Anthropologe David Graeber: Ein Drittel aller Tätigkeiten sind „Bullshit-Jobs“

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Es ist ein Merkmal des (neoliberalen) Kapitalismus, dass er die Arbeit, den Job, die Erwerbstätigkeit von der Sinnfrage entkoppelt hat. Die Politik und ihre Arbeitsämter prügeln das Klientel noch in die albernsten Beschäftigungen – Hauptsache, die Arbeitslosenstatistik ist gesenkt. Die propagierte Leistungsgesellschaft“ fragt nicht nach dem inhaltlichen Wert der geforderten „Leistung“. Was Umsatz generiert, ist gerechtfertigt.

Jetzt hat der Anthropologe und ehemalige Occupy-Aktivist David Graeber, dessen Geschichte der Schulden („Schulden: Die ersten 5000 Jahre, 2011) internationales Aufsehen erregte, in seinem neuen Buch „Bullshit-Jobs – vom wahren Sinn der Arbeit” den ökonomischen Augiasstall ausgemistet: Überflüssige Tätigkeiten, von Graeber als „Bullshit Jobs“ bezeichnet, sind jene, deren Wegfall niemand bemerken würde. Nach zahlreichen Interviews, bei denen viele Befragte nicht mal den Sinn ihrer eigenen Tätigkeit erklären konnten, zog der Anthropologe sein Fazit: Ein Drittel aller Jobs sind gesellschaftlich sinnlos.

Dazu zählen so tolle Berufe wie Personalentwickler, Kommunikationskoordinatoren, Strategieberater oder alle Tätigkeiten im PR-Büro der Universität Oxford. Da stellt sich die Frage, inwieweit der heutige Kapitalismus eine effiziente Produktivität hervorbringt – eine, die der Gesellschaft von wirklichem Nutzen ist. Im Interview mit kontrast.at betont Graeber, wie sehr der Mensch seine selbstgeschaffenen Freiräume mit dem inneren Zwang zur puren Tätigkeit zerstört.

„Es wird ja viel darüber gesprochen, dass Roboter unsere Jobs übernehmen werden. Und vielleicht ist das ja schon längst der Fall – aber anstatt ein erfülltes Leben zu führen, erfinden wir immer neue sinnlose Jobs und Tätigkeiten – vor allem im Dienstleistungssektor“, moniert Graeber. Das Ansteigen prekärer Jobs (COMPACT berichtete) steigere keine Produktivität, sondern senke sie sogar. Leider habe der Arbeitsfetischismus jedoch alle politischen Lager befallen.

„Die Linke und die Rechte finden gemeinsam eines immer sehr wichtig: Das Schaffen von Arbeitsplätzen. Die Forderung nach weniger Jobs wäre politischer Selbstmord. Man kann nicht einmal anklingen lassen, dass es vielleicht Jobs gibt, die einfach sinnlos sind. Das klingt in unseren Ohren fast wie Ketzerei.“

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Graeber weiß: „Um Bullshit-Jobs aus der Welt zu schaffen, sollte man Menschen in eine Situation bringen, in der sie keine Bullshit-Jobs mehr annehmen müssen.“ Bleibt die Frage nach dem Wie. Eine derzeit populäre Antwort ist das bedingungslose Grundeinkommen. Aber dessen Einführung würde bereits eine weitreichende Abkehr vom Arbeitsfetischismus voraussetzen.

Über den Autor

21 Kommentare

  1. Jürg Rückert am

    Muss man als Anthropologe nicht einen reichen Vater haben, um sich ernähren zu können? Ist das Studium der Archäologie nicht ein Bullshit-Job? Würden wir ohne Weinbau nicht gesünder leben? Wäre ein Leben ohne Gefängnisse und Polizei nicht schöner? "Die meiste Zeit des Lebens, wartet der Soldat vergebens" (kein Feind da!) – ist das nicht besser so? Ist unsere Zeit vor dem Fernseher nicht zu 8/9 und unser Small-talk nicht zu 4/5 Bullshit? …
    Ansonsten hat er wohl recht.

    • Friedolin Semmelweiss am

      In der mittlerweile neoliberal-verunstalteten BRD entspricht der sogenannten Tertiärisierung
      schon längst keine Drittelung des Tätigkeitsmusters der Gesellschaft mehr – sondern der Dienstleistungsanteil beträgt weit mehr als 50%, wenn man den Menschen in seiner Tätigkeit betrachtet.

