Die Produktionsfirma von Babylon Berlin will die COMPACT-Geschichtsausgabe zu den historischen Hintergründen der Kult-Serie verbieten lassen. Mit ihrem Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung sind die Verantwortlichen jedoch vorerst nicht durchgekommen. Nun wurde ein Haupttermin  anberaumt: 30. August 2022. Sichern Sie sich hier noch schnell ein Exemplar, bevor der Zensurhammer möglicherweise doch noch fällt.

    So eindeutig wie es die Anwälte der Produktionsfirma von Babylon Berlin sehen, ist die Sache offenbar nicht: Das Landgericht Berlin ist dem von ihnen eingereichten Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung gegen COMPACT fürs erste nicht nachgekommen. Stattdessen wurde ein Haupttermin zur mündlichen Verhandlung anberaumt: Die findet am Dienstag, 30.8.2022, ab 9:30 Uhr im Sitzungssaal 2601, 2. Etage, Littenstraße 12–17, 10179 Berlin, statt.

    Damit hat COMPACT einen Teilerfolg errungen – und wir können Ihnen COMPACT-Geschichte „Babylon Berlin – Historische Hintergründe der großen Kult-Serie” noch mindestens diesen Monat – august 2022 – anbieten. Sichern Sie sich am besten heute noch ein Exemplar von der inzwischen heißbegehrten Ausgabe, denn ob wir bei der Hauptverhandlung Recht bekommen werden, ist ungewiss.

    Fragwürdige Argumente

    Die Babylon Berlin-Produzenten haben gegenüber dem Landgericht ein ganzes Potpourri an vermeintlichen Gründen für ihre Klage vorgebracht: Das reicht von der Behauptung, wir würden eine Art offizielles Merchandise-Produkt der Serie anbieten, über angebliche Unternehms- und Markenrechtsansprüche bis zur Copyright-Anmeldung hinsichtlich der verwendeten Fotos. Daher beantragten Sie mit Schriftsatz vom 14.7.2022 den Erlass einer Einstweiligen Verfügung gegen uns.

    Dagegen haben unsere Anwälte eine sogenannte Schutzschrift eingereicht und beantragt, den Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung abzuweisen und gegebenenfalls ein Verbot von COMPACT-Geschichte „Babylon Berlin” zurückzunehmen.

    Joseph Goebbels als Berliner NS-Gauleiter. Ausschnitt aus einem Intro-Bild in COMPACT-Geschichte „Babylon Berlin“. Foto: Repro COMPACT

    So heißt es in unserer Schutzschrift unter anderem, dass wir mit COMPACT-Geschichte „Babylon Berlin” keinesfalls eine Art Fan-Produkt veröffentlicht, sondern darin „eine kritische Auseinandersetzung” mit der Serie vollzogen haben, indem wir auch „Schwachstellen der Serie (…) aufgezeigt und die in dem Werk gezeigten Personen mit den historischen Personen abgeglichen” haben, was gemäß § 51 Nr. 2 UrhG zulässig ist.

    Was die angeblich unrechtmäßige Verwendung der Fotos anbelangt, haben unsere Anwälte darauf hingewiesen, dass wir uns vor Produktion von COMPACT-Geschichte „Babylon Berlin” ordnungsgemäß im Pressebereich von Babylon-Berlin.com registriert und dort den laut AGB redaktionell verwendbaren Bildern beantragt haben. „Die Antragstellerin stellt unter dieser Adresse Bildmaterial zur Verfügung, an denen sie behauptet, Reche zu haben”, schreiben unsere juristischen Vertreter.

    Zudem heißt es in der Schutzschrift von unserer Seite: „Die Antragsgegnerin {gemeint ist COMPACT} hat sich ferner aus dem Pressebilddienst der ARD bedient. Sie hat einen Presseaccount beantragt, der genehmigt wurde. Das dort bereitgestellte Material hat die Antragsgegnerin gem. den allgemeinen Geschäftsbedingungen des Pressebilddienst der ARD verwandt.”

    Verbot noch nicht vom Tisch

    Diese und andere Argumente, die wir vorgebracht haben, waren offenbar insofern schon mal überzeugend, als dass das Landgericht Berlin dem gegnerischen Antrag auf sofortigen Erlass einer Einstweiligen Verfügung nicht gefolgt sind (wie das in solchen Verfahren zu Copyright-Fragen üblich ist), sondern einen Haupttermin vor Gericht anberaumt hat, bei dem beide Seiten ihre Argumente vortragen können. Schon in dieser Verfügung vom 21. Juli 2022 lässt das Gericht Zweifel an der Argumentation der Babylon Berlin-Produzenten durchblicken. So bemängelt die Kammer unter anderem Unklarheiten bei der Zuordnung der verschiedenen Streitgegenstände sowie der Geltendmachung von Urheberrechtsansprüchen.

    Das ist zweifelsohne ein erster Teilerfolg für COMPACT, denn anders als von der Gegenseite intendiert, ist es uns weiterhin erlaubt, COMPACT-Geschichte „Babylon Berlin – Historische Hintergründe der großen Kult-Serie” anzubieten. Jedenfalls noch bis zum 30. August.

