Apothekerzeitung auf Nazi-Jagd: Wie erkennt man „rechte Eltern“?

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Diesmal ist es nicht die Kriecher-Presse, nicht der Stern, Spiegel, auch nicht  Tagesspiegel und erst recht nicht der Focus. Nein, diesmal warnt die Apothekerzeitschrift „Baby & Familie“ vor rechter Unterwanderung. Dabei gelingt den Verschwörungstheoretikern die Aufstellung ultrascharfer Kriterien, mit deren Hilfe man ein Nazi-Schwein enttarnt.

_von Karel Meissner

Der Artikel ist vom Februar 2016 und wurde jetzt auf der Seite „Tichys Einblick“ geleaked. Man wünschte, es wäre inzwischen inaktuell. Leider ist das Gegenteil der Fall. Mit dem Titel „Gefahr von Rechts“ zitiert der Hass-Artikel angebliche Hilferufe des Kita-Personals: Unschuldige Kinder hätten „rechte Eltern“. Aber keine uniformierten Neonazis mit Hakenkreuz-Tattoo auf der Stirn. Nein, „Rechts-sein hat viele Formen. Die Abgrenzung, was extrem ist und was nicht, ist schwierig.“ Bei solcher Definition – so präzise wie die von „Hate Speech“ – haben Phantasie und Willkür natürlich freien Lauf. Beispielsweise in der Behauptung, dass die Nazi-Ideologie im Mittelstand ihren Ursprung habe. Als Expertin zieht der Artikel eine Mitarbeiterin der (richtig geraten!) Amadeu-Antonio Stiftung zu Rate. Also eine jener GhostbusterInnen, die überall braune Gespenster sehen. Und die fährt den zu erwartenden Paranoia-Film: „Kinder rechter Eltern sind nicht unbedingt anders als Kinder anderer Eltern. Sie fallen manchmal erst nach längerer Zeit auf, zum Beispiel, weil sie sehr still oder sehr gehorsam sind.“ Moment… Nazis sind also nicht jene, die ausländische Kinder diskriminieren. Sondern schon introvertierte, ängstliche Charaktere ohne Party-Dauergrinsen, also alle Depressiven, stehen im Verdacht heimlicher Adolf-Verehrung!

Eine sogenannte Sozialarbeiterin gibt weitere wertvolle Erkennungsmerkmale preis: So könnten bei Frauen „akkurat geflochtene Zöpfe und lange Röcke“ ein Indiz für echte Rechte sein. Außerdem würden solche Leute meist keine US-Markennamen auf den Klamotten tragen… Also, liebe Kitamitarbeiter: Sucht die Klamotten der Eltern künftig nach US-Markennamen ab. Wenn ihr keine findet (weil sie vielleicht vegane oder Fair-Trade-Kleidung bevorzugen), muss euch klar sein: Das sind Nazis!

Natürlich sind Rechte raffiniert. Obwohl sie ja bekanntlich überall sind, wollen sie noch die letzten nazifreien Plätze einnehmen. Dazu gehören natürlich auch die Kitas. Deshalb greifen sie zu einer List: „Die Eltern sind nett und engagiert. Sie bauen persönliche Beziehungen auf und übernehmen gerne Ämter im Elternbeirat.“ Sie müssen, so wird anhand eines Beispiels suggeriert, noch nicht einmal überzeugte Rechte sein. Schon ein Spritzer von konservativer Gesinnung kann zu Diskriminierung und Intoleranz führen.

Hätte das Käseblatt als Objekte seiner faschistoiden Verschwörungstheorie nicht „Rechte“ gewählt, sondern solche Kriterien zur Erkennung von Linksextremen aufgestellt – es wäre als das tituliert worden, was es tatsächlich ist: der Apotheken-„Stürmer“.

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