzielen auf Dauer !
    Atlantik-Vasallen wie Lucke und Henkel brauchen wir Nicht und ist auf Dauer für Deutschland unter US.Regie
    Diktatur der Finanzmafia New York schädlich !
    Freundlichen Gruß
    Mann Baumgarten katholisch AfD Mitglied Deutschland

    • Verleihnichts am

      Genau, wir brauchen eine klare Front gegen Gender Mainstream, Anglosierung, linken Faschismus, und gegen die Unterwerfung durch die Finanzindustrie. Merkel ist deren oberste Steigbügelhalterin und Herr Lucke ist auch viel zu sehr Atlantiker um dem ernsthaft etwas entgegen zu setzen.

      Natürlich ist es bedauerlich dass ihm schon wieder „eine Partei abahnden kommt…;-)“, aber darauf können wir keine Rücksicht nehmen. Die AfD ist ein viel zu gutes Pferd, als dass man es einfach wieder so laufen lassen sollte. Der Kampf lohnt sich allemale.

      L.G.

  5. Christiaan am

    Sehe es genau so wie im Artikel, nur ich unterstelle Lucke absicht warum ?!

    Henkel und Lucke sind Liberale keine Patrioten was dennen vor Jahren mal einigte war die Kritik gegen den Euro mit ihren Verein.
    Dies ist aber nun Geschichte was jetzt gebraucht wird ist eine klare Position gegen Masseneinwanderung und Nato-EU davon höre ich aber nichts, es mag den einen oder anderen geben ja sicher, wenn aber nur gelder in Brüssel eingestrichen werden sollen ohne einen klaren willen zu erkennen etwas ändern zu wollen Stichwort Nord-Süd-West Euro ist dies kein Fortschrit.

  6. 1. wir sitzen sicher nicht alle im gleichen Boot. Für die meisten Menschen dieses Landes ist Patriotismus eine schlechte Eigenschaft vergangener Zeiten. Hoffentlich wird die dunkle Epoche übersteigerten Nationalstolzes nicht wieder auferstehen.

    2. Frau Fensterling hat sich nicht durchgesetzt, sie ist dritter geworden und somit definitiv ein Verlierer, da sie keine Aussicht auf den Posten hat. Nicht einmal ein zenhntel der Stimmen in der Heimat von Pegida wird schon als Erfolg verkauft. Wie verzweifelt sich an jeden Strohhalm geklammert wird…der ruf wir sind das volk ist nun aber definitiv hinfällig. Besser: wir sind fast 10 Prozent

    3. in die piratenpartei wurde von außen unterwandert und gespalten? Wer war denn der eingeschleuste Schädling, weishaupt oder der shitstorm? Das ist wirklich sehr ein sehr amüsantes Weltbild, immer wenn etwas nicht nach dem eigenen Kopf läuft, sind die anderen Schuld…vielleicht sind dieses Bewegungen einfach an den Menschen gescheitert und an dessen Vielfalt. Diese lässt sich nur mit Toleranz oder mit Gewalt im Zaun halten

    • @ Lehmann
      Sie verwechseln da etwas. Patriotismus ist nichts von Gestern, sondern für das Zusammenleben eines Volkes unumgänglich. Was Sie meinen ist Nationalismus, also das eigene Volk (oder Land) über alle anderen zu setzen. <ein Patriot achtet aller Menschen Vaterländer, das eigene aber liebt er.

      • Schildrabe am

        Nationalismus ist auch noch nicht negativ, es sei denn er wird zum Nationalchauvinismus. Ein Nationalismusvertreter ohne Chauvinismen ist
        Jürgen Schwab. https://sachedesvolkes.wordpress.com/category/jurgen-schwab-kolumnen/
        Ich bin kein Freund von Sekundärliteratur; immer die Originale, und danach
        die eigene Meinung irgendwie gegen die Lügen unserer Zeit finden.
        Den Nationalismus anderer Völker können die meisten Deutschen nicht mehr
        verstehen, vielleicht noch ein bißchen Fußballpatriotismus ist nachvollziehbar.

      • @meno: ich verwechsele da nichts. Es gibt genüg Leute die ihr Vaterland nicht über alles liebt. Er lieben vielleicht das Dorf wo sie herkommen und aufgewachsen sind, aber das hat mehr mit Kindheitserinnerungen als mit abstrakter Liebe zu einem staatsgebilde zu tun. Verstehen Sie mich nicht falsch, jeder kann lieben was er will, aber Behauptungen wie wir sitzen alle im gleichen Boot und uns eint der Patriotismus finde ich sehr gefährlich, da dies anderen Menschen Meinungen vorschreibt bzw. für sich selbst in Anspruch nimmt für alle zu sprechen. Das ist Quatsch. Ich hoffe den 3 Herren hat das Bier geschmeckt. Als Stammtischkollegen kann man sie sich viel besser denn als politische Führer vorstellen. Prost!

      • @ Lehmann
        .
        Wer hat denn gesagt, das Patrioten die gleiche Überzeugung haben? Was ist das für eine komische Definition von Patriotismus? Eine Verständigung ist nur möglich, wenn Menschen, unter den benutzten Worten, das Selbe verstehen.
        .
        Für mich ist ein Patriot ein souveräner, mutiger, ehrlicher, aufrechter Mensch. Mit einer bestimmten „Meinung“ hat es überhaupt nichts zu tut.
        .
        Sie schreiben „jeder kann lieben was er will“. Unter Liebe verstehen sie auch was völlig anderes. Für das Gefühl Liebe können wir uns nicht entscheiden. Sie passiert den Menschen.

    • Verleihnichts am

      10% Stimmenanteil sind ein sehr großer Achtungserfolg für Tatjana Festerling und die Pegida Bewegung, wenn man bedenkt wie agressiv und mit welchen Macht- und finanziellen Mitteln das linksgrün-versiffte Establishment dagegen gearbeitet hat.

    • Wem nützt es, wenn Menschen keine Patrioten sei wollen? Nützt es den politischen Nachkommen von Winston Churchill?
      Frau Festerling halte ich nicht für eine Patriotin. PEGIDA hat sich in den letzten Wochen stark verändert.
      Die Dresdner haben ein sehr feines Gespür. Ich gratuliere Dresden zu seiner klugen OB-Wahl. Zur Stichwahl kann nichts mehr schiefgehen. Mir sind beide Kandidaten, die zur Stichwahl antreten, persönlich sympatisch.
      Ich wünsche der Stadt eine gute Entwicklung und vor allem Frieden.

    • Patriot kann nur der sein, der Gott seinen Vater nennt und Christus als Sohn des Vaters bekennt. Andere Sorten von Patrioten gibt es nicht.

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