Anonymousnews liefert Patrioten ans Messer

42

Bundesweite Razzien gegen Kunden von Waffenhändler Mario Rönsch.

Seit einem halben Jahr führt das Webportal anonymousnews.ru eine private Fehde gegen COMPACT-Magazin. In beinahe wöchentlichem Rhythmus wurden Massenmails mit fingiertem COMPACT-Absender verschickt, im Internet Lügen über COMPACT verbreitet: Leitende Mitarbeiter würden mit dem Geheimdienst zusammenarbeiten, der Chefredakteur schlage seine Frau grün und blau, der Geschäftsführer sei bei der Stasi gewesen… Erlogen von A bis Z, und da es für Lügen keine Beweise gibt, schreckte anonymousnews auch nicht vor der Fälschung von COMPACT-Mails zurück, die als angebliche Belege präsentiert wurden.

Hintergrund: Der Betreiber von anoymousnews – eine Einzelperson namens Mario Rönsch, die nichts mit der internationalen Anonymous-Hackerbewegung zu tun hat – nimmt Rache an COMPACT, nachdem wir ihn als externen Dienstleister – zuständig für die Abo-Werbung von COMPACT auf Facebook – im Frühsommer 2016 gefeuert hatten. Dies war eine Reaktion unsererseits auf den Einstieg dieses Herrn Rönsch in Waffengeschäfte gewesen: anonymousnews.ru begann über den angeschlossenen Webshop „Migrantenschreck“ mit dem Verkauf von Waffen, die in der BRD verboten sind.

COMPACT hat deshalb schon frühzeitig vor Rönsch aka anonymousnews gewarnt. Einmal, weil wir jede Form von Gewalt in politischer Auseinandersetzung ablehnen. Zweitens, weil wir befürchteten, dass über den „Honigtopf“ Migrantenschreck verzweifelte oder gutgläubige Kunden angelockt werden, deren persönliche Daten dann von der Polizei mitgenutzt und zur Strafverfolgung verwendet werden, um vermeintliche „Rechte“ hinter Gittern zu bringen. Genau das ist jetzt geschehen, wie die Bildzeitung und andere Medien am 24.01. berichteten: Polizei und Zollbehörden haben in elf Bundesländern die Wohnungen und Geschäftsräume von insgesamt 29 Verdächtigen durchsucht. „Den Beschuldigten (25 – 72) wird vorgeworfen, 2016 in einem ausländischen Internet-Shop Waffen zum Verschießen von Hartgummigeschossen gekauft zu haben. Ihnen drohen wegen Verstößen gegen das Waffengesetz bis zu fünf Jahren Haft oder eine Geldstrafe,“ fasste Bild zusammen.

Waren das Kunden von „Migrantenschreck“? Mehr als wahrscheinlich. Ein Leser schrieb uns zeitgleich: „Bitte informieren Sie Ihre Leser, dass sie auf keinen Fall auf die Werbung von Migrantenschreck reinfallen sollen. Ich war Zeuge eines morgendlichen Überfalls auf eine Familie von zehn Mitarbeitern von Zoll und Polizei“.

Hätte sich COMPACT nicht rechtzeitig von dem Lügen-Anonymous Rönsch getrennt, wären wir mit Sicherheit von dieser Razzia auch betroffen und würden als „Partner“ dessen krimineller Praktiken angeklagt, vielleicht sogar verboten worden. Manche vermuten sogar, dass sich Rönsch genau zu diesem Zweck als Dienstleister an COMPACT herangepirscht habe: Um uns sein faules Waffen-Ei ins Nest zu legen, das dann dem Staat Vorwände zur Kriminalisierung von COMPACT geliefert hätte. Was unabhängig davon auffällig ist: Wieso geht der BRD-Staat nur gegen Kunden von Rönsch vor, nicht gegen Rönsch selbst? Zahlreiche Anzeigen – nicht nur von COMPACT! – sind aktenkundig, die Polizei kennt seinen Wohnort in Budapest. Hat jemand im Staatsapparat Interesse daran, den „Honigtopf“ Migrantenschreck weiter in Betrieb zu halten?

Alle Stellungnahmen von COMPACT gegen die Anonymous-Verleumdungen.

Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.

Empfehlen Sie diesen Artikel