ARD-Dreiteiler über den NSU ist antideutsche Staatspropaganda vom Feinsten

39

Ein Fernsehspielfilm bringt die offizielle Mär über Beate Zschäpe und den Nationalsozialistischen Untergrund in deutsche Wohnzimmer – schlechtes Gewissen, Deutscher zu sein, inklusive. Wahrheitssuchende sollten lieber COMPACT lesen.

Unterstützen Sie ehrlichen Journalismus in Zeiten der Lüge – Jetzt COMPACT abonnieren!

COMPACT Abo-2016-02

_von Max Z. Kowalsky

Das Urteil im Prozess um Beate Zschäpe ist noch nicht gesprochen, da hauen die regierungsnahen ARD-Funktionäre schon mit dem Richterhämmerchen: „Schuldig!“ hallt es in die deutschen Wohnzimmer. Eine in aufgeklärten Kreisen stark angefochtene Version der Geschehnisse für ein Millionenpublikum produziert zu haben, zu dem im Übrigen auch beeinflussbare Richter und Staatsanwälte gehören? Kein Problem! Neutralitätsgebot? Pustekuchen! Die Macher setzen einfach eine Texttafel an den Anfang: „Dieser Film ist kein Dokumentarfilm, sondern ein Spielfilm“, heißt es in der Einblendung. Und: „Zeugen aus dem Umfeld der Angeklagten geben den Geschehensablauf zum Teil abweichend wieder.“ Was am Mittwochabend danach folgte, waren die ersten 100 von insgesamt 300 Minuten reinster Staatspropaganda.

„Die Mordserie der NSU-Terrorgruppe war nur möglich, weil in Deutschland Dunkelheiten herrschten, wo der Hass leben konnte“, schreibt die FAZ in einem von Selbsthass zerfressenen Loblied auf die gesamte Produktion. „Der Fernsehdreiteiler ‚Mitten in Deutschland: NSU‘ bringt Licht in diese Finsternis.“ Da auf die Hintergründe der Mordserie nicht mal ein klitzekleiner Lichtstrahl fällt, muss wohl die Sozialisation der mutmaßlichen Täter in der Thüringer Neonaziszene der Nachwendezeit gemeint sein. Die zeichnet der erste, aus Täterperspektive erzählende Teil, ganz gut nach, wie zumindest NPD-Aussteiger Stefan Rochow im Deutschlandradio bestätigt hat. An einer entscheidenden Stelle jedoch vermisst Rochow dann doch die nötige Authentizität: „In so einem Freundeskreis mitzumachen, ist das Eine. Das Andere ist dann tatsächlich, auch diesen letzten Schritt zu gehen, der dann ja im Grunde genommen bis zum Mord führt. Und das war für mich wenig überzeugend.“ Vielleicht schwächelt der Film ausgerechnet da, weil das Trio die Morde gar nicht begangen hat???

Das beste Kompendium zum Thema NSU ist das COMPACT-SPEZIAL Nr. 1: „Operation ‚Nationalsozialistischer Untergrund“ – Neonazis, V-Männer und Agenten“. Im Editorial des Chefredakteurs Jürgen Elsässer heißt es: „Man hat in der Zwickauer Wohnung des Neonazi-Trios ‚echte, falsche‘ Alias-Papiere gefunden, die nur von Behörden ausgestellt werden können; der hessische Verfassungsschützer Andreas Temme (‚Klein Adolf‘) war mindestens bei einem Mord zur Tatzeit am Tatort und in fünf weiteren in Tatortnähe; schließlich liegt ein Beobachtungsprotokoll des US-Geheimdienstes DIA vor, wonach sich mindestens ein Verfassungsschutzmann bei der Schießerei aufhielt, der 2007 in Heilbronn eine Polizistin zum Opfer fiel; Dass die Tatversion der Behörden nicht stimmt, ist offensichtlich: Die ‚magische Ceska‘ der Mordserie wird dereinst in den Geschichtsbüchern eine ähnliche Rolle spielen wie die ‚magische Kugel‘ beim Attentat auf JFK; die Bekennervideos, die unzerstört in den Brandruinen des Zwickauer NSU-Unterschlupfes gefunden worden sein sollen, erinnern an den unentflammbaren Reisepass eines der angeblichen 9/11 Hijacker in den geschmolzenen Fundamenten der Twin Towers; und der Doppelselbstmord von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos ist schon jetzt genauso unwahrscheinlich wie der Freitod von Jürgen Möllemann.“ Alle Fakten und Hintergründe zum NSU-Phantom auf 82 knallhart recherchierten Seiten finden Sie in COMPACT-SPEZIAL Nr. 1: „Operation ‚Nationalsozialistischer Untergrund“ – Neonazis, V-Männer und Agenten“.

