China beerbt die USA

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Vieles spricht dafür, dass China die USA als Weltmacht Nummer 1 ablösen könnte. Zeit, sich in in dieses Land einzudenken, seine nationalen Mythen und sein Selbstbildnis zu begreifen.

Nach dem Gipfeltreffen in Taormina auf Sizilien leitartikelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung über Donald Trump mit Häme und Überheblichkeit:

„Trump sah alle Themen durch eine winzige amerikanische Brille … Weltprobleme wie Migration und Klimaschutz interessierten ihn allein unter dem Gesichtspunkt, was sie für amerikanische Jobs bedeuten. Gemeinsame Werte – was kostet das? Hat sich jemals ein amerikanischer Präsident so aufgeblasen und dabei doch so klein gemacht? Dazu das rüpelhafte Auftreten.“

Donald Trump ist immerhin der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Wir schneiden uns ins eigene Fleisch, wenn wir Trump mit solcher Überheblichkeit abqualifizieren. Hier wird ein weiteres Stück „Entrüstungskultur“ aufgebaut, die uns, wie bei Putin und AfD, davon abhält richtig hinzuschauen.

Und weiter: „Optimisten unter den Transatlantikern hatten gehofft, dass Trump sich in Europa anders präsentieren werde: realpolitisch, pragmatisch, verbindlich. Die Hoffnung gründete in Trumps Umgang mit China. Dessen Präsidenten hat Trump offenbar als Partner akzeptiert. Doch zeigt sich hier nicht eine tiefere Einsicht Trumps in globale Spielregeln, sondern bloß seine Unberechenbarkeit. Er selbst hat nur geringe Sachkenntnisse und keine politische Erfahrung. Sein analytisches Vermögen ist beschränkt.“

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Hier wird angedeutet, dass Trump sich wenigstens gegenüber dem chinesischen Präsidenten Xi rational und diplomatisch verhalten habe.

Schon hier lohnt es sich genauer hinzusehen. Tatsächlich hat Trump versucht, den Präsidenten Xi wieder versöhnlich zu stimmen nach seinem früheren Affront in Sachen Taiwan. Dieses Telefonat mit Xi war aber ein größeres Fiasko als alle anderen Fauxpas Trumps davor. Xi hat sich durchgesetzt. Er hatte Trump vorher demütigend abblitzen lassen und Trumps Anruf als eine peinliche Entschuldigung gewertet, genauso wie es auch die chinesische Öffentlichkeit getan hat.

China hat sich seit Jahrzehnten vorsichtig und klug zurückhaltend, aber mit Geduld und Zähigkeit darauf vorbereitet, die USA als Weltmacht Nr.1 abzulösen. Dieser Austausch mit Trump wird China veranlassen einen mutigen Schritt vorwärts in dieser Richtung zu gehen. Einer der nächsten Schritte wird sein, die gesamte südchinesische See bis kurz vor der Küste der Philippinen zum chinesischen Terrorialgewässer zu erklären – und als solches durchzusetzen. China ist dabei, seichte Stellen in diesem Meer aufzuschütten und in chinesische Inseln mit militärischen Landebahnen zu verwandeln.

Doch Trump hat gegenwärtig ganz andere Sorgen. Als Trump aus Europa zurückkam, sah er sich einer bedrohlichen politischen und juristischen Situation gegenüber. Seine Leute hatten alle Hände voll zu tun, um einen drohenden Skandal aufzufangen. Es war bekannt geworden, dass gegen seinen Berater, engen Mitarbeiter und Schwiegersohn Jared Kushner ermittelt wurde wegen möglicher geheimen Absprachen zwischen Russland und Trumps Wahlkampfmannschaft sowie seinem Übergangsteam im Weißen Haus.

So musste er politische Termine absagen, sofort ein Team für Schadensbegrenzung aufstellen, seine Kommunikationsabteilung umorganisieren, eine Gruppe von Top-Rechtsanwälten in Washington engagieren. Es bestand die Gefahr, dass seine politische Agenda vollständig zerstört und seine Familie mit hineingezogen werden könnte. Leitende Mitarbeiter im Weißen Haus waren bereits vorzeitig auf Trumps Reise zum Mittleren Osten und Europa aus seiner Entourage ausgestiegen, um als Feuerwehr nach Washington zu eilen.

Dazu gehörte auch noch die Untersuchung zu FBI-Chefs Comey Entlassung durch Trump. Schließlich kam noch die Nachricht dazu, daß Kushner mit dem russischen Botschafter über einen Plan gesprochen habe, eine geheime Direktverbindung zwischen Trump und Rußland einzurichten, um sich über Syrien und andere Themen abzustimmen. Der Plan ist aber wohl nicht ausgeführt worden.

