Das historische Recht der „Ewigen Linken“ (Nolte) – und warum die Neue Linke es verwirkt hat

22

Wer eigentlich ist ein „Linker“? Die Antifas sind es sicher nicht – die sind nur die (bezahlten?) Prügel-Milizen der Merkel-Junta. Und man kann daran zweifeln, dass so etwas wie „rechts“ und „links“ heute noch die politische Wirklichkeit beschreibt. Die Begriffe sind sinnentleert. Es gibt wohl nur nachdenkliche Bürger und solche, die von ihrem Denkvermögen weniger Gebrauch machen.

_ von Karl-Friedrich Noll

Ursprünglich hatte die Linke tatsächlich ein wohlfundiertes und lange überliefertes, ein ernstzunehmendes Programm. Der Sozialismus will es lösen, dass eine Gruppe von Menschen die Macht gewinnt, eine andere zu zwingen, die Arbeit für sie zu erledigen. Dabei gehen die Werte, die durch die Arbeit geschaffen werden, in das Eigentum des Mächtigen über: Er bereichert sich. Dieses Grundproblem begleitet den Menschen bereits seit der Steinzeit, und heute ist dieses Verhältnis geradezu zur Grundlage der Politik geworden.

Capitalism or Socialism – Traffic sign with two options – socialist centralized economic planning or capitalist liberated free market | Foto: M-SUR, shutterstock.com

Regime von Sklavenhaltern und Ausbeutern begründeten ganze Staaten, deren Spitze in der Neuzeit wohl das Britische Weltreich darstellt. Die Nutznießer des Empire waren jedoch nicht der englische Landarbeiter oder der Kumpel aus Wales. Den gigantischen Gewinn aus der Ausbeutung der Kolonialvölker schöpften die „companies“ ab, die Eigentümer vieler lukrativer Unternehmen in den Kolonien waren. Sie kontrollierten den Handel und zunehmend den Staat Großbritannien und häuften so einen märchenhaften Reichtum an. Als um 1900 absehbar wurde, dass die Ausdehnung des Empire sich nicht fortsetzen lassen würde, transferierten die Eigentümer, Manager und Banker der „companies“ ihr Vermögen in die USA.

Eine winzige Gruppe von Superreichen betreibt den Transfer der erarbeitetet Wohlstands der Völker

FED-Gründung als Syndikat profitorientierter Privatbanken, Weltwirtschaftskrise, die beiden Weltkriege, Bretton Woods, Petro-Dollar, Gründung von Weltbank, WHO, BIZ, UNO, NATO oder EU erlauben heute die Ausdehnung der Ausbeutung weltweit. Eine winzige, aber übermächtige Gruppe von Superreichen betreibt den weiteren Transfer des erarbeiteten Wohlstands der Völker und der Arbeitenden.

Mittlerweile verfügen acht Menschen auf dieser Welt über mehr Vermögen als die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Bereits im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wurde als Pervertierung von Demokratie die „repräsentative Demokratie“ als Mittel gefunden Ausbeutung zuzulassen, aber das Volk durch Brot und Spiele ruhig zu halten. Hilfreich dazu ist auch ein Betrugsvokabular – etwa das Gerede von „Liberalismus“ und „freiem Markt“. Dabei geht es ja gerade um die Verzerrung des Marktes zugunsten der großen Privatvermögen und des Globalismus, etwa durch die „Freihandels“-Abkommen. Sehr plausibel dargestellt finden sich diese Zusammenhänge aus „linker“, aber objektiver Sicht im Beitrag von Ernst Wolff in dem Sammelband „Fassadendemokratie“, Promedia, Wien, 2018.

Ein derartiger Zwang zur Arbeit für die Herren führt verständlicherweise zu Widerstand; von alters her haben sich die Menschen gegen diese Zumutungen gewehrt. In der Antike waren Sklavenaufstände die Folge. Die Bauernkriege und in der Neuzeit etwa die Französische Revolution waren Ausdruck des gleichen Aufbegehrens.