Das NSU-Phantom ist vielfach nützlich. Zum einen soll es soll die Deutschen das Fürchten vor sich selbst lehren. NSU soll heißen, auch 60 und 70 Jahre nach Ende des Nazi-Regimes lauert die rassistisch-faschistische Gedankenpest stets schwelend „unter“ uns. „Wir sehen auf eine Serie von Hassverbrechen, und wir sehen unser Land durch die Augen der Täter, der Opfer und der Ermittler“, resümiert die FAZ. „Vielleicht erkennen wir das Land nicht mehr. Wahrscheinlich erkennen wir es aber besser als vorher.“ Dabei gab es in den letzten zehn Jahren laut Bundesregierung in Deutschland genau neun Todesopfer infolge rechter Gewalt. Zieht man die seit 2006 dem NSU zugerechneten Tötungsdelikte ab, verringert sich die Zahl auf sechs. Das sind sechs oder neun zu viel, gar keine Frage. Und doch relativiert diese Zahl die Gefahr der braunen Bedrohung in Deutschland, mit der man uns immer wieder drangsaliert, wie nun mittels des ARD-Dreiteilers, der wohl auch bald durch so manches Klassenzimmer flimmern wird, wo dann die nächsten Jahrgänge der Merkeljugend für den nebulösen „Kampf gegen Rechts“ konditioniert werden und Patriotismus hassen lernen.

Folgt Teil eins den mutmaßlichen Tätern, so widmet sich der am Montag folgende zweite Teil den Opfern. Da die Macher sich auf die Biografie „Schmerzliche Heimat“ der Tochter des ersten Opfers berufen, sollte man auch hier keine Neutralität erwarten. „Semiya zweifelt keine Sekunde an der Unschuld ihres Vaters. Ebenso ihr kleiner Bruder und ihre beiden Onkel“, heißt es in der ARD-Programmankündigung. Die FAZ geht im Opferkult ganz auf und kreidet die Prügelknaben von der Polizei dafür an, tatsächlich Polizeiarbeit geleistet zu haben: „Sie [die Ermittler]gehen davon aus, dass es einen Grund für diesen Mord geben muss, der etwas mit ihm [dem Opfer]und seiner Familie zu tun hat. Den Grund gibt es, aber nach dem sucht die Polizei nicht und deswegen kann sie die Täter auch nicht finden: blanker Fremdenhass.“

Wie unsere Leser in COMPACT-SPEZIAL Nr. 1 feststellen können, stimmt diese Analyse mitnichten: „Im Nachhinein wurde suggeriert, die Ermittler (und die deutsche Öffentlichkeit) seien aufgrund eines latenten Rassismus nur Hinweisen nachgegangen, die auf den Bereich der Ausländerkriminalität hinwiesen. Tatsächlich aber waren dies die einzigen Sinn stiftenden Spuren. So sollen laut einer internen Quelle die ermittelnden Behörden zum Beispiel erfahren haben, dass aufgrund eines Mordes durch ein Familienmitglied Simseks Blutrache ein Motiv für die Erschießung sein könnte.“ Mehr Spuren, die auf eine Tat im Milieu des Opfers hindeuten sowie Profile zu allen zehn Getöteten finden Sie in COMPACT-SPEZIAL Nr. 1: „Operation ‚Nationalsozialistischer Untergrund“ – Neonazis, V-Männer und Agenten“.

