Das historische Recht der „Ewigen Linken“ (Nolte) – und warum die Neue Linke es verwirkt hat

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Wer eigentlich ist ein „Linker“? Die Antifas sind es sicher nicht – die sind nur die (bezahlten?) Prügel-Milizen der Merkel-Junta. Und man kann daran zweifeln, dass so etwas wie „rechts“ und „links“ heute noch die politische Wirklichkeit beschreibt. Die Begriffe sind sinnentleert. Es gibt wohl nur nachdenkliche Bürger und solche, die von ihrem Denkvermögen weniger Gebrauch machen.

_ von Karl-Friedrich Noll

Ursprünglich hatte die Linke tatsächlich ein wohlfundiertes und lange überliefertes, ein ernstzunehmendes Programm. Der Sozialismus will es lösen, dass eine Gruppe von Menschen die Macht gewinnt, eine andere zu zwingen, die Arbeit für sie zu erledigen. Dabei gehen die Werte, die durch die Arbeit geschaffen werden, in das Eigentum des Mächtigen über: Er bereichert sich. Dieses Grundproblem begleitet den Menschen bereits seit der Steinzeit, und heute ist dieses Verhältnis geradezu zur Grundlage der Politik geworden.

Capitalism or Socialism – Traffic sign with two options – socialist centralized economic planning or capitalist liberated free market | Foto: M-SUR, shutterstock.com

Regime von Sklavenhaltern und Ausbeutern begründeten ganze Staaten, deren Spitze in der Neuzeit wohl das Britische Weltreich darstellt. Die Nutznießer des Empire waren jedoch nicht der englische Landarbeiter oder der Kumpel aus Wales. Den gigantischen Gewinn aus der Ausbeutung der Kolonialvölker schöpften die „companies“ ab, die Eigentümer vieler lukrativer Unternehmen in den Kolonien waren. Sie kontrollierten den Handel und zunehmend den Staat Großbritannien und häuften so einen märchenhaften Reichtum an. Als um 1900 absehbar wurde, dass die Ausdehnung des Empire sich nicht fortsetzen lassen würde, transferierten die Eigentümer, Manager und Banker der „companies“ ihr Vermögen in die USA.

Eine winzige Gruppe von Superreichen betreibt den Transfer der erarbeitetet Wohlstands der Völker

FED-Gründung als Syndikat profitorientierter Privatbanken, Weltwirtschaftskrise, die beiden Weltkriege, Bretton Woods, Petro-Dollar, Gründung von Weltbank, WHO, BIZ, UNO, NATO oder EU erlauben heute die Ausdehnung der Ausbeutung weltweit. Eine winzige, aber übermächtige Gruppe von Superreichen betreibt den weiteren Transfer des erarbeiteten Wohlstands der Völker und der Arbeitenden.

Mittlerweile verfügen acht Menschen auf dieser Welt über mehr Vermögen als die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Bereits im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wurde als Pervertierung von Demokratie die „repräsentative Demokratie“ als Mittel gefunden Ausbeutung zuzulassen, aber das Volk durch Brot und Spiele ruhig zu halten. Hilfreich dazu ist auch ein Betrugsvokabular – etwa das Gerede von „Liberalismus“ und „freiem Markt“. Dabei geht es ja gerade um die Verzerrung des Marktes zugunsten der großen Privatvermögen und des Globalismus, etwa durch die „Freihandels“-Abkommen. Sehr plausibel dargestellt finden sich diese Zusammenhänge aus „linker“, aber objektiver Sicht im Beitrag von Ernst Wolff in dem Sammelband „Fassadendemokratie“, Promedia, Wien, 2018.

Ein derartiger Zwang zur Arbeit für die Herren führt verständlicherweise zu Widerstand; von alters her haben sich die Menschen gegen diese Zumutungen gewehrt. In der Antike waren Sklavenaufstände die Folge. Die Bauernkriege und in der Neuzeit etwa die Französische Revolution waren Ausdruck des gleichen Aufbegehrens.

