Chaos unter Frankreichs Konservativen: Fillon mit dem Rücken zur Wand?

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François Fillon, Kandidat der französischen Konservativen, gilt als knallharter Neoliberaler. Jetzt stellt sich heraus: Besonders „liberal“ war die Entlohnung der eigenen Verwandtschaft in politischen Ämtern. Aber ist die Affäre vielleicht ein bloßer Vorwand? Denn Fillon will eine neue Russland-Politik…

Die Grande Nation hat wieder einmal einen „handfesten“ Skandal. In diesem Land sind die Palast-Intrigen wahrhaft zahlreich. Die Zeitung Le Canard Enchaîné (Die angekettete Ente), bekannt für ihren bissig-satirischen Journalismus, hat vor ein paar Tagen folgende News gestreut: Der konservative Präsidentschafts-Kandidat der Republikaner, François Fillon, soll seine walisische Frau, Penelope, jahrelang als politische Mitarbeiterin in seinem Stab beschäftigt haben, und zwar von 1998 bis 2012.

Dabei soll er sie spendabel honoriert haben, und das ohne nachweislich erbrachte Dienstleistungen. Größenordnung: rund 900.000 Euro innerhalb von vierzehn Jahren. Klar, die Nation steht Kopf – der Hype sitzt. Der katholische Saubermann Fillon steht mit dem Rücken zur Wand und weiß nicht so recht, wie er sich aus diesem Gau herauswinden soll. Seine Statements sind widersprüchlich und unpräzise, auch seine Körpersprache wirkt defensiv statt offensiv. Dringend wird ein hochkarätiges PR-Team gebraucht, das den vielfachen Attacken Paroli zu bieten versteht. Gestern erklärte Fillon vor laufender Kamera: „Noch nie ist ein Präsidentschaftskandidat der vierten Republik auf so infame Weise drei Monate vor den Wahlen angegriffen worden. Ich werde das in den nächsten 14 Tagen klarstellen“.

Ein Zeitrahmen, der nicht für ihn spricht, denn die Anschuldigungen müssten sofort richtiggestellt und abgewiesen werden. Ob dies so leichthin möglich ist? Fakt bleibt, dass jeder Parlamentsabgeordnete der Nationalversammlung das Recht hat, einen persönlichen Mitarbeiter anzustellen, dessen Finanzierung aus einem der vielen Fonds gespeist wird. Dass diese Kanäle nach wie vor der sauberen, nachvollziehbaren Transparenz entbehren, ist ein altes Lied im Staate Frankreich. Auch andere Parlamentarier finanzieren ihren Mitarbeiter aus diesen Fonds, u.a. die SP-Politikerin Segolène Royal.

Allerdings stellt sich die Frage, wer ein Interesse an dieser „Affäre“ haben könnte. Tatsächlich ist die Weste des republikanischen Präsidentschaftskandidaten auch noch anderweitig beschmutzt, wenn er seine beiden Kinder dem steuerzahlenden Zuschauer als Advokaten verkauft. Die Kinder waren aber lediglich Studenten der Jurisprudenz. Die Entlohnung der Sprösslinge war jedoch ebenfalls fürstlich. Zusammen verdienten sie für geleistete Parlamentsdienste rund 100.000 Euro. Ein tolles Salär für Studis des Establishments, wo andere sich durch Minijobs hangeln oder sich verschulden müssen, um ihre Studiengebühren aufzubringen.

Fillons Frau Penelope, die besagte 900.000 Euro abräumte, hat übrigens selbst gegenüber einer renommierten englischen Zeitung verkündet: „Ich war nie Mitarbeiterin meines Mannes“. Christine Kelly hat die Biographie „L’Ambition et Secret“ (Ehrgeiz und Geheimnis) über François Fillon verfasst, und berichtet auf ihrem Twitter-Account: „Ich habe Penelope stets als Hausfrau betrachtet und nicht als politische Mitarbeiterin ihres Mannes“. Da sei nie von Arbeit gesprochen worden.

Aufgrund der massiven Vorwürfe läuft eine parlamentarische Untersuchung gegen den Deputierten und Kelly musste ebenfalls zur Aussage antraben. In ihrem TV5 Monde-Statement hält sie nuanciert Fakt und Fiktion fest. Es wird klar: Ihre Fillon-Biographie ist die Quelle der Enthüllungen in Le Canard Enchaîné gewesen. In TV5 Monde führt sie aus: „Hier auf dem Plateau sowie vor dem Ausschuss konnte ich nicht alles sagen, denn es gab Drohungen gegen mich von bestimmten politischen Zirkeln.“ Von wem kamen diese Drohungen? Wer könnte Interesse an dieser Affäre haben? Beispielsweise Alain Juppé. Schon einmal stand ihm jemand in der Sonne, für den er sogar eine Verurteilung kassiert hatte: Jacques Chirac. Jetzt verlor Juppé gegen Fillon als Kandidat um das Präsidialamt.

