Apartheid für alle: Apples neue Emoji-Kollektion

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Nur im Kollektiv kann der Mensch sich gegen politischen Machtmissbrauch wehren. Aber neulinke Identitätspolitik treibt Individuen in gegenseitige Abgrenzung, in Splittergruppen bis zur völligen Atomisierung. Jede Besonderheit (Hautfarbe, Geschlecht) gilt politisch mehr als gemeinschaftliche Interessen. Wer sich darüber freut, ist der globale Markt. Apples neue Emoji-Kollektion treibt die neulinke „Apartheid für alle“ auf die Spitze.

E-Mail und SMS sind inzwischen die meistverwendeten Kommunikationsmittel. Selbst das Telefonieren ist rückläufig: Viele Zeitgenossen nehmen einen Anruf gar nicht mehr entgegen, antworten nur noch auf SMS-Anfrage. Über künftige Handys ohne Sprechfunktion wird schon phantasiert. Das erspart emotionale Konfrontation. Eine Generation, die der Sprache jedes Konfliktpotential austreiben will, die glaubt, dass mit dem Verschwinden böser Wörter auch die Welt weniger böse sei, verschanzt sich hinter Smartphone-Telegrammen.

Via SMS werden heute Freundschaften, Liebes- oder Geschäftsbeziehungen in wenigen Worten liquidiert. Niemand schreit sich mehr an. Schluss mit den Heul-Szenen. Einfach texten: „Das war’s“, senden und den Adressaten sofort sperren. Dann kann er nicht mehr antworten. Fertig. Wunderbar.

Nicht ganz. Irgendwann muss selbst der letzten Dumpfbacke aufgefallen sein, dass Sprache mehrdeutig ist. Wie kann man ausschließlich am geschriebenen Wort die Intention des Absenders erfassen? Woran erkennen, ob ein Satz ironisch gemeint ist – oder ob ich den Spott bloß hinein interpretiere? Die Vieldeutigkeit ist durch reine Wortanalyse nicht aufzulösen. Dazu muss man dem Dialogpartner gegenüber sitzen, seinem Tonfall lauschen, seine Mimik und Gestik beobachten. Aber das soll ja vermieden werden. Was also tun?

Und hier sprang das Emoji ein: In Form eines Piktogramms und/oder Ideogramms eingesetzt, soll es das Fehlen optischer und akustischer Signale kompensieren. Wer hinter einen Satz ein 🙂 setzt, sagt damit: Das ist ironisch gemeint, Nimm’s nicht so ernst, o.ä. Das Gegenteil dazu: das frustrierte 🙁

Das klassische Emoji-Design erschien als Wunscherfüllung politisch Korrekter: Es hat keine Haar- und Hautfarbe, kein Geschlecht, es ist pure Abstraktion, das absolute Neutrum. Hundertprozentig diskriminierungsfrei. Aber ausgerechnet das soll sich ab Herbst 2018 komplett ändern. Apple jagt mit seinem iOS 11.1-Update eine neue Emoji-Kollektion auf den vernetzten Weltmarkt. Neben allerlei Spielereien – Emojis mit Pagageien, Hummer, Kängurus, Reisetaschen, Seife oder Klopapapier – soll auch besagte Neutralität der Diversity weichen.

Dazu werden alle erdenklichen Haut- und Farbtypen miteinander kombiniert. Für jede genetische Pigment-Option steht ein Emoji. Beispiel: Frau, rothaarig, Hautfarbe neutral; Frau, rothaarig, hellhäutig; Frau, rothaarig, medium-helle Hautfarbe; Frau, rothaarig, medium-Hautfarbe; Frau, rothaarig, medium-dunkle Hautfarbe; Frau, rothaarig, dunkle Hautfarbe. Das Ganze dann nochmal mit „Mann“, krausem Haar, weißem Haar, usw. durchdekliniert. Für jeden eine Mikroschublade.

Ironische Pointe: Soviel Fixierung auf „Rassen-Merkmale“ weisen nicht mal Apartheidsregime auf. So wie es „positive Diskriminierung“ gibt, so haben die bunten Diversity-Feaks jetzt den „positiven Rassismus“ kreiert.  Wen erinnert diese Emoji-Tabelle nicht an die schlimmste Rassenlehren:

Emoji Screenshot

Screenshot (c) emojipedia.org

ze.tt, nach eigener Aussage „die neue Online-Plattform für Geschichten, Ideen und Gefühle“, jubelt unter der Schlagzeile „Endlich hat die Emoji-Diskriminierung von Rothaarigen ein Ende“ drauflos: „Im Jahr 2018 Leben wir in einer Welt, in der jede*r sich durch einen passenden Emoji präsentiert fühlt. Jedes Jahr werden neue Emojis veröffentlicht, die das Repräsentationsnetz ausbauen sollen: Inzwischen gibt es beispielsweise Emojis von Menschen in diversen Hautfarben, kopftuchtragenden Frauen, turbantragenden Männer und gleichgeschlechtlichen Paaren.“

