England wird gemeinhin als Mutterland des Fußballs angesehen. Doch auch Deutschland hat hier eine lange Tradition vorzuweisen, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Die Gründung des DFB im Jahr 1900 war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Ein Textauszug aus COMPACT-Spezial Nr. 17 «Nationalsport Fußball».

    Am 12. Dezember 1898 besiegt eine deutsche Mannschaft in Paris eine französische Auswahl mit 7:0. Die Truppe besteht aus fünf Berlinern, drei Berliner Gaststudenten, zwei Süddeutschen und einem Hamburger. 500 Zuschauer verfolgen das Spektakel. Zum Rückspiel kommt es nur einen Tag später. Die Franzosen bieten eine komplett neue Mannschaft auf und unterliegen erneut, diesmal mit 1:2.

    Seine Majestät Kaiser Wilhelm II. wird noch am selben Tag über den Erfolg informiert. Per Telegramm erreicht ihn die frohe Kunde in Potsdam: «Untertänigst unterbreiten die Vertreter des deutschen Fußballsports Berlins die gehorsamste Mitteilung, dass heute in Paris zum ersten Male eine aus allen deutschen Gauen zusammengesetzte Fußballmannschaft über einen hervorragenden französischen Fußballverein einen Sieg von 7:0 errungen hat.»

    Ein Jahr später – am 23. November 1899 – lockt eine fußballerische Auseinandersetzung zwischen Norddeutschen und einer englischen Auswahl 1.000 Zuschauer an die Kurfürstendamm-Rennbahn nach Berlin. Viel hat man von den angeblichen Fußball-Erfindern aus England schon gehört. Unsere Spieler bestaunen deren Tricks und Ballfertigkeiten und verlieren mit 2:13 Toren. Einen Tag später setzt es ein 2:10. Diese Ur-Länderspiele, organisiert von Walther Bensemann, Fußball-Pionier und späterer Gründer der Fachzeitschrift Kicker, sind die ersten ihrer Art und begründen die große deutsche Länderspieltradition. Ein Siegeszug des Fußballspiels folgt – und mehr als ein Jahrhundert später fasziniert der Volkssport noch immer Millionen Deutsche. Woche für Woche.

    Die eigentlichen Ursprünge des deutschen Fußballs sind kaum zu ermitteln, weil der Übergang vom Vorläufer Rugby allzu fließend ist. Es war jedenfalls ein Gymnasiallehrer aus Braunschweig namens Konrad Koch (1846–1911), der mit seinen Schülern im Jahre 1874 einen Fußballverein gründete und sogar eigene Regeln formulierte. Als ersten offiziellen deutschen Klub hat die Sportgeschichte den FC Hannover registriert. Der wurde 1878 aus der Taufe gehoben, allerdings spielte man dort ausschließlich nach Rugby-Regeln. Der erste tatsächlich reine Fußballverein entstand durch die Fusion des Hohenfelder SC mit dem Wandsbek-Marienthaler SC zum SC Germania Hamburg 1887, aus dem später der große Hamburger SV hervorgehen sollte.

    Wiege in Sachsen

    Damit befinden wir uns auch schon mittendrin in Zeiten, in denen es tatsächlich um Freude am Sport ging und weniger um die schnelle Mark. Es ging darum, Tore zu schießen und nicht zuerst darum, sie zu verhindern. Es gab auch so etwas wie eine Ur-Meisterschaft, die 1891 der Berliner Fußball-Klub Germania gewinnen konnte. Ein echter Meilenstein – vor allem mit Blick auf die Länderspielkultur und den später regelmäßigen Spielbetrieb – war jedoch die Geburtsstunde des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Jahr 1900.

    Die in Berlin erscheinenden Deutschen Sport-Nachrichten kündigten dessen Gründung am 18. Januar 1900 wie folgt an: «Das erfreuliche Emporblühen derjenigen Vereine, welche sich die Pflege der Rasenspiele zur Aufgabe gemacht haben, drängt mit Macht nach einem Zusammenschlusse. Der nach Leipzig einberufene deutsche Fußballtag will die Herstellung eines solch bedeutenden Unternehmens in die Wege leiten.»

    Am 28. Januar 1900 versammeln sich Delegierte von insgesamt 86 Vereinen und drei Verbänden in der Leipziger Gaststätte Mariengarten und heben mit 62:22 Stimmen den DFB aus der Taufe. Zum ersten Vorsitzenden wird wenig später Ferdinand Hueppe vom Deutschen Fußball-Club Prag gewählt. Fortan werden in Verantwortung des Verbandes die Rahmenbedingungen des neuen Sports in Deutschland entwickelt und geprägt. Unter seinem Dach wird es in den kommenden 118 Jahren sechs Weltmeister- und elf Europameistertitel sowie eine olympische Goldmedaille zu bejubeln geben, errungen von Männer- wie Frauenteams.

    Erster Champion des geregelten Spielbetriebs wird am 31. Mai 1903 der VfB Leipzig. Die Sachsen besiegen im Endspiel von Hamburg den DFC Prag mit 7:2. Die regelmäßig ausgetragenen Meisterschaften faszinieren bald immer mehr Deutsche. In den 1920er Jahren erweist sich der 1. FC Nürnberg als Seriensieger.

    Unvergessen ist das Endspiel von 1922, als der HSV den fränkischen Favoriten im Finale von Berlin Paroli bietet und auch nach stundenlanger Spielzeit kein Gewinner ermittelt werden kann. Beim Stand von 2:2 muss das Endspiel wegen einbrechender Dunkelheit abgebrochen und wiederholt werden. Elfmeterschießen gibt es damals noch nicht. Auch im Wiederholungsspiel in Leipzig (1:1) kann trotz zeitlich unbegrenzter Spielverlängerung («Wer das nächste Tor schießt, gewinnt») kein Sieger ermittelt werden. Schließlich wird der HSV zum Meister erklärt, weil die Nürnberger wegen Verletzungen und Roter Karten im zweiten Spiel weniger als acht Spieler zur Verfügung haben. Auswechselungen sind noch nicht vorgesehen. Der mächtige Nürnberger Klub protestiert energisch, bis die Hamburger schließlich auf ihren Titel verzichten. So gibt es im Jahr 1922 keinen deutschen Fußballmeister…

    Dies ist ein Auszug aus COMPACT-Spezial Nr. 17 «Nationalsport Fußball». Den vollständigen Text finden Sie im Heft. Zur Bestellung einfach auf das Bild unten klicken.

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