Nikolas Sarkozy ist ein weiterer Verdächtiger in dieser Intrige. Bei der Wahl des Präsidentschaftskandidaten Ende 2016 hat es der Ex-Präsident bloß auf Platz drei geschafft. Eine eklatante Schmach für den Tausendsassa. Seine Beschimpfung der Banlieu-Bewohner ist noch immer nicht vergessen. Die hatte er als „La Racaille“ (Abschaum) bezeichnet: Ein Hochdruckreiniger würde mit dem Wegputzen sinnvolle Arbeit leisten. Hiesige Politiker mit ihrem „Pack“ klingen dagegen fast höflich…

Den äußerst empfindsamen Egomanen Sarkozy muss diese Abfuhr besonders geschmerzt haben, als sein ehemaliger Befehlsempfänger beinahe leichtfüßig an ihm vorbeigezogen ist. Ferner hat sich Fillon im Élysée erkundigt, wie es aktuell in der Prozessangelegenheit „Bygmalion“ um Sarkozy steht. (Diese Affäre drehte sich um Sarkozys widerrechtliche Verwendung von Wahlkampfgeldern, bei der auch die Firma Bygmalion involviert war.) Ergo eine politische Abrechnung unter „Freunden“?

Die Wahrscheinlichkeit hierfür scheint groß. Es riecht nach einer Neuauflage von Clearstream II: Darin biss Sarkozy seinen Kontrahenten, Dominique de Villepin, mit allen Finten und Tricks aus dem präsidialen Rennen. Erst nach Jahren hat de Villepin Gerechtigkeit erfahren. Aber bis dahin hatte Sarkozy schon ganze Arbeit geleistet: Die Deindustrialisierung Frankreichs, das Mobilisieren für die Globalisierung mit ihrer besonderen „Sozial“-Struktur und die Zerstörung sowie Plünderung Libyens mit über 160.000 Toten samt der Ermordung Gaddafis.

Natürlich sind auch Konkurrenzparteien an einem Implodieren der Republikanischen Partei interessiert. So die Clique von Hollande, Valls, Cazeneuve und die neue „En Marche“-Bewegung um Emmanuel Macron soll offenbar anstelle von François Fillon von der Hochfinanz auf den Schild gehoben werden. Marine Le Pen vom Front national meint dazu: „Das wäre eine Situation, deren Karikatur nicht mehr zu überbieten wäre“.

Ein weiteres, aber womöglich entscheidendes Element in diesem Polit-Poker: François Fillon verfügt aus seiner Zeit als Premierminister unter Nikolas Sarkozy über ausgezeichnete Kontakte zu Wladimir Putin, sieht Handlungsbedarf im Konflikt mit der Ukraine und ist kein Freund der wieder aufflammenden Krim-Hysterie. Die Sanktionen gegen Russland will er auch nicht länger aufrechterhalten, zumal Frankreich in einer ernsten Wirtschaftskrise steckt. Deshalb ist dieser Krieg um Penelopes „Haushaltsaufbesserung“ womöglich ein Vorwand, Fillon wegzuputschen. Kann er verurteilt werden? Nein, denn er genießt parlamentarische Immunität. Hält er dem Druck stand? Justice soit faite (Das Gericht soll walten). Der griechische Name „Penelope“ ist demzufolge Programm: Gewebe abschälen!

Nachweise:

Christine Kelly:

Clearstream II:
https://www.google.ch/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwi_-6-YmPTRAhWCORQKHZvlDpcQFggdMAA&url=https%3A%2F%2Ffr.wikipedia.org%2Fwiki%2FAffaire_Clearstream_2&usg=AFQjCNHSZ5jwTOZ_jd__EZ4J8Y5wieQ6JA

Bygmalion-Affäre: https://www.google.ch/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwiR8_OCwfTRAhVCbxQKHbwGAgwQFggiMAE&url=https%3A%2F%2Ffr.wikipedia.org%2Fwiki%2FAffaire_Bygmalion&usg=AFQjCNGzyZz46UPi2JK4gBur97t4PclEPg&bvm=bv.146094739,d.bGs

 

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11 Kommentare

  1. die schon immer hier sind am

    Frau Le Pen scheint die Einzige zu sein die keine Keine Leichen im Keller hat darum wird sie von den anderen aufs übelste bekämpft, und die Hälfte der Franzosen wird wohl nicht Rechtsextrem sein wie uns die Lügenpresse weis machen will sondern normale Bürger die ihr Frankreich erhalten wollen,anders als in Deutschland wo Merkel ihr Land zur Plünderung für Invasoren aus aller Welt freigegeben hat.

