Beamte, Banditen und Bandidos

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Mitarbeiter von Sicherheitsbehörden, die zu Straftaten anstiften – das kennt man aus der Neonazi-Szene. Ein Prozess in Nürnberg zeigt, dass dies offenbar auch bei V-Mann-Einsätzen im Rocker-Milieu vorkommt. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den Zustand des Rechtsstaates.

_ von Lukas Obermayr

Was derzeit vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verhandelt wird, hat das Zeug zum Skandal: Sechs zwischenzeitlich vom Dienst suspendierte, teils hochrangige Beamte des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) müssen sich wegen Diebstahls in mittelbarer Täterschaft, Strafvereitelung im Amt, Betrugs und uneidlicher Falschaussage verantworten. Dem Prozess liegt ein aus dem Ruder gelaufener V Mann-Einsatz zugrunde. Informant Mario W., der auf das Regensburger Chapter des Rockerclubs Bandidos angesetzt war, brachte den Stein 2015 durch Aussagen in seinem eigenen Verfahren vor dem Landgericht Würzburg ins Rollen.

Die Anklageschrift gegen die LKA-Leute listet zahlreiche Vorwürfe auf, die es in sich haben: Der aus Sachsen stammende Mario W. hatte im September 2011 seine V-Mann-Führer über einen geplanten Diebstahl von Minibaggern und anderem Baugerät in Dänemark informiert. Die Beamten sollen ihn dann zur Mitwirkung an der Straftat animiert haben, wofür er eine Aufwandsentschädigung von 1.110 Euro bekommen habe. Nicht nur, dass diese Tat nicht verhindert werden sollte, man wollte sie sogar mittels manipulierter Berichte und falscher Aussagen decken – so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Einer der Angeklagten, Kriminaldirektor Mario H., Vorgesetzter des V-Mann-Führers von Mario W., dem laut Anklage «die Gesamtverantwortung des VP-Einsatzes» oblag, stellte sich dem Gericht als «bayerischer Spitzenbeamter» und «leistungsstark» vor. Behördenintern hat er den Spitznamen «Super Mario», was aufgrund der dilettantischen Vorgehensweise in Sachen Bandidos eher wie Satire anmutet. Ein Hansdampf in allen Gassen ist er auf jeden Fall – schließlich oblag ihm laut Süddeutscher Zeitung die Leitung jener Sonderkommission, die sich nach Wiederaufnahme der Ermittlungen 2015 mit der Aufklärung des Oktoberfestattentats von 1980 befasste.

Der bayerische Sumpf

Das Legalitätsprinzip verbietet es Beamten nicht nur, V-Leute zu Gesetzesverstößen anzuhalten, sondern auch, solche lediglich kenntnisnehmend zu dulden. Beim LKA Bayern kümmerte man sich darum offenbar wenig und ließ sich die Tätigkeit hafterfahrenen V-Mannes – der unter anderem seiner arbeitslosen Tochter Drogen aus Tschechien zum Verticken besorgt hatte – einiges kosten. Für seinen Einsatz beim Bandidos MC Regensburg habe er einen geleasten Mercedes, eine Tankkarte und eine Harley Davidson bekommen, sagte Mario W. aus. Zudem habe es 15 Euro die Stunde gegeben, wenn er als Fahrer für Bandidos-Chefs unterwegs war, und sogar 30 Euro, wenn es zu gemeinsamen Club-Aktivitäten ging. Mit der vom LKA geleasten Limousine soll er rund 87.000 km gefahren sein, wobei Mario W., der in Rockerkreisen bezeichnenderweise nur unter seinem Spitznamen «Honecker» bekannt war, nach Informationen von COMPACT den Bandidos nicht länger als ein Jahr angehörte und niemals über den Status eines Prospects, also Anwärters, hinauskam.

Neben dem Baggerdiebstahl in Dänemark hatte Mario W. wohl noch andere «Auslandseinsätze». So soll er 4.600 Euro für 170 Stunden im Rahmen einer Fahrt nach Rumänien erhalten haben. Bei dieser Tour handelte es sich, wie COMPACT erfuhr, um den Besuch einer Veranstaltung, bei der eine Auseinandersetzung mit den konkurrierenden Hells Angels nicht auszuschließen war. Glaubt man dem V-Mann, waren die nun in Nürnberg angeklagten LKA-Beamten ziemlich schmerzfrei, was die strafrechtliche Ebene betrifft.

Zwar handelte sich Mario W. Ärger mit seinen Führungsbeamten ein, weil er wegen eines Drogendelikts aufgegriffen wurde, doch – so seine Version – sah man das Problem nicht im Delikt an sich, sondern darin, dass er erwischt worden war. Angeblich sei ihm seitens der Beamten sogar geraten worden, den Stoff in der Stoßstange des Wagens zu deponieren, um die Schuld gegebenenfalls auf einen unbekannten Dritten zu lenken. Möglicherweise hätte bereits der Würzburger Prozess gegen den Informanten mehr Licht ins Dunkel bringen können, wenn nicht vom bayerischen Innenministerium die Herausgabe der V-Mann-Akte verweigert worden wäre. Verantwortlich hierfür war CSU-Staatssekretär Gerhard Eck, dem nachgesagt wird, mit der Gattin eines Kriminalhauptkommissars – einer Parteifreundin – gut bekannt zu sein.

