Das Fanal von Paris und die EU-Wahl

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Kurz vor Himmelfahrt findet die Wahl zum EU-Parlament statt und kurz vor Ostern brennt Notre-Dame ab. Sollte uns das eine Lehre sein und wenn ja, welche?

_von Phil Mehrens

Die Europäische Union gilt als Friedensprojekt und viele Jahre lang war sie das auch. Inzwischen aber, da sind sich Experten wie Rolf-Dieter Krause, ehemaliger Leiter des ARD-Studios Brüssel, oder Dirk Schümer, Europa-Experte der Welt, einig, befindet die EU sich in der größten Krise ihrer Geschichte. Die EU-Elitisten schieben die Schuld daran gern auf so genannte populistische Bewegungen, auf nationalistische Stimmungsmacher. Der Begriff »Populist« ist seit einiger Zeit Dauergast in der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und der Print-Leitmedien. Aber die Kritik greift zu kurz.

Erstens ist es in demokratisch legitimierten Systemen völlig normal, dass Stimmung für oder gegen einen politischen Kurs gemacht wird. Im Wettstreit der politischen Anbieter miteinander ist es anders nicht möglich, die Massen zu mobilisieren. Populistische Empörung ebnete dem Frauenwahlrecht die Bahn, verhinderte Wackersdorf und rettete den Hambacher Forst, Stimmungsmache gegen konservative Leitbilder machte die so genannte »Ehe für alle« möglich, feministische Propaganda die Straffreiheit für Kindstötungen im Mutterleib. Das Endergebnis solcherart meinungsstarker linkspopulistischer Bewegungen waren politische Entscheidungen in ihrem Sinne. So funktioniert Demokratie.

Zweitens dient der Vorwurf der EU-Funktionäre vor allem dazu, vom eigenen Versagen abzulenken. Dieses Versagen thematisiert der französische Soziologe Emmanuel Todd in seinem Buch »Traurige Moderne«. Die Vorstellung, alle Europäer seien »kulturell gleich […] und Europa ein homogener Raum«, bezeichnet Todd als »romantische Idee« überenthusiastischer Visionäre und die Krise der EU als das Resultat fortdauernder Ignoranz. Das EU-Projekt von heute ist für den Sozial- und Geschichtswissenschaftler der totale Triumph von Ideologie über Empirie: Übernationale Imperien wie die Sowjetunion oder Jugoslawien sind zerfallen und ehe sie zerfallen sind, war es auch nur Zwang und nicht ideologische Verschworenheit, was sie zusammenhielt. Solchen Zwang, meint Todd, übe nun auch der Euro aus. Die dahinter steckende Doktrin lautet: Eint uns sonst nichts, eint uns der Mammon. Doch Nationen mit fundamentalen soziokulturellen und anthropologischen Unterschieden durch die Einführung einer gemeinsamen Währung in ein gemeinsames ökonomisches Korsett zu zwängen ist für Todd so erfolgversprechend wie Rosenpflanzen auf dem Mond.

Notre Dame, Paris. Gewölbe im Langhaus. Foto: Uoaei1 [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

Und dann brennt auf einmal die berühmteste Kirche der Welt. In notorischer Eintracht mit den Franzosen beklagen Europas Eliten – ja, was? Ein beschädigtes Museum oder den zerstörten Ort religiöser Andacht? Jedenfalls wirkt die brennende Kathedrale fast schon aufdringlich wie ein Fanal. Ein Leuchtfeuer, das den vier Tage zuvor mitten in der Passionszeit veröffentlichten Bußruf, mit dem sich Benedikt XVI. aus der klösterlichen Abgeschiedenheit zurückmeldete, besonderes hell erstrahlen lässt: »Nach der Erschütterung des 2. Weltkriegs hatten wir in Deutschland unsere Verfassung noch ausdrücklich unter die Verantwortung vor Gott als Leitmaß gestellt. Ein halbes Jahrhundert später war es nicht mehr möglich, die Verantwortung vor Gott als Maßstab in die europäische Verfassung aufzunehmen«, schrieb der in einem bemerkenswert scharfsinnigen Essay und rückte damit eine weitere wichtige Ursache für die Krise der EU ins Bewusstsein: die Abkehr vom Christentum als der zentralen Europa einenden Tradition.

