Antisemitismus: Macron sucht rechte Sündenböcke

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Nach der islamistischen Verbalattacke auf Alain Finkielkraut debattiert Frankreich über erstarkten Antisemitismus. Präsident Emmanuel Macron will hart durchgreifen – doch statt radikale Moscheen zu schließen oder IS-Anhänger abzuschieben, findet er in rechten Kleingruppen einen Sündenbock. Außerdem sollen Facebook und Co. stärker zensiert werden.

Am vergangenen Samstag war der jüdisch-stämmige Philosoph Alain Finkielkraut, Mitglied der berühmten Academie française, am Rande einer Gelbwesten-Demonstration in Paris von einem wüst beschimpft worden. Der Vorfall hatte bis eine Welle der Empörung ausgelöst, unter dem Motto „Es reicht“ demonstrierten am Dienstagabend tausende Menschen in Paris gegen den Anstieg antisemitischer Straftaten. Emmanuel Macron erklärte daraufhin, Antisemitismus sei nicht das Problem der Juden, sondern der gesamten Republik. Frankreich erlebe ein Wiederaufkeimen des Antisemitismus wie seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr. Nun übt sich der Präsident in aktionistischer Strenge – und will kurzerhand rechte Gruppierungen verbieten sowie das Netz nach deutschem Vorbild zensieren. Dabei ist inzwischen klar, dass die Täter im Falle Finkielkraut Islamisten und Linke waren.

Der neue Antisemitismus ist ein eingewandertes Problem

Wie COMPACT berichtete, stammt der Täter Benjamin W., ein 36-jähriger mit rot gefärbtem Salafistenbart, aus der radikalislamischen Szene. Sein Vater ist Algerier, seine Mutter Französin, er hält Kontakt zu politischen Linken. Während Marine Le Pen (Rassemblement National) den Vorfall scharf verurteilte, hüllte sich der der ansonsten im Internet ausgesprochen aktive Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon (La France Insoumise) in Schweigen. Kein Wunder: Finkielkraut gilt als scharfer Kritiker von Präsident Macron und hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder vor Identitätsverlust und einer Verharmlosung des Islam durch die politische Linke gewarnt. Als der 69-Jährige während des 14. „Aktes“ der Gelbwesten auf seinem Nachhauseweg den Demonstrationszug passierte, wurde er von W. als „Faschist“, „Rassist“ und „dreckiger Zionist“ beschimpft, der „zurück nach Tel Aviv“ gehen solle. „Frankreich gehört uns“, rief ihm der Islamist zu. Das Opfer stellte bald klar, woher der neue Antisemitismus kommt – er sei davon überzeugt, dass der „in Frankreich und Europa ein Randproblem wäre, wenn unsere Gesellschaften nicht gegen ihren Willen in multikulturelle Gesellschaften umgeformt worden wären.“ Wohl wissend, dass der Antisemitismus-Vorwurf als Waffe gegen Patrioten genutzt wird, ergänzte er: „Die gegenwärtigen Hasser im Internet sind keine Identitären, sondern leider Leute, die von der extremen, gutmeinenden Linken kommen“.

Soviel ist bekannt, Benjamin W. inzwischen verhaftet worden. Bei einem oberflächlichen Blick schien es so, als ob auch Macron verstanden zu habe, dass die neu entflammte Judenfeindlichkeit vorrangig ein mit muslimischen Einwanderern importiertes Problem ist. So sagte der französische Präsident, der „radikale Islamismus“, der ganze Viertel in Frankreich „verderbe“, sei verantwortlich „für die beispiellose Wiederkehr des Antisemitismus“. Noch vor einem Jahr hatte er sich gescheut, die Verbindung zwischen den islamistischen Hasspredigern in den Vorstädten und dem Erstarken des Antisemitismus offen beim Namen zu nennen. „Aus Angst zu stigmatisieren, hat Frankreich Jahre im Kampf gegen den Islamismus verloren“, bilanzierte seinerzeit Joel Mergui, der seit 2008 das jüdische Zentralkonsistorium leitet. Die antisemitischen Straftaten sind im vergleich zum Vorjahr um 74 Prozent sprunghaft angestiegen.

Nun hat Macron verkündet, härter gegen Antisemitismus durchzugreifen – doch anstatt endlich islamistische Kulturvereine und radikale Moscheen zu schließen oder IS-Anhänger abzuschieben, findet er in rechten Gruppierungen einen Sündenbock: Verboten werden sollen die Gruppen Bastion Social, Blood & Honour und Combat 18. Dies soll auf Bitte des jüdischen Dachverbandes (Crif) geschehen sein, an dessen Neujahrsempfang Macron am Mittwoch teilgenommen hatte.

