Bundesweite Vereinigung von Juden in angeblich judenfeindlicher AfD – Shitstorm bricht los

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In exakt zehn Tagen wird sich in Offenbach die bundesweite Vereinigung von Juden in der AfD (JAfD) gründen – rechtzeitig zur Landtagswahl in Hessen am 28. Oktober. Selbstredend wird die Alternative für Deutschland von ihren Gegnern erneut als Sau durchs Dorf getrieben und einmal mehr als „menschenfeindlich und antisemitisch“ verunglimpft.

Dem widerspricht der Mitinitiator der JAfD, der Wiesbadener Stadtverordnete Dimitri Schulz (31), gegenüber faz.net vehement: Von einer antisemitischen Stimmung innerhalb der AfD habe er seit seinem Eintritt (2014; Anmerk. d. Red.) nie etwas gespürt. Er habe seinen Glauben nie verschwiegen und sei trotzdem „sehr herzlich“ aufgenommen worden. Dass es einen rechten Antisemitismus in Deutschland gebe, bestreite er nicht, den habe man aber im Blick. In Deutschland sei allerdings ja wohl „der Hass gegen Juden in der muslimischen Bevölkerung das größere Problem“.

AfD ist einzige Partei, die christlich-jüdische Werte verteidigt

Dem russlandstämmigen Maschinenbauingenieur jüdischen Glaubens, bis vor seiner Abtrünnigkeit strammer CDU-Wähler, waren und sind die traditionellen christlich-jüdischen Werte, Familie, Erziehung und Bildung bedeutsam. Unter Merkel indes sei die CDU stetig davon und nach links abgerückt. Die AfD aber sei die einzige Partei, die eben diese Werte verteidige und programmatisch vertrete. Um dieses Ziel zu erreichen, wünscht er sich 15 Prozent oder mehr bei der Landtagswahl.

Flankenhilfe bekommt Schulz, der sich als Kandidat im Wiesbadener Wahlkreis 30 aufgestellt hat, von Robert Lambrou, Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Wiesbadener Stadtparlament, einer von zwei Sprechern des AfD-Landesverbands und zudem Kandidat im Wahlkreis 31. Der begrüßt die Gründung der JAfD, weil sie das insbesondere medial geschürte Vorurteil, die AfD heiße Antisemitismus gut, ad absurdum führt.

Merkel hat CDU und Deutschland massiv geschadet

Auch Erika Steinbach zeigt sich erfreut über die Gründung der Juden-Organisation in der AfD. Die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete hatte unter großem Getöse im Januar 2017 nach über 40 Jahren Mitgliedschaft ihr Parteibuch geschmissen – nicht ohne mit Angela Merkel heftig abzurechnen. Sie warf der Kanzlerin vor, die Partei „beunruhigend, ja dramatisch verändert“, der CDU sowie Deutschland „notfalls auch unter Außerachtlassung von Recht und Gesetz und aufgrund einer diffusen Gesinnung sowie Missachtung der eigenen Parteibasis massiv geschadet“ zu haben. (Quelle: spiegel.de).

Nun steht Steinbach der AfD-nahen Erasmus-Stiftung vor und will an der Gründungsfeier der JAfD teilnehmen: „In der AfD ist Platz für Juden“, so die Parteilose gegenüber faz.net und prangert die Bedrohung von Juden in Deutschland durch fanatisierte Muslime an: „In Berlin trauen sich Juden nicht mehr mit Kippa in die Öffentlichkeit.“ Die AfD habe schon immer vor den Gefahren eines politischen Islam gewarnt; deshalb seien Juden in dieser Partei gut aufgehoben.

Das sieht Alfred Jacoby, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Offenbach, völlig anders. Er läuft Sturm gegen das Vorhaben – ganz offensichtlich, weil er dem medialen Shitstorm gegen die AfD aufgesessen und der aus dem Zusammenhang gerissenen Behauptung des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland, Hitler und der Nationalsozialismus seien nur ein „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte gewesen, auf den Leim gegangen ist.

AfD ist für Juden unvertretbar

Zudem verbeißt er sich in den Satz des thüringischen AfD-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke, das Holocaust-Mahnmal in Berlin sei ein „Denkmal der Schande“. Weiterhin führt er ins Feld, die AfD sei auf den Demos in Chemnitz und Köthen Seite an Seite mit Neonazis marschiert, die den Arm zum Hitlergruß erhoben hätten. „Diese Leute geben sich einer Sache hin, die für Juden unvertretbar ist“, behauptet Jacoby.

Diese Haltung vertritt gleichfalls die Redaktion der jüdischen Zeitschrift Jalta in ihrem auf Facebook veröffentlichten Positionspapier (von Red. gekürzt):

«Wir sprechen uns mit größter Entschiedenheit gegen die Gründung der Gruppe „Juden in der AfD“ aus (…) Als jüdische Demokrat*innen in diesem Land setzen wir uns für eine plurale und vielfältige Gesellschaft ein, in der alle Menschen ohne Angst verschieden sein können und die aus der nationalsozialistischen Vergangenheit Lehren für Gegenwart und Zukunft zieht. Die Rhetorik und Praxis der AfD stehen diesem Anliegen diametral entgegen.

