Eine Koalition zwischen Schwarzen und Blauen wie in Österreich – unter welchen Bedingungen könnte das klappen? Es folgt ein Auszug aus dem aktuellen Editorial „CSU und AfD“ von Chefredakteur Jürgen Elsässer, das Sie vollständig in der neuen COMPACT 7/2018 lesen können. Ab sofort am guten Kiosk oder hier bestellen

    CSU und AfD

    _ von Jürgen Elsässer

    Horst Seehofer ist ein gemütlicher Opa. Er drechselt die Sätze und fügt, das hat er von Altmeister Edmund Stoiber gelernt, so viele Ähs und Ähms ein, dass man am Schluss nicht mehr weiß, was er sagen wollte. Er ist so oft als Löwe gegen Merkel gesprungen und als ihr Bettvorleger gelandet, dass ihm Spötter schon den Spitznamen Drehhofer verpasst haben.

    Und dieser Mann soll jetzt die Grenzen schließen? Eher schwimmt ein Nafri übers Mittelmeer. Andererseits sitzt ihm Vox populi im Nacken. 70 Prozent der Bayern sagten Mitte Juni, er solle GroKo und Union platzen lassen, wenn die Kanzlerin seiner Asylantenabwehr nicht zustimmt. Das flammende Schwert dieses Volkszorns ist Markus Söder, der sich erst jedoch gegen das ewige Granteln des Alten als Ministerpräsident durchsetzen musste.

    Der Maurersohn nimmt sich Franz Josef Strauß zum Vorbild und pflegt eine deftige Sprache – seine Zielgruppe ist der Stammtisch und nicht die Schwabinger Schickeria. Seine Tiraden gegen «Asylgehalt» und «Asyltourismus» sind Populismus vom Feinsten, und dass er dem «geordneten Multilateralismus» das Sterbeglöckchen läutet, führt bei globalistischen Pfarrerstöchern zu Schnappatmung.

    Dank ihm geht jetzt der «Geist von Kreuth» bei den Christsozialen um, den Strauß nach einer Klausurtagung im gleichnamigen Kurort 1976 zum ersten Mal aus der Flasche gelassen hat: Abspaltung der CSU von der weichgespülten CDU, anschließend Deutschlandtournee mit den größten Hits des Konservativismus: Kinder, Küche, Kruzifix. Freiheit statt Sozialismus. Mia san mia.

    Was den Bierzelt-König vor der bundesweiten Ausdehnung der CSU zurückschrecken ließ, war die Angst vor dem gleichzeitigen Einmarsch der CDU in Bayern. Hinzu kam eine strategische Unsicherheit: Würde ein scharfer Polarisierungskurs gegen links bei den harmoniesüchtigen Wählern überhaupt mehrheitsfähig sein? Die Probe aufs Exempel war die Kanzlerkandidatur von Strauß im Jahr 1980, die mit einer klaren Niederlage gegen den Sozialdemokraten Helmut Schmidt endete.

    Fast vierzig Jahre später werden die Karten neu gemischt. Die einst mächtige SPD ist so gut wie vernichtet und die Bevölkerung, anders als in den fetten Jahren der Bonner Republik, tief verunsichert. Mit jedem Messermord wächst der Zorn gegen die Altparteien. Die Forderungen der AfD nach Rückkehr zu Recht und Gesetz und Stopp der illegalen Zuwanderung finden Zuspruch bei zwei Dritteln der Menschen.

    Die Partei insgesamt liegt jedoch in Umfragen nur unwesentlich über dem Bundestagsergebnis von 12,6 Prozent. Das hat weniger selbstverschuldete Gründe, in der Hauptsache sind diese objektiver Natur: Jeder weiß, dass auch eine AfD mit 25 Prozent die Abschaffung Deutschlands nicht verhindern könnte, da sich die Blockparteien dann – siehe Frankreich – gegen die Emporkömmlinge zu einer Einheitsfront verbünden würden.

    COMPACT-Magazin im Juni 2018

    Angesichts dieses Dilemmas gibt es nur zwei Auswege: Entweder der Druck der Straße erzwingt die Wende, wie bei der friedlichen Revolution 1989. Dafür gibt es keinerlei Anzeichen, leider. Oder es kommt zu einer Koalition zwischen Schwarzen und Blauen wie in Österreich: Aber dazu dürfte es natürlich nur unter den Bedingungen der AfD kommen – und nicht für lau. (Ende des Auszugs)

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