Trumps Wirtschaftspolitik ist weit erfolgreicher, als deutsche Medien in ihrer Berichterstattung zugeben möchten – doch gegenüber Peking darf er den Bogen nicht überspannen

     „Wenn ein Land viele Milliarden Dollar im Handel mit quasi jedem Land verliert, mit dem es Geschäfte macht, sind Handelskriege gut und leicht zu gewinnen. Wenn die USA zum Beispiel ein Handelsdefizit von 100 Milliarden Dollar mit einem anderen Land haben, und dieses unschuldig tut, dann höre auf mit dem Handel – und wir sind der große Gewinner. Es ist einfach!“

    Diese Botschaft verbreitete Donald Trump via Twitter noch im März vergangenen Jahres. Mittlerweile dürfte aber auch der US-Präsident erkannt haben, wie schwer die Korrektur außenpolitischer Ungleichgewichte ist.

    Allerdings kann der selbsternannte „Tariff Man“ („Zollmann“) im Weißen Haus nun erste handfeste Erfolge vermelden. Die jüngsten Außenhandelszahlen wirken wie eine starke Bestätigung seiner Außenhandelspolitik. Im Februar sank das Außenhandelsdefizit der USA im Vergleich zum Vormonat um 1,7 Milliarden auf 49,4 Milliarden US-Dollar. Das Defizit der USA im Chinahandel reduzierte sich sogar drastisch, es ging um 28,2 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar zurück. Dabei wurden aus der Sicht Washingtons auf beiden Seiten der Bilanz Erfolge erzielt: Die Importe aus dem Reich der Mitte reduzierten sich um 20,2 Prozent, während die US-Ausfuhren nach China um 18,2 Prozent stiegen. Die jüngsten Zahlen sind aber auch durch Sondereffekte geprägt, so kauft das Reich der Mitte seit einiger Zeit große Mengen an Sojabohnen in den USA, vielleicht auch, um den „Tariff Man“ zu besänftigen und ihm ein Entgegenkommen zu signalisieren.

    „Animal spirits“ sind zurück

    Selbst die harten Trump-Kritiker unter den US-Ökonomen geben mittlerweile aber zu, dass der US-Präsident Erfolge vorweisen kann. Der US-Ökonom Kenneth Rogoff, der früher als Chefökonom des Internationalen Währungsfonds IWF tätig war und zu den Kritikern des US-Präsidenten zählte, räumte im vergangenen Jahr ein, dass Trump auf wirtschaftlicher Ebene die „positiven ,Animal-Spirits‛ wieder geweckt“ habe. Zu diesen „positiven animalischen Trieben“, die für einen Wirtschaftsaufschwung nötig sind, zählen beispielsweise Selbstvertrauen und die Bereitschaft, Risiken einzugehen und etwas zu investieren.

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    Allerdings darf der US-Präsident den Bogen nicht überspannen und Peking zu stark verärgern, denn das Reich der Mitte sitzt – wenn es hart auf hart kommen sollte – an den längeren Hebeln. Die Volksrepublik hält US-Staatsanleihen in einem Volumen von zirka 1,1 Billionen US-Dollar und hat damit ein sehr gutes Druckmittel in der Hand.

    Der laufende Handelskrieg dürfte sich nach Auffassung von Experten dann auch mindestens bis zum Ende der Ära Trump hinziehen. Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, haben sich die Unterhändler beider Seiten auf ein neues Zeitfenster für weitere Verhandlungen geeinigt, das bis in den Frühsommer reichen soll. Es ist aber nicht ausgemacht, ob bis dahin wirklich ein Vertragsentwurf steht, der den Interessen der beiden Großmächte gerecht wird. Der amerikanische Wirtschaftssender CNBC fürchtet mittlerweile sogar schon einen „ewigen Handelskrieg“, der auch nach einer formalen Einigung zwischen den USA und China anhalten könnte.

    Ethan Harris, Ökonom der Bank of America Merrill Lynch, prognostiziert einen langanhaltenden Wirtschaftskonflikt zwischen den beiden Staaten, in dem sich Perioden eines „heißen“ und „kalten“ Krieges abwechseln. Für den US-Präsidenten wird es bei dieser Gratwanderung vor allem darauf ankommen, den Wirtschaftsmotor nicht gerade im kommenden Jahr abzuwürgen, wenn er wiedergewählt werden möchte.

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