Architekt des Holocaust-Mahnmals: Wollte Deutschen bei Versöhnung mit ihrer Geschichte und Identität helfen

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Das nennt man Missbrauch. Das Holocaust-Denkmal, dass der jüdisch-amerikanische Architekt Peter Eisenman für Berlin entwarf, ist das Gegenteil von dem, wie Mainstream-Medien und Politiker es verkaufen. Das zeigen die Äußerungen des Architekten über sein Werk. Dessen Nachbau durch das Zentrum für politische Schönheit (ZPS) neben dem Haus des AfD-Politikers Björn Höcke ist propagandistische Verdrehung seiner Bedeutung.

Man muss sogar sagen: Wenn die Antifa und andere Pseudo-Linke Eisenmans Statements zu dem Denkmal kennen würden, er stünde ganz oben auf ihren „Nazi“-Listen, würde von der Amadeu Antonio-Stiftung geprangert und von den Mainstream-Medien beschwiegen.

Im Interview mit einer Wochenzeitung, das Eisenman fünf Jahre nach Fertigstellung des Stelenmals gab, stellte er klar, dass sein Werk keine ständige Mahnung an die Verbrechen der Vorfahren sein wolle. Im Gegensatz zu den Initiatoren betont der Architekt: „ich finde es gut, daß die Deutschen es als einen ganz alltäglichen Ort annehmen. (…) die Grundidee war, daß das Mahnmal eine normalisierende Wirkung auf den Umgang mit dem Holocaust im Alltagsleben haben sollte.“

Diese Förderung von Normalisierung betonte Eisenman mehrfach: „Bei dem Monument geht es nicht um Schuld, sondern darum, Erinnerung zurückzugeben. Und die Deutschen, sie sollen dort das tun, was ihnen gefällt.“ Zu dieser Normalität gehört für den Architekten auch, keine Deutung des Vergangenen vorzuschreiben: Das Stelenfeld „schreibt niemandem vor, in einer bestimmten Weise über den Holocaust zu reflektieren. Es ist keine Deutung des Holocaust. Wir wollen den Menschen eine Erfahrung des Mahnmals ermöglichen, die ihrer eigenen Deutung entspricht.“

Das Stelen-Monument habe nicht Zweck, an den Holocaust zu erinnern: „Es sollte etwas sein, was die Deutschen für sich selbst erschaffen haben: von Deutschen für Deutsche. Ich glaube nicht, daß die Leute, die darin herumlaufen und alles für ihr Reisealbum fotografieren, dabei unbedingt an den Holocaust denken. Vielmehr befassen sie sich mit dem Ort als solchem. Und diese Erfahrung muß nichts mit dem Holocaust zu tun haben, sondern damit, daß das Stelenfeld ein ungewöhnlicher Ort ist. Es geht darum, in der Gegenwart statt in der Vergangenheit zu sein.“ Darin unterscheide sich der Besuch seines Monuments von einer Reise nach Auschwitz, wo man in die Vergangenheit gehe.

Deshalb habe er auch alle konkreten Hinweise auf den Holocaust ausgespart: „Jeder hat die Freiheit und das Recht, das Mahnmal nach eigenem Gutdünken zu deuten. Das Wort Auschwitz kommt auf den Tausenden Stelen des Mahnmals genausowenig vor wie in den vielen Stunden des Edgar-Reitz-Films (gemeint ist die TV-Serie Heimat, Anm.). Ich wiederhole: Ich wünsche mir, den Deutschen zu helfen, sich mit ihrer Geschichte, ihrer Identität und ihrer Erinnerung zu versöhnen, aber ich will ihnen nicht vorschreiben, was sie zu denken haben. Warum sollten die Deutschen sich von Geburt an schuldig fühlen?“

Peter Eisenman sieht einen Zusammenhang zwischen den Initatoren des Monuments und konservativen Gegnern, die Angst hätten, damit ewig an die vergangenen Verbrechen, an die Schande der Vorfahren erinnert zu werden: „Was Konservative und die Initiatoren verbinden mag, ist, daß sie von einem Denkmal eine definierte Aussage erwarten. Sie hätten vermutlich gerne so was wie Rodins ,Die Bürger von Calais‘ gehabt: neun weinende Juden in Ketten oder so. Jedes Kunstwerk mit einer klar definierten Aussage zum Holocaust ist aber zwangsläufig weniger aussagekräftig als das Verbrechen selber. (…) Ich meine, ein Kunstwerk muß offen für Interpretationen sein, es darf nicht eine bestimmte Deutungsweise vorgeben. Ich wollte die Stille, die Enge, das Gefühl, in dem Stelenfeld allein sein zu können, aber ich wollte keine Aussage diktieren.“

Diese Selbstdeutung des Architekten Peter Eisenman macht klar, dass der Nachbau des Stelenfeldes durch das Zentrum für politische Schönheit (ZPS) konträr zu dessen Intention steht: Nach ihm soll das Denkmal eben nicht Schuld kultivieren, keine politisch -moralische Deutung vorschreiben, sondern Aussöhnung bewirken. Das ZPS aber benutzt es als moralisch-politisches Druckmittel, verlangt den Kniefall. Es hat ein Monument historischer Versöhnung zum Werkzeug seiner Diktatur umgedeutet und sich damit moralisch restlos diskreditiert.

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