Zensur des Internets gefordert

Die patriotischen Hausbesetzer von Bastion Social wurden verboten. | Foto: Screenshot Facebook (Bastion Social)

Während die in Deutschland seit Jahren verbotenen Netzwerke Blood & Honour und Combat 18 aus der politisch bedeutungslosen Neonazi-Subkultur stammen, trifft es mit Bastion Social identitäre Aktivisten, die nicht in dieses Bild passen wollen: Die Gruppe geht auf eine während der gewaltsamen Mai-Unruhen 1968 gegründete nationalrevolutionäre Studentenformation zurück, eine Art Anti-68er, die sich zwischenzeitlich mehrfach auflösten und zeitweise enge Kontakte zum Front National unterhielten. 2011 wieder zum Leben erweckt, sorgte diese „rechte APO“ vor allem mit sozial motivierten Hausbesetzungen für Aufsehen. Aktivistischer Anspruch der Globalisierungsgegner war es, nach dem Vorbild der italienischen Hausbesetzer von Casa Pound hilfsbedürftigen Franzosen ein Dach über dem Kopf zu bieten. Als erklärtes politisches Ziel nannte Sprecher Steven Bissuel die „Dekolonilaisierung Frankreichs“, dass „von oben durch die Oligarchie“ und „von unten durch die Masseneinwanderung“ kolonialisiert werde. Den Zusammenhang zwischen dem islamistisch motivierten Finkielkraut-Skandal und dem Verbot der rechten Oppositionsgruppe erläuterte der Staatschef nicht. So scheint die Debatte über Antisemitismus vielmehr ein willkommener Vorwand, schärfer gegen die Opposition vorzugehen, die eben jene politischen Zustände kritisiert, die wesentlich zum Erstarken der Judenfeindlichkeit geführt haben. Auch Macrons weitere Vorschläge zur Bekämpfung des Antisemitismus muten mitunter seltsam an: Beispielsweise sprach er sich für eine Art Klarnamenpflicht in sozialen Netzwerken und striktere Facebook-Verbote aus. Wer wegen antisemitischer, rassistischer oder – aufgepasst! – anderer Hasskommentare auffällig geworden sei, solle künftig in seiner Bewegungsfreiheit im Netz eingeschränkt werden. Dabei lobte Macron das umstrittene Netzdurchsetzungsgesetz, das seit 1. Januar 2018 in Deutschland gilt, als denkbares Vorbild.

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17 Kommentare

  1. Avatar

    Antijudaismus – die semitische Volksgruppe ist weit größer als die jüdische Religionsgemeinschaft und zu dieser gehören mittlerweile auch jede Menge Nichtsemiten, z.B. Khasaren – ist bei den muslimischen Völkern des Orients – zu einem großen Teil Semiten – weit verbreitet!
    Im Gegenteil zu früheren Zeiten, als Juden und orientalische Christen in diesen Ländern unbehelligt und geachtet leben konnten, gelten seit den Fehlern, die "der Westen" nach dem 1.WK gemacht hat, Juden, vor allem nach der Gründung des Staates Israels, der als UBoot des "Westens" gilt, grundsätzlich als Helfer der Feinde seit Kreuzzugszeiten! Die Aufteilung des als Vielvölkerstaat funktionierenden osmanischen Reiches unter Syes-Picot mißachtete sämtliche Völkergebiete und orientierte sich nur nach den Begehrlichkeiten der Siegermäche England und Frankreich, die nur auf die Bodenschätze und Geostrategie achteten.
    Mit aller Gewalt nacht "Rechten" zu suchen, soll nur helfen, vor den eigenen alten Fehlern die Augen zu verschließen!

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    Was soll das? Sich auf die Seite von pro-israelischen und anti-palästinensischen Hardlinern schlagen, um mal wieder Propaganda gegen den Islam machen zu können? Wie billig!!

    Merke: Wenn man gewalttätig gegen den Zionismus protestiert, dann ist man "Islamist", und wenn man verbal gegen den Zionismus protestiert, dann ist man "Antisemit". Wie billig!! Und das in einem Magazin, dessen Chefredakteur einst selbst große Probleme mit dieser "Doppelmoral" hatte.

    Es gibt in Frankreich keinen "Antisemitismus", und wenn es den gäbe, dann wäre er ungleich nichtiger als die dort grassierende Islamfeindlichkeit! Ich weiß das aus eigener Erfahrung vor Ort.

    Aber man kann hier offenbar schreiben was man will. Sehr ernüchternd!

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      Korrektur: Dass es in FR keinen Antisemitismus gäbe, das stimmt so natürlich nicht. War viel zu apodiktisch. Es gibt ihn natürlich, aber vornehmlich in den islamistischen Milieus.

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    …"zu älteren Frauen hingezogen fühlen und dann alles mit sich machen lassen." …
    ——————————————————————————————————————————–
    Zu älteren Frauen hatte ich mich auch mal hingezogen gefühlt … grins. Wie sang doch damals Peter Maffey, ich war 16 und sie 31 … lach !

