#Aufstehen: So wird das nichts, Sahra!

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Jürgen Elsässer spricht auf der AfD-Sozialkonferenz am 1. September zur Wagenknecht-Bewegung „Aufstehen!“

Es ist ein Hype wie zuletzt bei Schultz: Nach St. Martin soll jetzt die Heilige Sahra die darniederliegende Linke aus dem Jammertal führen. Wieder rauscht der Blätterwald, und im Internet erfrischt sich die Fangemeinde im prasselnden Like-Regen. Aber kann die virtuelle Begeisterung auch auf die analoge Welt durchschlagen? Kann Sahra über Wasser gehen?

Natürlich hat die gute Frau meine Sympathie – ganz im Unterschied zu Schultz, der schon immer ein verlogener EU-Knecht war. Innerhalb der Linken hat sie eine Lanze für die Restvernunft gebrochen und gesagt, was das Mindeste im Interesse der viel beschworenen Arbeiterklasse ist: Wer die Löhne und den Sozialstaat schützen will, muss gegen offene Grenzen sein – darüber fluten nämlich die Billiglöhner und Sozialschmarotzer nach Deutschland. Ihr Satz „Wer das Gastrecht missbraucht, der hat das Gastrecht verwirkt!“ ist das zivilisatorische Minimum – und dass sie deswegen innerhalb ihrer eigenen Partei als Nazi beschimpft wurde, spricht Bände über deren Verkommenheit.

Wenn sie also jetzt zusammen mit ihrem Mann Oskar Lafontaine etwas Neues aufzieht, ist das im Grundsatz zu begrüßen. Björn Höcke hat sie schon auf der COMPACT-Konferenz im November daran erinnert, dass Lenin in einer vergleichbaren Situation keine Angst vor einer Spaltung seiner Partei hatte. Das Problem ist nur: Sahra will den Bruch nicht. Deswegen ist ihre Bewegung nicht Fisch, nicht Fleisch. Sie wäscht den Genossen den antinationalen Pelz, ohne sie nass zu machen. Konkret: Sie kritisiert die offenen Grenzen als Ausgeburt des Globalkapitalismus – aber fordert nicht deren Schließung.

Auf der Webseite von „Aufstehen“ findet sich ein Sammelsurium der Unzufriedenen – es gibt selbst Stimmen, die im Antifa-Sprech den deutschen „Rassismus“ beklagen. Umgekehrt fehlen Deutsche, die Opfer von Ausländergewalt wurden. Wie will man das zusammenbinden? Wo ist der Fokus der Unzufriedenheit? Sahra vermeidet jede Festlegung, in der Hoffnung, alles einzusammeln. Von jedem Dorf ein Hund? Das kann nicht klappen.

Die Anklänge an die AfD-Argumentation, mit denen sie zwischenzeitlich für Aufsehen sorgte und Zustimmung bis weit hinein in die AfD-Wählerschaft erzielte, hat sie bei „Aufstehen!“ schamhaft zurückgefahren – obwohl sie diese, wenn sie tatsächlich im Volk punkten wollte, hätte ausbauen müssen. Erfolg hätte ein Querfront-Projekt, wenn man linken Antikapitalismus mit rechtem Patriotismus kombiniert, wie das Höcke immer stärker versucht. Die geeigneten Bündnispartner dafür wären bei der SPD zum Beispiel Thilo Sarrazin und Heinz Buschkowsky. Statt diese mit ins Boot zu nehmen oder wenigstens offensiv anzusprechen und zu loben, bemüht sich Sahra aber nur um die Gewerkschaftslinke mit SPD-Parteibuch. Das sind dieselben Leute, die AfD-Sympathisanten aus der IG Metall werfen…

COMPACT-Magazin Aboprämie Nie zweimal in denselben Fluss Höcke im Gespräch mit Hennig

Aus der AfD habe ich bisher noch keine Stellungnahme zu „Aufstehen“ gelesen – aber vielleicht habe ich auch etwas übersehen. Jedenfalls will ich die Sozialkonferenz der AfD am 1. September in Neuenhagen bei Berlin dazu nutzen, in meinem Redebeitrag die Diskussion zu befeuern. Die AfD muss auf die Wagenknecht-Offensive eine Antwort finden, sonst knabbert ihr die schöne Sahra am Wählerkuchen… Bin gespannt, wie sich die anderen Redner – unter anderem Andreas Kalbitz (Landesvorsitzender Brandenburg, MdL), Martin Reichardt (Landesvorsitzender Sachsen Anhalt, MdB), Corinna Miazga (MdB, Bayern), André Poggenburg (MdL, Sachsen Anhalt), Jessica Bießmann (MdA, Berlin), und Oliver Hilburger (Betriebsrat bei Daimler-Benz) dazu einlassen.

Samstag, 01.09.18 | 11 bis 18 Uhr (Einlass ab 9:30 Uhr), 15366 Neuenhagen bei Berlin, Bürgerhaus, Hauptstraße 2. Eintritt frei! 

Aus dem Aufruftext der AfD Märkisch-Oderland: „Sozialer Frieden und innere Sicherheit stehen auf dem Spiel! Bricht das Sozialgefüge auseinander, stehen wir zukünftig vor massiven Problemen. Unsere Bürger brauchen und wollen Sicherheit! Dies ist das Ziel unserer Arbeit in den Parlamenten und vor Ort, bei den Bürgern. Dafür steht die AfD als zukünftige Volkspartei. Wir fordern umgehend die Schließung der Grenzen, die schnelle Ausweisung widerrechtlich Eingereister, die sich den Aufenthalt in Deutschland erschlichen haben. “

 

Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

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