Büroarbeit: wer lange sitzt, könnte früher sterben.

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Langes Sitzen und dazu noch eine starre Haltung – das kennen 46 Prozent aller Berufstätigen, die ihre Arbeit im Sitzen verrichten. Elf Stunden der Büroarbeit wird am Tag vom Schreibtisch aus erledigt. Doch das stundenlange Sitzen geht auf Dauer zulasten der Gesundheit und verringert, laut Studien, die eigene Lebenserwartung. Durch das ständige Sitzen – manchmal auch in Verbindung mit schnellem Essen von Fertiggerichten – steigt die Wahrscheinlichkeit für Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems und des Stoffwechsels wie zum Beispiel Diabetes. Doch jeder Einzelne kann am Arbeitsplatz für seine Gesundheit etwas Gutes tun. An welchen Stellschrauben wir drehen können, damit die Arbeit nicht zur Belastung wird, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

Rücken und Augen besonders schonen

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Volkskrankheiten und entstehen auch überwiegend durch Büroarbeit. Denn durch das ständige Sitzen und die wenige Bewegung wird der Rücken belastet. Hier gilt es sich den Arbeitsplatz so einzurichten, dass eine dynamische Sitzhaltung möglich ist. Sogenannte ergonomische Bürostühle und Tische werden hier empfohlen, um den Rücken gesund zu halten. Gerade bei einem Sitzplatzwechsel innerhalb des Büros sollte man sich alles so einrichten, bis es für einen selbst passt, da ein falsch eingerichteter Computerarbeitsplatz sich negativ auf Wirbelsäule und Haltungsmuskulatur auswirkt. So klagen viele über Schmerzen im oberen Rücken und in den Schultern, oft hervorgerufen durch einen runden Rücken und hochgezogene Schultern.
Die regelmäßige Arbeit mit dem Computer und das lange Starren auf den Bildschirm schadet auch den Augen. Ein für viele bekanntes Phänomen ist das sogenannte „Büroaugen-Syndrom“. Die meisten Menschen sitzen zu nah am Bildschirm, das führt dazu, dass die Augen zu wenig bewegt werden. Hierbei trocknet das Auge schneller aus, wodurch auch Infektionen begünstigt werden können. Weitere Symptome dieser Erkrankung sind eine gerötete Bindehaut, müde und verklebte Augen am Morgen. Wichtig ist es also unbedingt einen Abstand zwischen 50 bis 80 Zentimeter zwischen Auge und Bildschirm einzuhalten, auch sollte der Monitor nicht zu hoch stehen, eine Blickneigung von etwa 30 Grad wird empfohlen. Ein einfacher Tipp ist hier, den Arbeitsplatz mit Pflanzen zu verschönern, um so für mehr Feuchtigkeit im Raum zu sorgen.

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Von kleinen und großen Bewegungspausen

Der Bewegungsmangel, der durch die Schreibtischarbeit unweigerlich entsteht, sollte also ausgeglichen werden. Ärzte empfehlen, sich jeden Tag eine Stunde zu bewegen, vor allem mit Ausdauersport. Wer es also nicht weit von zu Hause bis ins Büro hat, der kann gleich das Fahrrad nutzen, um den Körper in Schwung zu bringen. Doch auch schon schnelles Gehen zur Arbeit oder in der Mittagspause sowie Treppensteigen hat einen positiven Effekt. Der Kreislauf wird angekurbelt und der Stoffwechsel angeregt. Während der Arbeitszeit eignen sich Dehn- und Streckübungen gut, um für Bewegung zu sorgen. Ändern Sie außerdem regelmäßig die Sitzposition auf Ihrem Stuhl.