Eine Gesellschaft ohne Gott, so der Papst a.D., stapft auf der Suche nach Maß und Orientierung blind durch die Gegend. Europas ideologiegetriebene Visionäre sehen nicht mehr oder haben vergessen, dass die Aufspaltung der Menschheit in Kultur- und Sprachgemeinschaften, die sich so stark voneinander unterscheiden, dass ein globales An-einem-Strang-Ziehen nicht (mehr) funktioniert, gottgewollt ist. Das versinnbildlicht die alttestamentliche Geschichte vom Turmbau zu Babel, dem globalistischen Urprojekt gewissermaßen: Die Bibel schildert, wie sich die Menschheit an einem monströsen Großprojekt versuchte, das zeigen sollte: Wir sind zu allem fähig, wir können es mit Gott aufnehmen. Der Teufel in Gestalt der Schlange hatte dem Menschen bereits im Paradies verheißen, dass er sein werde wie Gott und damit die Verbindung Mensch-Gott gekappt.

Nun also der größenwahnsinnige Versuch zu beweisen, dass die Schlange recht hatte: »Lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reicht« (1. Mose 11,4a). Wozu? »Wir werden sonst zerstreut in alle Länder« (1. Mose 11,4b). Gott sieht darin den menschlichen Größenwahn, den Hang zur Selbstherrlichkeit: »Sie werden nicht ablassen von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun« (1. Mose 11,6) – und macht der Menschheit einen Strich durch die Rechnung, indem er die Nationen- und Sprachgrenzen erfindet. »Zerstreuung« nennt das die Bibel. Die göttliche Züchtigungsmaßnahme hat der Turmbau-Erzählung zufolge also zwei Komponenten: eine linguistische, die Sprachverwirrung, und eine geografische, die Zerstreuung.

Während Christen daran glauben, in dem von Jesus gepredigten Reich Gottes, das nicht von dieser Welt ist, die verloren gegangene Einheit auf spirituellem Wege wieder herstellen zu können, führt eine EU-Elite, die diesen Glauben abgestreift hat wie einen alten Handschuh, ein realitätsfernes ethnosoziales Großexperiment mit ungewissem Ausgang durch. Der Missionsbefehl aus dem Schlusskapitel des Matthäusevangeliums, der der geografischen Zerstreuung entgegengewirkt (»Gehet hin und lehret alle Völker«), und das Pfingstwunder, das die Sprachverwirrung außer Kraft setzt, markieren den Weg, den die Bibel zur Überwindung der Doppelsanktion von Babel weist. Das heidnische Gegenprojekt dazu ist die vom Atheisten Karl Marx ausgerufene internationale Arbeiterbewegung, deren Hymne passend auch die »Internationale« heißt.

Turmbau zu Babel, aus. Meister der Weltenchronik. Gemeinfrei.

Proletarier aller Länder sollten sich vereinigen und mit Gewalt in dieser Welt ein globales kommunistisches Paradies errichten, ein Paradies ohne Gott, versteht sich. Als Kosmopolitismus-Doktrin lebt diese fixe Idee bis heute im linken Milieu weiter und ist von ihren Anhängern mitten in das Herz der EU getragen worden. Wer dort von Migrationspakten, von »einer Welt« und von Globalisierung spricht, denkt kosmopolitisch. Und er denkt Kosmopolitismus mit Marx ohne Gott. Der moderne Kosmo­politismus ist gleichsam der Versuch des Menschen, die Sanktion von Babel aus eigener Kraft wieder aufzuheben.

Dass es eine linke, heidnische Mehrheit ist, die die EU-Politik bestimmt, dafür gibt es eine Reihe von Indizien: 2004 sollte der italienische Politiker Rocco Buttiglione EU-Justizkommissar werden. Er wurde jedoch vom zuständigen Ausschuss abgelehnt, weil er es gewagt hatte, Homosexualität als Sünde zu bezeichnen. Undenkbar, dass eine von den Werten des Christentums bestimmte EU einen Kandidaten für ein Kommissionsamt zur unerwünschten Person erklärt, nur weil er öffentlich wiederholt, was in der Bibel steht (vgl. Römer 1). Eines der neueren Projekte des paneuropäischen Neomarxismus ist das so genannte »Menschenrecht auf körperliche Selbstbestimmung«, eine politische Auswirkung des heidnisch-hedonistischen Weltbildes der stark sexualisierten Achtund­sechziger: Die »sexuellen und reproduktiven Rechte« der Frau werden als »grundlegende Menschenrechte« postuliert und somit die Vernichtung Ungeborener endgültig entkriminalisiert.

