August Baron von Finck – Big Brother der AfD

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August Baron von Finck steht mit 8,7 Milliarden Dollar Privatvermögen auf der Forbes-Liste der 150 reichsten Menschen unseres Globus‘. Er residiert auf Schloss Weinfelden im schweizerischen Thurgau und kann deutsche Politiker der etablierten Parteien nicht leiden. Seine Abneigung gegen Merkel und die Grünen ist legendär, wenngleich er nur selten darüber spricht.

Ebenso wenig Sympathien bringt der Adlige für den Euro auf. Die Spur der neuesten Spendenaffäre in der AfD führt in die Schweiz, just zu dem Mann, der seit dem Tod von Franz Joseph Strauß (CSU) sich seines letzten Hoffnungsträgers deutscher Politik beraubt sah. Zutiefst frustriert vertrat er in einem kleinen Kreis superreicher Kollegen den Standpunkt, dass man machen könne, was man wolle, der Staat würde, wenn er sich weiter so entwickle, das Land vernichten.

Wie es scheint, hatte der heute 89-jährige Merck Finck & Co-Banker zumindest mit seiner damaligen Prognose nicht ganz Unrecht. Seine wachsende Unzufriedenheit mit deutschen Politikern entwickelte sich zu einer regelrechten Antipathie gegen die Roten und Grünen, aber auch gegen die CDU. In den Jahren 2008 bis 2009 hatte er die Hoffnung, mit der FDP noch etwas reißen zu können. Spenden über eine Vermögensverwaltung von mehr als einer Million flossen verdeckt in die FDP und bescherten Westerwelle dank seiner gut gefüllten Wahlkampfkasse mit 14,5 Prozent das beste Wahlergebnis aller Zeiten.

Logierte und dinierte die FDP, die Mövenpickpartei, auf Kosten des Barons in dessen Hotel?

Fortan übernachteten und speisten FDP-Politiker vorzugsweise bei Mövenpick, da der generöse Geldgeber gleichzeitig auch Mehrheitseigner der bekannten Hotelgruppe war. Hämisch bezeichnete die Opposition die FDP als Mövenpickpartei. Was damals unter Parteibonzen noch wohlgelitten war, nämlich die Entgegennahme von kleinen Spenden, nahm als Sprichwort pecunia non olet“ zunehmend unangenehmen Geruch an und wurde immer mehr zur geheimen Kommandosache. Nun ja, der Kampf um Geldgeber war schon immer ein hartes Geschäft.

Alexander Gauland, faction leader AFD, hugs Alice Weidel | Foto: photocosmos1, Shutterstock.com

Doch von Finck ist längst der Geduldsfaden gerissen. Hat er bis vor wenigen Jahren noch, wie gesagt, mit seinen Finanzzuwendungen die FDP und auch die CSU unterstützt, scheinen seine Sympathien nun Alice Weidel und der AfD zu gelten. Und was man mit einem Milliardenvermögen alles bewirken kann, das weiß der passionierte Jäger, der in einer Nacht-und-Nebel-Aktion sein Bankhaus an die britische Barclays verscherbelte, nichtsdestoweniger aber an Dutzenden Konzernen und Unternehmen wie Münchner Rück, Alusuisse Lonza oder Oerlikon Bührle beteiligt ist. Auch ein großer Pharmakonzern zählt zu seinem Portfolio.

Die Tatsache, dass sich die Parteibosse der Grünen und der Roten besonders echauffieren, ist nicht etwa der Spendenzuwendung selbst geschuldet. Vielmehr schwant diesen Parteinullen, dass der Milliardär mit Hang zu bürgerlich-konservativen Politikern einen sehr langen Arm hat. Sie wissen nur zu gut, dass der gewitzte Baron auch über andere, unauffällige Kanäle verfügt, die es ihm ermöglichen, die AfD nicht nur zu unterstützen, sondern finanziell massiv stärken könnte.

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Von Finck, das ist inzwischen bekannt, hat im Wesentlichen die Gründungsphase der Alternative für Deutschland finanziert. Man darf davon ausgehen, dass die Parteiendiffamierung und -diskreditierung nicht mehr allzu lange andauern wird, so meine Prognose, zumal gerade Geld schon immer ein Regulativ darstellte.

Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

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