Die schon erwähnte Mittagspause eignet sich gut, um eine kleine Runde spazieren zu gehen, anstatt sich gleich wieder in die Kantine zu setzen. Wenn möglich sollte auch der Drucker nicht in der Nähe des Schreibtisches stehen. Der Gang dorthin schafft die so wichtigen Bewegungsgelegenheiten. Diese kleinen Bewegungspausen sollten Sie sich im Büro immer wieder einräumen. Nach der Arbeit sollten Sie vermeiden, sich gleich auf die Couch zu begeben und sich erstmal an der frischen Luft bewegen. Übrigens: Interessante Richtwerte gehen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus, die etwa zwei Stunden moderate Bewegung pro Woche empfiehlt wie zum Beispiel schnelles Gehen oder etwa einundeinhalb Stunden intensives Joggen sowie zwei Mal pro Woche Krafttraining.


Den Arbeitsplatz gesundheitsbewusst gestalten

Wenige Einstellungen müssen Sie vornehmen, damit der Arbeitsplatz nicht zu einem Störfaktor der Gesundheit wird. Sie können dafür Bürostuhl, Tisch, Tastatur und Monitor anvisieren und hier die Anpassungen vornehmen, die für Sie angenehm sind. Der Schreibtisch sollte höhenverstellbar sein, sodass man auch mal im Stehen arbeiten könnte und die Rückenlehne des Stuhls sollte mindestens bis zu den Schultern reichen. Die Tastatur sollte höhenverstellbar und die Hände sollten beim Schreiben in einer Linie mit den Unterarmen sein, sodass die durch Computerarbeit strapazierten Handgelenke geschont werden. Außerdem sollten Sie für geeignete Lichtverhältnisse sorgen. Achten Sie darauf, dass genügend Tageslicht in das Büro kommt, bzw. regulieren Sie das künstliche Licht, das wirkt sich positiv auf die Stimmung aus.

Für ein gesundes Büroklima ist es zentral, dass man sich Ruhephasen schafft. Das fängt damit an, dass das Telefon umgestellt wird, der Monitor im Energiesparmodus läuft und regelmäßig mit weit geöffnetem Fenster gelüftet wird – natürlich in Absprache mit den Kollegen. Lärmquellen sollten ausfindig gemacht werden und, wenn möglich, beseitigt werden. Der Arbeitgeber selbst sollte in der Verantwortung stehen, dass die Atmosphäre so geräuscharm wie möglich ist, etwa mit leiser Technik oder Trennwänden zwischen den einzelnen Arbeitsbereichen. Auch die Natur gilt als krafttankende Quelle: Eine Parkbank zur Entspannung mitten im beruhigenden Grün könnte ein neues Ritual in der Mittagspause werden. Hier wäre auch der ideale Ort für die nachweislich Stress reduzierenden Atemübungen. Atmen Sie einfach langsamer als sonst ein und wieder aus – denn in der Ruhe liegt bekanntlich die (Arbeits-)Kraft.

Zusammenfassung
Unser Arbeitsalltag ist zunehmend geprägt von einer sitzenden Tätigkeit. Menschen, die ihre Arbeit am Schreibtisch verrichten, sitzen oft bis zu elf Stunden im Büro, meist vor dem Computer. Die Folge: das stundenlange Sitzen gepaart mit einer starren Haltung geht bald zulasten der Gesundheit. Doch dem kann entgegen gewirkt werden. Mit regelmäßigen Pausen, mit Übungen zwischendurch und mit einer entsprechenden (Um)Gestaltung des Arbeitsplatzes. Der Lohn: nicht nur einer verbesserte Allgemeinbefindlichkeit, sondern auch mehr Konzentration und Effektivität beim Arbeiten.

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10 Kommentare

  1. Avatar

    Wer lamge sitzt, könnte früher sterben?

    Dass langes Sitzen in starrer Position den Rücken degenerieren lässt, kann ich noch einsehen. Der Rest ist an den Haaren herbeigezogen.