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Politische Aktivitäten kamen zum Erliegen. Im Keller des Weißen Hauses wurde der „War Room“ wieder in Betrieb genommen, den Präsident Clinton eingerichtet hatte (in Anlehnung an Churchills War Room im Zweiten Weltkrieg). Schließlich wurde eine Aktion mit dem Ziel in Gang gesetzt, eine organisatorische Trennungslinie zwischen diesen Skandalen und der politischen Arbeit im Weißen Haus einzuziehen, um, so weit wie dies überhaupt noch möglich war, die Skandale von der politischen Arbeit zu trennen. Die Kontakte zwischen Weißem Haus und Presse wurden stark eingeschränkt, die traditionellen Pressekonferenzen abgesagt.

Inzwischen liegt die Politische Agenda Trumps auf Eis, damit auch die für Trump wichtigsten Punkte: Steuerreform und Krankenversicherung. Die Republikaner fangen an, sich wegen der Chancen auf Wiederwahl Sorgen zu machen.

Diese Welt und China liegen in verschiedenen Galaxien. Die chinesischen Regierungseinrichtungen sind meritokratisch aufgebaut. Es gibt lange Anwartschaften, die sich über Jahrzehnte erstrecken. Die oberste Ebene ist besetzt von Leuten, die Jahrzehnte von Regierungserfahrung mitbringen. Chinesen können sich kaum vorstellen, wie es zu einem Tollhaus wie derzeit in den USA kommen kann. Auf diese Weise lassen sich in China langfristige nationale Perspektiven aufbauen. Chinesische Politik ist von langer Hand geplant und wird ohne Hast umgesetzt.

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Tianxia

Es kann nicht schaden, wenn wir uns schon einmal in das Land eindenken, das sich anschickt, eine internationale Führungsrolle zu übernehmen, vielleicht „die“ internationale Führungsrolle.

Tianxia heißt ‚Unter dem Himmel,’ aber auch ‚alles unter dem Himmel’ oder auch ‚die Welt’ oder das ‚Weltreich.’ Der Ausdruck durchzieht die chinesische Geschichte. Der Kaiser stand im Mittelpunkt der Welt. Um ihn herum waren die vom Kaiser regierten Länder in hierarchischer Abstufung angesiedelt. Der Kaiser war der Mittelpunkt der Zivilisation, der Kultur, der Welt. Um dieses Zentrum herrschte „Ordnung und Gleichgewicht.“ Diese Ordnung konnte an den fernen Rändern lockerer sein, ohne dass das Gleichgewicht der Welt gestört würde.

Um China herum waren die unmittelbaren Vasallen angesiedelt, die das Privileg der Teilhabe an der überlegenen chinesischen Kultur hatten und dafür dem Kaiser Tribut entrichteten. Weiter entfernte Vasallen konnten nicht mit der Disziplin regiert werden wie die näheren. In größeren Abständen rüstete der Kaiser eine große Flotte aus, die entlegene „Vasallen“ besuchte. Diese sahen sich meistens gar nicht als Vasallen Chinas, entrichteten aber aus Angst ihren Tribut. Manche „Vasallen“ mussten erneut erobert werden. Dieser ferne Bereich wurde dann aber wieder sich selbst überlassen.

Dies ist stark vereinfacht und in sehr groben Zügen das Selbstverständnis Chinas. Das Reich hat sich immer mal wieder ausgedehnt oder kontrahiert oder hat sich verschoben oder sich ganz aufgelöst. Es hat große Umwälzungen gegeben. Geblieben ist der Anspruch Chinas auf eine überlegene Kultur, eine hegemoniale Rolle und auf territoriale Ansprüche.

Lesen Sie dazu in der aktuellen COMPACT: Amerika weiß um die gefährliche Konkurrenz, die von China ausgeht. Deshalb nehmen die US-Falken das Reich der Mitte neben Russland ins Visier. Die Vereinigten Staaten haben ihren gefährlichsten Konkurrenten in den letzten Jahren militärisch umzingelt. Nordkorea ist als Auslöser für einen Atomkrieg ebenso gefährlich wie Syrien. – Lesen Sie die komplette Reportage in COMPACT 5/2017 – hier bestellen  

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Über den Autor

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Dr. Hartmut Grebe hat 20 Jahre lang in den USA gelebt, an Universitäten geforscht und im Silicon Valley gearbeitet. Außerdem betreibt Dr. Grebe die Webseite www.lebensschmiede.com

 

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