Markus Söder bekennt sich zur christlichen Tradition. Linke und andere Heiden spotten. Aber welche Werte vertreten sie?

    _von Phil Mehrens

    Markus Söder bekennt sich zum C in dem Namen der Partei, der er angehört, und die Aufregung in Deutschlands linksliberalem Presse- und Polit-Establishment ist groß. Der bayerische Ministerrat hat mit Wirkung zum 1. Juni den Eingangsbereichen von Behörden ein Kreuz verordnet als »Bekenntnis zur Identität« und zur »kulturellen Prägung« der eigenen Heimat.

    Die Reaktion: ein via Twitter entfesselter Spott-Sturm und kräftiger Gegenwind aus dem heidnischen Herz der Republik. Einer der Twitter-Spötter: der offenbar dem Atheismus zugeneigte FDP-Frontmann Christian Lindner. Lindner setzte sich allerdings ins Glashaus und zieht nun selbst Spott auf sich, weil er Söder mit dem türkischen Sultan Erdogan verglich und mit der kühnen Behauptung verblüffte: »Das Grundgesetz hat keine Konfession.«

    Der Chef der Liberalen nährte damit nicht nur grundsätzliche Zweifel an seiner Intelligenz, sondern bewies auch eindrucksvoll, dass er das Grundgesetz gar nicht kennt oder – was bei einem Polit-Aufsteiger wie Lindner eher wahrscheinlich ist – Scheuklappen trägt, die ihn zu einer selektiven Sichtweise zwingen. Die Präambel des Grundgesetzes jedenfalls stellt die Verantwortung vor Gott und damit ein klares Bekenntnis (das deutsche Wort für »Konfession«) zum Gott der Christenheit an die vorderste Stelle.

    Nicht die Frage, ob das Grundgesetz ein Bekenntnis hat, stellt sich angesichts dieses Befundes, sondern eher die, ob ein heidnischer Minister (der uns in Gestalt Lindners zum Glück erspart blieb), der bei seinem Amtseid auf die Formel »so wahr mir Gott helfe« verzichtet und somit auf Distanz zur Präambel geht, überhaupt eine würdiger Staatsdiener und Verteidiger des Grundgesetzes sein kann. Aber seit dem Bundestagsbeschluss zur Ehe zwischen Menschen desselben Geschlechts vom Juni 2017, Ausdruck eines rein säkularen Weltbildes, glaubt an solche Minister in Deutschland sowieso keiner mehr. Warum eigentlich, frage ich mich, muss Deutschland sich so unbedingt von seinen Wurzeln emanzipieren?

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    Was missfällt uns so am Kreuz als Symbol unserer christlich-abendländischen Tradition, ohne die wir Deutsche nicht die wären, die wir heute sind? Vielleicht werden die Neuheiden, die sich über Söders Bekenntnis beklagen, mal etwas konkreter, was sie gern wieder loswerden würden von dem, was sie dem Christentum verdanken. Möchten sie am Sonntag, dem »Tag des Herrn«, lieber arbeiten, statt Ostern und Weihnachten lieber Zuckerfest und Mohammeds Geburtstag feiern oder als gute Proletarier auch an den höchsten christlichen Feiertagen lieber durcharbeiten?

    Stören sie Taufe und Konfirmation oder eine Hochzeit in Weiß als große, die Familie einigende Familienfeste oder vielleicht die Familie an sich, eine christlich sanktionierte, aber natürlich auch bourgeoise Institution? Stören sie die vielen Kirchen in unserem Stadtbild oder die Zehn Gebote als Richtschnur für ethisch korrektes Verhalten (»Du sollst nicht töten«). Und vielleicht sagen die Söder-Kritiker mal, was sie stattdessen wollen.

    Woher die Abneigung gegen das christliche Symbol kommt, ist klar. Seit der marxistischen 68-er-Revolte und dem »Marsch« ihrer Anhänger »durch die Institutionen« liegt ein Kuckucksei im Nest jeder westlichen Gesellschaft. Inzwischen ist das gefräßige Tier geschlüpft und ist fett und rund gefüttert worden und sitzt mit gewetzten Krallen auf dem Dach des Medien- und Politzirkus, von wo aus es die Recht­gläubigkeit im Lande überwacht. Die atheistische Prämisse von der Religion als »Opium des Volkes« hat unter seinen wachsamen Augen den Platz der traditionellen Werte und Glaubensüberzeugungen eingenommen, die als darbende Singvögel Probleme haben sich neben dem fetten Kuckuck zu behaupten.

    Wer sich aber dem Blendwerk der neomarxistischen Säulenheiligen (Horkheimer, Adorno, Marcuse in Deutschland, Lacan, Derrida und Foucault in Frankreich) verweigert, der vermag mit dem amerikanischen Politologen Samuel Huntington zu erkennen: »Das westliche Christentum ist historisch gesehen das wichtigste Charak­teristikum der westlichen Kultur.« Oder er folgt dem englischen Geschichtsphilosophen Christopher Dawson, der das Christen­tum betrachtet als geistigen Mittel­punkt der kulturellen Einheit Europas, als einigendes Band, das Europa zusammenhält. Und er ist auch nicht blind für die Schäden, die die Abkehr vom christlichen Erbe bereits verursacht hat.

    Denn die ist ja kein Novum in der europäischen Geschichte: Schon die französischen Revolutionäre Robespierre und Danton, Wegbereiter des Aberglaubens an die menschliche Vernunft, haben Ende des 18. Jahrhunderts vorgeführt, wie man kräftig aufräumt mit der kirchlichen Tradition. Robespierre erklärte einen abstrakten »Tugend«-Begriff zum Maß aller Dinge und hob ein neues »Fest des höchsten Wesens« aus der Taufe. Ist es das, was die heidnischen Spötter wollen?

    Dann darf man sie vielleicht auch daran erinnern, dass die Begleitmusik dieser unter der geistigen Ägide des Rationalismus vollzogenen Abschaffung der alten Religion das Klappern der Guillotine war, die Robespierre Tag und Nacht rauf- und runtersausen ließ, bis schließlich sein eigener Kopf unter selbiger lag und der Spuk ein Ende hatte. Robespierres Erben heißen Stalin, Hitler, Mao, Pol Pot, Ho Chi Minh und, ja, auch Che Guevara.

    Denn auch der Heilige Georg der Sozis ließ als »Robespierre von La Cabana« Andersdenkende von Revolutionstribunalen aburteilen und ermorden, ein Freisler im Revoluzzerdress, für den das christliche Gebot »Du sollst nicht töten« nicht galt, weil er nicht an Gott glaubte.

    Ich meine: Wer heute noch mit Che-Guevara-Konterfei in der Gegend rumrennt oder wie Robespierre an die menschliche Vernunft glaubt, der verdient deutlich mehr Spott als jemand, der sich zu Christus bekennt. Denn der Nazarener hat keine Menschen hinrichten lassen, er hat sich selbst hinrichten lassen – und dabei denselben Spott ertragen, den das Kreuz bei den Jüngern der neomarxistischen Orthodoxie anscheinend heute noch auslöst.

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