Deal zwischen Trump & Kim perfekt: Die alte Weltordnung triumphiert

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Ganz großes Kino beim Gipfel in Singapur

Eine Inszenierung wie im Märchen: Die Todfeinde vor der Kulisse der Science-Fiction-City Singapur, dem kapitalistischen Schlaraffia in Südasien. Der große Blonde und der kleine Dicke – sie wollten sich und ihre jeweiligen Völker noch letztes Jahr von der Landkarte pusten – lächeln, berühren sich, schütteln sich knapp 20 Sekunden die Hände. Trump reiht die Worte aneinander, die er aus Twitter kennt: großartig, sehr sehr großartig, terrific, „very soon“.

Immerhin: Ein Vertrag wurde unterzeichnet. Der Presse wurde er noch nicht präsentiert, aber Trump hielt das kurze Schriftstück in Händen, es war lesbar: Nordkorea rüstet atomar ab, dafür US-Sicherheitsgarantien. Details gibt es nicht: Wann die Bomben und Bombenbauanlagen verschrottet werden – niente. Was Sicherheitsgarantien heißt – nada. Ich vermute mal, es gibt, wie bei Diktatoren üblich, ein geheimes Zusatzprotokoll. Kim ist nicht blöd: US-Sicherheitsberater John Bolton hat ihn vor kurzem an das Schicksal Gaddafis erinnert. Der hatte sein Massenvernichtungswaffenprogramm Anfang der nuller Jahre auch gecancelt und erhielt dafür schöne Wirtschaftsverträge und Sicherheitsgarantien. Besonders die Abkommen mit Frankreich waren sehr lukrativ. Doch Präsident Sarkozy, der Gaddafi-Milliönchen für seinen Wahlkampf 2007 bekommen hatte, verriet seinen ziemlich besten Freund 2011 und initiierte  die Bombardierung Libyens, anschließender Sturz (und Pfählung) des Wüstenprinzes inklusive. Das alles kann man in COMPACT 4/2018 nachlesen. Wenn Kim trotzdem heute einem ähnlichen Deal zugestimmt hat, muss er entweder bessere Sicherheitsgarantien bekommen haben (effektiv wäre eigentlich nur der Schutz des Landes durch den russischen Atomschirm, genehmigt von Washington), oder er hat sich und die von ihm seit zwei Jahren geförderte Mittelschicht durch die Amis bestechen lassen, damit es zu einer Öffnung seines Landes für den Weltmarkt kommt (zur Mittelschichtpolitik von Kim ein ausführlicher Artikel in COMPACT-Spezial 16 „USA gegen China. Endkampf um die neue Weltordnung“).

Compact-Spezial Nr. 16 USA gegen China

Compact-Spezial USA gegen China

Gut möglich auch, dass die beiden auch alles im Vagen beließen und nur ganz großes Kino ablieferten: Ein Fototermin zur Beruhigung der Weltmärkte und der Börsen, zur Stimulierung von Trumps Umfragewerten und zur Popularisierung von Kim. Aber auch eine solche Symbolpolitik hat einen realpolitischen Effekt: Die Herzlichkeit im Umgang der beiden steht in schreiendem Kontrast zu Trumps rüdem Abkanzeln seiner bisherigen westlichen Bündnispartner auf (und vor allem nach) dem G7-Gipfel. Die Bilder sagen mehr als tausend Worte: „Den“ Westen als politisches Subjekt gibt es nicht mehr. Trump macht Weltpolitik mit neuen, bilateralen Bündnispartnern: mal mit Kim, mal mit Erdogan, mal mit Putin, mal mit Xi. Spannend wird’s, wenn er seine Buddies mal alle zusammenholt – zu einem Gipfel der alten Weltordnung.

 

Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

12 Kommentare

  1. Einerseits "brauchen" die USA die neuen, sich rasch entwickelnden Staaten im ehemaligen kommunistischen Osten als neue absatzmärkte. Andererseits dürfte Kim schlau genug sein, einer Wiedervereinigung Koreas nur zuzustimmen, wenn sich die USA (militärisch) aus Südkorea zurückziehen – und zwar endgültig und richtig! Nicht den Geheimdienst und Großkapitalisten wie Herrn Soros da lassen! Da dürften dann auch die Protagonisten der "neuen Welt" hinter stehen und sich nicht über den Tisch ziehen lassen, wie einst Gorbi in Europa nach 1990. Europa ist seitdem eben US-Kolonie und für den Rest der Welt uninteressant geworden.
    Welche Show Herr Trump für seine eigenen Leute aufführt, sei dahingestellt. Vielleicht will der trotz allem noch aus der Nummer des Imperiums, des "Weltpolizisten" raus.
    Die USA muß weg! Und offensichtlich tut sich da was.