Jede Frau, so das Argument, müsse allein über ihren Körper verfügen können. Ein solches Recht ist der Bibel fremd. Sie verlangt, dem Schöpfer zu dienen und nicht dem Geschöpf (vgl. Röm. 1,25). Die Weichen für ein nicht-christliches Europa wurden gestellt, als sich im Ringen um den Gottesbezug in der EU-Verfassung die Atheisten durchsetzten. Gott war dem postmodernen Abendland nicht mehr zuzumuten. Im Vertrag von Lissabon ist stattdessen vage die Rede vom »kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas«, Gott gleichsam als Mumie ins Museum gestellt, ein Museum, wie es Notre-Dame war.

Ironie am Rande: Nach knappen zehn Jahren haben die Argumente der Gottesgegner ihr Haltbarkeitsdatum bereits überschritten: Eine Sorge war gewesen, dass ein klares Bekenntnis zum Gott der Bibel die Türkei von der EU-Mitgliedschaft ausgeschlossen hätte. Heute wissen wir: völlig zu Recht. Dass die Türkei mit ihrer muslimischen Tradition ein natürlicher Antipode zum abendländischen Europa ist, musste nicht erst durch das illiberale Erdogan-Regime erwiesen werden. Das hätte man auch aus der Geschichte lernen können. Die von Emmanuel Todd diagnostizierte »anhaltende Realitätsverweigerung durch die geschichtsvergessenen Eliten« hat das aber offensichtlich verhindert. Das zweite Argument, Menschen ohne Glauben könnten sich durch den Gottesbezug diskriminiert fühlen, ist sogar noch absurder. Wenn es an einem in der EU-Gesetzgebung nicht mangelt, sind es schließlich Antidiskriminierungsvorschriften, die nebenbei bemerkt selbst längst illiberale Züge tragen.

Gebäude der Europäischen Kommission. Foto: Amio Cajander [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)]

Ohne es zu wissen, haben die Gegner eines klaren Bekenntnisses zur christlichen Tradition und den damit verbundenen Werten Europas Totenglöckchen geläutet. Das viel postulierte »mehr Europa« hat die Krise der EU erst möglich gemacht. Wer durch freien Warenverkehr nur möglichst viel Umsatz erzielen will, für den reicht eine Zoll- und Wirtschaftsunion mit gemeinsamem Binnenmarkt, wie es sie im Kern schon seit den Römischen Verträgen von 1957 gibt. Wer aber eine Kultur- und Werteunion anstrebt und glaubt, dies auf der Grundlage von Theoremen, staubtrockenen Verträgen und verklausulierten Gesetzestexten herbeiführen zu können, und gleichzeitig historisch gewachsene nationale Eigenarten als leicht über Bord zu werfenden Ballast abtut, ist ein Dünnbrettbohrer, der sein Werkzeug wegschmeißen kann, sobald ihm das erste dicke Brett vorgelegt wird.

Ein solches dickes Brett war die Griechenland-Krise. Ein solches dickes Brett ist die weiter ungelöste Flüchtlingskrise. Gesellschaften, die unter Druck geraten und sich von Auflösung bedroht sehen, reagieren darauf mit einem »Rückzug in die innere Burg«, ist sich EU-Kritiker Emmanuel Todd sicher. Die Union wurde so zum Gegenteil von dem, was sie angeblich bezweckt: Statt zu einen, spaltete sie, statt Frieden zu stiften, säte sie Zorn und Hass. Die Folgen; Merkel mit Hitlerbärtchen, Brexit-Chaos, Pegida. In seinem Ausblick im Schlussteil von »Traurige Moderne« malt Todd ein düsteres Bild und prognostiziert eine »postdemokratische Zukunft«. Eine »Schwächung der Demokratie« sieht er schon jetzt darin, dass sich rechtes und linkes Lager im Parlament verbünden, im deutschen wie im europäischen. Dass große Koalitionen den Niedergang der Demokratie begünstigen, haben Jahrzehnte vor Todd schon andere festgestellt.

Ist die EU also noch zu retten? Der oft erhobene Vorwurf mangelnder Bürgernähe, wie ihn etwa Dirk Schümer von der WELT erhoben hat, kratzt nur an der Oberfläche. Denn damit ist noch nichts darüber gesagt, was denn den Bürgern wirklich nahegeht. »Familie und Religion bilden gewissermaßen das Unbewusste der Gesellschaften, während Wirtschaft und Politik sich an der Oberfläche der Geschichte, im Bereich des Bewussten abspielen«, so Todd in einem Interview mit dem Spiegel. Das Private ist wichtiger als das Politische, weil es tiefer geht. Wenn Vertrautes auf einmal nicht mehr vertraut ist, das geht Bürgern nahe. Wenn Dinge sich ändern, obwohl man sie so, wie sie waren, gut fand, das geht Bürgern nahe.