Dies war ein Textauszug. Den kompletten Artikel lesen Sie in COMPACT 1/2018: „2018-2048: Kampf ums Abendland – Sind wir noch zu retten?“ Die erhalten Sie am gut sortierten Kiosk – oder Sie bestellen das Heft hier.

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18 Kommentare

  1. armin_ulrich am

    Man sieht die Aufnäher*in auf den Kutten der Bandidos: 1%.

    Ich finde die Polizisten dieses Landes sollten eine Aufnäher*in tragen mit "8%"
    Wissen Sie warum???
    Darum:
    In diesem Spiegel-Artikel:
    Wenn Frauen in Deutschland eine Vergewaltigung anzeigen, kommt es laut einer Studie nur in wenigen Fällen zu einer Verurteilung. Einer der Gründe: die Arbeitsüberlastung von Polizei und Staatsanwaltschaft."
    Hier lohnt sich das Lesen des Spiegel-Artikels
    Ich finde, die Polizisten und Staatsanwält*Innen sollten einen Aufnäher tragen mit 8%
    so als Zeichen der Solidarität mit den Opfern…..

    • armin_ulrich am

      Ach noch vergessen:
      "Vor 20 Jahren hätten 21,6 Prozent der Frauen, die eine Anzeige erstattet hatten, die Verurteilung des Täters erlebt – 2012 seien es nur noch 8,4 Prozent gewesen, sagte Forscher Christian Pfeiffer. Einer der Gründe sei die Arbeitsüberlastung bei Polizei und Staatsanwaltschaft."
      um die Tendenz aufzuzeigen
      Doch weiter:
      "In der am Donnerstag präsentierten Studie zeigten sich Unterschiede in den Bundesländern: Die Erfolgschancen einer Anzeige unterscheiden sich demnach um das Sechsfache. "Gleiches gilt im Hinblick auf das Risiko der betroffenen Frauen, in ihrem sozialen Umfeld aufgrund einer gescheiterten Anzeige als Verliererin oder gar als Lügnerin dazustehen""
      Das heißt man kann, wenn man will …..

  2. Diese ganzen sogenannten Motoradgangs sind Schwerverbrecher und wenn ich Innenminister wäre, dann wüßte ich, wie ich gegen diese Dreckschweine vorgehen würde, Auge um Auge, Zahn um Zahn !

    Die säen Gewalt und die kann man auch nur mit Gewalt bekämpfen ! Ums Motorradfahren gehts doch denen gar nicht mehr. Wenn ich könnte, würde ich Euch alle platt machen … so etwas wie Euch brauchen wir hier nicht. Die Russenrocker sind wenigstens noch für Putin, ihr nur für Nutten, Drogen, Waffenhandel usw.

  3. 0ptimist und Querdenker am

    Hochkrimineller Abschaum bei der Bullerei, ich könnte darüber ein Buch schreiben,da ich persönlich betroffen war und noch bin und glauben sie mir, ich bin kein Rocker und Krimineller, es reicht schon diesem Abfall die Wahrheit zu sagen und sich zu wehren!

    Da ist von Diebstahl, Körperverletzung/ Mißhandlung unterschieben von Beweismitteln zur Kriminalisierung, Zwangseinweisung in die geschlossene Psychiatrie usw., also das volle Programm der Stasirichtlinie Nr.1/76, MfS Nr. 100/76 alles drin und das nicht in Bayern, sondern im Land des Sachsensumpf!

    • 0ptimist und Querdenker am

      Corr: Sollte heißen/ Ich bin kein Rocker oder Krimineller, …

  4. "… Kriminaldirektor Mario H., Vorgesetzter des V-Mann-Führers von Mario W. …"

    Haben die bei der sächsischen Bullerei irgendwie ein … Problem mit ihren ‚Marios‘? Gibts da nicht auch noch genügend Luigis, Paolos, Vencenzos, Allessandros etc.??

  5. Ja, wie es halt meistens so geht wenn Beamte angeklagt sind. Egal welches Ausmaß der Straftaten von Anlagebetrug bis Zollvergehen. Immer 11 Monate auf Bewährung, damit der Beamtenstatus nicht verloren geht. Hauptsache nicht vorbestraft und die Pensionsansprüche weg!
    In Franken nannte man früher die Polizei: „D‘Schmier“ von Schmieren.

  6. Friedrich von Steubendorf am

    Verantwortlich für all das ist wieder einmal der Oberamigo, der immer selbstgefällig in sich hineinlächelnde Innenminister CSU-Hermann.

    Bin ich froh, dass ich nicht in Bayern, sondern in Deutschland lebe!

  7. DerSchnitter_Maxx am

    Die Korruption at its best, in all seinen Facetten in jeder, Spalte, Ritze und auf jeder Ebene … "mit" oder ohne Demokratie !

