Ein Mauerbild des Kult-Comiczeichners Ralf König in Brüssel wurde von Tugend-Terroristen als „transphobisch” und „rassistisch” bezeichnet. König versteht die Welt nicht mehr und verteidigt sich auf Facebook.

    Ralf König gilt seit den 1990ern als einer der großen Comiczeichner des Landes. Werke wie „Der bewegte Mann“, „Bullenklöten“, „Lysistrata“ oder „Kondom des Grauens“ genossen (beziehungsweise genießen) Kultstatus und fanden wie im Falle des „Bewegten Mannes“ und dem „Kondom des Grauens“ sogar den Weg zur Leinwand-Adaption.

    König ist später Vertreter einer Schwulen-Kultur, die in den 1960er Jahren entstand und mit Namen wie John Waters, Werner Schröter oder Rosa von Praunheim in Assoziation stand: schrill, subversiv, rotzfrech, trashig, urkomisch und politisch äußerst unkorrekt. Nicht maximale Angleichung an den Hetero-Mainstream (so wie heute) war das Ziel dieser Bewegung. Stattdessen feierte man das eigene Anderssein – aber so einfallsreich und witzig, dass auch das Heteropublikum auf seine Kosten kam.

    Was einen Vertreter solcher Ästhetik im Zeitalter des neulinken Inquisitionsterrors erwartet, durfte Comiczeichner Ralf König jetzt in Brüssel erfahren. In Belgien, wo die Comic-Kultur in hohem Ansehen steht, hatte man 2015 in der Hauptstadt ein Mauerbild des deutschen Comiczeichners aufgestellt (Foto oben).

    Obwohl dieses Bild heutiger Regenbogen-Politik sehr entgegenkommt, fanden diverse Gender-Robespierres darin Verstöße gegen ihr politisch korrektes Spießertum: Wie auf dem Screenshot zu erkennen, schmierten sie unter den Transvestiten die Beschuldigung: „Transphobisch“, unter die dunkelhäutige Frau schrieben sie „Rassismus“.

    König versteht die Welt nicht mehr. Auf Facebook schrieb er jetzt: „Ich kapiere die Verbitterung und Humorlosigkeit der politisch allzu Korrekten ja schon eine Weile nicht mehr, vor allem ihre hemmungslose Selbstgerechtigkeit, aber nun: Mein Wandbild in Brüssel wurde Opfer von Kunstvandalismus.

    Man wirft mir also Rassismus vor und Transphobie! Da sind dicke Lippen bei der einen wie bei der anderen! Lippophobie! Was ist mit Frauen- und Lesbenfeindlichkeit, weil die Zweite von links Kugelmöpse hat, und auch noch schiefe? Religiöse Intoleranz nicht zu vergessen, die Nonne ist doch ein Zerrbild einer Frau des Glaubens? Fällt noch jemandem was ein?

    Zu viel Farbe, das diskriminiert die Farbenblinden? Solche Aktionen sagen mehr aus über die Intoleranz der selbsternannten Zensurbeauftragten. Jede Ironie, jede satirische Übertreibung, jeder selbstironische Blick auf die Szene ist gleich ein Angriff auf wen auch immer.

    Mich schaudert bei dem Gedanken, in so einer Gesellschaft zu leben: Verbissen, aggressiv, immer einen Grund suchend, sich selbst und sein Weltbild zum Alleingültigen zu erklären. Ich zucke mit den Schultern und mache weiter wie bisher.“

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    Weitermachen wie bisher: Das sollte König tatsächlich tun – gegen einen Zeitgeist, für den jeder, der lacht, automatisch schuldig ist.

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