„Bild“ hat die Räuberpistole – COMPACT würdigt Romy Schneider mit einer echten Hommage

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Sex sells, Hitler sells – und beides zusammen lässt die Kassen richtig klingeln. Das dachte sich auch die Bild-Zeitung, die gestern mit einer Räuberpistole über Romy Schneiders Mutter und den „Führer“ aufmachte. COMPACT würdigt die große Schauspielerin hingegen mit einer echten Hommage.

Der Bild-Story zufolge soll Magda Schneider, Romys Mutter und ebenfalls Schauspielerin, vom Set in Hitlers Bett gehüpft sein. Dabei beruft sich das Blatt auf den Tonbandmitschnitt eines Gesprächs von Romy Schneider mit Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer aus dem Jahr 1976, das am 16. September auszugsweise in der TV-Doku Ein Abend mit Romy auf Arte wiedergegeben wird.

Die Sissi-Mimin soll der Feministin demnach gebeichtet haben: „Meine Mutter hatte ein Verhältnis mit Hitler.“ Sie sei sogar fest davon überzeugt, dass Magda Schneider Sex mit dem „Führer“ hatte. Schwarzer hält das „eher für unwahrscheinlich“. Diesem Urteil schließt sich die COMPACT-Redaktion an – und zeigt sich erstaunt über die neuesten Enthüllungen eines Blattes, das doch zuvor schon mal darüber berichtet hat, dass Hitler nur einen Hoden gehabt haben soll. Und nun soll er unter diesen Bedingungen seine leidgeplagte Eva mit Romys Mutter betrogen haben? Kein Kopfkino nach Sissi-Art…

Natürlich widmet sich auch das COMPACT-Magazin der großen deutschen Schauspielerin, die im September 80 Jahre alt geworden wäre. Im Gegensatz zu Bild allerdings in angemessener Form – ohne irgendwelche halbseidenen Schmuddelgeschichten mit Hitler-Bezug.

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In seinem Beitrag „Geliebt, gehasst, verbittert“ in Ausgabe 9/2018 beschreibt Kulturredakteur Jonas Glaser Romy Schneider als empfindsame und sensible Frau, die es letztlich schaffte, ihr Liebes-Mädchen-Image aus der Anfangszeit ihrer Karriere zu überwinden, später jedoch tragischerweise an einem schweren Schicksalsschlag zugrunde ging.

Über ihre Zusammenarbeit mit dem italienischen Meisterregisseur Luchino Visconti ist zu lesen:

Unter seiner Regie spielte Romy 1961 am Théâtre de Paris in John Fords Tragödie Schade, dass sie eine Hure war: Darin hat sie als Lady Annabella eine heiße Liebesbeziehung mit ihrem Bruder Giovanni (Alain Delon). Bald wird sie schwanger. Als der Inzest auffliegt, tötet Giovanni die Schwester, schneidet ihr Herz heraus und verspeist es vor der geschockten Familie. Anschließend begeht er Selbstmord. – Viele Kritiker schimpften über die selten gespielte Vorlage, lobten aber Romys Leistung. Hellmuth Karasek fand sie sogar «wunderbar». Und das Pariser Publikum? Das sorgte für übervolle Kassen: Endlich mal was los auf der Bühne! Ständig ausverkauft, avancierte das Splatter-Drama zum französischen Bühnen-Hit des Jahres.

Und weiter:

Aber Visconti öffnete Romys Rollen nicht nur dem Wild-Triebhaften, sondern auch dem Lasziv-Mondänen: In seiner Episode Der Job für Boccaccio ’70 (1962) verkörpert sie eine launische, tödlich gelangweilte Aristokratin mit dem vielsagenden Namen Pupa (dt. Puppe): Die beschließt, ihrem Leben durch Arbeit einen Sinn zu verleihen. Da sie aber keinerlei Ausbildung vorzuweisen hat, wählt sie den Job als Prostituierte. In der Praxis sieht das so aus, dass ihr Ehemann ab sofort für Sex bezahlen muss… Eine Szene aus Der Job wurde berühmt: Pupa telefoniert mit ihrem Anwalt, erzählt ihm von erotischen Freizügigkeiten moderner Mädchen – und über das eigene Berufsprojekt. Dabei präpariert sie sich fürs Bad: Öffnet und durchwühlt ihr Haar, entledigt sich ihrer Kleidung und betrachtet sich narzisstisch im Spiegel. Die zuvor perfekt Gestylte, von Reißverschlüssen und Knöpfen im Zaum Gehaltene entfesselt sich, wird zum Ebenbild einer hemmungslosen Verführerin, einer Rotlicht-Lady: Eine Häutung, die auch Romys eigenen Imagewechsel im Zeitraffer spiegelt…

Glasers einfühlsame Hommage finden Sie im Kulturteil von COMPACT 9/2018. Demnächst am Kiosk – oder hier vorzubestellen. Übrigens: Wer auf fundierte und seriöse Darstellungen zur Historie wert legt, sollte nicht zur Bild greifen, sondern zu COMPACT-Geschichte. Gibt es auch als Abo. Zur Bestellung einfach auf das Bild unten klicken.

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