Wenn Menschen beim Arzt im Wartezimmer sitzen oder bei Netto in der Schlange stehen und sich von einem babylonischen Sprachgewirr umgeben sehen, das Unsicherheit und Unbehagen auslöst, das geht ihnen nahe. Das betrifft sie unmittelbar. Dazu gesellt sich das Wissen, dass sie, die einfachen Leute, niemals in die Welt der globalen Eliten werden aufrücken können und daher auf das angewiesen sind und bleiben, was ihre kleine Welt vor der eigenen Haustür an Geborgenheit, Lebensqualität und vertrauter Begegnung anzubieten hat. »Sie können nicht einfach wegziehen und woanders Golf spielen«, wie es Alexander Gauland etwas zugespitzt in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine formulierte. Die unbewussten Bindungen sind es auf der anderen Seite auch, die die Bildung von Gettos in Gastgesellschaften durch nicht integrations­willige Zuwanderer begünstigen.

COMPACT-Geschichtskonferenz 2019

Will man den Zumutungen der Europäischen Union etwas entgegensetzen, um an dem viel beschworenen Friedensprojekt Europa festzuhalten, dann muss man gesamteuropäische Identität stiften und keine politischen Gardinenpredigten halten. Man könnte einen gesamteuropäischen Feiertag einführen, an dem sich alle an die Hand nehmen und eine länderübergreifende Lichterkette bilden. Man könnte sich aber auch einfach auf das besinnen, was es schon seit Jahrhunderten gibt: Was könnte unterschiedliche Nationen und Sprachgruppen schließlich besser zusammenbringen und -halten als derselbe Glaube mit Weihnachten, Ostern und Pfingsten als unumstößlichen, sinnlich erleb- und begreifbaren, Halt gebenden Marksteinen? Hierauf haben nicht nur die im zeitgenössischen Diskurs vollkommen vernachlässigten Geschichts­philosophen Christopher Dawson und Arnold J. Toynbee hingewiesen, sondern in jüngerer Zeit auch der US-Politologe Samuel Huntington, der in »Kampf der Kulturen« schrieb: »Das westliche Christentum ist historisch gesehen das wichtigste Charak­teristikum der westlichen Kultur.«

Der fundamentale Fehler der EU in der gegenwärtigen Krise besteht in dem sturen Festhalten an dem, was sich als wenig aussichtsreich erwiesen hat: dem verwegenen Versuch, trotz beträchtlicher nationaler Eigenheiten und Eigenarten ein übernationales Imperium zu errichten und gleichzeitig die wichtigsten Einheit stiftenden Elemente als ideologisch überholt unter den Teppich eines flachen Humanitarismus zu kehren, der den EU-Eliten als Ersatzreligion dient. Europa aber braucht wie die Luft zum Atmen das vereinigende Band des gemeinsamen Glaubens an den dreieinigen Gott und die Verbindlichkeit seiner Gebote als Grundlage einer Wertegemeinschaft. Dieser Glaube ist seit Jahrhunderten grenzübergreifend in Europa lebendig. Er wurzelt tiefer, er durchdringt stärker und er verbindet besser als jede abstrakte Ideologie, als jede politische Doktrin, als jeder humanistische Appell und als jede noch so gut gemeinte EU-Richtlinie.

Er lebt auch jenseits der klerikalen Versammlungsorte in Liedern, Festen, Ritualen und Alltagsredewendungen, die jeder kennt. Ohne diesen Glauben und das, was er geprägt hat, kann es kein vereintes Europa geben, sondern nur einen pragmatischen Bund von Staaten, die das darwinistische Prinzip vom Überleben des wirtschaftlich Stärksten immer wieder zu Rivalen der globalen Rennbahn macht und die Solidarität mit einem größeren Ganzen nur kennen, solange es ihnen irgendeinen Nutzen bringt. Vielen EU-Bürgern würde das allerdings auch schon reichen. Sie würden zusehen, wie Notre-Dame wieder aufgebaut wird, und wenn sonntags die Kirchenglocken zur Messe rufen – ja, was dann?