      – 80% der technischen Normalien werden aus Fernost importiert
      – 90% aller elektronischen Bauteile kommen aus Fernost
      – die Produktivität durch Computer in der BRD gesteuerte Anlagen ist so hoch,
      dass der Mensch selbst kaum noch als "produzierende Kraft" viel wiegt
      – die Übernahme von Tätigkeiten durch Computer im Dienstleistungssektor der Verwaltung selbst ist enorm hoch
      – es werden eigentlich nur noch Knöpfe gedrückt und nicht mehr gearbeitet

      Also sind wir längst dort angekommen, wo der Mensch als Arbeitsfaktor überflüssig geworden ist.

      Aber das Rentensystem – das Krankenkassensystem – das Arbeitsamtssystem benötigen viele kleine Hamster die in Rädern laufen.

  2. In der DDR war das nicht anders, viele Arbeitsplätze bestanden nur aus Nichtstun, denn in der Planwirtschaft gab es keine Arbeitslosen.
    Wir holen jede Menge – sagen wir mal nichts Arbeits und nicht Ausbildungsfähige – ins Land. Deren Profession ist wie in den VSA die Kriminalität. Als Krimineller braucht man nur eine Soziale Intelligenz wie die bei Naturvölkern besser entwickelt ist als bei Weißen und bei Asiaten.
    Eine technische Intelligenz ist denen nicht gegeben, weil die unwichtig ist wenn einem Tag für Tag die Bananen in den Mund wachsen.
    Was sollen die arbeiten, es gibt nur wenige Job´s im unteren Segment – angeborene Faulheit ist auch da fehl am Platz.
    Tante Google mal fragen Länderintelligenz – da schneiden die meisten Invasoren schlecht ab, nur der Navigationssinn ist gut entwickelt – die fliehen punkgenau ins deutsche Sozialamt.

    • DDR? Jein, Stopp das DDR Bashing, der Ossi dachte er hätte Bürokratie … bis Er in den Westen kam!

      – Investmentbanker, („die anderer Leute Geld Gassi führen”) und die ganzen „BWL-Schnösel” — Volker Pispers

      Bei unserer in Korl-Morx-Stödt #würsündmöhr hüpfenden Killifische musste ich mich an Neuroparasiten & Gehirnparasit erinnern.

      Risikofreude: Gehirnparasit häufiger bei BWL-Studenten · Dlf Nova

      Das ist kein Scherz:
      Wer BWL studiert, hat mit einer etwas höheren Wahrscheinlichkeit einen Parasiten im Gehirn als andere Studenten. Das berichtet ein internationales Forscherteam in einem Fachmagazin der Royal Society. Untersucht wurden knapp 1300 US-amerikanische Studenten.

      #i-love-messermänner

  3. Es gibt auch sinnlose Parteien, sinnlose Militärpakte sowie sinnlose Gesellschaftssysteme.Solange der Wahnsinn (Kapitalverbrecher) das Sagen hat wird sich daran nichts ändern.

  4. Mal ganz ehrlich:

    –> In Wrrkstätten für Behdinderte werden sinnvolle Produkte hergestellt,
    allerdings werden die dort tätigen Beschäftigten schlecht bezahlt und
    müssen oft noch Grundsicherung o.ä. beantragen.
    –> Ist DAS gerecht? <–
    Und wozu brauchen wir eigentlich “Genderbeauftragte“???

    • Duisburg Chefin von Behindertenwerkstatt kassierte 376.000 Euro Gehalt … wer braucht da noch Grundsicherung.
      Nix mit "schlecht bezahlt" … man / frau /sternchen / unterstrich muss halt nur Die Richtige Nase haben!
      Nasenpolitik