The Zenith of French Glory: The Pinnacle of Liberty. Religion, Justice, Loyalty & all the Bugbears of Unenlightend Minds, Farewell!“ A satire of the radicalism of the French Revolution | Foto: James Gillray, wikimedia.org

Dieser Widerstand ist offensichtlich gerechtfertigt. Der nachdenkliche Linke Ernst Nolte spricht vom „Historischen Recht der Ewigen Linken“. Der Sozialismus fordert also, dass kein Bürger unter Zwang und Täuschung ausgebeutet wird und seine erarbeiteten Werte dann der Bereicherung irgendwelcher Herren dienen. Jedem sollen die Früchte seiner Arbeit selbst zufließen: Das ist das Prinzip der gerechten Leistungsgesellschaft. Der Sozialismus sichert jedem Menschen Teilhabe an den lebensnotwendigen knappen Gütern.

Aussicht auf ewigen sozialen Frieden erweist sich als als spekulative Utopie

Allerdings machte die historische Linke stets zwei grundlegende Fehler: Erstens fehlte zumeist eine Vision für eine gerechte Sozialordnung nach einer Revolution. Die bisher Unterdrückten sind nach der Umkehrung der Herrschaftsverhältnisse die Herren; die bisherigen Herren müssen nun die Last der Arbeit für andere tragen. Besonders deutlich wird diese Sinnwidrigkeit im Marxismus: Er fordert die Diktatur der Lohnempfänger als „Erziehungsdiktatur“. Die Beherrschten würden die erzwungene soziale Verhaltensweise in ihr Genprogramm aufnehmen (Lamarckismus; Lehre Lamarcks von der Entstehung neuer Arten aufgrund einer durch Anpassung bewirkten Veränderung erblicher Merkmale; Anm. d. Red.), und erst damit werde die Diktatur entbehrlich. Die Aussicht auf „ewigen sozialen Frieden“ in der nunmehr „klassenlosen Gesellschaft“ und das „Absterben jeder Herrschaft“ erweisen sich als unrealisierbar, als spekulative Utopie.

Zweitens beschränkte sich die Linke stets bloß auf ökonomische Zusammenhänge und auf die Herrschaftsformen, die die Ausbeutung ermöglicht haben. Das ist der eigentlich gravierende Fehler, denn wer bloß ökonomisch argumentiert, lässt die wesentliche Bedingung des Menschseins außer acht. Der Mensch unterscheidet sich von allen anderen Wesen durch die Fähigkeit, sich Begriffe und Vorstellungen zu bilden, zu planen, zu denken und Gedankenfolgen zu entwickeln: Seine essentielle Eigenschaft ist die Geistigkeit, Vernunft, der Verstand, der Geist des Menschen.

Der Ausfluss der Geistigkeit des Menschen ist die Kultur. Kultur aber ist eine Gemeinschaftsveranstaltung: Einer allein kann keine Kultur schaffen oder bewahren. Die allein kulturschaffende Gemeinschaft ist das Volk. Es ist der alleinige Träger der Kultur. Zudem gründet man mit demjenigen Partner eine Familie, mit dem man sich versteht, auch rein sprachlich. Schon deshalb ist das Volk Kulturgemeinschaft und zugleich Siedlungsgemeinschaft, Herkunftsgemeinschaft.

Das überwölbende Prinzip des Grundgesetzes ist die Bewahrung der Menschenwürde, also der essentiellen Eigenschaft, durch den sich jeder auszeichnet, der Menschenantlitz trägt, nämlich den menschlichen Geist. Eine im Sinne des Grundgesetzes richtige Sozialordnung für den Souverän, das Deutsche Volk (vgl. etwa Art. 56), erfordert also eine Leistungsgesellschaft, in der keiner ausgebeutet wird und die der Erhaltung und Weiterentwicklung der angestammten Kultur gerecht wird.

Dies ist auch die Position der COMPACT-Bewegung. Chefredakteur Jürgen Elsässer stellte sie unter dem Jubel der Bewegung auf der COMPACT-Oppositionskonferenz
2017 in Leipzig dar: „Wir verbinden Patriotismus und Einsatz für die Arbeiter und die Schwachen in diesem Land! Nationale und soziale Befreiung des deutschen Volkes! (…) Erst kommt das Volk! Dann kommt das Land! Und erst am Schluss kommt die Partei!“ (…)„Wir wünschen uns (…), dass dereinst (…) eine Nationalversammlung frei gewählter deutscher Volksvertreter stattfindet, die eine echte Verfassung ausarbeitet.“

Über den Autor

Online-Autor

 

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.

Empfehlen Sie diesen Artikel