In den Jahren nach seiner Machtergreifung machte sich Hitler daran, nach dem Ersten Weltkrieg verlorene Teile des Reiches unter seine Herrschaft „Heim ins Reich“ zu holen. Mit der Heimholung der volksdeutschen Siedlungsgebiete in der Tschechoslowakai setzt Hitler seine Vereinigungspolitik fort. Die Westmächte gaben seinem Vorhaben gegenüber klein bei.

    Es folgt ein Auszug aus „COMPACT Geschichte: Der Krieg, der viele Väter hatte“:

    Ab 1204 rufen böhmische Könige deutsche Bauern, Handwerker und Kaufleute zur Aufsiedlung und Entwicklungshilfe in ihr Land, wodurch die Randgebiete Böhmens und Mährens deutsch besiedelt werden und es über 700 Jahre bleiben. Die Deutschen sind dort, wie die Tschechen, Angehörige des Habsburger-Reiches. So ist es nur natürlich, dass sie sich nach der Zerschlagung der Donau-Monarchie zunächst Österreich zugehörig fühlen.

    Am 29. Oktober 1918, nach dem Untergang Österreich-Ungarns, rufen die Abgeordneten der deutschsprachigen Wahlkreise Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens die «Provinz Deutschböhmen» aus und teilen der Wiener Nationalversammlung und US-Präsident Wilson mit, dass die Provinz ein Teil Deutsch-Österreichs sein soll. Trotz des klaren Votums landen die Sudetendeutschen 1919 durch den Spruch der Siegermächte im sogenannten Staat der Tschechen und Slowaken.

    Sprengsatz Minderheitenpolitik

    Die Tschechoslowakei ist ein erst 1919 entstandener Kunststaat. Der Doppelname verschleiert, dass die zwei größten Völker zum einen die Tschechen mit 6,7 Millionen Bürgern und andererseits die Deutschen mit 3,1 Millionen Bürgern sind. Das Leben der Sudetendeutschen

    in «ihrem» neuen Staate erweist sich bald als unerfreulich. Staatsapparat, Polizei und Militär sind überwiegend tschechisch und spiegeln den Proporz der Völker in keiner Weise wider. Wirtschaft, Schulen und Verwaltung in den bis dahin rein und überwiegend deutsch bewohnten Städten und

    Gemeinden werden gegen den Willen der ansässigen Bevölkerung und auch gegen die Garantien der Verfassung mit Nachdruck tschechisiert. 354 deutsche Volksschulen und 47 Mittelschulen müssen schließen. Etwa 40.000 deutsche Staatsbeamte werden aus dem Dienst entlassen. Die deutschen Städte werden umgetauft und erhalten tschechische Namen. Alle deutschen Landerwerbungen seit 1620 werden enteignet und an den tschechischen Bevölkerungsanteil «zurückerstattet». Die Bestimmungen der Verträge von Saint-Germain und Trianon, die Tschechoslowakei zu einem Bundesstaat mit gleichen Rechten für alle Völker zu entwickeln, werden niemals umgesetzt.

    Die sudetendeutsche Frage

    In den 1920er und 1930er Jahren nimmt der Verdruss der Sudetendeutschen an Vorherrschaft und Selbstbedienung der Tschechen in ihrem neuen Staate stetig zu. 1933 gelingt es Konrad Henlein, die deutschsprachigen Bürger der Tschechoslowakei in einer Bewegung, die er Sudetendeutsche Heimatfront nennt, zu sammeln. Henlein erkennt die Tschechoslowakei als den Staat der Sudetendeutschen an, doch er versucht, die Kultur, das Heimatrecht, die wirtschaftliche Stellung und die Arbeitsplätze der deutschen Bevölkerung in ihrem neuen Staat zu erhalten und, wo nötig, durchzusetzen.

    Aus der Sudetendeutschen Heimatfront bildet sich alsbald die Sudetendeutsche Partei (SdP), die schon bei den Mai-Wahlen 1935 stimmenstärkste Partei im Lande wird. Sudetendeutsche und Slowaken drängen nun auf die in Saint-Germain versprochene innere Autonomie der Nationen im Vielvölkerstaat Tschechoslowakei. Konrad Henlein, der im Herbst 1937 noch immer um die Zukunft der Deutschen innerhalb der Tschechoslowakei kämpft, schickt Staatspräsident Edvard Benesch ein förmliches Ultimatum mit der Aufforderung, die innere Autonomie der Sudetenlande zu erklären. Der Präsident würdigt Henleins Ultimatum nicht einmal einer Antwort.

    Da Henlein kein Gehör findet, richtet er am 19. November 1937 erstmals ein Ersuchen an Hitler, die deutsche Bevölkerung in der Tschechoslowakei zu unterstützen. Das ist der erste Hilferuf nach außen, der letzte Schritt vor der offiziellen Bitte, die Sudetengebiete dem Deutschen Reich anzugliedern.

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