  8. Drachentöter am

    Haben wir früher immer gehört * pass gut auf in der Schule, damit was ordentliches lernst und eine gute Arbeit findest* gilt heute alles Quatsch, werde besser V Mann da verdient man mehr. 15 Euro Stundenlohn, da reibt sich so manch ein Arbeiter in der Dienstleistungsbranche verwundert die Augen. Von 30 Euro und Mercedes kann so manch ein Arbeiter nur träumen. Ist ja unfassbar bei was es so alles IM ähm V Leute gibt. Mielke würde im Grabe rotieren wenn er wüsste was heute so los ist in Sachen IM

  9. Dies ist sicher keine Erscheinung der BRD Endzeit.
    Einen Spitzel zu installieren braucht Zeit, in einem
    Jahr auf Ergebnisse aus zu sein ist Quatsch.
    Gewisse Dinge müssen halt hingenommen werden,
    denn Rockerbanden sind keine Klosterschüler.
    Blütenreine V-Männer gibt es in dieser Gesellschaft
    nicht. Sauber wären nur eine Methode, alle verhaften
    und einsperren.
    Einen Drogenring bekämpft man am besten in dem
    man sich Zeit läßt. Händler enttarnen, Käufer listen,
    Kurierkanäle und Anlaufpunkte aufklären, listen und
    überwachen, dann aufrollen.
    Einfacher ist es Drogenkonsum unter Strafe zu stellen,
    hart und Flächendeckend säubern, einen Schwerpunkt
    säubern, dann den Nächsten. In Deutschland würde
    dies mit Maßnahmen gegen Geldwäsche rasch den Handel
    absterben lassen.

    Mit besten Empfehlungen, Raubautz 4

    P.S. War die Spitze der bayerischen Regierung nicht über
    den geplanten Oktoberfestanschlag unterrichtet ?

    Kam das eingesetzte Material aus dem vorgelagerten Gladio
    Einsatzdepots in der Heide oder aus dem Gladio Hauptdepot
    im Weserbergland ?

  10. Sind in diesen Vereinen überhaupt noch Deutsche . Oder überhaupt noch welche mit Motorrädern .

    • Karl Blomquist am

      @schlesier
      Doch. Natürlich! Darum geht’s ja gerade. Gerade deswegen geht das Regime der FDJ-Agitprop-Sekretärin ja so sehr gegen bestimmte Clubs vor. Selektive Justiz. Eben weil dort Deutsche sind. Die türkischen und arabischen Verbrecherbanden mit ihrer düsteren Parallelwelt lässt man gewähren. Man deckt sie sogar, z.B. durch Erfindung eines "NSU"-Märchens. Und anschließend absurdes Theater am Oberlandes-Schauspiel unter Leitung der Alpen-Götzi. Was das Regime und seine transatlantischen Strippenzieher/USA/Hochfinanz auf keinen Fall wollen, sind unabhängige deutsche Strukturen, die in der kommenden Notzeit Widerstand oder Selbstversorgung oder gar die Sicherheit des Volkes organisieren könnten.

      • @ KARL BLOMQUIST
        So weit ich weiß , sind aber Motoradclubs schon unterwandert von Türken , Arabern und sonstigen Menschengeschenken , die zu dämlich zum Motorrad fahren . Die nutzen das nur als Deckmantel für ihre hochkriminellen Machenschaften .

  11. Die Aktivitäten von Bandidos und Co. sind recht überschaubar, und halten sich daher in strikten Grenzen (Milieu), die niemanden betrifft, der das nicht will oder die Grenzen aufsucht.
    Daher ging für mich noch nie eine Gefahr von Rockern aus. Umso mehr wundere ich mich, wieviel Ressourcen immer noch bei der Überwachung der Gruppen einfliessen, sprich verplempert werden. Anscheinend brauchen die Sicherheitsbehörden die Kuttenträger als Boxsack-Ersatz. Immer wenns in der Öffentlichkeit mit der Sicherheit aus dem Ruder läuft, entsinnt man sich eines Chapters welches zu durchsuchen gilt. Man hat ja Anschriften und Informanten die dies erleichtern. Für den bei uns stattfindenden Strassenkampf haben die Verantwortlichen leider kein Konzept. Sind schon echte Helden, unsere Kripomaten.

  12. wenn das in BY schon so Zustände sind kann sich Dodo denken, wie es in Nordrheinislamien, Bürlün und Hamasburg zugehen wird.

  13. Michael Höntschel am

    Ja, wenn wir die übereifrigen und nach Erfolg gierenden Dienste und die von Herrn Pfeiffer so liebevoll umsorgten „Jungen Kerle“, ich hätte ja lieber „Lausbuben“ gesagt (dass würde den bestialischen Morden und Vergewaltigungen durch „Junge Kerle“ noch etwas mehr an Schärfe nehmen) nicht hätten, gebe es eine große Entlassungswelle bei Polizei und Justiz. Seien wir also dankbar, wir hatten selten eine so geringe Erwerbslosigkeit wie heute.

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