The Zenith of French Glory: The Pinnacle of Liberty. Religion, Justice, Loyalty & all the Bugbears of Unenlightend Minds, Farewell!“ A satire of the radicalism of the French Revolution | Foto: James Gillray, wikimedia.org

Dieser Widerstand ist offensichtlich gerechtfertigt. Der nachdenkliche Linke Ernst Nolte spricht vom „Historischen Recht der Ewigen Linken“. Der Sozialismus fordert also, dass kein Bürger unter Zwang und Täuschung ausgebeutet wird und seine erarbeiteten Werte dann der Bereicherung irgendwelcher Herren dienen. Jedem sollen die Früchte seiner Arbeit selbst zufließen: Das ist das Prinzip der gerechten Leistungsgesellschaft. Der Sozialismus sichert jedem Menschen Teilhabe an den lebensnotwendigen knappen Gütern.

Aussicht auf ewigen sozialen Frieden erweist sich als als spekulative Utopie

Allerdings machte die historische Linke stets zwei grundlegende Fehler: Erstens fehlte zumeist eine Vision für eine gerechte Sozialordnung nach einer Revolution. Die bisher Unterdrückten sind nach der Umkehrung der Herrschaftsverhältnisse die Herren; die bisherigen Herren müssen nun die Last der Arbeit für andere tragen. Besonders deutlich wird diese Sinnwidrigkeit im Marxismus: Er fordert die Diktatur der Lohnempfänger als „Erziehungsdiktatur“. Die Beherrschten würden die erzwungene soziale Verhaltensweise in ihr Genprogramm aufnehmen (Lamarckismus; Lehre Lamarcks von der Entstehung neuer Arten aufgrund einer durch Anpassung bewirkten Veränderung erblicher Merkmale; Anm. d. Red.), und erst damit werde die Diktatur entbehrlich. Die Aussicht auf „ewigen sozialen Frieden“ in der nunmehr „klassenlosen Gesellschaft“ und das „Absterben jeder Herrschaft“ erweisen sich als unrealisierbar, als spekulative Utopie.

Zweitens beschränkte sich die Linke stets bloß auf ökonomische Zusammenhänge und auf die Herrschaftsformen, die die Ausbeutung ermöglicht haben. Das ist der eigentlich gravierende Fehler, denn wer bloß ökonomisch argumentiert, lässt die wesentliche Bedingung des Menschseins außer acht. Der Mensch unterscheidet sich von allen anderen Wesen durch die Fähigkeit, sich Begriffe und Vorstellungen zu bilden, zu planen, zu denken und Gedankenfolgen zu entwickeln: Seine essentielle Eigenschaft ist die Geistigkeit, Vernunft, der Verstand, der Geist des Menschen.

Der Ausfluss der Geistigkeit des Menschen ist die Kultur. Kultur aber ist eine Gemeinschaftsveranstaltung: Einer allein kann keine Kultur schaffen oder bewahren. Die allein kulturschaffende Gemeinschaft ist das Volk. Es ist der alleinige Träger der Kultur. Zudem gründet man mit demjenigen Partner eine Familie, mit dem man sich versteht, auch rein sprachlich. Schon deshalb ist das Volk Kulturgemeinschaft und zugleich Siedlungsgemeinschaft, Herkunftsgemeinschaft.

Das überwölbende Prinzip des Grundgesetzes ist die Bewahrung der Menschenwürde, also der essentiellen Eigenschaft, durch den sich jeder auszeichnet, der Menschenantlitz trägt, nämlich den menschlichen Geist. Eine im Sinne des Grundgesetzes richtige Sozialordnung für den Souverän, das Deutsche Volk (vgl. etwa Art. 56), erfordert also eine Leistungsgesellschaft, in der keiner ausgebeutet wird und die der Erhaltung und Weiterentwicklung der angestammten Kultur gerecht wird.