    Augen: Je weiter ich vom Bildschirm weg sitze, desto kleiner wird der Bereich auf den ich mich konzentriere. Sitze ich nur 10cm davor haben die Augen genügend Bewegung. 😉

    Herz/Kreislauf: Wenn ich statt im Büro zu sitzen die Zeit vor dem Fernseher verbringe, kann das nicht gesünder sein. -> Augen
    Es kommt auf die sonstige Betätigung des Körpers an, nicht auf’s Sitzen. Das allein schadet nicht.

    Schnelles Essen kann ich auch bei den Kumpels im Bergbau haben, weil ich dann in der Mittagspause unter Tage noch Skat spielen möchte. Ist also kein Argument gegen das Sitzen.

    Das künstliche Licht ist dort auch unabdingbar, genauso wie in jedem Büro im Winter.

    Lärmquellen: In den Büros, in denen ich bislang gearbeitet habe, waren die Lärmquellen nicht zu vergleichen mit denen in handwerklichen Berufen. Wenn die Handwerker zu laut werden, machen wir einfach Tür oder Fenster zu. Warum wohl sind in vielen handwerklichen Berufen Ohrenschützer vorgeschrieben? Wieder ein Argument gegen nicht-sitzende Berufe.

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      Also meine Frage: Die Sitzenden könnten kürzer leben als wer?
      Der Malocher unter Tage, der mit 58 an Staublunge krepiert, ist es sicherlich nicht. Der Hartzer, der den Tag vor’m TV abhängt, sicherlich auch nicht. Der Chefarzt, der mit 62 an Stress stirbt, wohl auch nicht.

      In meinen Augen ist der Aufmacher weit hergeholt, um nicht das Wort "Unsinn" in den Mund zu nehmen.

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    Wer lange sitzt muß früher sterben und wer früher stirbt hat eine Menge Geld oder anderes gespart, das kann man so oder so sehen und liegt auch nicht in unserem Ermessen.

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    Mein Vater hat schon in den 60er Jahren darüber geschimpft daß die Leute zunehmend "Schlipsarbeit" machen wollen. Befördert wurde das noch durch den Umstand, daß die Leute am Schreibtisch auch noch besser bezahlt wurden. Keiner möchte sich mehr den Blaumann anziehen und heute klagt das Handwerk darüber daß es keinen Nachwuchs bekommt! Hier im Pott übernehmen das inzwischen die Gastarbeiterkinder und -enkel. Kein Jugendlicher will sich bei der Arbeit noch die Finger schmutzig machen und/oder gar früh aufstehen!
    Dazu kommt, daß sich die Leute bis in die 70er hinein, im Osten bis zur Wende, wenn vorhanden im Sommer um ihren Garten gekümmert haben. Einige hielten auch Kleinvieh, bzw. hatten einen Kleingarten. Wer solches betreut hat keine Lust / Zeit in Urlaub zu fliegen und sich dort auch nur an einen Strand zu legen um Hautkrebs zu bekommen.
    Bis in die 80er hinein konnte man auch noch ohne FS Arbeit bekommen und ging zu Fuß oder nahm sein Rad. Das Leben war damals gesünder, einfacher, klima- und umweltfreundlicher! Statt krampfhaft nach Neuem zu suchen sollte man dahin zurück!

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      Gesslers Hut am

      Das wird durch abmurksen männlicher Föten auch nicht besser.

      Die Amtsstuben, ÖD, etc. sind übrigens vorwiegend von Kostümchenträgerinnen besiedelt. Immer genau in der Höhle wo es warm, trocken und sicher ist, anstatt im Blaumann Kornmühlen zu basteln.

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      In den 70ern, als es noch keine Grenzwerte und nur ungenügenden Arbeitsschutz geb?

      Als alle Abgase noch ungefiltert in die Luft geblasen wurden und Müll auf großen Kippen entsorgt wurde?

      Da bin ich wohl in anderen 70een groß geworden. 😉

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    Gesslers Hut am

    Ich wusste es schon immer. Die Entlassung von 18.000 Deutschen Bankern dient der Gesundheitsvorsorge.

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