  2. Im Unterschied zum Killery hörigen Todesdrohnen-Obamaten hat Donald unmittelbar mit Kim geredet. Ein nur kleiner Fortschritt, doch schon eher einen Friedensnobelpreis wert.

  3. Fischer's Fritz am

    "Laß mich dein Beschützer sein, sprach der Fuchs zur Gans." ? 😉

    Wenn die Sache aber hält und Bestand hat, dürften unseren gleichgeschalteten Hofjournalisten ihre Anti-Trump Lästermäuler hoffentlich gestopft sein.

  4. Jürg Rückert am

    Es ist ein Vertrag, wie er mit einem Indianerstamm abgeschlossen wurde.
    Aber gilt das nicht für alle Verträge? Trotz aller moralischen Schwüre: Wer keine Macht ist, hat nichts zu sagen und kann auf nichts vertrauen.
    Auf einmal sind Israel, die Ukraine, Georgien und "Patgonien" in der Nato. Die Verträge wurden nicht geändert und gefragt hat uns niemand. Unser Bewährungshelfer hat so entschieden.
    Nordkorea kann auf der Rasierklinge zwischen China und den USA ein wenig Freiheit genießen, d.h. "Freiheit" für eine kleine Gruppe oben.

  5. Aristoteles am

    Selbstverständlich beherrschen auch die US-Amerikaner den Kniff der doppelten Knebelung
    (double bind).
    Nicht nur dass sie die BRD mit Soldaten und Atombomben besetzt halten,
    mit Zivilsoldaten in Vereinen wie German Marshall Fund, Aspen Institute, Atlantik Brücke, (European/German) Council on Foreign Relations, Trilaterale Kommission usw.,
    nicht zu vergessen fragwürdige Ratingagenturen wie Moody’s, Standard and Poor’s, Fitch, Umweltorgansitionen und bunte Pressevasallen,
    die den Industriegkrieg gegen die Wirtschaft in der BRD mitführen —,
    sie gaukeln bei alledem noch vor, die BRD sei souverän
    und also selbst schuld am Desaster.

    Dumm ist keineswegs, denn die Mehrheit der BRD-Bunzel fällt drauf rein,
    v.a. je öfter man es ihnen einredet.

    An Verträge muss sich nur der Mächtige nicht halten.
    Und auch Geheime Zusatzprotokolle lassen sich gut dazwischenschieben,
    wenn man weiß, dass der künftige Feind auch von der anderen Seite in die Zange genommen wird.

  6. Karl Blomquist am

    Die USA werden schon einen Vorwand fabrizieren
    um Frieden in Korea zu verhindern
    Das Compact-Sonderheft "USA gegen China – Kampf um die Neue Weltordnung" beschreibt die Lage doch. Ein Deal mit Korea würde die US-Kriegspläne gegen China durchkreuzen.

  7. Rumpelstielz am

    Nun, man hätte dem armen Kim sagen müssen, dass Verträge mit den VSA NICHTS wert sind. Sie gelten nur so lange wie die VSA einen Nutzen darin sehen. Denn die handeln immer nach der Natur von Niccoló Machiavelli

    Man darf nur seine Gesinnung nicht zeigen, sondern muß zuerst das Begehrte auf alle Weise zu erlangen suchen. Es reicht hin, jemand seine Waffen abzuverlangen, ohne daß man sagt, ich will dich damit umbringen; denn hast du einmal seine Waffen in der Hand, so ist es immer noch Zeit, deine Gelüste zu befriedigen. Machiavelli

    Man sollte dem Kim Saddams Geschichte vorlesen.

    si vis pacem parabellum

    • Sie bringen was arg durcheinander.
      Donald T. ist nicht der verlogene Halbneger, auch kein Bush oder Clinton.

      • @ PAUL

        Stimmt, das ist der große Blonde mit den schwarzen Schuhen.
        Und er hat väterlicherseits, im Gegensatz zu jener Dame, welche
        die deutsche Kanzlerin (noch) geben darf, deutsche Wurzeln.
        Das lässt hoffen.

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