  2. Theodor Füllberg am

    Frankreich ist doch längst vollkommen pleite. Einschlägige Informationen besagen, daß Frankreich von den ehemaligen Kolonien mit 400 Mrd. € jedes Jahr alimentiert wird. Deshalb die Kriege in Afrika und die naiven Deutschen machen da voll mit. Nur um mal die Relation festzustellen, 400 Mrd. sind mehr als der komplette Bundeshaushalt pro Jahr. Echt grenzwertig.

  3. Hallo,

    Sie haben die Hintergründe bzw. die möglichen Motive für das Bekanntwerden dieses amoralischen Verhaltens des Kandidaten Francois Fillon schön dargestellt. Aber spielt das eine Rolle, um die ganzen Abgründe und die Verkommenheit im Handeln dieses Bewerbers für öffentliche Ämter zu beurteilen?

    1. Offensichtlich hat Fillion seine Ehefrau vierzehn Jahre lang mittels Scheinbeschäftigung über Steuergelder alimentiert. Ich bin kein Jurist, aber in meinen Augen ist das Betrug. Und sollte es aus irgendwelchen Gründen nicht justiziabel sein, ist es trotzdem verwerflich und daher wäre Fillon als Kandidat ungeeignet.

    2. Sollte sich der Vorwurf erhärten, wirft es ein noch viel schlimmeres Licht auf den Zustand der Justiz und der totalitären Strukturen im Regierungsapparat. Wie kann es sein, dass vierzehn Jahre lang alle Beteiligten zu diesem Unrecht schweigen? Das Lohnbüro, die Verantwortlichen in der Personalabteilung, die regulären Mitarbeiter, die Presse, usw. Da steht die Ehefrau auf der Gehaltsliste und macht gar nichts und alle schauen zu. Das lässt tief blicken. Hier wird offensichtlich auch von Seiten der Täter mit Einschüchterung und Repression als legitimes Mittel gearbeitet, um die Rechtsbrüche zu begehen und eine Strafverfolgung zu unterdrücken.

    Daher handelt es sich bei der Aufdeckung dieser Vorgänge auch nicht um eine Intrige, sondern um staatsbürgerliches Handeln, das schon längst hätte durchgeführt werden müssen. Schon vor 14 Jahren hätte der Betrug bzw. die Vorteilsnahme des Herrn Fillion an die Öffentlichkeit gebracht werden müssen – mit anschliessender Gerichtverhandlung. Dass das nicht passierte, zeigt wie korrupt und abgehoben viele Politiker und Kandidaten sind.

    Man kann nur hoffen, dass der politische Gegner diese Situation für sich zu nutzen versteht und nicht selbst Leichen im Keller hat.

    Viele Grüsse,

    HvH

    • A.BENJAMINE MOSER am

      Lieber HvH
      Ich danke Ihnen für dieses schöne Kompliment. Also dass Herr Fillon seine Penelope so elegant beschäftigt hat, ist ein Gentleman Delikt. Es ist legal, weitere 150 Abgeordnete haben dies aktuell zugegeben. Da Sie selbst schon lange im News Geschäft sind, wissen Sie bestens wie es in diesem Augias-Stall Frankreich aussieht. Siehe Clearstream, dann die Woerth Affäre et al. Im Frankreich gibt es eben eine sehr distinguierte Politiker-Kaste, die völlig abgehoben vom Volke lebt und das hat zu Recht die Schnauze voll. Deshalb ähnelt das Land einem Vulkan. Explosion und Implosion sind möglich. Ein Kommentator hat richtig auf den Bankrott von Frankreich hingewiesen, jedoch diesen Umstand ist selbst den gebildeten Franzosen mehrheitlich nicht bewusst. Wenn ein Land wie Togo den aktuellen Wahlkampf eines Kandidaten finanziert, dann spricht das wohl Bände.
      Aber Herr Fillon soll via diese Haushaltskasse-Intrige ausgewechselt werden zugunsten von Macron. Für die Hochfinanz und die Bilderberger ist Fillon nicht mehr voll unter Kontrolle zu halten. Dieser Wirbel ist Pea-nuts, und obendrein wie gesagt ein Übliches Handling in Paris und seinen Couverts, die immer irgendwo über den Tisch oder in den Büstenhalter geschoben werden. Herr Fillon ist sich offenbar nicht bewusst gewesen ist, das heute jeder und jede hochgehen kann, wenn es die Puppenspieler für nötig halten, auf ein anderes Pferd zu setzen. Das ist das eigentlich Tragische an diesem Fall. Der Insider ist ja schliesslich seit 40 Jahren in der Politik. Verstehen Sie mich richtig, ich beurteile nicht das moralisch nicht ganz einwandfreie Betragen von Herrn Fillon. Es ist einfach Zeit, dass die Franzosen mit ihrem System Tabula rasa machen, und ich denke, Marine Le Pen ist aktuell die Einzige, die das stemmen kann. Allerdings braucht sie Verbündete, deshalb dieser Kurs "Marine" mit der langstieligen Rose, was eigentlich alles sagt. Ein Kenner der Szene sagt jedoch diesem sowohl als auch von Rechts und Links voraus, dass Marine Le Pen die letzte Präsidentin des Front national sei. Danach werde die Partei anders heissen…Ferner dürfen wir nicht vergessen in Frankreich herrscht immer noch der Etat d’urgence – kein gutes Omen für die kommende Wahl.
      So jetzt habe ich lange geschrieben und hoffentlich kein Komma vergessen.
      Mit herzlichen Grüssen
      A. Benjamine Moser