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25 Kommentare

  1. Avatar

    "Das heidnische Gegenprojekt dazu ist die vom Atheisten Karl Marx ausgerufene internationale Arbeiterbewegung, deren Hymne passend auch die »Internationale« heißt."
    An dieser Stelle muß ich protestieren. Heidentum ist kein Atheismus, sonderm eine nichtchristliche Religion.
    Ich bin Heide, aber die Götter wissen: Kein Marxist!

  2. Avatar

    Als die Kirche in Paris gebaut wurde, war die -zwangsweise – Christianisierung Europas gerade abgeschlossen! Als sie – durch einen Zufall, nicht durch Brandstiftung, abbrannte, begann das Christentum damit, für Europa nicht mehr wichtig zu sein! Zur Individualität, zur Vielfalt der Völker gehörte es auch, eigene Götter zu haben. Das römische Reich integrierte diese Götter in ihren eigenen Pantheon, aber stellte die eroberten / verbündeten Völker auch unter römisches Recht als gemeinsame Klammer. Als das nicht mehr so wirklich funktionieren wollte, konstruierte man unter Kaiser Konstantin das Christentum aus einer Kombination des alten Kaiserkultes und orientalischer, monotheistischer Sekten. Monotheismus war wichtig, weil man so einen Alleinvertretungsanspruch ableiten konnte, anstatt für das Imperium wurde für die Ausbreitung des Glaubens erobert! Auch wenn das Imperium unterging wurde – über die Kirche – Europa maßgeblich von Rom aus regiert.

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      2. Innerhalb der Religion, die einigen sollte, herrschte von Anfang an keine Einheit! Es gab immer wieder Gruppierungen und lange Diskussionen innerhalb der Kirche. Auch der Islam galt zu Anfang als christliche Sekte! Kreuzzüge wurden grundsätzlich gegen Sekten geführt, die sich von Rom gelöst hatten, so auch z.B. gegen die Katharer.
      Der Anfang vom Ende war die Reformation! Diese Gruppe sagte sich nicht nur von Rom los, sondern lieferte auch die ideologische Grundlage für den Kapitalismus auch in seiner radikalsten Form! Frankreich schaffte es wohl, den Katholizismus wieder durchzusetzen, entwickelte aber auch die Aufklärung, die letztendlich zur Revolution von 1789 führte. Diese war vor allem gegen die Kirche gerichtet und ihren Ursprüngen Naturreligiös. Erst der Korse Napoleon führte sie wieder ein und machte F. zu einem Imperium, wovon es schon seit dem 17.Jh. träumte.
      Das zunehmende Fehlen der Dominanz bei den europäischen Völkern und die deswegen durch den Geburtenrückgang ermöglichte massive Einwanderung aus allen Weltgegenden zeigt das Ende der europäischen Weltherrschaft an; da wirkt der Brand der Kirche wie ein Zeichen!

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        Wenn ein Hirn erst mal den unsinnigen Gedanken zugelassen hat,daß es den einen,universalen Gott nicht gibt,dann gibt es ein Halten mehr,jede Absurdität wird möglich. Auch der Glaube, es könne in strategischer Schlüssellage in der Mitte Europas ein neutraler Staat ohne Militär existieren . Die Alten wußten schon,warum sie sagten:"Mulier tace!"

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    Weitere Mittelalter-Nachrichten kurz notiert:

    Sünde I: Bei den Mittelalterfreunden, die neulich per Armbrust etc. das irdische Jammerthal verließen, könnten romantische Aspekte eine Rolle gespielt haben:
    [ Leichen in Passau und Wittingen Gehörten die Toten zu einem Sexzirkel? ]

    Sünde II: Passend zur Jahreszeit, würde Heidi sagen. Das gilt auch für den Fall in Usedom:
    [ Starb der Usedom-Türsteher bei Sex-Spiel in Wald? ]

    Dogma: Katholikenverein unterstützt Unternehmensstrategie der Himmelsnetz AG: "Künstliche Intelligenz und Sakralbauten voll im Trend" (sinngemäß):
    [ Der Kathedralbau brachte Fortschritt – kein verlängertes Mittelalter! ]

    Klosterkultur: "Der Name der Rose" ab 24. Mai als Serie, so Gott will!
    [ Mönche, Morde und Mittelalter: Neue Sky-Serie "Im Namen der Rose" ]

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      heidi heidegger am

      Sex&Tod? höggschd (un)interessant: Nun, fast jeder Roman undoder Film handelt von Liebe&Tod..vom *Lehebään und vom Schtäähärben*, deshalb mag ich selbstreferentielle Filme – OSS 117 – Er selbst ist sich genug (ist eine französische Agentenfilm-Parodie aus dem Jahr 2009. Der Originaltitel OSS 117: Rio ne répond plus bedeutet wörtlich in etwa *antif ist doof und kriegtn oasch vasohlt*, hihi.