Ja, was haben die Medienvertreter in Deutschland diese Woche wieder hochmoralisch auf die Pressefreiheit verwiesen, nachdem der kontrollwütige Erdogan von der deutschen Regierung forderte, eine xtra3-Satire über seine Person zu zensieren. Der Möchtegernsultan hat nicht kapiert, dass die Holzhammermethode auf lange Sicht kontraproduktiv ist. Denn effiziente soziale Kontrolle erfolgt nicht durch Zensur, spürbar und meist offensichtlich, sondern ist diejenige Art der Meinungsmache, die unser Bewusstsein solange penetriert, bis wir die gewünschte Botschaft gar nicht mehr in Frage stellen und selbst weiterreichen. Für diese Form der Kontrolle ist es jedoch notwendig, dass der Bürger glaubt, über vorgeblich freie Medien zu verfügen. Dafür muss das System – in Maßen – auch abweichende Meinungen tolerieren, sogleich diese von der Masse der Meinungsmacher stets als unsinnig oder unanständig vorinterpretiert, oder gebrandmarkt, werden, siehe COMPACT.

Unterstützen Sie ehrlichen Journalismus in Zeiten der Lüge – Jetzt COMPACT abonnieren!

Im Fall der als „Dönermorde“ bekannt gewordenen angeblichen NSU-Mordserie haben seit dem Auffliegen der sogenannten „Zwickauer Zelle“ im Herbst 2011 alle Leitmedien die staatliche Version, ein Mördertrio von Neonazis sei für die größte Mordserie seit Gründung der Bundesrepublik verantwortlich, brav wiedergekäut. Was Erdogan stutzig machen würde, ist, dass nach knapp vier Jahren, das öffentlich-rechtliche Fernsehen eine alternative, schlüssigere Lesart, die gebrandmarkte Alternativmedien wie COMPACT schon seit jeher vertreten, ausstrahlte. Dabei muss ein Claus Kleber Erdogan nur einmal erklären, dass die Dokumentation „Kampf um die Wahrheit – Der NSU und zu viele Fragen“ quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Nischensender 3sat an einem Montag um 22:25 Uhr ihr Dasein fristete. Dem groß beworbenen ARD-Spielfilmdreiteiler „NSU – Mitten in Deutschland“, der die politisch korrekte Lesart wiedergibt, ist zur besten Sendezeit, hingegen, ein Massenpublikum gewiss.

Aber vielleicht lässt man Erdogan besser mit dem Thema NSU ganz in Ruhe. In der aktuellen COMPACT-Ausgabe schreibt Jürgen Elsässer: „Im September 2011 – unmittelbar vor dem Auffliegen des angeblichen NSU, damals sprach man noch von Döner-Morden –, berichtete der Spiegel vom Angebot eines gewissen Mehmet, dass er den deutschen Ermittlern die Tatwaffe Ceska 83 liefern könne. Mehmet behauptete, zu einer geheimen türkischen Untergrundorganisation zu gehören, die die Morde begangen habe, und kündigte an, auspacken zu wollen. Der Deal platzte angeblich. Als die Polizistin Michele Kiesewetter im April 2007 in Heilbronn erschossen wurde, befand sich auch der türkische Agent Mevlüt Kar am Tatort. Dies geht aus einem Überwachungsprotokoll des US-Militärgeheimdienstes DIA hervor, das der Stern am 1. Dezember 2011 veröffentlichte. Seine Echtheit wurde zwischenzeitlich dementiert, hat sich später aber doch bestätigt. Kar lieferte auch Bombenzünder an die islamistische Sauerlandgruppe, die ein «deutsches 9/11» durchführen wollte.“ Den gesamten Artikel „Döner, Mord und Propaganda“ finden Sie in der aktuellen COMPACT-Aprilausgabe.

Dieser Artikel hat Ihnen gefallen? Dann unterstützen Sie ehrlichen Journalismus durch ein Abo

Über den Autor

Avatar

COMPACT veröffentlicht regelmäßig Beiträge von namenhaften Autoren aus allen wichtigen Positionen des politischen und gesellschaftlichen Diskurses.

 

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.

Empfehlen Sie diesen Artikel