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    Genau das ist es,was den Haß schürt:Wenn ein Dachverband von Ausländern (mit)bestimmt,welche Gruppen von Inländern verboten werden sollen.

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    Macrons axialer Satz: Der "Antisemitismus" [er meint Anti-Judaismus,Semiten sind die Islamischen Einwanderer meist auch. Man könnte die Anti-Islam-Hype zutreffend auch antisemitisch nennen] sei nicht das Problem der Juden [allein],sondern der gesamten Republik. Genau diese Behauptung habe Ich kritisiert,wurde nicht freigeschaltet. Es besteht da also eine gemeinsame Linie von "Compact" mit Macron. Der Pro-Judaismus hat inzwischen nicht nur einen Fuß,sondern sehr viel mehr in der Tür zu "rechten" Bewegungen.

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    Waldemar Wolkenbruch am

    David Engels‘ "Auf dem Weg ins Imperium" ist eine Pflichtlektüre, um den Konflikt zwischen Kapitalistenvertretern wie Macron und den "Populisten" zu verstehen: Der belgische Althistoriker Engels beschreibt darin den Konflikt der römischen Senatsoligarchie mit den "Volksvertretern", die dann die Republik abschafften. Diese Entwicklung sieht Engels auch für die EU kommen.

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    Antisemitismus?

    Ich kann es nicht mehr hören!

    Hasst derjenige, der einen oder mehrere Juden hasst, etwa alle Juden?

    Der Vorwurf "Antisemitismus" setzt logisch ein wie auch immer geartetes Kollektiv der Semiten voraus, zumindest einen kollektiven Semitismus. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass die Kämpfer gegen Anti-Semitismus eigentlich für Semitismus kämpfen. Oder war das immer schon so? Und da die Kämpfer gegen Anti-Semitismus gleichzeitig auch gegen Rassismus kämpfen wollen, dürfen sie ihren Semitismus dann auch nicht an rassistischen Kategorie festmachen. Was aber bleibt zur Bestimmung des Semitismus übrig, wenn das religiöse Moment im Judentum immer mehr schwindet?

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    Man gucke sich dieses grinsende xxxxxxxxx nur einmal an. Ein Lumpenhund wie er im Buche steht aber die Franzosen, die heute als Gelbwesten auf die Straße gehen, haben diesen Typen doch sicher auch mit gewählt. Die Quittung haben sie nun von diesem Finanzhai bekommen, geschieht ihnen recht !
    Und so etwas kriecht die Merkel in den Arsch !

    (Entschuldigung meiner deftigen Worte aber bei solchen volksverachtenden Ganoven kann ich nicht anders …)

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    brokendriver am

    "Macron" heißt das Problem für den Antisemitismus in Frankreich.

    Dieser "Präsident" der Superreichen und Banker muss weg.

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      brokendriver am

      Das frz. Volk ist hinter Macron her…er soll aus dem Amt gejagd werden.

      …gut so…

      Er wird gejagd, bis er mit seiner Oma-Lehrerin (65) aus dem Präsidentenpalast
      spurlos verschwunden ist…

      Die Franzosen können das. Haben sie 1789 zum Start der "Französischen Revolution"

      auch hinbekommen….

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        DerSchnitter_Maxx am

        Genau … denn wenn die Deutschen etwas nicht akzeptieren und hinnehmen wollen oder gegen etwas sind und ihren Unmut kundtun… sind es sofort Rechtspopulisten, Rechtsextreme, Rechte oder gar eben Nazis ! Das ist mega Polit-BULLSHIT … aber sowas von … Es geht hier nämlich nicht um irgendeine, dummdämliche, vorgeschobene, Ideologie, kolportiert von Nutznießern … sondern um Recht, Unrecht und Gerechtigkeit – PUNKT !

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        Dann sollten die Franzosen mit dem und seinesgleichen auch wie 1789 verfahren …

  10. Avatar
    Direkter Demokrat am

    Macron ist ein Paradebeispiel, welchen Typ Mensch die NWOler als Politiker gerne einsetzen. Devot von seiner Lehrerin abhängig, mit der er sogar eine Beziehung beginnt. Das ist typisch für leicht beeinflussbare, willenlose, nichts hinterfragende, spätpubertierende Männer, die sich zu älteren Frauen hingezogen fühlen und dann alles mit sich machen lassen. Deshalb ist Macron eine perfekte Marionette.

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      heidi heidegger am

      mein Lebensmensch mag mich äh d e n auch überhaupts so g a r nicht: ..der wäre ne hochbourgeois-schnöseliche Gaullistenerfindung, um die maritime Le Pen zu verhindern (gewesen) unn dat..

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