Wir (…) erachten eine solche Parteinahme als große Gefahr für unsere Sicherheit, für jüdisches und damit untrennbar verbunden, für migrantisches Leben in Deutschland. Wir erachten es als Gefahr für die Demokratie. Denn die AfD ist eine Partei mit faschistischen Tendenzen, deren personelle und ideologische Nähe zu neonazistischen Organisationen seit langem bekannt ist und mit dem sogenannten Trauermarsch von Chemnitz eine neue Qualität erreicht hat.

Am 27. August 2018 wurde in Chemnitz ein jüdisches Restaurant von Neonazis angegriffen, mit denen der Thüringer Landesvorsitzende der AfD, Björn Höcke, nur wenige Tage später gemeinsam demonstrierte. Der Auftritt von Björn Höcke mit Pegida-Funktionär*innen und bundesweit bekannten Kadern der Neonaziszene war der vorläufige Höhepunkt einer systematisch betriebenen Radikalisierung der Partei, die schon seit längerem zu beobachten ist. (…)

Es ist kein Geheimnis, dass die AfD offen menschenfeindliche, rassistische und antisemitische Positionen vertritt. Das wurde wiederholt klar von verschiedenen Funktionär*innen der Partei artikuliert. Wichtige Parteifunktionär*innen wie Björn Höcke, Alexander Gauland und Alice Weidel treten darüber hinaus für eine „Kehrtwende in der Erinnerungskultur“ ein. Höckes „Dresdener Rede“ vom 17. Januar 2017 und Gaulands „Vogelschiss“-Provokation im Juni 2018 sind dabei nur Höhepunkte einer Politik, die die Grenzen des Sagbaren Stück für Stück ausweitet, den Diskurs über den Nationalsozialismus nach rechts verschiebt und einen erinnerungskulturellen Konsens angreift.

Sie betreiben Geschichtsklitterung und relativieren die Shoah. Die jüngsten Provokationen einer Gästegruppe aus dem Umfeld Alice Weidels in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen sind nur ein weiteres Beispiel in einer ganzen Reihe. (…) Dabei handelt es sich nicht nur um eine Verhöhnung der Opfer und Überlebenden der Shoah, sondern um einen Angriff auf unsere Demokratie, auf uns als Jüd*innen, auf alle Menschen, die in einer völkischen Ideologie als „anders“ markiert werden.

Die AfD will darüber hinaus durch ihre Forderungen, das Schächten und die Beschneidung zu verbieten, jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland strukturell unmöglich machen. (…) In einer Gesellschaft, wie sie der AfD vorschwebt, sind alle Minderheiten und alle Demokrat*innen in Gefahr. (…) Wir rufen daher alle Jüd*innen dazu auf, sich aktiv für eine demokratische Gesellschaft einzusetzen und völkischen, rassistischen und menschenfeindlichen Positionen auch innerhalb der jüdischen Gemeinschaft zu widersprechen.»

Aus diesem Positionspapier spricht nichts anderes als die gelungene Manipulation durch die dank des Erstarkens der AfD um ihre Macht und Pfründe fürchtenden Politiker und ihre Hofberichterstatter, die sogenannten Mainstreammedien. Auch dem deutschen Oberjuden Michel Friedman ist die Gründung der JAfD ein Dorn im Auge. Der koksende TV-Moderator geriert sich neben ZDF-Info oder ZDF-History als leidenschaftlichster Aufrechterhalter des skrupellos linksindoktrinierten kollektiven Schuldkomplexes der Deutschen.

Schuld am Holocaust ist politisches Fundament dieses Landes

In einem Interview mit der faz propagiert er einmal mehr deren „Erbschuld“, die augenscheinlich sämtliche nachfolgenden Generationen der Teutonen, solange es sie (noch) gibt, zu tragen haben: „Von dem Gedanken abzugehen, dass Deutschland die Verantwortung für den Holocaust trägt, bedeutet, dass man das politische Fundament dieses Landes angreift.“ Für ihn und den Zentralrat der Juden in Deutschland besteht ergo das „politische Fundament dieses Landes“ offensichtlich in der ewigwährenden „Verantwortung für den Holocaust“.

Dass dieser zwischenzeitlich – um genau zu sein, seit ziemlich genau drei Jahren – eine Renaissance erlebt, scheint allen Kritikern der Afd und der künftigen JAfD entgangen zu sein. Ohne vereinzelte unglückliche Formulierungen seitens einiger AfD-Politiker, ohne tatsächliche Übergriffe von wenigen Nazis oder Neonazis auf Juden (jüdische Unternehmen) relativieren zu wollen: Die tatsächliche Gefahr für Juden in Deutschland geht von anderen Gruppen aus!

Über den Autor

Iris N. Masson

 

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