    Damit ist die Sache aber längst noch nicht in trockenen Tüchern, denn wie heißt es noch so schön: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Ob wir am Ende Recht bekommen werden, ist noch ungewiss. Sollten Sie die im wortwörtlichen Sinne umstrittene Geschichtsausgabe noch nicht haben, sollten Sie jetzt zuschlagen, bevor der Verbots-Hammer vielleicht doch noch zuschlägt.

    In wenigen Wochen startet die nächste Staffel von Babylon Berlin! Holen Sie sich jetzt die Ausgabe, die man aus dem Verkehr ziehen möchte: COMPACT-Geschichte: „Babylon Berlin – Historische Hintergründe der großen Kult-Serie“ – das sind 82 Seiten voller Querdenken, Subversion, Politik- und Filmgeschichte. Hier bestellen – BEVOR  ES  VERBOTEN  WIRD.

    8 Kommentare

    1. Rudolf Eucken an

      Warum mischt sich Compact wiederholt unmittelbar in TV-Sendungen ein? Das sieht aus wie bei Neurotikern, die sich lebenslang an psychologischen Entsprechungen schlechter Eltern abarbeiten und Energie verschwenden. Nützt die Energie, um Compact-TV noch besser zu machen! Solche Gegner wie offizielles TV ignoriert man, statt sie durch Thematisieren zu verbedeutsamen.

    2. Dieser Teilerfolg freut mich und ich hoffe es wird ein Vollerfolg, auf das die Babylon-Berlin- Ausgabe weiterhin angeboten werden darf und vielleicht ausverkauft ist, aber auch unverändert nachgedruckt wird und weiterhin kräftigen Absatz findet. Hiermit wünsche ich erst einmal der COMPACT-Redaktion einen HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!!! BLEIBT WIE IHR SEIT UND MACHT WEITER SO!!! mfg möller

    3. Schaun mer mal an

      Was ist mit solchen Sätzen gemeint:
      Die INHALTE dürfen ausschließlich zur Bewerbung der Serie und nicht in anderem Zusammenhang genutzt werden. Insbesondere die Bewerbung fremder Produkte, die Einbindung in Publikationen jeglicher Art sowie die Trennung von Bild und Ton ist untersagt.(AGB-
      Babylon-Berlin.com)
      *nicht, dass da noch jemand (versuchte) Geschäftsschädigung draus dreht!? "… keinesfalls eine Art Fan-Produkt veröffentlicht, sondern darin „eine kritische Auseinandersetzung” mit der Serie vollzogen haben, indem wir auch „Schwachstellen der Serie (…) aufgezeigt und…", auch gegnerische Anwälte sind meistens schlau…)

      „Die Antragstellerin stellt unter dieser Adresse Bildmaterial zur Verfügung, an denen sie behauptet, Reche zu haben”, schreiben unsere juristischen Vertreter."
      *Ob das tatsächlich so klug war? Wer Bilder und Co von Dritten verwendt sollte schon sicher sein, dass der Anbieter dazu auch legitimiert ist. (wobei Babylon-Berlin.com sicherlich kein Legitimations-Harakiri begehen wird)

    4. Also diesmal kein Justizskandal, keine Diktatur, keine sofortige Bücherverbrennung? Juristisch einwandfrei wie es sich in einem Rechtsstaat gehört? Pressefreiheit gewahrt?

      • Putins Freund an

        Woher willst d u denn wissen, was juristisch einwandfrei ist? Bei dir sind Entscheidungen einwandfrei, wenn sie dir passen. So denkt jeder Bunzelbürger. Verbietet das Gericht der Jutta, den Jürgen als "glühenden Antisemiten" zu bezeichnen , ist das Urteil gut, gerecht, rechtsstaatlich, tralala . Hätte es der Jutta Recht gegeben , wäre der Jauche-Kübel ausgegossen worden.
        Daß eine vorläufige Anordnung abgelehnt wurde , bedeutet lediglich , daß das Gericht meint, die Interessen der Antragstellerin wären durch Zeitablauf nicht irreparabel gefährdet . Ein Hinweis für die Entscheidung im Hauptverfahren ist das i.d. R. nicht .
        Ein Urteil fällt in dem Termin nicht, der wurde nur anberaumt, weil die streitenden Parteien sich in ihren Schriftsätzen nicht hinreichend geäußert haben.

        • Putins Freund an

          P.S. : Vielleicht auch deshalb , weil das Gericht hofft, die Pr0zeßgegner zu einem Vergleich überreden zu können, spart viel Arbeit.

        • Krieg dich ein, war doch als Fragenkatalog formuliert. Im Prinzip das gleiche wie deinereiner gemeint, nur schlitzohriger.

    5. Friedenseiche an

      Wenn man Mal in Gottes Hand Ware vor Gericht ich hab meist gedacht ich sei in der Hölle angekommen. Weiterhin viel Erfolg euch dort!