  5. Marques del Puerto am

    Habe die Ehre,

    das Deutsche Handwerk sind die wahren echten Jobs. Die Jungs die bei 35 Grad Hitze an der Autobahn stehen und Leitplanken montieren oder die Strasse erneuern, der Dachdecker der Schiefer an der Fassade anbringt, der Zimmermann der vom Denkmalschutz eine alte Kirche saniert, der Maurer, Trockenbauer, Fließenleger, der Offenbauer, der Tischler, der Feinmechaniker, der Schlosser, Schweißer, die Kranken und Altenpflegerin, die Menschen die für soziale Einrichtungen arbeiten, Friseurinnen die für 900 Flocken im Monat 10 h am Tag arbeiten gehen müssen , uva.
    Das ist der wirkliche echte Wirtschaftsmotor in der Steuerzahlerkolonie, das sind die , die am meisten Steuern zahlen und wenn es um ihre Rente geht am Ende vom Arbeitsleben die echten Betrogenen sind.
    Aus dem Grund haben wir auch so viele zweit und drittklassige Studenten die im weißen Hemd mit roter Krawatte um später Ihr Geld verdienen wollen. Weil mit echt harter körperlichen Arbeit kann man keinen Blumenpott mehr gewinnen und versaut sich nur den ganzen Tag.
    Für die werden Jobs geschaffen diese typischen Bullshit…
    Mit besten Grüssen

  6. Na,Ich dachte erst "Bullshit",aber dann mündet das Ganze ja doch in einem sehr klugen Gedanken:Bedingungdloses Grundeinkommen. Ein längst überfällige zivilisatorische Leistung, mit der die Kapitalisten ihren Kopf und Eigentum retten könnten. Aber dazu sind sie wohl zu doof,also, mir ist auch lieber,sie verlieren beides.

  7. Bullshit-Job ist in etwa das, was der Deutsche Volksmund
    mit Sesselfurzerposten umschreibt. (z.B. Politkaskadeur)

    Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass z.B. C. Roth oder die
    Göring-Eckardt ihren Sesselfurzer*Innen-Job aufgeben und
    eine sinnvolle Tätigkeit (Klo putzen beispielshalber) ausüben
    würden, nur um der Sinnlosigkeit und Tristesse zu entrinnen.
    Ein Job ist doch besser als kein Job, wenn er denn gut bezahlt
    wird, und ohne Job ist sowieso alles sinnlos.
    Da hülfe auch Börek backen in der freien Zeit nicht wirklich.

    Übrigens: Was macht ein studierter Anthropologe den lieben langen
    Tag über, wenn er nicht gerade sinnlose Bücher schreibt, also Bücher,
    die nur von einigen Soziologen oder anderen Sesselfurzer*Innen
    während ihrer Dienstzeit gelesen werden?

    • Semantisch falsch. Als Sesselfurzer bezeichnen die unteren Ränge neidvoll die oberen,die es geschafft haben,sich der stumpfsinnigen Maloche zu entziehen. Bullshit-Jobs sind dagegen einfach sinnlose,weil überflüssige Jobs,wie es ja auch im Artikel steht. Deren reale Existenz allerdings bezweifelt werden muß,denn die würde dem unerbittlichen Gesetz der Ökonomie widersprechen.

  8. Studien darüber sind nicht neu.

    Die Frage ist in der Tat, wie viel Arbeitsleistung real benötigt wird um die Realnachfrage zu bedienen.
    Alleine der Gang in den Supermarkt zeigt uns, ein enormes Angebot. In vielen Supermärkten gibt es Regale mit Produkten, welche kurz vor dem Ablaufdatum stehen und billiger angeboten werden. Aber nicht nur dort sehen wir ein Überangebot. Der Gang zum nächsten Autohaus. Gerne schaut man sich die neusten Fahrzeuge an und denkt sich, wie schön diese Autos doch da stehen…… wenn da nicht der Preis wäre. Also schaut man sich in den jeweiligen Internetbörsen nach Gebrauchtfahrzeugen um. Tja. Viele Autos, welche zwar nicht mehr modern sind…. aber mit ein wenig Pflege um der richtigen Instandsetzung, eigentlich alle noch brauchbar sind.

    Es gibt da Schätzungen, dass bei theoretisch gleichmäßiger Verteilung der Arbeit, jeder Mensch im Schnitt nur 20 Stunden in der Woche arbeiten müsste, um die Realnachfrage zu bedienen. Und das bei gleichbleibenden Renteneintrittsalter.