Dies ist auch die Position der COMPACT-Bewegung. Chefredakteur Jürgen Elsässer stellte sie unter dem Jubel der Bewegung auf der COMPACT-Oppositionskonferenz
2017 in Leipzig dar: „Wir verbinden Patriotismus und Einsatz für die Arbeiter und die Schwachen in diesem Land! Nationale und soziale Befreiung des deutschen Volkes! (…) Erst kommt das Volk! Dann kommt das Land! Und erst am Schluss kommt die Partei!“ (…)„Wir wünschen uns (…), dass dereinst (…) eine Nationalversammlung frei gewählter deutscher Volksvertreter stattfindet, die eine echte Verfassung ausarbeitet.“

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22 Kommentare

  1. armin_ulrich am

    "FED-Gründung als Syndikat profitorientierter Privatbanken, Weltwirtschaftskrise, die beiden Weltkriege, Bretton Woods, Petro-Dollar, Gründung von Weltbank, WHO, BIZ, UNO, NATO oder EU erlauben heute die Ausdehnung der Ausbeutung weltweit. Eine winzige, aber übermächtige Gruppe von Superreichen betreibt den weiteren Transfer des erarbeiteten Wohlstands der Völker und der Arbeitenden."
    das ist aber eine verkürzte Kapitalismuskritik, die sich mit strukturellem Antisemitismus gepaart hat …. lach.

  2. heidi heidegger am

    wie oft mahnte ich hier schon die leistungsgesellschaft an, häh (?) und meinte damit Gutti und Shavan (die ollen abschreiber unn dat) und die spinner vom ZDF, die der angespannten äh angestammten kultur ungerecht werdään, in dem sie so nen weltraumschrott wie *raumschiff enterprise* in’s (un)deutsche fernsehen einspeisten, mindestens seit 1969. -> ich will das gute alte dt. fernsehspiel und den ²fernsehfilm zrugg!!! zifix! *istdochwahr*

    ² ja-so lecker zeug, wie dat vom fernsehen mitproduzierte dingens von RWFassbinder *acht stunden sind kein tag*..tia! d a s waren nocht zeiten!

    • heidi heidegger am

      und ich glaube ausserdem, ich darfeh (millerweile oder so..) den soliden artikel runterbrechen auf meinen altbekannten äh heidi-räpp:

      "es k a n n (sowieso) linksnrechts der Elsässer-vernunftslinie nix gebään und es w i r d l’n’r der Elsässer-vernunftslinie nix gebään, ätsch!"

      zacknweg

  3. Wunderbar! Als anarchistischer Patriot, sozialistischer Antifaschist oder rechtsradikaler "P***el" kann ich hier nur zustimmen. Weder sind die Politiker der sPD sozialdemokratisch, die Grünen grün, es mischt sich zunehmend Braunes darunter, noch die Mitglieder der cDU christlich. Also hat es auch wenig Bedeutung, dass wir als Faschisten,Rechtsradikale o.ä. etikettiert werden. Schön war, dass auf einer Demonstration von Patriot*innen, die Teilnehmer*innen in die Gesänge der antiFA einstimmten und gemeinsam wurde "Nazis raus" skandiert. Vielleicht werden zukünftig auch gemeinsame Sprüche gegen eine zunehmende Islamisierung unseres Landes gefunden?! Wie Herr Noll m.E. richtig feststellt es gibt Bürger die nachdenken und solche……..

    • heidi heidegger am

      LOL..Dein *intro*/erste sentenz gfallt mir sehr! magst mal schauen, wie sich in youtube der *smash dude* selbst beschreibt-kanalinfo unn dat..nämlich so, hihi:

      [Beschreibung
      Ich bin Kommunist, Veganer, Reichsbürger, Christ, Nationalsozialist, SJW, Reikiguru, Feminist, Drachi, Grüner, manchmal bin ich aber auch Moslem, Breivikfan , AfDler, Diplomat, Marsianer, Böhmermannfan und Sexist.

      Ich lüge nicht]

      muahahahaha! + grüßle!!! von deiner heidi <3

      • @Heidi:Schön, dass es Dir gefällt. Meine Frau, ja ich bin hetero und frei nach einem ehemaligen Berliner "Bürgermeister": und das ist gut so!!!, sagt des Öfteren zu mir, dass das Ganze nur noch mit Humor zu ertragen sei. Ja die Weisheit der unverschleierten Frauen. Um es mit DAF zu sagen: Heidi, tanzen wir den Mussolini!

