Alles #Müllertaxi oder was? Erst vor drei Tagen erteilte Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD) allen Bürgern, die sich nachts auf den Straßen nicht mehr sicher fühlen, den weisen Rat: Dann fahrt doch Taxi. – Damit löste er Spott und heftige Kritik aus.

    Den Bürgern kann man es aber auch nie recht machen, wird sich Berlins Bürgermeister Michael Müller jetzt womöglich denken. Da macht man mal einen konstruktiven Vorschlag und schon kommt der große Aufschrei. Wie sagte doch Ex-Bundespräsident Joachim Gauck so schön: Nicht die Eliten, sondern die EU-Bevölkerungen sind das Problem.

    Viele Menschen glauben sich auf nächtlichen Straßen nicht mehr sicher, haben Angst vor Messerstichen oder Vergewaltugung? No problem, sagte Berlins regierender Bürgermeister vor drei Tagen im Interview mit der Welt. Den erstens ist alles halb so wild und zweitens weiß ich ein gutes Gegenmittel für die Überängstlichen. In Müllers eigenen Worten:

    „No-go-Area heißt: Es gibt Bereiche, in die man sich zu keiner Tages- und Nachtzeit hineintraut, weil man um Leib und Leben fürchten muss. Das haben wir in Berlin nicht. Was es hier allerdings (…) gibt, sind Gegenden, in denen man sich zu später Stunde lieber ein Taxi nimmt als alleine zu Fuß unterwegs zu sein.“

    Und für diesen gut gemeinten Rat, dessen Befolgung auch für weitere Arbeitsplätze (im Taxi-Business) sorgen würde, erhält der arme Müller aber nur Prügel. Mancher glaubte gar an ein Remake des Marie Antoinette-Spruchs: “Wenn das Volk kein Brot hat, warum isst es keinen Kuchen?”

    Müller Taxi
    Screenshot Twitter

    Ein “Darth Monchichi” spottet auf Twitter: “Ich jogge allein, bis 20 Schritte vor mir eine junge Läuferin einbiegt. Wir haben das gleiche Tempo, denselben Weg. Sie blickt sich um, weiß, dass ich hinter ihr bin. Ich tue, was ein Mann tun muss. Ich brülle ihr zu, sie soll sich ein #Müllertaxi rufen. Paranoide Zippe.”

    Ebenso twittert “Houelle Beck”: “Ich finde es ja voll super von unserem Bürgermeister, dass sich die Oma mit dem Rollator jetzt in #Neukölln auf #SPD -Kosten sicher mit dem #Müllertaxi zur nächsten Lidl – Filiale fahren lassen kann. Das nenn ich Mal #sozialeGerechtigkeit. 👍”

    Auch Kollegen lassen den armen Bürgermeister nicht in Ruhe: Marcel Luthe (40, FDP) definiert: „Kernaufgabe des Staates ist es, für die Sicherheit der Bürger zu sorgen.” Seine Folgerung: “Wenn die SPD glaubt, das nicht zu schaffen, ist sie nicht regierungsfähig.“ CDU-Fraktionschef Florian Graf (44) beleuchtet die ökonomische Seite des Vorschlags: „Der rot-rot-grüne Senat muss sich fragen lassen, ob er den Berlinern lieber das Taxi bezahlt, statt sie mit mehr Polizei vor Kriminalität zu schützen.“

    AfD-Chef Georg Pazderski (66) argumentiert mit der Befindlichkeit der Bürger: „Der Regierende Bürgermeister hat so für Sicherheit zu sorgen, dass sich die Bürger auch nachts bewegen können. Dass Berlin nicht mehr so sicher ist wie vor zwanzig Jahren, ist ein Gefühl, das viele Bürger haben.“

    Neun Orte in Berlin gelten laut Polizei als kriminalitätsbelastet: Alexanderplatz, Leopoldplatz, Schöneberg-Nord (im Bereich Nollendorfplatz), Görlitzer Park, Warschauer Brücke, Kottbusser Tor, Teile der Hermannstraße, Hermannplatz sowie ein kleiner Bereich der Rigaer Straße.

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