Box-Posse um Deutschlandlied

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Eine Orgie des Selbsthasses: Als es „Deutschland, Deutschland über Alles“ ertönte brannten die Gemüter. Was folgte, war ein lächerlich überspitzter Skandal, Bekenntnisse zur Vielfalt und ein Rücktritt.

_ von Nikolas Hasse

Das Lied der Deutschen wurde von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben am 26. August 1841 auf Helgoland gedichtet, zur Melodie der österreichischen Kaiserhymne. „Deutschland, Deutschland über Alles“ bedeutete in diesem Kontext, dass das deutsche Nationalbewusstsein über die Kleinstaaterei hinweg gehen sollte, hinweg über Klassen, Fürstentümer und persönliche Interessen jener Zeit, zugunsten eines gesamtdeutschen Staates. Besungen wurde mit „von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“ die damaligen natürlichen Grenzen des Landes, auf denen mehrheitlich Deutsche lebten. Mit den Vernichtungen und Vertreibungen von Teilen der deutschen Bevölkerung während und nach dem Zweiten Weltkrieg, sind diese geografisch-ethnischen Grenzen obsolet geworden und werden bisweilen als revisionistisch-revanchistischer Aufruf interpretiert.

Bei einer Sportveranstaltung am Steinhuder Meer nahe Hannover trat eine niedersächsische Boxmannschaft gegen eine aus Südafrika an. Beim Einzug der Athleten sollte Musik abgespielt werden und der DJ entschied, die Nationalhymnen zu verwenden, doch der Moderator intervenierte sofort mit den Worten „Ne, ne, nicht die Nationalhymne. Haben wir nicht was anderes, Fetziges?“. Darauf ertönte die erste Strophe des Deutschlandliedes. Pikant: Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Boxen am Meer – Sportler gegen Rassismus und Gewalt“. Es folgte ein Eklat, wer hätte das nur geahnt? Die späten Reaktionen auf dieses Ereignis – es war schon am Samstag, 29.06.2019! –  untermauern die Vermutung, dass dieser „Skandal“ erst aufgebläht werden musste.

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Während des Vorfalls sollen sich die Mehrheit der Leute nicht daran gestört haben, mit Ausnahme besonders eines Herren: der Ehrengast und Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV) Jürgen Kryas. Der Discjockey soll ihn verdutzt angeblickt haben, als dieser nach den ersten Takten den Stecker der Anlage zog und aus Angst, wie er später sagte, auch das Abspielen der dritten Strophe – der offiziellen Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland – untersagte. Stattdessen wurde das Niedersachsenlied gespielt.

Verantwortlich für den Vorfall sei der DJ aber auch der Niedersächsische Box-Sport Verband (NBSV), der Ausrichter der Veranstaltung war. Kryas kündigte an, er wolle im Falle des Ausbleibens einer öffentlichen Stellungnahme sogar rechtliche Schritte gegen den Landesverband einleiten – dabei ist die erste Strophe des Deutschlandliedes nicht strafbar, sondern nur unerwünscht.

Jeder entschuldigt sich für alles

Burkhard Schröder, Vizepräsident des niedersächsischen Landesverbandes, entschuldigte sich im Namen des Vereins und drückte sein Bedauern darüber aus, nicht sofort noch während der Veranstaltung Konsequenzen gezogen zu haben. Jedoch betonte er auch, dass er wenig Verständnis dafür habe, warum dieser Vorfall zu einem Eklat erklärt würde; der Vorfall stehe in keiner Verbindung mit der politischen Rechten, Rassismus oder sonstigen politischen oder fremdenfeindlichen Ambitionen. Es folgte eine öffentliche Stellungnahme von Landesverband und Vereinspräsident Manfred Schumann, der seinen Rücktritt erklärte.

Auch die zuständige Beschallungsfirma entschuldigte sich für den Vorfall durch Inhaber Jürgen Opper. Er beteuerte, dieser Vorfall liege keinerlei politischem Hintergrund zugrunde und sei der Fehler des Mitarbeiters gewesen, der versehentlich eine vollständige Version des Deutschlandliedes heruntergeladen hätte.

Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich im Februar 2017 beim Tennisball Fed Cup der Damen auf Maui, Hawaii. Ein regional bekannter Sänger sang versehentlich die erste Strophe des Deutschlandliedes. Damals zeigten die deutschen Teilnehmer und Zuschauer ihre Empörung; die Zuständigen ihre Entschuldigungen. 

Übrigens: Das Ergebnis Deutschland gegen Südafrika war 12:12.

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8 Kommentare

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    Jo mei, seit wann wird bei offiziellen Anlässen die Hymne gesungen? Wird nur instrumental gespielt, kann sich ja keiner erregen, die Melodie ist bei allen Strophen gleich

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    Archangela Gabriele am

    Die Herkunft unseres Deutschlandliedes ist nur noch Wenigen bekannt. Danke für die Erklärung der Bedeutung der ersten Strophe.

    Die zweite Strophe ist noch viel weniger bekannt. Doch gerade sie ist es, die uns kulturell von den Musels abgrenzt und ein "Der Ithlam gehört thu Deutschland" so unmöglich und unsinnig macht.

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    UliLübeck am

    Die Grünen und auch die Sozialdemokraten bemühen sich seit Jahren, ihre weitreichenden Denk- und Sprechverbote in der Gesellschaft zu etablieren. Das kann man doch nicht von irgendeinem hergelaufenen Provinz-DJ unterlaufen lassen. Also her mit dem Skandal – so bleibt man wenigstens im Gespräch……

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    DerGallier am

    Man was haben die Probleme.

    Dies sind DIE Themen mit denen bekannt werden kann.
    Darum geht es doch den Egomanen.

    Follower, Influenzer das sind die Dinge die das Grünland bewegt.
    Den wirtschaftlichen Abschwung juckt keinen mehr.

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      Nachdenker am

      DERGALLIER
      Nicht nur der Abschwung.
      Es regnet nicht mehr. Wenn dass so weitergeht, werden sich die Herrschaften das Problem mit dem Lied noch herbeiwünschen.

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        Archangela Gabriele am

        @Nachdenker
        Wenn ich so rausschaue, dann regnet es hundertfach mehr, als im letzten Jahr. Ein verregneter, ganz normaler Juli.

        Jetzt im Sommerloch ist eben nichts los, aber wieder nur über’s Wetter zu schwadronieren, wirkt abgestanden.

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        Freundin der Natur am

        @Nachdenker
        Es regnet etwas mehr im Norden und offenbar sehr wenig im Süden.
        Ich wohne in Hamburg und hier regnete es bisher gerade eben ausreichend.
        In SH fahren die Bauern offenbar eine gute Getreideernte ein, also hat es wohl genug geregnet.
        Wie es im Osten, Süden und Westen aussieht, weiß ich leider nicht.
        Wo wohnen Sie so etwa?

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