      • heidi heidegger am

        @Gutmensch am 6. Oktober 2018 15:39

        🙂 DAF(eindschaft) – ich bin ja wirklich nicht tolerant, aber ganz hasenrein waren die zwei ooch nich, hihi. Guti, tanzen wir den Flocky!

        Kalli und heidi und Flocky und JE sind auch vollhetero – in der szene äh im forum war das aber lange ein wohlgehütetes geheimnis. *schnatter+schmunzel*

  4. Márton Sulyok am

    Biedermann und die Brandstifter – eine TYPISCH deutsche Tragödie

    Thema (abstrakt): -die UNFÄHIGKEIT, aber noch mehr die RENITENTE UNWILLIGKEIT, ja WIDERWILLE, GEFAHREN WAHR-zuHABEN!!!
    -die Hinnahme von LEIBES- und LEBENSGEFAHREN um VERMEINTLICHER persönlicher Vorteile Willen

    FABULA DE TE EST, CARA GERMANIA!!!

  5. Bei all diesen Betrachtungen – und leider auch in Realo – wird ein Aspekt stets außen vor gelassen: Nämlich daß Menschen höchst unterschiedlich sind! Und zwar interlektuell!!!
    Es gibt unbestreitbar dumme und interligente Menschen und die Schlauen haben sich stets die Arbeitskraft der Dummen zu Nutzen gemacht – eben seit der Steinzeit!
    Den Bauernkriegen und auch der frz.Revolution sind starke Abkühlungen vorausgegangen, zu Aufständen führte einzig interlektuelles Proletariat, d.h. Schlaue, die sich wirtschaftlich unter den Armen wiederfanden, damit nicht zufrieden waren und Anführer (Ausbeuter) an Stelle des Anführers werden wollten und dies auch schafften!
    Je größer die Menschheit wird, desto kapper werden die Ressourcen und desto leichter kann man ausbeuten /erpressen. Während in den 1970ern noch die Überbevölkerung des Planeten als DAS große Problem im Schulunterricht kam, wird es heute totgeschwiegen weil seine Erkenntnis den Ausbeuterinteressen zuwiederläuft. Mittels des engischen Seeimperiums haben sich einige Wenige so den ganzen Planeten untertan gemacht. Der Ideengeber ist das protestantisch / calvinistische Christentum. (Die ideologische Grundlage der Protestantismus für den Kapitalismus) (Wirtschaftlicher Erfolg ist die Gunst Gottes.)

    • 2. Die kommunistischen Anführer wollten nie wirklich die Macht an die Dummen abgeben, das hätte auch zu nichts als Chaos geführt; denn schon in der Steinzeit wußten diese, daß sie sich besser von Interligenten führen ließen.
      Diesen ausufernden, weil globalen Kapitalismus kann man schon einmal ordentlich einschränken indem man Länderübergreifende Wirtschaft (Eigentumserwerb!) nicht zuläßt und Wirtschaften auf ihr eigendliches Genre beschränkt. (Zunftwesen!) So wären multinationale Konzerne nicht möglich und ein jeder müßte sich auf Eigentum in seinem Herkunftsland beschränken.
      Preußen – und erst recht später das 3.Reich sind diesen Leuten derart verhaßt; denn sie wollten die Dummheit bekämpfen, die Dummen reduzieren. Das begann mit der Schulpflicht, bei der betrieblichen Lehre und dem Einsetzen der Familienförderung gerade bei der oberen Mittelschicht; denn hier konnte man am ehesten bildungsfähige Kinder erwarten.

      • 3.Die Dummen sterben nie aus. – Hieß es, weil sich diese eher als R-Strateken verhielten. Preußen /Deutschland wollte diese Regel brechen indem sie das Bildungsniveau in allen Schichten hob und die Fortpflanzung von Kranken nicht förderte (R-Verhalten unterbinden). Nur indem man möglichst alle schlau machte, also erheblich gleicher als vorher, konnte man Ausbeutung langfristig unterbinden.
        Rechte nehmen also Linken ihr Ausbeutungsmaterial weg! Deshalb sind sie so "Böse"!