      • SgFr Moser,

        das ehrt Sie sehr, dass Sie sich hier den Kommentaren stellen!

        Gruß aus Bayern

  4. Politiker haben in der Regel Dreck am Stecken. Den muß man nur zeitgerecht ausgraben, um die Leute entweder gefügig zu machen, oder aus dem Rennen zu werfen, wenn man sie nicht mehr wirklich weiterkommen lassen will. Es war also nur eine Frage, die sich die (Geld-) Eliten stellten, ob sie eine Annäherung an Moskau als das größere Übel ansehen, als einen möglichen Wahlsieg LePenns, wobei die Frage wichtig wäre, ob sich letztere auch Moskau annähern würde, oder ob es (auch noch) um weitere Absichten des Kandidaten geht, die diesen Leuten nicht passen.
    Vielleicht sind die Hinterleute auch so hoffnungsvoll – oder naiv – anzunehmen, daß der abgeschlagene Kandidat der derzeit Regierenden, den man an die Macht bekommen möchte, nach einem Ausscheiden Fillons dann wieder echte Chanchen hätte, weil man sich sicher ist, daß LePenn schon keine Mehrheit zu Stande bekommen wird – so bösartig wird der Wähler schon nicht sein ….
    … glaubte man auch vor 1 Jahr in den USA.

  5. Volker Spielmann am

    Das Welschenland muß wirklich ziemlich im Eimer sein

    Die Meldungen aus dem Welschenland bezeugen wie schlecht es dem Land gehen muß, denn selbst die Weinbestände des Staatschefs müssen versteigert werden und dieser muß mit dem Motorroller zu seiner Mätresse fahren, was ungefähr so ist wie wenn sich Ludwig XIV. auf einem Maulesel zu seiner Herzensdame hätte begeben müssen. Die Steuerlast im Welschenland ist indes so hoch wie niemals zuvor und man fragt sich wofür die welsche Regierung das viele Geld denn ausgibt. Bei Ludwig XIV. wußte man dies, weil dieser sich prächtige Schlösser bauen ließ, die Kunst gefördert hat, zu leben verstand und zudem zahlreiche Kriege um die Vorherrschaft in Europa geführt hat. Dagegen sind die jüngsten Kriege der Welschen in Afrika nichts und daher muß es wohl irgendwo ein schwarzes Loch in der welschen Staatskasse geben. Freilich, die aufgeblähte und unwirksame Staatsverwaltung, die Almosenzahlungen an die zugewanderten Vorstadtbewohner und die Wohltaten für die Banken könnten das welsche Elend auch erklären.

    Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!

  6. Weder hatte Sarko seinen Hochdruckreiniger eingesetzt, noch würde Fillon wirklich auf Russland zugehen.

    Die sind beide im Club der Globalisten fest verankert, da kommt nichts für das französische Volk.

    Ich drück der Marine Le Pen die Daumen, dass wenigstens der französische Wähler sich nicht beirren läßt.

    Nicht dass noch österreichisches Versagen eintritt !!

  7. Wohl so eine Art CSU in Frankreich. Da sind sie europäisch alle gleich die Politfratzen.

    • Ja…Ja Die Sonne bringt es an den Tag …..ihr Politganoven , auch hier zulande siehe SPD Bürgermeister von Regensburg !!!

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