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      Archangela Gabriele am

      Ups. Eigentlich hätte es mehr werden sollen.
      Ich versuch’s noch mal.

      Teil 1
      OK, ich fasse mal die einzelnen Stränge zusammen:
      – Notre Dame? So what!
      – Populismus ist gut, da er Wirkung zeigt und demokratische Strukturen festigt.
      – Europa als Friedensprojekt ist gescheitert, weil Gott es schon bei Babel nicht wollte, dass sich Völker (ohne Gott) einig sind.

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      Archangela Gabriele am

      – Glaubten alle Menschen an Jesu Worte, gäbe es zwar nicht hier, aber irgendwann in dem Reich, das nicht von dieser Welt ist, Einigkeit.

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      Archangela Gabriele am

      – Menschen dürfen nicht über ihren Körper verfügen, weil Gott verlangt, dass sie (nur) ihm dienen,
      – Die Griechenlandkrise ist aus historisch gewachsener nationaler Eigenart erwachsen, die in Europa ignoriert wurde.
      – Den Zusammenhang zu Merkels Bärtchen, Brexit-Chaos und Pegida verstehe ich nicht.
      – Die Europäische Union ist ideologisch zersplittert, kultur- und identitätslos und deshalb könnte man einen gesamteuropäischen Feiertag einführen,
      länderübergreifende Lichterketten bilden und christliche Feste, wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten als sinnlich erleb- und begreifbaren Halt empfinden. So kommen Völker zusammen und können, wie beim Pfingstwunder, die Babylonische Sprachverwirrung überwinden.
      – Der Glaube an den dreieinigen Gott ist der eigentliche Kitt, der Europa zusammenhalten könnte. Nicht nur in Versammlungen, sondern in Liedern Festen, Ritualen und Redewendungen.

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      Archangela Gabriele am

      Dieses Konglomerat aus z. T. widersprüchlichen Aussagen und oberflächlichen Beruhigungspillen dient dazu, für Europa den Gottesstaat als alternativlos anzupreisen. Ich befürchte, Herr Mehrens glaubt das wirklich.
      Dass die christliche Einheit eine Utopie ist und noch niemals ohne massiven Glaubenszwang existiert hat, zeigt die Geschichte. Schon die ersten Christen haben sich in verschiedene Lager gespalten. Über 300 Jahre haben sie sich immer mehr zerklüftet und zerstritten.

      Teil 3

      Im 4. Jh. wurde unter Damasus I dann von Hieronymus die Bibel ins Lateinische übersetzt, was enorm der Unterdrückung des freien Christentums durch die entstehende katholische Kirche half. Hieronymus selbst schrieb an den Papst:
      >>Wird sich auch nur einer finden, sei er gelehrt oder ungelehrt, der mich nicht, sobald er diesen Band [die Überarbeitung der Evangelien] in die Hand nimmt […] lauthals einen Fälscher und Religionsfrevler schilt, weil ich die Kühnheit besaß, einiges in den alten Büchern zuzufügen, abzuändern oder zu verbessern?<<

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      Archangela Gabriele am

      Danach folgten über 1000 Jahre Einigkeit in zwei Linien, in zwei Gottesstaaten mit ihren Vasallen, die auf Blut, Schweiß und Tränen fußten. Die liberaleren orthodoxen Byzantiner bezahlten ihren Unwillen zu kämpfen und stattdessen zu beten mit der vollständigen Vernichtung durch den Islam.

      Huß, Luther, Calvin und weitere versuchten, den Muff von 1000 Jahren zu lichten, konnten aber nur die Oberfläche ankratzen und setzten die Anfänge zu einer erneuten Spaltung des Christentums.
      Erst die Aufklärung mit ihrem humanistischen Weltbild und der Fokussierung auf wissenschaftliche Methoden brachte den Durchbruch und die Lösung aus der Angstklammer, mit der Kirche immer schon die Menschen in Abhängigkeit hält.
      Die Menschen wurden freier, die Staaten liberaler. Das passt offensichtlich den Eliten nicht und, da gebe ich Ihnen recht, diese versuchen wieder, wie früher die Kirchen, die Menschen zu versklaven und auszupressen.
      Meiner Meinung nach kann eine Kehrtwende zum Gottesstaat oder, wie Sie es nennen, Rückbesinnung auf die christlichen Werte, niemals eine Befreiung sein.

