Als Napoleon Europa mit Krieg überzieht, erwägt der preußische König die Kapitulation. Für seine Ehefrau kommt das nicht in Frage. Sie drängt auf Widerstand und führt nach der Niederlage höchstpersönlich die Verhandlungen mit dem Franzosenkaiser. Den Sieg von 1813 sollte sie nicht mehr erleben – dafür wird die bodenständige Monarchin postum zur Ikone der Nationalbewegung. Ein Auszug aus COMPACT-Geschichte 6 «Deutsche Frauen – die klügsten und tapfersten aus 2000 Jahren».

    Sie sei marginal, reaktionär, nicht traditionswürdig, befand 1987 ein führender Preußen-Historiker der DDR – ein vernichtendes Urteil! Doch auch im real existierenden Sozialismus geschahen zuweilen Wunder. Und so durfte ich knapp zwei Jahre später in Ost-Berlin eine durchaus wohlwollende Biografie über Königin Luise mit kapitaler Erstauflage veröffentlichen.

    Ein deutsches Schicksal

    Heutzutage wiederum ist es nahezu unmöglich, etwas Negatives über diese «schöne und geistreiche Frau» (Napoleon), diesen «Stolz der Weiber» (Blücher) herauszufinden. Selbst die immer zahlreichere Zunft von Psycho-Schreibern, welche die die Vergangenheit lediglich aus der Kammerdienerperspektive beschnüffelt und an jeder großen historischen Gestalt allzu menschliche Schwächen voller Schadenfreude anprangert, tut sich schwer mit der Preußenkönigin. Man darf hier Theodor Fontane zustimmen, der feststellte: «Mehr als von der Verleumdung ihrer Feinde hat Luise von der Phrasenhaftigkeit ihrer Verehrer zu leiden gehabt.»

    Luise, so schien es, war auf der Sonnenseite des Lebens geboren. Mit der jüngeren Schwester Friederike wuchs das Fürstenkind aus dem Hause Mecklenburg-Strelitz bei ihrer Großmutter in Darmstadt auf. Hier erfuhr sie fast alles, was ihre spätere Persönlichkeit ausmachte – Herzenswärme, Empathie, Menschenkenntnis, Familiensinn, Kinderliebe, – nur eines erhielt sie nicht: eine gediegene Bildung. Die stets unaufmerksame, verhuschte Schülerin hat später unter diesem Defizit sehr gelitten und versucht, es mit wahrem Feuereifer aus der Welt zu schaffen.

    „Deutsche Frauen. Die klügsten und tapfersten aus 2000 Jahren“:
    Vorstellung der neuen Ausgabe von COMPACT-Geschichte.

    Donnerstag, 7. März 2019, 19 Uhr
    Veranstaltung mit der Berliner Abgeordneten Jessica Bießmann, COMPACT-TV-Moderatorin Lisa Lehmann und Chefredakteur Jürgen Elsässer.
    In Falkenstein/Harz (genauer Ort wird den Angemeldeten mitgeteilt (Hier anmelden)

    Eine Liebesheirat mit Preußens Kronprinz Friedrich Wilhelm 1793 macht das Glück der 17-Jährigen zunächst vollkommen. In Berlin wird die schöne Luise voller Begeisterung empfangen. Sie ist anmutig, sanft, liebenswürdig, natürlich, charmant, ohne Allüren und Dünkel neben ihrem wortkargen, überforderten und oft unsicheren Gatten, darüber hinaus besitzt sie Schlagfertigkeit und Mut zur Entscheidung. Letzteres sollte noch eminent politische Dimensionen erreichen. Denn nach der verheerenden Niederlage 1806 bei Jena und Auerstedt gegen die Franzosen stürzte Preußen in die schwerste Krise seiner Geschichte. Der seit 1797 regierende Friedrich Wilhelm III. stand mehrfach kurz davor, sich Napoleon bedingungslos zu unterwerfen. Schließlich zog er Anfang 1807 die Flucht ins ostpreußische Memel vor. Auf dieser gefahrvollen Reise bei eisigem Schneesturm in einer offenen Kutsche zog sich die wahrscheinlich an Typhus schwer erkrankte Luise eine Lungenentzündung zu, an der sie früh sterben sollte.

