Chinas Plan im Nahen Osten: „Handel machen, nicht Krieg“

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Chinas Go-West-Strategie ist in einem Forum in Schanghai am vorvergangenen Wochenende ins Blickfeld gerückt worden. Angekündigt als „Neue Seidenstraße: Für eine größere Kooperation zwischen China und dem Nahen Osten“, hob es Schlüsselaspekte aus Pekings großangelegten Plan hervor.

Die Neuen Seidenstraßen, oder Belt and Road Initiative, umfassen sechs ausschlaggebende Wirtschaftskorridore, die Asien, den Nahen Osten, Nordafrika und Europa verbinden. Insbesondere einer davon dehnt sich durch den Nahen Osten nach Nordafrika aus. Dort stoßen die Neuen Seidenstraßen auf MENA oder den Nahen Osten (Middle East) und Nordafrika.

Natürlich reicht Pekings gewaltiges Wirtschaftsprojekt weit über den einfachen Export seiner Kapazitäten aus der Überschussproduktion hinaus. Zum Plan gehört auch der Bau ausgewählter Industriestandorte in MENA-Ländern durch Technik- und Fertigungsexpertise der zweitgrößten Wirtschaft der Welt.

Das wird den Westen Chinas mit dem östlichen Mittelmeerraum verbinden. Dafür wird ein Korridor durch Projekte wie die Med-Red-Schienenbahn entwickelt werden müssen (geplanter Hochgeschwindigkeitszug von Israels Mittelmeerhäfen zum Süden des Landes am Roten Meer). Es gibt auch Pläne, Häfen auszubauen, Duqm im Oman z.B., sowie beträchtliche Investitionen in die Türkei zu tätigen.

Ein Blick auf die Zahlen erzählt einen bedeutenden Teil der Geschichte. Im Jahr 2010 betrug der Handelswert zwischen China und arabischen Ländern 145 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2014 hatte er 250 Milliarden Dollar erreicht und wuchs weiter. Jetzt ist China der größte Exporteur in verschiedenste MENA-Nationen, die ihrerseits 40 Prozent von Pekings Ölimporten liefern.

Die nächste Ebene der Energiepolitik wird die Implementierung eines Irrgartens von Flüssigerdgas mit Pipelines, Stromnetzen, Kraftwerken und sogar grünen Projekten sein, der auf den Korridoren und Transitrouten der Neuen Seidenstraßen aus dem Boden sprießt.

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Der Asiatischen Entwicklungsbank zufolge könnte die Vielzahl der Infrastrukturprojekte in den kommenden 15 Jahren atemberaubende 26 Billionen Dollar verschlingen. Weniger grandiose Zahlen gehen von acht Billionen in den nächsten zwei Jahrzehnten aus. Die fortlaufende Internationalisierung des Yuan sowie die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) werden in diesem Prozess die Schlüsselrollen haben.

Selbstverständlich wird es Herausforderungen geben. Belt-and-Road-Projekte werden regionale Arbeitskräfte schaffen, komplexe öffentliche und private Partnerschaften und hartnäckige geopolitische Hürden navigieren müssen.

Andererseits ist es Pekings Strategie, geopolitische Kollisionen im Nahen Osten zu vermeiden. Das Ziel lautet: Handel machen, nicht Krieg (á la make love, not war)

Aus der Perspektive der Vereinigten Staaten betrachtet, hebt die Nationale Sicherheitsstrategie hervor, wie China und Russland versuchen eine neue geopolitische Umgebung in der Region zu erschaffen, die sich stark von Washingtons Zielen und Interessen unterscheidet.

Sie verweist darauf, dass Russland versucht, seine Position als führender politischer und militärischer Strippenzieher vorwärtszubringen, während China mit einer ökonomischen Win-Win-Politik voranprescht. Die wurde 2016 in Pekings erstem arabisch-orientierten Strategiepapier herausbuchstabiert. Darin werden bilaterale Handelskooperationen, gemeinsame Entwicklungsprojekte und ein militärischer Austausch betont.

Da geopolitische Hürden im Nahen Osten stets sehr nah unter der Oberfläche lauern, hat China sogar vorgeschlagen, als Unterhändler zwischen den widerspenstigen Rivalen Iran und Saudi-Arabien zu agieren.

Tatsächlich ist Diplomatie für Peking die Schlüsselkarte, wie Zhao Tingyang, ein bekannter Philosoph der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften sagt. In seiner 2006 erschienenen Arbeit mit dem Titel Rethinking Empire from a Chinese Concept „All-Under-Heaven,“ argumentiert Zhao, dass das Land einem Prinzip der Harmonie folgen solle, das lose auf der konfuzianischen Vorstellung „Alles, was unter dem Himmel ist“ basieren solle (mandarin: Tianxia).

Konfuzius, so stellt man sich das vor, würde das Projekt der Neuen Seidenstraßen erfreuen. Man könnte auch sagen: „Handel machen, nicht Krieg, alles unter dem Himmel“.

Der englischsprachige Originaltext erschien zuerst hier.

Die Verschmelzung der Ressourcen des eurasischen Kontinents ist das strategische Schlüsselprojekt der Chinesen zur Brechung der US-Vorherrschaft. Auch Deutschland kann sich der Anziehungskraft der neuen Wirtschaftsachse nicht entziehen. Kommt Made in Chimany im ganz großen Stil oder beendet Uncle Sam den Höhenflug des chinesischen Drachens doch noch gewaltsam?

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Über den Autor

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Pepe Escobar ist ein unabhängiger Journalist mit dem Schwerpunkt Geopolitik. Der gebürtige Brasilianer arbeitet seit 1985 als Auslandskorrespondent für eine Vielzahl von Medien, darunter RT, Sputnik und Asia Times Online. Escobar ist Autor der Bücher „Globalistan“ (2007), „Red Zone Blues“ (2007“, „Obama does Globalistan“ (2009) und „Empire of Chaos“ (2014).

 

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