Man nehme nur die Überschritt des ze.tt-Artikels: „Endlich hat die Emoji-Diskriminierung von Rothaarigen ein Ende“. Was für ein Müll. Klassische Emoijs haben rothaarige gerade nicht diskriminiert! Eben weil deren Design die Haare komplett ausgespart hatte. Dadurch wurde gar keine Haarfarbe diskriminiert oder bevorzugt. Wozu auch? Emotionen sind nicht an Geschlecht, Klamotten sowie Haut- oder Haarfarbe gebunden.

Dieser tabellarische Repräsentations-Wahnsinn ist das Resultat neulinker Identitätspolitik. Darin soll jeder seine Eigenheit – Ethnie, Pigmentfarbe, sexuelle Neigung, Geschlecht – in sämtliche Diskurse einbringen. Deshalb behauptet Apple, die neuen Emojis böten ein Mehr an Diversity und Geschlechtsneutralität.

Genau dieser Ansatz wurde kürzlich von dem Politikwissenschaftler Mark Lilla im Interview mit der Wochenzeitschrift Die Zeit kritisiert: „Aus der Perspektive der Identitätspolitik lässt sich zum Beispiel Solidarität überhaupt nicht begründen. Weil man sich an einem Tag der einen seiner Identitäten näher fühlt, am anderen Tag einer anderen. Es fehlt Verbindlichkeit.“

Wo individuelle Identität bis ins kleinste Detail politisiert wird und Priorität vor kollektiven Interessen und Bedürfnissen erhält, wo jeder jeden der Diskriminierung oder irgendwelcher Privilegien anklagt, ist Solidarität – wie beim früheren Klassenkampf – tatsächlich nicht mehr möglich. Der einzige Gewinner ist der „vielfältige“ Markt, der Kapitalismus. Der hat das „Jeder-gegen-jeden“ längst zum obersten Prinzip erhoben. Genau diese Tendenz befeuert auch die neue Emoji-Kollektion.

Amüsant könnte es werden, wenn mit diesen Identitäts-Emojis Anarchie betreiben würden: Was geschieht beispielsweise, wenn ein weißer Europäer das Emoji mit schwarzem Gesicht postet? Ist das dann „Kulturelle Aneignung“ einer diskriminierten Minderheit, gar rassistische Verspottung? Oder: wenn ein Schwarzer umgkehrt das Emoj mit weißem Gesicht postet, ist der dann ein Verräter am Black Pride? Unterstellt man ihm dann heimliche Identifiaktion mit dem (weißen) Aggressor? Leidet er dann unter Stockholmsyndrom?

Je mehr Informationen das Emoij enthält, desto vielschichtiger das Interpretations-Potential. Sein Job, einem SMS-Text zu mehr Eindeutigkeit zu verhelfen, ist damit ins Gegenteil verdreht. Zumal die neuen Attribute ausgerechnet die sensibelsten Identitäts-Diskurse der Gegenwart berühren. Man ahnt schon, was da künftig an Schwachsinns-Interpretationen und absurden Anschuldigungen auf die User zurasen.

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15 Kommentare

  1. brokendriver am

    In der Emoji-Kollektion von Apple fehlt die Königin aller muslimisch-islamistischen Suren-Söhne aus Afrika und Syrien:

    CDU-Angela Merkel…..

    Europa-Opa-Schulze von den Sozen ??? kann man da noch auf ein Emoji hoffen?

    Ein Smartphone ohne CDU-Merkel-Emoji geht gar nicht…..

  2. Also, für meine Begriffe sind es zu viele Glatzen. Und irgendwie hat der Begriff ein Geschmäckle, finden Sie nicht? Müssten nicht viel mehr behaarte Köpfe dabei sein? Also, nein. So recht zufrieden kann der Gutmensch da noch nicht einschlafen…

    • brokendriver am

      Wir brauchen das Emoji aus Würselen vom Sozen mit den Haaren im Gesicht…..Martin Schulze

      Da muß Apple nacharbeiten und liefern…

  3. Ich gebe gern zu, nur verstanden zu haben,daß es künftig mehrrassige Symbolfratzen zur Auswahl gibt. Ob und ggF. was der Artikel sonst aussagen will erschließt sich mir nicht.

