BRD-Sprech _ Fachkräftemangel

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Vor ungefähr zehn bis 15 Jahren begann die steile Karriere des Wortes «Fachkräftemangel», das heute aus der Sprache der politischen Klasse ebenso wenig wegzudenken ist wie der «Klimawandel», und das dieselbe Funktion erfüllt: Wir sollen glauben, es gebe ein drängendes Problem, das nach Abhilfe schreie. Natürlich nicht nach irgendeiner Abhilfe, sondern nach genau derjenigen «Lösung», die die Politik unserem Land zugedacht hat, die aber so unpopulär ist, dass zu ihrer Rechtfertigung ein passendes Problem erfunden werden muss. Es folgen Auszüge aus dem gleichnamigen Artikel, den Sie ungekürzt in COMPACT 10/2016 lesen können – hier bestellen 

_von Manfred Kleine-Hartlage

Wer nämlich das Gerede vom «Fachkräftemangel» in einem Land ernstnimmt, dessen Wirtschaft hochqualifizierte Mittfünfziger aus Altersgründen nicht einstellt, erstklassigen Universitätsabsolventen mit jeder nur wünschenswerten Vorbildung keine Stelle gibt und von einem «Mangel» spricht, wenn sich auf eine Stellenanzeige nur zehn, statt, wie früher, hundert geeignete Bewerber melden – wer dies also ernstnimmt, wird auch an einen Eismangel in Grönland oder einen Sandmangel in der Sahara glauben.

(…)

Zuerst sprach man noch laut von Ärzten und Ingenieuren, meinte damit aber bestenfalls jeden, der nur irgendeine Qualifikation hatte, und ließ am Ende jeden herein, der es – gern auch illegal – bis nach Deutschland schaffte. Dem betrogenen Publikum wurde – wieder einmal – mit einem gewissen «April, April» eröffnet, nun seien «diese Menschen» nun einmal da und «eine Bereicherung für uns alle» – vor allem aber eben da, und mit den damit verbundenen Belastungen (die es eigentlich gar nicht gebe und deren Existenz zu behaupten von rechtsradikaler Gesinnung zeuge; die man ungeachtet ihrer Nichtexistenz aber zu tolerieren habe) habe man sich als Deutscher eben abzufinden.

Masseneinwanderung befriedigt mancherlei Interessen: das der Wirtschaft an einem lohndrückenden Überangebot an Arbeitskräften – die durchaus keine Fachkräfte sein müssen, um diesen Zweck zu erfüllen –, das Interesse linker Parteien an der zahlenmäßigen Ausweitung einer Unterschicht, die auf Sozialleistungen angewiesen ist und deshalb linke Parteien wählt, das einer milliardenschweren Sozial-, Integrations- und Ideologieindustrie, die von der Verwaltung und Beschönigung einwanderungsbedingter Probleme lebt und ein Interesse an weiterem Problemnachschub hat, das Interesse von Politikern aller Couleur an gutdotierten Positionen, die nach Abschluss der politischen Karriere winken und vor allem von supranationalen Organisationen und Lobbyverbänden vergeben werden, die ausnahmslos eine Agenda der Masseneinwanderung verfolgen. Interessen, die dieser Politik entgegenstehen, sind zwar solche einer Mehrheit, institutionell aber nur schwach vertreten – womit sich die unter Politikwissenschaftlern als Selbstverständlichkeit geltende Beobachtung bestätigt, dass Interessen umso schwächer vertreten werden, je allgemeiner sie verbreitet sind, und umso stärker, je kleiner der Kreis der Profiteure ist. Und so brauchen wir uns nicht zu wundern, dass das Lied vom «Fachkräftemangel» von praktisch allen gesellschaftlichen Großakteuren gesungen wird.

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Manfred Kleine-Hartlage ist Publizist und Diplom-Sozialwissenschaftler.

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