        Weil der Bildungsstand der Deutschen vergleichsweise hoch ist/war, hier auch für gute Bildung nicht bezahlt werden mußte, wie z.B. in angloamerikanischen Ländern, sind die Deutschen eben grundsätzlich "Nazis"!
        Seit der ganzen "Bildungsreformen" hat sich das aber zunehmend erledigt, denn die deutsche Bildung wird seit Jahrzehnten ständig schleichend schlechter.
        Die Masse Mensch dumm halten und priviligierte Bildung nur für den eigenen Nachwuchs kostenpflichtig anbieten – so erhält man sich den Status Quo! Ganz egal, ob sich das System gerade Links oder Rechts schimpft, Liberal oder Demokratisch!

  6. Jeder hasst die Antifa am

    Das einzige die Linken können Ist das Geld was andere Erwirtschaften unter sich verteilen und die Wirtschaft zu ruinieren Was passiert wenn man die Linken in der Sahara ansiedelt,nach zwei Jahren ist der Sand alle.

  7. Deutschösterreicher aus dem Wienerwald am

    Einer meiner Lehrer brachte uns bei: "Kapitalismus: der Mensch beutet den Menschen aus; Kommunismus: genau umgekehrt!" Damals, im kalten Krieg, gefiel mir das nicht, ich hielt es für eine Verharmlosung der Sowjetdiktatur, die Systeme derart gleichzusetzen. Heute stellt sich heraus: es stimmt.

  8. Lila Luxemburg am

    Teil VI

    Wer sich also über ‚Deutschland‘ informieren will, der kann das heute nur noch über Bilder und Filme der Vergangenheit tun. Oder eben solche Perlen wie ‚Heimat‘ – aber hier bitte nur die erste Staffel, denn alles was später noch unter diesem Titel lief, war nur noch BRD, aber ganz bestimmt nicht mehr ‚Deutschland‘.

  9. Lila Luxemburg am

    Teil V

    In jedem Fall: Es gab noch keinen Fernseher! Und heute würde ich sagen: Mit dem Fernseher fing die Vereinzelung an. Mit dem Fernseher endete die Geschlossenheit der Welt – und Bilder und Eindrücke brachen in unsere Welt ein, die dort eigentlich gar nicht hingehörten. Heute gibt es in dem kleinen Dorf, das … ich glaube über 800 Jahre ein Bauerndorf gewesen war, noch einen(!) Landwirt, der Kühe hält… – und niemand findet diese ganze Irrsinnsentwicklung prinzipiell falsch. Aber diese Welt im Übergang, die ich als kleines Kind noch erlebt habe … das war das ‚auslaufende Deutschland’. Das was heute so bezeichnet wird, ist bestenfalls Anti-Deutschland. Wer sich also

  10. Lila Luxemburg am

    Teil IV

    Mein Opa war damals Bürgermeister des kleinen Ortes und ich musste ihm in einer Gastwirtschaft, die auch noch ein ‚Kolonialwarengeschäft’ war, manchmal seine Zigarren holen (5 x Fehlfarben zu je 20 Pfennig das Stück). Und die Beratungen über die weiteren Vorgänge in der Gemeinde (die damals noch selbstständig war) fanden dann auch immer in der ‚klee Stubb’ statt. Die Luft war zum Schneiden, der Ofen überhitzt, meine Oma strickte … und wir Kinder durften mitten unter den Erwachsenen sein, spielten, hörten den Geschichten zu … und waren selig – ohne zu wissen, dass wir selig waren. Und wenn der ‚Ecke-Paul’ von der Schicht aus der Schokoladenfabrik kam und vorbeischaute, dann gab es für uns aus seinem Kontingent ein Duplo … oder Hanuta!! Wahnsinn!!!

  11. Lila Luxemburg am

    Teil III

    Z.b. spielte sich das Leben im Bauernhaus vormittags und bis zum frühen Nachmittag in der Küche ab – das war der einzige Raum, der beheizt wurde. So ab 15.00 Uhr hieß es dann „Gieh mo in die klee Stubb inn maa e mo de Oofe oo!“ Also habe ich den Ofen angemacht, und allmählich, wenn die Tagesarbeiten auf dem Hof sich dem Ende entgegenneigten, kamen immer mehr Leute in die Stube.