    • Wo aber bleiben die Vertreter der Gesichtsdermatitis? Oder die der Narbengesichter? Auch gibt es die hautfleckigen Afrikaner, die könnten sich ebenfalls diskriminiert fühlen! Es muss noch mehr getan werden, die Vielfalt muss noch vielfältiger werden…
      Ironie aus. Das Zeitalter der Idiotie ist eben angebrochen. Damit muss man sich abfinden…

      • Zeitalter der Idiotie,jedenfalls was den Teil der weißen Rasse betrifft,der gestern noch den Erdball beherrschte. Da sind die kleinen Stöpseldinger aber nun nicht wirklich ein Problem.

  4. Volker Spielmann am

    Ein Wort zum Kampfbegriff Rasentisch

    Schuld am Aufkommen des überaus lästigen Kampfbegriffes Rasentisch sind mal wieder die sogenannten Vereinten Nationen, die sich die Bekämpfung des Rasentisches auf ihre Fahnen geschrieben haben. Dabei stolpern die sogenannten Vereinten Nationen aber mal wieder über ihre eigenen Füße, da sie sowohl den angeblichen Rasentisch bekämpfen wollen als auch bestreiten, daß es verschiedene Menschenrassen gibt. Um letzteres ernstlich tun zu können, muß man indes einen schweren Knick in der Optik haben, da man die Unterschiede deutlich sehen kann. Europäer, Asiaten oder Afrikaner sehen nun einmal anders aus. Doch damit nicht genug: Der Kampfbegriff Rasentisch wird auch auf andere Bereiche angewendet und so soll es neuerdings etwa einen Kulturrasentisch geben, der natürlich auch bekämpft werden muß. Wie auch die Ablehnung des Mohammedanismus als Rasentisch gegeißelt wird. Gemeinhin kann man wohl sagen, daß man sich nicht auf dem Holzweg befindet, wenn einem Rasentisch vorgeworfen wird…

    Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!

    • Der "Rasentisch" taucht sogar in den Kommentarregeln von "Compact" auf ( 3.:e.) . Nun kann man bekanntlich ALLES soweit übertreiben,daß es idiotisch und widerwärtig wird.Soll heißen,keine Rasse ist es wert,ausgerottet zu werden.Jede hat ihre guten Seiten. Z.B. welcher Weiße könnte denn bei 33 Grad im Schatten,angetan mit Pullover und Lederhut,Baumwolle pflücken oder Erdnüsse hacken? Da sind andere besser.

  5. "Was geschieht beispielsweise, wenn ein weißer Europäer das Emoji mit schwarzem Gesicht postet? Ist das dann „Kulturelle Aneignung“ einer diskriminierten Minderheit?"

    Nein. Es ist Anpassung an die medialmoralisch privilegierte Mehrheit.

    Aber angenommen, ein Dunkelhäutiger klickt auf einer Partnerbörse seinen dunkelhäutigen Wunschtyp an.
    Ist er dann ein Rassist, weil er In-Group-orientierte Präferenzen hat?

    • Ist er, innergruppenorientierte Präferenzen sind natürlich und berechtigt."Rassismus ist nicht unmoralisch und schon gar kein Straftatbestand (vorläufig),nur bemühen sich die Systemmedien,diesen Eindruckzu erwecken,mit Erfolg.
      (Wer sagt,daß Ich weit kommen will? Allerdings kommt nichts und niemand ohne Fanatismus weit.)

  6. Ich komme mit diesen eierlegenden Wollmilchsäuen eh nicht klar und weis deshalb auch nicht was ein Emjoi ist; außer (wieder) so ein nichtdeutsches anglisiertes Wort, dazu gut, die deutsche Sprache langfristig zu zerstören.
    Außerdem vermisse ich bei den Piktogrammen den Arsch mit Ohren! Den sollte man ruhig in schwarz-weiß gestalten, das ist neutral und wie beim Film: Kommt Farbe rein, wird die Qualität schlechter!

  7. heidi heidegger am

    OT: (zum RobertoBlanco-faden), danke, liebe(r) @Beo, ja-auch im verschnarchten Meenz gibt’s-gab’s legendäre typen: Ror Wolf und ’nen, noch nicht so lange verstorbenen, freund meiner Mutter. bei ihm machte ich einst ämm eine art selbststudium/mit bier bezahltes "praktikum", hihi-> "Kunst nach eigenem Belieben – Reinhold Petermann/Bildhauer", das fferd auf dem meenzer uni-campus am Philosophicum ist von ihm, ebenso der Fontanabrunnen in Mz-Finthen und das Geiger-fränzchen in Mz-Mombach. das "geigerfränzchen" ist der dritte legendäre typ.

    • heidi heidegger am

      OT(2): hehe, GABi sagte, dass sich die sozen ihrer resilienz nicht auf 1000 meter nähern dürfen. und ich dachte, Henning Voscherau wohnt bei dir um die ecke. nein, wohnte!

  8. DerSchnitter_Maxx am

    Das ist aber -jetzt auch- diskriminierend … da fehlen ja die "Rothäute" !?

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