    Modedame, Reformerin, Staatsfrau

    Mit all ihren Kräften stemmte sie sich gegen eine Kapitulation, forderte den König mehrfach nachdrücklich auf, «nur keinen schändlichen Frieden» zu schließen. Der schwedische Gesandte Gustav von Brinkmann bemerkte zu jener Zeit: «Die Königin hat nicht einen Augenblick Heldenmut und Standhaftigkeit verleugnet.» Während der spätere Staatskanzler Karl August von Hardenberg schrieb: «Auf ihre richtige Einsicht, ihren Patriotismus und ihr Ehrgefühl setze ich noch meine einzige Hoffnung.» Aus der unpolitischen Modedame (mit ihrem berühmten Halstuch setzte sie einen Akzent im damaligen Frauenkostüm) wurde allmählich eine verantwortungsvolle Staatsfrau. Zeitlebens trat sie für ein Bündnis mit Russland ein und das keineswegs nur wegen ihrer anfangs schwärmerischen Zuneigung für den hübschen Zaren Alexander I., sondern aus politischem Kalkül. Hellsichtig erkannte sie die Ursachen der preußischen Niederlage: «Wir sind eingeschlafen auf den Lorbeeren Friedrich des Großen, welcher, der Herr seines Jahrhunderts, eine neue Zeit schuf. Wir sind mit derselben nicht fortgeschritten, deshalb überflügelt sie uns.» (…) Ende des Textauszugs.

    Das neue Heft unseres Autors Jan von Flocken in der Reihe COMPACT-Geschichte. Zur Bestellung einfach auf das Bild klicken.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Den kompletten Artikel können Sie, reichhaltig illustriert, in COMPACT-Geschichte 6 «Deutsche Frauen – die klügsten und tapfersten aus 2000 Jahren» lesen. Zur Bestellung einfach auf das Bild oben klicken.

    5 Kommentare

    1. Zu den wenigen Tapferen, die nach der vernichtenden Niederlage bei Jena und Auerstedt die preußische Ehre wahrten, gehörte auch die Königin Luise. An der Seite ihres Gemahls mußte sie nach Ostpreußen fliehen, während Napoleon in Berlin einzog. Aber sie verlor den Mut nicht und richtete den König auf, daß er noch einmal im äußersten Winkel seines Landes den Widerstand wage:

      „Nur um Gottes willen keinen schändlichen Frieden!“

      Das erinnert an einen der heute jeden Tag verteufelt wird.
      Warum wohl?

      • Wen meinen sie denn? Den gröfaz…Nein das kann man wirklich nicht verstehen…schliesslich schuf er das Paradies wo jeder frei leben konnte und niemand Angst haben musste wegen seiner Meinung oder Religion im folterkeller zu verschwinden

        Und was für ein Friedens Engel er war…. führte aus purer Menschen liebe den ein oder anderen kleinen Feldzug mit dem ein oder anderen Verwundeten nur um seine liebe auf der Welt zu verbreiten

        Und alles kann man nachlesen in seinen wundervollen Schriften und liebevollen reden….nein ihn darf man nicht verteufeln

    2. heidi heidegger an

      aha! Was ich immer sage: Napoleon war ein *Homme à Femmes* bzw. ob er so beliebt war bei/in der Damenwelt? -keine ahnung!- aber er hatte ein Händchen -> frauenmässig und so..in Moskau büxte er jedenfalls aus, mit sich selbst hadernd, quasi: *oh! warum krönte ich meine zweite Frau nur nicht (rechtzeitig?) zur Kaiserin? Nun hockt sie umringt von Intriganten zu hause in Paris usw.* tja-ja: das ging doch schon Odysseus so ähnlich, gell?

      • Jeder hasst die Antifa an

        Napoleon wurde bei Leipzig besiegt und nicht nur Napoleon.sondern auch das SED Regime-aukidauki

        • heidi heidegger an

          eben eben eben. aber so’n kleinbürgerlich-anarchisches Connewitz hätt’s unter Wilhelm Pieck s o nicht gegeben wohl. tia-isso! grüßle!