  12. Lila Luxemburg am

    Teil II

    Zwar wie gesagt nur noch ‚ähnlich‘ … aber immerhin. Der Rhythmus des Lebens, die Geräusche des Dorfes, der Ablauf der Tätigkeiten, der noch weitgehend durch die Natur bestimmt wurde … die Art der Leute … – ja sicher, es gab auch Streit unter den Leuten … auch Feindschaften. Aber dennoch … heute, in der Rückschau, wird mir klar, daß alles Leben dennoch von so einer … übergreifenden Geborgenheit überwölbt war, die ich als Kind natürlich nicht bewußt erkannt habe.

    Es war einfach klar, wer dazugehörte … und wer nicht. Und niemand hätte ein ‚schlechtes Gewissen’gehabt Nichtzugehörige auch genauso zu empfinden. Die einziehende Kälte habe ich erstmals Anfang der siebziger Jahre registriert. Ich konnte mir das damals natürlich nicht erklären, aber … irgendwas … war … einfach weg. Etwas, das ich vorher als Geborgenheit, Zugehörigkeit, Fülle erlebt hatte, war … na ja, weg eben. Ich weiß nicht, ob es allein auf den Einzug des Fernsehers und die immer stärkere Mobilität zurückzuführen war … aber sie waren zweifellos ein Element – und nicht das Unwichtigste – in diesem Verlustprozess.

  13. Lila Luxemburg am

    "… und die der Erhaltung und Weiterentwicklung der angestammten Kultur gerecht wird."

    Die ‚angestammte Kultur‘ ist längst verschwunden. Untergegangen durch den Zangenangriff von US-Kulturimperialismus (ein Blick in eine beliebige Programmzeitrschrift genügt) und den 50jährigen Amoklauf der 68er gegen alles was sie als ‚irgendwie deutsch‘ empfinden. Da gibt es nichts mehr zu erhalten oder weiterzuentwickeln.

    Wer wissen will wer ‚die Deutschen‘ waren – oder auch was ‚deutsch‘ war – dem empfehle ich (und es ist wirklich nur meine ganz private Sicht) die erste Staffel der Serie ‚Heimat‘ (wohlgemerkt: nicht(!) ‚Heymat‘) von Edgar Reitz. So wie das Leben im fiktiven Hunsrückdorf ‚Schabbach‘ dargestellt wird habe ich es auch 40 Jahre später – in meiner Kindheit in den sechziger Jahren – noch in dem kleinen Bauerndorf, aus dem meine Mutter stammte, ähnlich erlebt.

  14. "Erst das Volk,dann das Land,am Schluß die Partei". Dieser Satz macht nur dann Sinn,wenn diese Partei n i c h t Avantgarde/Elite des Volkes ist. Dann würde sie nichts taugen,wäre eine Partei wie andere,zwischen denen das Wahlvolk hilflos hin und her irrt. Eine Partei,die das Volk anführen könnte, gibt es z.Z. nicht.Gäbe es sie,müßte sie an derSpitze stehen.,nicht am Schluß. Legal wäre sie unter den aktuellen Verhältnissen auch nicht zu schaffen,nur im Untergrund. So gebietet z.B. das Parteiengesetz innerparteiliche Demokratie, mit der Folge zahlreicher "Plattformen" und Flügelkämpfe ,während eine revolutionäre Partei offene Fraktionierungen möglichst auschalten muß.Ganz verhindern lassen sie sich sowieso nie. Aber wenn nicht wenigstens 40% + des Volkes die Revolution wollen,dann wird auch nichts daraus.

  15. Ah,siehe da! Es gibt sie also,die Compact- Bewegung. Dann soll sie mal öfter und deutlicher sagen,was sie anstrebt und was sie bekämpft.Damit man weiß, woran man ist. Manche Compact -Artikel lassen Ungutes ahnen. Und wo der Platz von Compact auf der neuen Achse Putin-Netanyahoo- Neue "Rechte"- Israel-AFD liegt.

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