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      Archangela Gabriele am

      Die Lösung kann im Gegenteil nur in der völligen Trennung von Kirche und Staat liegen. Religion ist auch nur eine Ideologie.
      Offensichtlich brauchen Menschen einen imaginären Freund, um sich nicht gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Aber im Staatswesen hat dieser nichts zu suchen und ist selbigem nur schädlich, wie uns die Pi Pa Pastorentochter, die seit 14 Jahren in unserem Land herumtanzt, zeigt.

    • Avatar

      Dieser hier (19:31) ist ihr bisher bester Kommentar,können Sie nicht mehr toppen. Rätselhaft,wie er technisch möglich war,kam den nicht die Anzeige "Bitte geben Sie einen Kommentar ein?

  4. Avatar
    G. Landauer am

    Seit es Staat gibt

    gleichgültig ob unter

    Häuptlingen
    Cäsaren
    Fürstbischöfen
    Päpsten
    Generälen
    Königen
    Kaisern
    Führern
    oder Spitzenfunktionären

    ist es die vornehmste Aufgabe der Obrigkeit

    den vom Volk erwirtschafteten Ertrag

    an die Oberschicht umzuleiten.

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    Guter Artikel. Aber Ich vermute schon lange: CompactAutoren werden nach Buchstaben bezahlt,die sie tippen. Es geht kürzer: Europa wird sich zu Sokratismus bekehren oder orientalisch untergehen . Ich setze 10 gegen 1,daß letzteres geschehen wird.

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    Uwe Malocher am

    In manchen deutschen Betrieben besteht die Belegschaft in der Produktion zu siebzig bis achtzig Prozent aus Ausländern. In solchen Betrieben ist eine solidarische Zusammenarbeit unmöglich. Nicht nur wegen der Sprachbarrieren. Die Wirtschaftsmigranten verfolgen ausschließlich Eigeninteressen. Babylon pur. Wir wissen, wie das endete.
    Diese Maßnahmen werden von den deutschen Bonzen selbstverständlich nur "aus Sorge um die Zukunft Deutschlands" veranlasst, weil es oberstes Ziel sein muss, "unsere Wirtschaft wettbewerbsfähig zu machen". Deutschlands Zukunft geht eben nur mit Slawen und Afrikanern. Persönliche Bereicherungsabsichten liegen dem deutschen Bonzentum dabei völlig fern.
    Wem kapitalistischer Darwinismus gefällt, der kann am 26. Mai zur Wahl gehen und wie ein braver Bürger das ankreuzen, was ihm auf dem Stimmzettel vorgesetzt wird. Wie ein braver Bürger. Oder seine Stimme nicht abgeben, wie ein schafer Bürger.
    Wer nationale Freiheit mit einem Schuß Urchristentum vorzieht, der schreibt bei der EU-Wahl DEXIT auf den Stimmzettel.

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    Was für ein schöner Artikel. Kann ich nur unterschreiben. Sehr untypisch für Compact aber mehr als treffend und wunderschön. Vielen Dank.

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    Teil I:

    Der "Teppich eines flachen Humanitarismus", "der den EU-Eliten als Ersatzreligion dient": das trifft den Charakter des heutigen politischen Mainstreams sehr genau. Aber selbst die Kirchen sind von der Krise des christlichen Glaubens erfasst. Schon vor Jahrzehnten, als die Austritte aus der evangelischen Kirche sich häuften, fand diese nicht wirklich ein Rezept dagegen. Man versuchte es mit Rezepten wie moderneren Kirchenliedern usw. Inzwischen ist die Umwandlung zum Sozialverein im Sinne des flachen Humanitarismus weit fortgeschritten.

    Was der Buchreligion Christentum heutzutage fehlt, ist die Verankerung in einer sprituellen Erfahrung. Nur sie kann letztlich Grundlage von Religion sein. Viele Menschen zog und zieht es deswegen z.B. zum Buddhismus, wo Meditiation gelehrt wird und sich damit ein Zugang zur Spiritualität erschließt. Das muss keine Abkehr vom Christentum bedeuten, es kann sogar im Gegenteil zu einem tieferen Verständnis von Bibeltexten verhelfen.