    • Natürlich produziert der Kapitalismus jede Menge überflüssiger Arbeit,damit er deren Früchte in seine Scheunen fahren kann. Zur Zufriedenheit der fleißigen Malocher,die brauchen das,weil sie sonst mit sich nichts anfangen könnten.

  9. Soziologen
    Politologen
    "Experten" (z.B. Rechtsextremismus-"Experten")
    Kriminologen (wie die Pfeiffe)
    Kulturschaffende
    Medienschaffende

    Der ganze arbeitsscheue Mist kann weg und zwar ersatzlos. Wird dem Steuer- und Gebührenzahler abgepreßt all das Geld, das in diese Taugenichtse gepumpt wird, die noch keine Minute ihres Lebens mit ehrlicher Arbeit verbracht haben genauso wie die Partei- und Gewerkschaftssekretäre der DDR- und BRD-Blockparteien und des FDGB!

  10. Das ist so wie mit einer Kuh die im Stall groß wurde und nix weiter tat als, vorne zu fressen, in der Mitte Milch zu geben und hinten zu schxxxxxn. Wenn man diese aus dem Stall in die Freiheit stellt, dann fällt sie zeitnah tot um. Denn es fehlt ihr an allem, was für das richtige Leben notwendig wäre. Und genauso ist das mit den Arbeits-Zombies dieser Gesellschaft.Die sind einfach mental entkernt und wüssten gar nichts mit dem Leben anzufangen, falls es mal zur Tür hinein schaute.

  11. Den größten „Bullshit-Job“ im untergehenden Deutschland praktiziert seit 16 Jahren CDU-Muslima-Merkel.

    Sie zerstört mit ihrer muslimischen Invasionspolitik das friedliche Zusammenleben in unserer deutschen

    Heimat.

    War heute drei Stunden in der Innenstadt unterwegs.

    Sechs Schwarz-Afrikaner liefen mir über den Weg.

    Das gab es früher nicht….

    Mir gefällt das nicht….

    Bestimmt gibt es Städte, gerade im CSU-Bayern, wo man sich fragt,

    lebt man schon in Schwarz-Afrika oder ist das noch Deutschland ?

    Warum holt Angela Merkel den Kontinent Schwarz-Afrika in unserer Land ?

  12. Im Groben mag die Auffassung stimmen
    (man denke nur an die vielen Soziologen,
    dir irgendwann bei der Antonio-Amadeo-Stiftung
    oder als Lehrer-Quereinsteiger enden),
    dennoch gibt es vereinzelte Strategieberater,
    die, mit Macht und Einfluss ausgerüstet, den Diskurs bestimmen
    und die Richtung vorgeben können.
    Wenn er kompetent ist, hätte ich nichts gegen einen Strategieberater zur Rettung Deutschlands.

    Die zweite Sache ist die mit dem bedingungslosen Grundeinkommen.
    Allein der Begriff erscheint mir noch bullshittiger als alle Bullshit-Jobs zusammengenommen:
    Ein guter Sozialist (Eigenwohl ist Gemeinwohl) hilft dem, der WIRKLICH Hilfe benötigt
    und sorgt nicht für müheloses Einkommen.
    Die jetzigen Mitarbeiter von ZDF und MDR
    könnten zu Arbeitseinsätzen eingesetzt werden wie:
    Befreiung der BRD-Slums von Graffiti, Dreck und Müll,
    Erdbeerenpflücken in der Pflücksaison,
    konsequente Ausweisung von Illegalen,
    gemeinsames Singen Deutscher Volkslieder usw.).

    • Lila Luxemburg am

      <i>… gemeinsames Singen Deutscher Volkslieder usw.)</i>

      Ein schöner … ein sehr schöner Gedanke – wie ich finde. Und die Gemeinsamkeit sollte natürlich auch identitätsübergreifend sein; also etwa: Polen, Tschechen, Russen und eventuell noch weitere auf Völkermord an Deutschen spezialisierte Völker aus Ostmittel- und Osteuropa singen gemeinsam mit türkischen, libanesischen … ach, eben einfach ‚arabischen‘ und schwarzafrikanischen Rappern doitsche Volxlieder. Davon hätte ich gerne eine Videoaufnahme! Oder auch zwei … man weiß ja nie. Damit ich mir in diesen finsteren Zeiten (Heizölpreise) immer mal wieder warm ums Herz werden lassen kann…

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