Der Feminismus ist am Ende und hat der neuen patriotischen Frauenbewegung auch ästhetisch nichts mehr entgegenzusetzen. Während die linken Emanzen im Kampf gegen das Patriarchat immer neue Tiefpunkte politischer Hässlichkeit erreichen, erfinden ihre konservativen Geschlechtsgenossinnen die politische Erotik von morgen. Lesen Sie dazu den ausführlichen Artikel Aufstand der Schönheit in der aktuellen COMPACT 4/2018. Es folgt ein Auszug:

    _von Marc Dassen

    Sie schreien, schwitzen und grölen. Über ihren halbnackten Leibern spannen sich Kompositionen zwischen Karnevalskostüm und Fetisch-Outfit. Wild umherfuchtelnd toben sie im Halbdunkel aufeinander zu, wälzen sich auf dem Boden, keifen und zerren aneinander. Bizarre, clownsartige Gesichter werden von den Kameraobjektiven eingefangen:

    Willkommen im Fight Club – für Frauen! Und Willkommen zur Freak-Show, die heute unter dem Begriff Dritte-Welle-Feminismus die Speerspitze des linken Widerstands gegen die angeblichen Übel unserer Zeit darstellt: Faschismus, Rassismus, Sexismus…bli, bla, blubb…

    Die erste Regel des Fight Club, zumindest im namensgebenden Film, lautet: «Ihr verliert kein Wort über den Fight Club.» Das wäre auch hier ratsam gewesen. Femme Feral – also ungezähmte Frau – heißt der «queere» Nahkampf-Verein, der von den «Künstlerinnen» Phoebe Patey-Ferguson and Anna Smith kurz nach dem Brexit-Votum im Osten Londons gegründet wurde. Er soll «Frauen und sich als Frauen identifizierenden Menschen einen Raum zum Schreien, Brüllen und Prügeln geben», schreibt das Online-Medium Broadly entzückt.

    Pussy-Riot gegen Patriarchat

    Größenwahn ist Programm: «Wir wollen die konservative Regierung zerstören, wir wollen die Patriarchie stürzen», grunzt eine stark übergewichtige Frau mit roter Baskenmütze, die Anführerin des Haufens. Um sich vor dem Schwabbel-Kampf so richtig auf 180 zu bringen, erinnert sie sich gerne an selbst erlebte, vielleicht auch nur imaginierte Übergriffe: Ein Mann habe ihr mal auf der Straße hinterhergepfiffen, behauptet sie. «Einmal hat mich jemand angefasst, ohne meine Zustimmung.»

    Man sei allgemein «wirklich zornig», wie Frauen in England behandelt würden, spricht von «Repression» – und suchte deshalb einen Ort, an dem man «diese Energie in eine kollektive Raserei umwandeln» und sexy sein könne, «ohne sexualisiert zu werden». Die Veranstaltung, eine Art Frauen-Wrestling zum Fremdschämen, soll als politisches Statement gegen die Neue Rechte wirken, der Club laut Broadly zeigen, «wie eine feministische Utopie, befeuert vom Zorn, aussieht».

    Das Beispiel müsste hier keine Erwähnung finden, wenn es nicht so überaus präzise all das auf die Spitze treiben würde, was die queer-feministische (besser: verquer-feministische) Linke heute ausmacht: abgrundtiefer Hass auf Männer (vor allem weiße), Ablehnung «stereotyper» Weiblichkeit, Idealisierung von Gewalt, aggressiver «Antifaschismus», Suhlen in der Opferrolle – und ein gehöriger Dachschaden. Hinzukommt noch die Infantilisierung von politischem Protest, wenn man glaubt, gute Argumente mit Geschrei widerlegen zu können.

    Ideologie versus Biologie

    Walter Benjamin spricht von der «Ästhetisierung der Politik, welche der Faschismus betreibt» und setzt dieser die «Politisierung der Ästhetik» entgegen, die die Kommunisten praktizieren. Wenn man politische Wertungen einmal salopp beiseite lässt, so lässt sich jedenfalls feststellen: Die schicke Bolschewikin aus den roten Märchen ist in der Gegenwart schon länger nicht mehr gesichtet worden (wenn man von Frau Wagenknecht absieht).

    Umgekehrt kommt die Neue Rechte mittlerweile so sexy daher, dass niemand mehr an Faschos denken mag. Der schwarze Block ist so abstoßend, dass der Slogan «Jeder hasst die Antifa» mittlerweile recht populär geworden ist. Das bunte Deutschland, das die Linken vertreten wollen, findet sich dagegen bei den patriotischen Demonstrationen, jedenfalls in Kleidung und Habitus: Vom Schwarzwaldmädel bis zum Tattoo-Girl ist alles dabei, der Janker läuft neben dem Hugo-Boss-Jackett.

    Facebook, Instagram und Twitter werden von den jungen Identitären dominiert, weil sie im Gegensatz zur giftsprühenden Linken auf Humor und Charme setzen – und weil sie einfach besser aussehen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Das Auge isst mit – in der Politik vielleicht mehr, als man denkt. Wer Politik zu verkopft angeht, wer auch noch das Private politisch indoktrinieren will, verpasst das Beste.

    Ungewaschene, volltätowierte, Sternburg-Pils-saufende Emanzen mit pinken Maschinenschnitt-Frisuren, Drogenproblemen und ordentlich Blech im Gesicht stehen heute Frauen gegenüber, die ihrer patriotischen Weltanschauung durch ihr gepflegtes Äußeres besonderen Zauber verleihen. Progressiv und aggressiv stehen gegen anmutig und weiblich; verbiestert und verlottert gegen entspannt und stolz; YOLO und Exzess gegen Natur und Sinnlichkeit. Die vermeintlichen Opfer des Patriarchats, die «Heimchen am Herd», sind schön, weil sie von Liebe zum Eigenen geprägt und nicht vom Hass auf selbiges zerfressen sind. (…)

    Ende des Auszugs. Lesen sie den kompletten Artikel in der aktuellen COMPACT 4/2018.

    Oder beginnen Sie mit dieser Ausgabe Ihr Abo. Klicken Sie dazu auf das untere Bild:

    Kommentare sind deaktiviert.