    Man darf auch nicht vergessen, dass es die Aufklärung war, die dem christlichen Glaubenskanon den Boden unter den Füßen weggezogen hat (jedenfalls, wenn man ihn allzu wörtlich auslegt). Natürlich kann man die Aufklärung nicht mehr rückabwickeln, und wohl kaum einer würde das wollen. Letztlich stellt sich also die Frage, wie sich christliche Lehre und Aufklärung unter einen Hut bringen lassen.

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      Teil II:

      Ein erster Schritt zur Vereinbarkeit von Chrstentum und Aufklärung ist bereits geleistet, nämlich die Bibeltextauslegung mittels historisch-kritischer Methode. Das ermöglicht die Bewahrung der wesentlichen Inhalte ohne zu wörtliches Festhalten am Text. Letztlich sollte man sich zu der Einsicht durchringen, dass solche Glaubensinhalte wie z.B. die Jungfrauengeburt Jesu symbolisch und nicht im naturwissenschaftlichen Sinn zu verstehen sind.

      Aber insoweit läuft das noch Gefahr, zu verkopft zu werden. Die bereits erwähnte Fundierung durch spirituelle Erfahrung, sprich: meditative Vertiefung, gehört als 2. Standbein dazu. Eine hervorragende Ausarbeitung zu dieser Thematik bietet das Buch "Spiritualität – Warum wir die Aufklärung weiterführen müssen" von Harald Walach (Drachen Verlag 2011).

      • Avatar
        HERBERT WEISS am

        Kann man glaubhaft einen "flachen Humanitarismus" beklagen und zugleich eine "Bibeltextauslegung mittels historisch-kritischer Methode" fordern? Der polnische Autor Stanislaw Lem hatt einmal dazu geäußert, man solle – ob Gnostiker oder Agnostiker – zu seiner jeweiligen Überzeugung stehen. Entweder konsequent glauben oder nicht. Was soll also der Glaube an einen Gott, der nicht imstande ist, eine Jungfrau ein Kind gebären zu lassen? Es mag jeder für sich seine Spiritualität betreiben, doch man kann auch den christlichen Glauben zu einem Feigenblatt verkommen lassen.

  9. Avatar
    Jürg Rückert am

    Von dem Dome schwer und bang
    tönt die Glocke Grabgesang
    Ernst begleiten ihre Schläge
    unser Volk auf letztem Wege.

    Hört ihr’s wimmern hoch vom Turm?
    Das ist Sturm!
    Rot, wie Blut
    ist der Himmel;
    das ist nicht des Tages Glut!
    Die Straßen füllen sich, die Hallen,
    und Würgerbanden ziehn umher.
    Da werden Weiber zu Hyänen
    und treiben mit Entsetzen Scherz.
    Ja, der schrecklichste der Schrecken,
    das ist der Mensch in seinem Wahn.
    Flackernd steigt die Feuersäule,
    durch der Straße lange Zeile
    wächst es fort mit Windeseile;
    glühn die Lüfte, Balken krachen,
    Pfosten stürzen, Fenster klirren,
    Kinder jammern, Mütter irren,
    Alles rennet, rettet, flüchtet …

    Leer gebrannt
    ist unser Land!
    In den öden Fensterhöhlen
    wohnt das Grauen!

  10. Avatar
    Jürg Rückert am

    Unsere linken "Eliten" haben über den Euro Europa finanziell an die Wand gefahren. Der Raubbau an der Natur wird inzwischen offen beklagt, der Raubbau an den wirtschaftlichen Ressourcen geht bis zum Zusammenbruch weiter: Erst wenn der letzte "Fisch" gefangen merken die Deutschen, dass ihre Regierung sie mit Luftspiegelungen nicht sättigen kann.
    Die Machthaber Europas sind kriminelle Konkursverschlepper. Je später der Zusammenbruch, desto tiefer der Sturz. Je mehr Flüchtlinge, desto lauter das Jammern.
    Europa hat Gott nicht mehr in seiner Nabe. Das Rad dreht sich noch, bevor es umfällt? Ich meine, es geht nun schnell:
    Der Krieg gegen den Iran wird jetzt vom Zaun gebrochen. Dessen Regime ist ungut, das der Angreifer ebenso. Diesen Brand bekommen sie nicht mehr unter Kontrolle! Es gab zu wenig Gerechte in Sodom, wird man später sagen.

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